🎶 „In letzter Zeit“, sagt sie, „habe ich das Gefühl, mein Leben …“

Es war ein Morgen, der geradewegs aus einem alten Schwarz-Weiß-Film zu stammen schien, an einem Ort, an dem die Zeit den Atem anzuhalten und sich rückwärts zu drehen schien. Wie ein schattenhafter Fremder schlenderst du gedankenvoll und fast unsichtbar durch die Menge, bis du plötzlich aus dem blendenden Sonnenlicht trittst. Ihr Seidenkleid weht im Laufschritt um sie herum, fließend und flüchtig wie ein Aquarellbild, das im Regen zerfließt. Sie verlangt keine Erklärungen, sie ist einfach da – eine unerwartete Naturgewalt im Jahr der Katze.

https://youtu.be/Ak_MTXQALa0

Bevor du auch nur eine Frage stellen kannst, hat sie sich bereits bei dir eingehakt. Du folgst ihr und verlierst mit jedem Schritt ein wenig mehr das Gefühl dafür, woher du kamst und wohin du eigentlich gehen wolltest. Vorbei an blau gefliesten Wänden und nicht weit von den lebhaften Marktständen entfernt, führt sie dich zielsicher zu einer verborgenen Tür. Ihre Worte sind ein leises Raunen, das dich umfängt: „Das Leben ist ein rastloser Fluss, der unaufhaltsam durch uns hindurchströmt.“

https://open.spotify.com/intl-de/track/5jYYumalS1qELrcChOCZrK

Ihr Blick trifft dich mit einer kühlen, unergründlichen Ruhe, und in ihren Augen spiegelt sich das fahle Mondlicht auf dem nachtschwarzen Meer. Umhüllt vom schweren, erdigen Duft nach Weihrauch und Patschuli lässt du jede Gegenwehr fallen. Du gibst dich vollkommen hin, um das Geheimnis zu ergründen, das im Schatten auf dich wartet.

https://link.deezer.com/s/34ONUfNKuvRVZ4ibtcxQa

https://music.apple.com/us/song/year-of-the-cat/160423223

Wenn schließlich der nächste Morgen dämmert, bist du noch immer bei ihr. Der Reisebus ist längst abgefahren, die Touristen sind weitergezogen. Du hast deine Pläne verworfen, dein Ticket achtlos weggeworfen und dich bewusst gegen das Geordnete entschieden. Auch wenn tief in dir das leise Wissen ruht, dass du sie eines Tages wieder verlassen musst, schwingt der Nachhall dieser Nacht in dir weiter. Der Rhythmus dieses neu geborenen Tages pocht in deinen Adern und in diesem flüchtigen Augenblick bleibst du.

rueckzuginsprivate.de weist darauf hin, dass die Inhalte der geteilten und zusammengefassten Artikel die Ansicht der verlinkten Websites wiedergeben. Diese Ansicht muss nicht mit der Meinung von rueckzuginsprivate.de übereinstimmen.

„CC BY-NC-SA“-Lizenz öffnet sich in einem neuen Tab: https://rueckzuginsprivate.de/cc-lizenzierung-cc-by-nc-sa/

📔 ‚Cogito, ergo sum‘, ‚contradictio in se‘, ‚deus ex machina‘.

Dies ist die kurze Geschichte über einen Menschen, der mein Leben positiv beeinflusst hat.

Es war mein Deutschlehrer H., der Konrektor des Gymnasiums, ein sogenannter alter Knochen, geprägt durch die Erfahrungen der Nazi-, Kriegs- und Nachkriegszeit. Sein Tick waren lateinische Sprüche. Er war ein Lehrer, der die Klasse verstummen ließ, wenn er den Raum betrat. Ich hatte Probleme mit Autoritäten. Ich machte mich klein und hoffte, unsichtbar zu sein. Ich war einer der schlechtesten Deutschschüler. Bis zu dem einen Morgen nach der großen Pause.

In dieser Pause nahm ich meinen kleineren Klassenkameraden P. spaßeshalber unter den Arm. In der darauffolgenden Deutschstunde wurde P. übel und H. fragte ihn, ob er wisse, woher seine Übelkeit komme. P. berichtete von meinem Armgriff.

Danach wackelten die Wände. H. schrie mich an, machte mir die größten Vorwürfe und trug mir auf, bis zum nächsten Tag zwölf DIN-A4-Seiten zu beschriften. Zuhause angekommen, war ich außer mir. Ich bebte vor empfundener Ungerechtigkeit. Ich hatte lediglich in der Pause mit P. geflachst und ihn möglicherweise unglücklich gegriffen. Meine Eltern suchten das Gespräch mit H., und ich gab meine zwölf DIN-A4-Seiten ab. Dann geschah etwas Überraschendes.

In den folgenden Wochen und Monaten gehörte ich immer zu denjenigen, die ihre Deutschhausaufgaben vor der Klasse stehend vortragen mussten. Nicht, weil H. mich vorführen oder beschämen wollte, sondern, wie ich gleich beim ersten Mal merkte, weil er mich von nun an fördern wollte. Im Laufe der Zeit wurde ich zu einem guten Deutschschüler. Ohne H. wäre ich heute vermutlich ein anderer Mensch.

Unsere gegenseitige Sympathie ging sogar so weit, dass mein befreundeter Klassenkamerad R. und ich eine Radtour auf die andere Rheinseite unternahmen, um H. zu Hause überraschend zu besuchen. Wir wurden freundlich empfangen. Ich lernte, was der Spruch „Harte Schale, weicher Kern” bedeutet.

=> Weitere „dailyprompts“ aller Blogger:innen: LINK

„CC BY-NC-SA“-Lizenz öffnet sich in einem neuen Tab: https://rueckzuginsprivate.de/cc-lizenzierung-cc-by-nc-sa/