🎙 Stockholm-Syndrom: Die Beziehung zwischen Geisel und Entführer.

In ihrem Vortrag behandelt Juliane Hornung die Entstehung und die gesellschaftlichen Implikationen des Stockholm-Syndroms, das in den 1970er Jahren erstmals als psychiatrisches Krankheitsbild beschrieben wurde.

Sie beschreibt, wie Geiseln emotional eine Beziehung zu ihren Entführern aufbauen können. Während dies in der Vergangenheit nicht als abnormal galt, wurde es in den 1970er Jahren, insbesondere im Kontext von Geschlechterrollen und Terrorismus, als problematisch angesehen.

Hornung argumentiert, dass die Diagnose des Stockholm-Syndroms mehr über die gesellschaftlichen Normen und Erwartungen der jeweiligen Zeit aussagt als über den Geisteszustand der Geiseln selbst. Der Vortrag beleuchtet auch, wie Medien und Geschlechterdiskurse die Wahrnehmung von Entführungsopfern beeinflussen und dass diese Dynamiken sowohl im 19. als auch im 20. Jahrhundert bestehen blieben.

Abschließend hebt Hornung die Bedeutung der emotionalen Abhängigkeit zwischen Geisel und Entführer hervor, die in der historischen Analyse von Entführungen eine zentrale Rolle spielt.


Podcastfolge „Entführer und Geisel – Wie das Stockholm Syndrom erfunden wurde“ vom –01.05.2026– aus dem Deutschlandfunk-Nova-Podcast „Hörsaal„.


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🎙 Eigentumselite: Wissen, Macht und soziale Strukturen.

In diesem Vortrag geht es um die Forschung von Isabell Stamm zur Eigentumselite in Deutschland.

Diese umfasst Familien mit einem Vermögen von über 100 Millionen Euro. Stamm führte Interviews mit diesen Familien und analysierte deren Eigentumsstrukturen sowie das innerhalb dieser Elite weitergegebene Wissen.

Sie betont, dass die soziale Position dieser Familien nicht nur durch finanzielles, sondern auch durch kulturelles und soziales Kapital geprägt ist. Dabei spielt das Verständnis von Eigentumsbeziehungen eine zentrale Rolle.

Die Eigentumselite nutzt spezifische Strategien zur Vermögenssicherung und -vermehrung über Generationen hinweg. Dadurch entwickelt sie eine sogenannte Eigentumskompetenz, die es ihr ermöglicht, ihre sozialen Bindungen und Machtstrukturen aufrechtzuerhalten.

Der Vortrag schließt mit der Erkenntnis, dass die Eigentumselite nicht nur durch ihr Vermögen, sondern auch durch ihre Praktiken und das damit verbundene Wissen als Klasse definiert wird.


Podcastfolge „Making Class – Das Wissen schwer reicher Familien“ vom –08.01.2026– aus dem Deutschlandfunk-Nova-Podcast „Hörsaal„.


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📔 ‚Cogito, ergo sum‘, ‚contradictio in se‘, ‚deus ex machina‘.

Dies ist die kurze Geschichte über einen Menschen, der mein Leben positiv beeinflusst hat.

Es war mein Deutschlehrer H., der Konrektor des Gymnasiums, ein sogenannter alter Knochen, geprägt durch die Erfahrungen der Nazi-, Kriegs- und Nachkriegszeit. Sein Tick waren lateinische Sprüche. Er war ein Lehrer, der die Klasse verstummen ließ, wenn er den Raum betrat. Ich hatte Probleme mit Autoritäten. Ich machte mich klein und hoffte, unsichtbar zu sein. Ich war einer der schlechtesten Deutschschüler. Bis zu dem einen Morgen nach der großen Pause.

In dieser Pause nahm ich meinen kleineren Klassenkameraden P. spaßeshalber unter den Arm. In der darauffolgenden Deutschstunde wurde P. übel und H. fragte ihn, ob er wisse, woher seine Übelkeit komme. P. berichtete von meinem Armgriff.

Danach wackelten die Wände. H. schrie mich an, machte mir die größten Vorwürfe und trug mir auf, bis zum nächsten Tag zwölf DIN-A4-Seiten zu beschriften. Zuhause angekommen, war ich außer mir. Ich bebte vor empfundener Ungerechtigkeit. Ich hatte lediglich in der Pause mit P. geflachst und ihn möglicherweise unglücklich gegriffen. Meine Eltern suchten das Gespräch mit H., und ich gab meine zwölf DIN-A4-Seiten ab. Dann geschah etwas Überraschendes.

