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Die großen Denker mögen behaupten, dass wir dazu verdammt sind, unser ganzes Leben lang in völliger Isolation zu fristen und dass die Vorstellung von wahrer Begleitung nichts als ein trügerisches Trugbild ist. Doch an jenem verborgenen Zufluchtsort, der nur uns beiden gehört und dessen tiefstes Geheimnis niemand ahnt, verliert der universelle Schmerz der Einsamkeit seine schneidende Härte.
Zwar verschwindet die Einsamkeit nicht vollständig, wenn ich an deiner Seite bin, doch sie verändert sich. Wenn wir zu zweit verweilen, tritt eine neue, sanftere Wahrheit zutage. Du sprichst von den schattigen Bäumen, deren Silhouette in der Dunkelheit noch bedrohlich wirkte. Doch nun, im hellen Tageslicht, ruhen wir geborgen unter ihrem Blätterdach. Die Äste wiegen sich im Takt der Brise und die Einsamkeit, die einst so erdrückend schwer war, schwingt nun friedvoll und leise mit uns mit.
Von deiner intuitiven Kunst, zwei Seelen zueinanderzuführen, wussten jene weisen Philosophen ganz sicher nichts. Du verknüpfst scheinbar mühelos Lebenslinien, die auf derselben Achse fluchten, bis sie in einem gemeinsamen Fluchtpunkt verschwinden – jenem Weg, auf dem wir uns nun endgültig gefunden haben.
Wir mögen noch immer dieselben unperfekten Gestalten sein, die immer wieder straucheln und jedes Mal viel zu wenig von dieser zerbrochenen Welt zu retten vermögen. Doch während wir gemeinsam im wehenden Wind auf den weiten Wiesen liegen, sammeln wir unsere Liebe ein wie leise, vertraute Lieder. Denn in all unserer Fehlerhaftigkeit spüren wir eine tiefe, unerschütterliche Gewissheit: Wir sind nicht mehr allein.
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Es gehört viel dazu, einen Mann zu kennen. Noch viel mehr, ihn zu verstehen: den Krieger, den Weisen und den zornigen kleinen Jungen in ihm. Und es gehört viel dazu, eine Frau zu begreifen – das Summen in ihr, die Biene und den Stich, das Mädchen mit Flügeln, das sich nicht fangen lässt.
Wir schlüpfen in Rollen: Vater und Sohn, Mutter und Kind, Jäger und Waffe, Muse und Verfall. Kein Mensch ist nur eines. Jeder ist ein Haus mit vielen Zimmern und manche Türen öffnen sich erst, wenn man lange genug wartet.
Viel gehört dazu, zu geben. Um Hilfe zu bitten. Bei sich zu bleiben. Das eigene Leben zu lieben, mit allem, was darin wohnt. Zu atmen. Zu berühren. Zu spüren, wie langsam sichtbar wird, was ein anderer Körper braucht.
Dann stellt sich die Frage, die nicht loslässt: Wovor hast du Angst, es zu verlieren? Was fürchtest du, würde geschehen, wenn du es wirklich loslässt? Was trägst du mit dir herum? Und was erkennst du, wenn das Lachen verstummt?
Vielleicht ist Nähe kein Wissen, sondern ein Aushalten. Ein leises Sich-Zeigen. Ein Atemzug nach dem anderen, bis zwei Menschen einander nicht mehr erklären, sondern endlich wahrnehmen.
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Sein. Einfach nur sein. Bequem sitzen. In Stille. In ununterbrochener Stille. Gedanken. Ertragen. Die eigenen ungefilterten Gedanken ertragen. Ablenkung, Ohne Ablenkung. Ohne sofort nach einer Ablenkung zu suchen und zu greifen. Einsamkeit. Bewusste Einsamkeit.
Dem Gehirn den nötigen Raum geben, um komplexe Gefühle zu entwirren. Die Eindrücke des Tages zu verarbeiten. Unterscheiden, was mir tatsächlich wichtig ist und was mir von außen aufgedrückt wird.
