📅❓ The great silent one.

Am meisten dabei geholfen, mich weiterzuentwickeln, hat mir die Lebenserfahrung, dass Reden besser ist als Schweigen.

Sprich, damit ich dich sehe.

  • Sokrates

Ich entstamme einer redseligen Familie, die schwieg. Es wurde unablässig über die Dinge im Außen gesprochen, aber nie über das Wesentliche im Inneren. So wurde ich zum großen Schweiger. Die wenigen Momente, in denen ich mein Schneckenhaus verließ, waren wenig erfolgreich, sodass ich mich sofort wieder zurückzog. Die Folge war, dass ich nicht mit meinen Gefühlen verbunden war. Dieses Verbundensein kam dann irgendwann viel später eruptiv durch einen äußeren Anlass, der mich zwang, mein Schweigen zu durchbrechen. Natürlich überwältigten mich nun meine Gefühle. In den darauffolgenden Jahren führte ich viele intensive, tiefschürfende Gespräche mit zahlreichen Frauen, mit denen ich kollegial und/oder freundschaftlich verbunden war. Ich lernte, dass ich Gefühle habe, aber nicht meine Gefühle bin.

Heute bin ich mit meinen Gefühlen verbunden und behalte die Kontrolle über sie. Meistens bin ich entspannt und ausgeglichen.

Äußere Auslöser veranlassten mich, mein Schneckenhaus zu verlassen, meine Gefühle wahrzunehmen und über mein Innerstes zu sprechen. Es waren die intensiven Gespräche mit anderen Menschen, in denen ich mich spiegeln, erkennen und beruhigen konnte und in denen ich zu dem wachsen konnte, der ich aktuell bin. Ich bin mir sicher, dass diese Entwicklung nie abgeschlossen sein wird.

Täglicher Schreibanreiz
Welche Lebenserfahrungen haben dir am meisten geholfen?

What experiences in life helped you grow the most?  |  Welche Erfahrungen in deinem Leben haben dir am meisten geholfen, dich weiterzuentwickeln?

„CC BY-NC-SA“-Lizenz öffnet sich in einem neuen Tab: https://rueckzuginsprivate.de/cc-lizenzierung-cc-by-nc-sa/

Todesvergessenheit.

»Weil wir unsere eigene Vergänglichkeit verdrängen, sind wir überhaupt in der Lage, Konflikte zu eskalieren, andere zu verfolgen oder gar Kriege zu führen, so als ginge es im Kern darum, zu „gewinnen“. Doch was können die Menschen tatsächlich gewinnen, wenn wir alle, Täter wie Opfer mittel- und langfristig tot sein werden? Das Einzige, was wir vermögen, ist doch, vor uns selbst und anderen unsere Handlungen zu verantworten. Das ist der ethische Kern, vor dessen Hintergrund vieles verdampft, für das wir uns in der Todesvergessenheit so leichtfertig aufreiben. Wer im Bewusstsein der Abschiedlichkeit lebt, der führt keine Kämpfe mehr, um Recht zu bekommen.«

~ Rolf Arnold, emeritierter Professor Dr. Dr. h.c., ist als internationaler Berater beim Aufbau von Bildungssystemen, der Führungskräfteentwicklung und als didaktischer Organisationsberater größerer Bildungsprovider engagiert. An der RPTU leitet er die Masterprogramme „Systemische Beratung“ und „Leadership“ (systhemia.com)

Quelle: Psychologie Heute, 11.08.2025, Buch & Kritik, Wie geht „abschiedlich leben“?

Rolf Arnolds Buch Keine Zeit für grüne Bananen. Die aufklärende Kraft der Vergänglichkeit ist bei Carl-Auer erschienen (100 S., € 19,95)

Der Artikel „Abschiedlich leben: Wie geht das?” behandelt die Bedeutung des Bewusstseins über die eigene Vergänglichkeit und dessen Einfluss auf das Leben der Menschen. Die Hauptargumente und Erkenntnisse sind:

~ Todesvergessenheit und ihre Folgen: Der Autor kritisiert die weit verbreitete Tendenz, die eigene Sterblichkeit zu verdrängen. Diese Verdrängung führt zu eskalierenden Konflikten und einem Streben nach „Gewinnen“, obwohl letztlich alle Menschen unabhängig von ihrer Rolle sterben werden.

~ Ethische Verantwortung: Der ethische Kern des Lebens besteht darin, Verantwortung für die eigenen Handlungen zu übernehmen. Ein Leben im Bewusstsein der Vergänglichkeit führt dazu, dass Menschen weniger darum kämpfen, „Recht zu haben“.

~ Ausstieg aus dem Repeatmodus: Der Artikel betont die Notwendigkeit, aus alten, sich wiederholenden Verhaltensmustern auszubrechen. Dies erfordert ein neues Denken und die Fähigkeit, Beziehungen und Konflikte anders zu betrachten, um Neues zu schaffen.

~ Es wird darauf hingewiesen, dass Menschen die Welt nicht objektiv wahrnehmen, sondern durch ihre eigenen Erfahrungen gefiltert. Der Autor fordert dazu auf, diese Subjektivität zu erkennen und zu hinterfragen, um ein besseres Verständnis für andere zu entwickeln.

~ Übung und persönliche Entwicklung: Eine abschließende Grundhaltung muss erlernt und geübt werden. Der Autor sieht die Notwendigkeit, neue Leitbilder zu entwickeln, da alte Werte und Überzeugungen nicht mehr überzeugend sind.

Insgesamt plädiert der Artikel für ein Leben im Bewusstsein der eigenen Vergänglichkeit, um Konflikte zu reduzieren und authentische Beziehungen zu fördern.