In den folgenden Wochen und Monaten gehörte ich immer zu denjenigen, die ihre Deutschhausaufgaben vor der Klasse stehend vortragen mussten. Nicht, weil H. mich vorführen oder beschämen wollte, sondern, wie ich gleich beim ersten Mal merkte, weil er mich von nun an fördern wollte. Im Laufe der Zeit wurde ich zu einem guten Deutschschüler. Ohne H. wäre ich heute vermutlich ein anderer Mensch.

Unsere gegenseitige Sympathie ging sogar so weit, dass mein befreundeter Klassenkamerad R. und ich eine Radtour auf die andere Rheinseite unternahmen, um H. zu Hause überraschend zu besuchen. Wir wurden freundlich empfangen. Ich lernte, was der Spruch „Harte Schale, weicher Kern” bedeutet.

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🎙 Der Wolf im Paragraphenpelz: Wenn das Recht zur Waffe gegen die Demokratie wird.

In ihrem Vortrag analysiert Anna-Bettina Kaiser die Rückkehr des Staatsstreichs und kommt zu dem Schluss, dass moderne Demokratien zunehmend durch eine Kombination aus rechtlicher Regression und dem Missbrauch von Ausnahmezuständen gefährdet sind.

Dabei beschreibt sie den Trend zum „Autogolpe“, bei dem amtierende Machthaber versuchen, ihre Macht über die verfassungsmäßigen Grenzen hinaus zu sichern, indem sie pseudolegale Techniken und gezielte Einschüchterung einsetzen. In diesem Prozess dient das Recht oft als bloße Fassade für die systematische Aushöhlung demokratischer Substanz – ein Phänomen, das Kaiser als „autokratischen Legalismus“ bezeichnet.

Kaiser verweist auf „Gödels Loophole“ und betont, dass keine Verfassung der Welt absolut wasserdicht gegen solche Angriffe gebaut werden kann, da sie stets von den handelnden Personen abhängt.

Abschließend plädiert sie dafür, Verfassungsumstürze konsequent beim Namen zu nennen, um ihnen die Maske der Legalität zu entziehen und so die demokratische Resilienz zu stärken.


Podcastfolge „Staatsstreiche – Wie Verfassungen ausgehebelt werden“ vom –12.02.2026– aus dem Deutschlandfunk-Nova-Podcast „Hörsaal„.


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🎙 Gefangen im Feed: Wie Social Media unsere Psyche zu Geld macht.

In dem Vortrag wird die „Aufmerksamkeitsökonomie“ untersucht und erörtert, wie Social-Media-Plattformen gezielt psychologische Mechanismen einsetzen, um die Verweildauer der Nutzer zu maximieren.

Erläutert wird, dass Funktionen wie Algorithmen und Belohnungssysteme darauf ausgelegt sind, Dopamin-Schleifen zu aktivieren und so eine Abhängigkeit zu fördern. Ein zentraler Kritikpunkt ist das Paradoxon, dass „Mental Health“ zwar ein Trendthema auf diesen Plattformen ist, deren Struktur jedoch oft zu einer Verstärkung von Problemen wie Angstzuständen und Depressionen führt.

Zudem wird beleuchtet, wie die psychische Gesundheit der Nutzer durch die Kommerzialisierung von Selbstfürsorge und psychischen Belastungen zum reinen Geschäftsobjekt wird.

Abschließend plädiert der Beitrag für mehr digitale Mündigkeit und strukturelle Veränderungen, um die Psyche vor den ausbeuterischen Mechanismen der Plattformen zu schützen.


Podcastfolge „Digitale Diagnosen: Mental Health und Social Media – Das Geschäft mit unserer Psyche“ vom –26.06.2025– aus dem Deutschlandfunk-Nova-Podcast „Hörsaal„.


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🎙 Entpört euch richtig: Wie wir politische Wut in echte Veränderung umwandeln.

In ihrem Vortrag analysiert Prof. Hanna Klimpe, wie digitale Empörung auf Social Media oft rechtspopulistische Agenden stärkt, ohne dass dies beabsichtigt ist.