Eine Stunde ohne digitale Stimulation. Ohne Bildschirm. Vielleicht einmal einen Tag lang?
Pausieren. Nicht reflexartig nach Beschäftigung suchen.
Einsamkeit bzw. Stille planen.
Ganz allein mit meinen eigenen Gedanken sein.
Aufhören auf das Leben zu reagieren. Stattdessen beginne ich, es aus einer mit mir verbundenen Haltung heraus aktiv zu gestalten.
Welche Fähigkeit fürs Leben wird deiner Meinung nach total unterschätzt?
Ich fühle mich auf der körperlichen Ebene richtig lebendig, wenn ich mich ausgepowert habe. In meiner Jugend waren es lange Fahrradtouren oder Läufe bergauf und bergab. Beim Fußballspielen. Später blieb nur das Laufen. Nach einer sehr langen Ruhephase gab es diesen einen Moment am 12. Oktober eines Jahres, in dem ich wieder mit dem Laufen begann. Ausgepowert kam ich zu Hause an, war überglücklich und fühlte mich richtig lebendig.
Auf der geistigen Ebene fühle ich mich lebendig, wenn ich gefordert werde. Wenn ich ein oder mehrere Probleme durchdenken muss, wenn ich etwas Komplexeres organisieren muss oder schwierige Gespräche führe. Wenn ich dabei meine „Betriebstemperatur” erreiche, fühle ich mich wirklich lebendig. So geschah es in der vergangenen Woche, als ich zwei Personen dabei half, gegen die unsäglichen Hürden der Bürokratie im Jobcenter zu kämpfen und Eingliederungshilfe bei der Kreisverwaltung oder BAföG beim Amt für Ausbildungsförderung zu beantragen.
Auf der seelischen Ebene fühle ich mich richtig lebendig, wenn ich eine Seelenverwandte treffe, mich verliebe oder mich mit jemandem unterhalten kann, sodass die Worte nur so fliegen. Insgesamt fühle ich mich lebendig, wenn sich ein Kontakt oder eine Beziehung leicht anfühlt.
Welcher Moment in deinem Leben hat dich so richtig lebendig fühlen lassen?
Aha – Lifehacks sind also clevere Tricks, Kniffe oder unkonventionelle Methoden, die alltägliche Aufgaben erleichtern, Probleme effizient lösen oder Zeit und Geld sparen. Der Begriff setzt sich aus den englischen Wörtern „Life” (Leben) und „Hack” (technischer Kniff) zusammen und bezeichnet häufig die zweckentfremdete Nutzung gewöhnlicher Gegenstände.
Grundsätzlich schaue ich nicht bewusst nach Lifehacks. Ich weiß jedoch, dass es z. B. auf YouTube oder Instagram unzählige Videos mit solchen Kniffen gibt. Auf Instagram war ich fasziniert davon, was im handwerklichen Bereich alles möglich ist.
Ein genutzter Lifehack ist es, die Rollläden bei Minustemperaturen herunterzulassen, um im Winter ein wenig Gas zu sparen. Danach erhöht sich die Raumtemperatur tatsächlich um ein bis zwei Grad.
Ich koche Tiefkühlgemüse nicht mehr mit Wasser im Kochtopf, sondern mit ca. einem Esslöffel Wasser in der abgedeckten Bratpfanne. So kann ich nacheinander und gleichzeitig z. B. Gnocchi zuerst anbraten und anschließend Gemüse garen und zum Schluss die Soße erwärmen.
Ein weiterer praktischer Lifehack war der Tipp, Spargel im Backofen zu „garen”, da ich keinen geeigneten Kochtopf hatte und Fettspritzer aus der Bratpfanne vermeiden wollte.
Ihr lest also, dass ich nur wenige Lifehacks im Alltag wirklich anwende.
Das Zitat in der Überschrift wird oft Albert Einstein zugerechnet.
