📅❓ Neu denken.

Während früher das Bloggen vor allem das schriftliche Teilen von Gedanken auf einer Seite im Internet umfasste, umfasst es heute neben dem Schreiben auch das Veröffentlichen von Podcasts oder Videos. Blogger:innen veröffentlichen auch in sozialen Netzwerken.

Ich weiß gar nicht mehr so genau, wann ich Prof. Maja Göpel das erste Mal wahrgenommen habe. Vermutlich war es im Fernsehen in einer Talkshow. Ich kaufte mir daraufhin ihr 2020 veröffentlichtes Buch „Unsere Welt neu denken“.

»Das Buch trägt den Untertitel „Eine Einladung“ und hält die Leserschaft dazu an, die sich vollziehenden großen Transformationen in Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft als neue Wirklichkeit zu realisieren, Dinge anders als bisher zu sehen und Erkenntnisse verschiedener Wissenschaftszweige transdisziplinär dafür zu nutzen. Entsprechend angepasste Formen der Lebensgestaltung müssten in Abkehr vom herkömmlichen Wirtschaftswachstumsdenken daraus entwickelt werden. Das Buch zählte 2020 zu den meistverkauften Sachbüchern, es wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Es verkaufte sich mehr als 270.000 Mal (Stand: August 2022).« [de.wikipedia.org]

Auf ihrer Website schreibt sie über sich:

»Mit 14 begann ich, der Frage nachzugehen, warum wir als Gesellschaft nicht die Welt schaffen, die wir uns als Individuen wünschen. Dabei habe ich gelernt, dass Politik kein staatliches Gegenüber ist, Märkte nicht neutral sind und Demokratie mehr als Stimmabgabe ist.

Nachhaltige Zukünfte entstehen durch gemeinschaftliche Lernprozesse, verbindliche Regeln und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Diese mit Ehrfurcht vor dem Leben, klaren Gedanken und Fokus auf Selbstwirksamkeit anzugehen, ist das Ziel meiner Arbeit in Theorie und Praxis.

Gerade in Transformationszeiten wie heute helfen der Blick für das Wesentliche und mutige Menschlichkeit. Die haben wir alle in uns.«

Maja Göpel gründete ihren Blog „Mission wertvoll” und darin ihren Podcast „NEU DENKEN”. Sie schreibt dazu:

»NEU DENKEN ist ein Video- und Audiopodcast, der unseren gesellschaftlichen Diskurs neu aufrollt – respektvoll und lösungsorientiert. Anstatt der nächsten Aufregung hinterherzujagen, stellen wir eine andere Frage: Wie geht es besser?

Moderatorin Maja Göpel spricht mit führenden Stimmen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft über die großen Themen unserer Zeit: von Wachstum und Demokratie über Innovation und Sicherheit bis hin zu Vermögen und Marktwirtschaft. Gemeinsam suchen wir nach Ideen, die verbinden statt spalten, und zeigen, wie Veränderung konkret und konstruktiv gelingen kann. Im Zentrum steht dabei das systemische Denken und die Haltung, dass, wer Demokratie stärken will, die Sorgen der Menschen ernst nehmen und neue Perspektiven anbieten muss, statt zu polarisieren.«

In unregelmäßigen Abständen teile ich hier Podcastfolgen ihres Podcasts „NEU DENKEN”.

Ich folge ihr am liebsten, weil der Inhalt hält, was der Titel verspricht: Der Podcast ist dabei sachlich, zugewandt, wohlwollend, verständlich, optimistisch, hoffnungsvoll und wissenschaftsbasiert.

Tägliche Schreibanregung
Welchem Blogger folgst du am liebsten?

Who is your favorite blogger to follow?  |  Welchem Blogger folgst du am liebsten?

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📅❓ Menschheitsversagen.

Fast alles, was wir heute über die Erderwärmung wissen, war bereits 1979 bekannt.

Anders als bei der Stringtheorie oder der Gentechnik war der „Treibhauseffekt” – die Metapher stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert – längst ein historisch etabliertes Phänomen, das in jedem Biologielehrbuch beschrieben wurde.

Die zugrunde liegende Wissenschaft war nicht besonders kompliziert. Sie ließ sich auf ein schlichtes Axiom zurückführen: Je mehr CO₂ sich in der Atmosphäre befindet, desto wärmer wird der Planet. Und durch das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas stießen die Menschen jedes Jahr immer größere Mengen Kohlendioxid in die Atmosphäre aus.

1859 entdeckte der irische Physiker John Tyndall die entscheidende Nebenwirkung des Treibhauseffekts: Da CO₂-Moleküle Hitze aufnehmen, können Veränderungen ihrer atmosphärischen Konzentration für Klimaveränderungen sorgen.

Dieses Forschungsergebnis inspirierte den schwedischen Chemiker Svante Arrhenius, der später den Nobelpreis erhalten sollte, im Jahr 1896 zu der Folgerung, dass die Verbrennung von Kohle und Petroleum zur massenhaften Energiegewinnung zu einer Erderwärmung führen könnte. Diese Erwärmung würde sich in einigen Jahrhunderten bemerkbar machen, vielleicht auch früher, wenn der Verbrauch fossiler Brennstoffe weiter zunehmen sollte.

Die Lektion aus „Losing Earth” von Nathaniel Rich, 2019: Die Klimakatastrophe, die wir jetzt erleben, hätte verhindert werden können. Vor dreißig Jahren gab es die Chance, den Planeten zu retten – doch sie wurde verspielt. Nathaniel Rich schildert in dieser dramatischen Reportage, wie es zu diesem globalen Versagen kam. Eine dramatische Reportage über ein Menschheitsversagen.

Veränderte Sichtweise: Wir sind am Arsch.