Der Grund: Plattform-Algorithmen belohnen emotionale Reaktionen mit massiver Reichweite. Sie kritisiert, dass reines „Awareness-Sharing“ häufig in einer akademischen Mittelklasse-Blase verharrt und durch Phänomene wie „News-Fatigue“ eher zu politischer Lähmung als zu realen strukturellen Veränderungen führt.

Ein zentraler Aspekt ist das „Repräsentationsparadox“: Hohe mediale Sichtbarkeit wird fälschlicherweise mit tatsächlicher politischer Macht verwechselt, was den Widerstand gegen marginalisierte Gruppen sogar noch verschärfen kann. Klimpe warnt vor der Falle der permanenten Reaktivität und plädiert für eine bewusstere, selektive Nutzung digitaler Kanäle, um nicht zum Spielball der Aufmerksamkeitsökonomie zu werden.

Abschließend fordert sie dazu auf, die digitale Wut in konkretes, lokales Offline-Engagement und institutionelle Arbeit zu überführen, um echte demokratische Wirksamkeit zu entfalten.


Podcastfolge „Hassen und teilen – Was Wut im Netz mit uns macht“ vom –07.11.2025– aus dem Deutschlandfunk-Nova-Podcast „Hörsaal„.


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🎙 Bestimmt dein Geburtsort deine Zukunft? Zeit, über Klassismus zu sprechen.

Der Vortrag handelt von „Klassismus”, einer Form der Diskriminierung, bei der Menschen aufgrund ihrer sozialen Herkunft oder ihres sozialen Status benachteiligt werden. Francis Seeck, Professorin für Theorien und Handlungslehre der Sozialen Arbeit mit Schwerpunkt Demokratie- und Menschenrechtsbildung an der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm, erklärt, dass Klassismus ähnlich wie Rassismus oder Sexismus funktioniert. Menschen, die arm sind oder in einem sozial schwachen Umfeld aufgewachsen sind, erfahren oft Diskriminierung, beispielsweise beim Zugang zu Wohnraum oder Bildung.


Podcastfolge „Klassismus – Der Stempel der sozialen Herkunft“ aus dem Deutschlandfunk-Nova-Podcast „Hörsaal“ vom 08.08.2025.


Ein Beispiel dafür ist, dass Vermieter in Wohnungsanzeigen angeben, dass sie nicht an Menschen vermieten, die Sozialhilfe beziehen. Auch die Lebenserwartung variiert stark zwischen reichen und armen Menschen: Letztere sterben im Durchschnitt acht bis zehn Jahre früher. Seeck betont, dass Klassismus oft mit anderen Diskriminierungsformen wie Rassismus und Sexismus verflochten ist.

In ihrem Vortrag thematisiert sie auch, dass Klassismus in der Gesellschaft oft nicht ernst genommen wird und dass es an der Zeit ist, diese Diskriminierungsform anzuerkennen und aktiv dagegen vorzugehen. Seeck fordert mehr Bewusstsein und Bildung zu diesem Thema, um Klassismus abzubauen und die gesellschaftliche Teilhabe aller zu fördern.

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🎙 Von Insekten zu lernen bedeutet, Antibiotikaresistenzen zu überwinden.

In dieser Podcast-Folge wird die Forschung zu Antibiotikaresistenzen beschrieben und erläutert, wie Insekten – insbesondere der Mehlkäfer – als Vorbild für die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden dienen können. Antibiotika sind wichtige Medikamente zur Behandlung von Krankheiten. Allerdings werden viele Bakterien resistent gegen sie, was ein großes Gesundheitsproblem darstellt.


Podcastfolge „Die cleveren Cocktails der Insekten gegen Bakterien“ aus dem Deutschlandfunk-Nova-Podcast „Hörsaal“ vom 17.10.2025.


Insekten verwenden eine Mischung antibakterieller Stoffe, sogenannte Cocktails, um Krankheitserreger zu bekämpfen. Diese Cocktails bestehen aus vielen verschiedenen antimikrobiellen Peptiden, die schnell wirken und es weniger wahrscheinlich machen, dass Bakterien Resistenzen entwickeln. Jens Rolff betont in seinem Vortrag, dass die Natur über Milliarden von Jahren bewiesen hat, dass Mischungen von Wirkstoffen effektiver sind als Einzelstoffe.

