In diesem Gespräch geht es um die Situation von Migranten in Ceuta, einer spanischen Enklave, sowie um die Reaktionen Europas auf die Flüchtlingskrise. Der Philosoph Daniel Loick äußert sich besorgt über die abnehmende Solidarität und den zunehmenden Rassismus in der Gesellschaft. Er stellt fest, dass die politische Reaktion auf die Flüchtlingskrise vor allem auf Abschottung und Rückführungen setzt, während Menschlichkeit und Mitgefühl oft in den Hintergrund gedrängt werden.
Ich glaube, wir sind zunächst einmal als Menschen, einfach als menschliche Lebewesen, empathische Lebewesen.
Also das ist zentral für unsere schon frühkindliche Sozialisation, dass es diese Fähigkeit gibt, Anteil zu nehmen am Schicksal von anderen.
Erst die Empathielosigkeit ist etwas, das wir uns antrainieren müssen. Also wir müssen uns die Empathie sozusagen abgewöhnen.
Und das passiert, glaube ich, durch bestimmte politische Strategien und Bilder, Sprachen, Kommunikationen, dass dann eben dieser ursprüngliche empathische Impuls abgetötet wird oder kanalisiert wird, gelenkt wird, sodass er dann eben selektiver wird.
~ Daniel Loick (* 1977), deutscher Philosoph und Sozialwissenschaftler. Er ist Associate Professor für Politische Philosophie und Sozialphilosophie an der Universität Amsterdam.
Loick vergleicht die aktuelle Situation mit der großen Flüchtlingskrise von 2015, als viele Menschen bereit waren, Flüchtlinge zu unterstützen. Heute sei die Empathie selektiver geworden und richte sich oft nur noch an bestimmte Gruppen von Migranten. Dies sei teilweise auf rassistische Einstellungen zurückzuführen.
Loick argumentiert, dass Empathie nicht nur ein Gefühl ist, sondern auch in politisches Handeln übersetzt werden muss. Wichtig sei es, Menschen als Träger von Rechten und nicht nur als Empfänger von Hilfe zu sehen. Loick fordert deshalb die Schaffung gesellschaftlicher Strukturen, die es ermöglichen, Empathie in politisches Handeln umzusetzen, um eine offene und solidarische Gesellschaft zu fördern.
Aus dem Interview „Migranten in Ceuta – Philosoph: Europa erlebt eine „Krise der Solidarität““ der Deutschlandfunk-Sendung „Information und Musik“ vom –16.08.2026-.
Interview in neuem Tab hören: https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2026/08/16/empathie_u_handlungsdruck_im_umgang_mit_migranten_daniel_dlf_20260816_0737_874c86bd.mp3
Webseite des Interviews in neuem Tab lesen: https://www.deutschlandfunk.de/empathie-u-handlungsdruck-im-umgang-mit-migranten-daniel-loick-philosoph-100.html
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