Was er tatsächlich und sinngemäß sagte:
„Es lässt sich kaum leugnen, dass das oberste Ziel jeder Theorie darin besteht, die nicht weiter zerlegbaren Grundelemente so einfach und so wenige wie möglich zu gestalten, ohne dabei auf die angemessene Darstellung auch nur eines einzigen Erfahrungsdatums verzichten zu müssen.”
Nachtrag: Ich esse gerne Nussmuse auf einem Brötchen oder Toastbrot. Beim ersten Öffnen der Gläser hat sich das Öl oben abgesetzt und das Mus muss vermischt werden. Das ist mit einem Teelöffel sehr kräftezehrend. Gemini hat mir den Handmixer-Trick empfohlen. Dabei wird nur ein Knethaken in den Mixer gesteckt. Das Glas wird mit einer Hand gut festgehalten und der Haken vorsichtig bis ganz nach unten auf den Glasboden geführt. Dann wird der Mixer auf niedrigster Stufe eingeschaltet und der Haken langsam auf- und ab bewegt. In wenigen Sekunden ist die Masse cremig. Wenn das Nussmus anschließend im Kühlschrank aufbewahrt wird, trennen sich Mus und Öl nicht mehr.
Tauschen! Nicht einfach für eine Woche jemand anderes sein. Eine fiktive Figur taucht für eine Woche in mein Leben ein. Das will gut überlegt sein!
Hannibal Lecter wird es eher nicht.
Da ich den Zauberberg von Thomas Mann als Langzeitprojekt lese, würde ich gerne mit der fiktiven Figur Hans Castorp eine Woche das Leben tauschen. Er würde an meiner Stelle wohl keinen großen Schaden anrichten, und ich könnte das Sanatorium in den Bergen mit seiner illustren Schar an Patient:innen und Ärzten kennenlernen.
Mir gefällt, dass Thomas Mann seinen Protagonisten selbst als das „Sorgenkind des Lebens” bezeichnete. Hans Castorp zeichnet sich durch seine völlige Unauffälligkeit aus. Das gefällt mir. Er verkörpert wie ich die Mittelmäßigkeit. Er lässt die Dinge auf sich zukommen. Er ist ein Zuhörer. Ich fände es interessant, im Liegestuhl zu liegen und die philosophischen Diskurse um mich herum wie ein Schwamm aufzusaugen. Seine melancholische Ader gefällt mir. Ich wäre gespannt, ob auch ich mich in die kranke Russin Clawdia Chauchat verlieben würde.
Was wäre, wenn ich am Ende dieser Woche nicht mehr in mein altes Leben zurück wollte?
Damals wie heute stehen wir am Vorabend eines großen Krieges und Leidens. Ob Hans Castorp einiges bekannt vorkommen würde?
Tägliche Schreibanregung
Wenn du für eine Woche mit einer fiktiven Figur das Leben tauschen müsstest – wen würdest du wählen?
If you had to switch lives with a fictional character for a week, who would you choose? | Wenn du eine Woche lang das Leben einer fiktiven Figur führen müsstest, wen würdest du wählen?
Meine längste Reise begann mit meiner Geburt und wird bis zu meinem Tod andauern. Was danach kommt, weiß man nicht. Vielleicht hat unsere Reise sogar lange vor der Geburt begonnen und führt über den Tod hinaus. Die Lebensreise ist die längste Reise, auf der ich mich befinde.
Als wer wurde ich geboren? Zu wem wurde ich gemacht? Wer bin ich? Wer möchte ich sein?
Nach dem heutigen Erkenntnisstand der Wissenschaft wurde ich mit einer 40- bis 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit als introvertierter Mensch geboren.
Ich war meinen Eltern zu ruhig. Sie machten mir deutlich, dass das nicht gut ist, und gaben mir so viele Anreize, dass ich mich allmählich extravertiert verhielt. Natürlich unbewusst. Das ist der 50- bis 60-prozentige Einfluss meiner Umwelt.