Forschungsergebnisse zeigen, dass antimikrobielle Peptide Bakterien schneller abtöten und dass die Wahrscheinlichkeit, dass Bakterien gegen diese Peptide resistent werden, geringer ist als bei herkömmlichen Antibiotika. Dies könnte eine vielversprechende Strategie im Kampf gegen antibiotikaresistente Keime darstellen.

Zusammengefasst zeigt die Podcastfolge, dass das Lernen von Insekten und deren natürlichen Abwehrmechanismen dabei helfen könnte, neue und effektivere Behandlungsmöglichkeiten gegen resistente Bakterien zu entwickeln.

Podcastfolge in neuem Tab hören: https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2025/10/17/deutschlandfunknova_antibiotikaresistenz_die_20251017_984b6918.mp3

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🎙 Bargeld ist und bleibt wichtig für die Gesellschaft und die Freiheit.

In ihrem Vortrag behandelt Heike Wörlen, Wirtschaftswissenschaftlerin bei der Deutschen Bundesbank, die Bedeutung von Bargeld in der heutigen Gesellschaft und warum es auch in Zukunft wichtig bleibt. Sie kommt zu dem Schluss, dass Bargeld trotz der zunehmenden Nutzung digitaler Zahlungsmethoden nach wie vor eine wichtige Rolle spielt.


Podcastfolge „Warum wir Bargeld auch in Zukunft brauchen“ aus dem Deutschlandfunk-Nova-Podcast „Hörsaal“ vom 12.12.2025.


Wörlen erklärt, dass Bargeld nicht nur für alltägliche Einkäufe verwendet wird, sondern auch als Wertaufbewahrungsmittel dient. Viele Menschen horten Bargeld zu Hause oder nutzen es in Krisensituationen, wenn digitale Zahlungsmethoden nicht verfügbar sind. Wörlen betont, dass Bargeld Datenschutz und Anonymität ermöglicht, was in einer zunehmend digitalen Welt wichtig ist.

Zudem hebt sie hervor, dass Bargeld für alle Bevölkerungsgruppen zugänglich ist, einschließlich Kinder und Menschen ohne technischen Zugang. Es fördert die finanzielle Bildung und das Verständnis für Geld. Wörlen warnt jedoch auch, dass Bargeld keine Selbstverständlichkeit ist und dass es wichtig ist, seine Nutzung und Akzeptanz zu fördern, um nicht in eine Zukunft zu geraten, in der Bargeld an Bedeutung verliert.

Abschließend appelliert sie, Bargeld zu schätzen und zu bewahren, da es ein unverzichtbarer Teil des Zahlungssystems ist und Freiheit, Sicherheit sowie Teilhabe bietet.

Podcastfolge in neuem Tab hören: https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2025/12/12/deutschlandfunknova_cash_warum_wir_bargeld_20251212_50cb017d.mp3

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Die Bundeswehr hat einen Schüler angezeigt. Bestrafe einen, erziehe hundert? |

Die Bundeswehr hat einen Schüler angezeigt, der nach dem Besuch eines Jugendoffiziers ein kritisches Meme veröffentlicht hat. Dies wirft Fragen zur Rolle der Bundeswehr in Schulen sowie zur Meinungsfreiheit auf.

Nach dem Besuch eines Jugendoffiziers der Bundeswehr an einer Freiburger Schule hat die Bundeswehr einen Schüler angezeigt, der ein kritisches Meme auf Instagram gepostet hatte. Dies führte zu Ermittlungen wegen Beleidigung. Der Schüler hatte bereits vor dem Besuch eine Schülerzeitung gegründet, um gegen den Vortrag zu protestieren. Es gibt Bedenken, dass die Anzeige der Bundeswehr darauf abzielt, Kritiker einzuschüchtern. Das Vorgehen wirft Fragen zur Verantwortung von Schulen auf, die der Bundeswehr Auftritte in ihren Einrichtungen ermöglichen, und fordert Lehrer zur Zivilcourage auf.

»Bundeswehr-Anzeige gegen Schüler produziert PR-Gau und stellt Schulbesuche der Jugendoffiziere in Frage – Nach dem Besuch eines Bundeswehr-Jugendoffiziers in einer Freiburger Schule hat die Bundeswehr Berichten zufolge einen kritischen Schüler angezeigt. Die Polizei ermittelt wegen Beleidigung gegen ihn. Das Verteidigungsministerium dementiert die Anzeige des Schülers durch die Bundeswehr.«, 31.10.2025, https://norberthaering.de/bundeswehr-anzeige/