Ab der Zeit der Pubertät spürte ich eine gewisse innere Ambivalenz und Unruhe, die ich mir nicht erklären konnte.
Erst sehr viel später, in der Begegnung mit einer zutiefst introvertierten Person, die entsprechend ihrem Temperament lebte und für deren Eltern Introversion etwas Normales war, erkannte ich meine eigene Introversion.
Ich häute mich also, lege die mich erschöpfenden extravertierten Anteile nach und nach ab und pflege meine introvertierten Anteile. Mein ambivalentes Gefühl verschwand und ich wurde ausgeglichener.
Darüber hinaus gibt es noch so viel mehr, was es auf der Lebensreise zu entdecken gibt: Sie erweitert meinen Horizont, erhält meine Flexibilität, lässt mich meine Gewohnheiten immer wieder anpassen, aus den Erfahrungen anderer lernen und offen bleiben für Veränderungen.
Tägliche Schreibanregung
Was war die längste Reise, die du je gemacht hast?
Wenn ich ein Jahr meines Lebens noch einmal erleben könnte, wäre es nicht das Jahr, in dem ich etwas besonders Schönes erlebt habe, um das Schöne noch einmal zu erleben. Und es wäre auch nicht das Jahr, in dem ich etwas besonders Fieses erlebt habe, um das Fiese vielleicht verhindern oder umgehen zu können.
Nein, ich würde mich für ein Jahr entscheiden, in dem die Weichen für mein zukünftiges Leben gestellt wurden. Natürlich mit dem Erfahrungsschatz von heute.
Vielleicht wäre es das Jahr, in dem ich die Wahl hatte, vom fünften Schuljahr der Hauptschule aufs Gymnasium zu wechseln. Ich hatte mich damals fürs Gymnasium entschieden. Heute würde ich mich vermutlich für den Verbleib auf der Hauptschule entscheiden und nach der Hauptschule zur Mittleren Reife oder zum Abitur weiterlernen.
Vielleicht wäre es das Lebensjahr, in dem ich die Wahl gehabt hätte, nach der Mittleren Reife die Oberstufe hin zum Abitur zu durchlaufen. Mein ganzes Umfeld wollte, dass ich eine Ausbildung mache: Meine Eltern, weil sie mich während eines Studiums nicht finanziell unterstützen wollten und lieber sofort Kostgeld kassieren wollten, und die Schule, weil sie aus allen Nähten platzte. Damals hatte ich noch nicht das Bewusstsein und auch nicht das Rückgrat, um anders zu entscheiden.
Vielleicht wäre es das Lebensjahr, in dem ich mich von meiner langjährigen Liebsten trennte. Ich tat es zugunsten einer neuen Liebe.
Vielleicht wäre es das Jahr, in dem ich einer Frau begegnete, einer temporären Kollegin, in die ich mich hoffnungslos und limerent verliebte. Sie sprach klar aus, dass sie meine Liebe nicht erwidern würde. Danach chatteten wir drei Monate lang jeden späten Abend und während der Arbeit per E-Mail. Was sie mir verschwieg, war, dass ihre Hochzeit unmittelbar bevorstand. Ich erfuhr es von Dritten, nachdem sie den Kontakt vor ihrer Hochzeit abrupt abbrach. Einer meiner Werte war und ist, mich nicht in bestehende Beziehungen zu drängen – egal, wie stark meine Gefühle sind. Mit dem Wissen von heute hätte ich Distanz zu ihr gehalten. Es hätte mir eine lange Zeit der Trauer erspart. Es hatte auch etwas Gutes. Durch diese Begegnung war ich plötzlich mit meinen Gefühlen verbunden.
Ich möchte kein Jahr meines Lebens noch einmal erleben. In der Quintessenz ist es gut, wie es war.
Tägliche Schreibanregung
Wenn du ein Jahr deines Lebens noch einmal erleben könntest – welches wäre das?