Tägliche Schreibanregung
Welche Lektion hast du in letzter Zeit gelernt, die deine Sichtweise verändert hat?

What’s a lesson you’ve learned recently that shifted your perspective?  |  Welche Erkenntnis hast du in letzter Zeit gewonnen, die deine Sichtweise verändert hat?

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📅❓ Es war die Lerche und nicht die Eule.

Der heutige Schreibanreiz passt gut zu dem Podcast „Über Schlafen” von Deutschlandfunk Nova, dem ich folge und dessen einzelne Folgen ich hier regelmäßig teile.

Ich selbst muss glücklicherweise nichts unternehmen, um besser zu schlafen. Ich schlafe gut und fest, und laut meinem Schlaftracker ist mein Verhältnis von REM-, Tief- und Leichtschlaf in Ordnung.

Vom Schlaftyp her bin ich eine Lerche, d. h., ich kann gut früh schlafen und aufstehen. Regelmäßig schlafe ich zwischen sechs und sieben Stunden. Manchmal nur sechs, aber auch gerne bis zu neun Stunden. Ich liebe Sonnenaufgänge, die Kühle des Morgens und das Erwachen der Natur.

Seit ich erwachsen bin, kann ich immer gut einschlafen. Ich drehe mich auf meine Schlafseite und bin in weniger als einer Minute weggeschlummert. Auch Störungen des Schlafes begegne ich gelassen. Das heißt, wenn es in der Nacht zu einer Störung kommt, ich aufwache oder sogar etwas tun muss, ist das unproblematisch. Danach lege ich mich wieder hin, drehe mich zur Seite und schlafe weiter. Auch mit Schlafmangel kann ich gut umgehen. Ich baue dann tagsüber einen Powernap von höchstens 30 Minuten ein, der sehr erfrischend wirkt.

Wenn ich zu ausgeschlafen bin, sehr aufgekratzt bin und meine Gedanken nicht aufhören wollen zu kreisen, dann empfinde ich das nicht als dramatisch. Ich bleibe ruhig liegen und versuche, mich auf meinen Atem oder die Geräusche, die an mein Ohr dringen, zu konzentrieren. Irgendwann ist der Gedankenjahrmarkt zu Ende und ich gleite allmählich in den Schlaf hinein.

Ich bin dankbar dafür, gut schlafen zu können.

Täglicher Schreibanreiz
Was machst du, um besser zu schlafen?

What do you do to improve your sleep?  |  Was tust du, um deinen Schlaf zu verbessern?

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📅❓ Polyposis nasi et sinuum

Heute musste ich nicht in den Kindergarten.

Eine Schwester hat mich an die Hand genommen und mitgenommen. Zurück blieb meine Mutter. Die Krankenschwester führte mich durch das alte Treppenhaus vom Erdgeschoss in den Keller. Wir gingen durch endlos scheinende Gänge. Dunkle Gänge. Mit flackernden Neonröhren, die ein britzelndes Geräusch von sich gaben. Ich verlor die Orientierung. Wir gingen an vielen gläsernen Türen vorbei, hinter denen Menschen in Schürzen und Hauben geschäftig arbeiteten. Es roch nach Gekochtem und Spülwasser. Gerade, als ich mich am verlorensten fühlte, öffnete die Schwester eine Tür und wir kamen in einen fensterlosen Raum. Links von mir stand ein Mann, rechts daneben eine Frau. Beide waren mit Mundschutz und weiß gekleidet und schauten mich erwartungsvoll an. Plötzlich legte sich von hinten ein linker Arm um meine Brust und die rechte Hand drückte mir ein feuchtes Tuch ins Gesicht. –

Als ich aufwachte, lag ich in einem kleinen Bett mit hohen Gittern. Das Bett stand in einem großen Raum vor einem Fenster. Draußen fiel Schnee. Auf der gegenüberliegenden Seite des Fensters, in der Mitte der Wand, war eine Tür. Angelehnt. Rundherum standen weitere vergitterte Betten. In ihnen lagen andere Kinder. Das Gefühl des Verlorenseins war immer noch da und wurde sogar stärker. –

In der Nacht wachte ich nach einem Albtraum auf. Der Raum lag im Dunkeln, doch die Tür stand offen und ließ Licht hineinfallen. In der Ferne hörte ich Frauenstimmen, die sich unterhielten. Aus Verlorensein wurde Angst. Ich rief. Erst leise, dann immer lauter. Die Stimmen blieben. Niemand kam. Aus Angst wurde Panik. Ich schrie. Irgendwann kam eine Schwester. –

Seitdem vertraute ich meinen Eltern, Ärzten und Krankenhäusern nie wieder.


💡 Welcher Moment in deinem Leben fühlte sich an wie direkt aus einem Film?

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What’s a moment in your life that felt like it was straight out of a movie?  |  Welcher Moment in deinem Leben kam dir so vor, als wäre er direkt aus einem Film?

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📅❓ Kritische Distanz

Für mich ist der beste Weg, mit negativen Gedanken umzugehen, mir zunächst wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass ich meine Gedanken nicht bin: Ich habe Gedanken, kann mich ihrer bedienen. Gedanken machen sich oft selbstständig und denken wirres Zeug.

Danach überprüfe ich die negativen Gedanken auf ihren Wahrheitsgehalt. Gründen die negativen Gedanken auf belastbaren Fakten?

Im nächsten Schritt prüfe ich, ob ich Einfluss auf das Geschehen oder die Ursache der negativen Gedanken habe.

Wenn ich einen Einfluss habe, versuche ich, die Situation zu meinen Gunsten und zu positiveren Gedanken zu verändern.

Wenn ich keinen Einfluss habe, nehme ich die negativen Gedanken zur Kenntnis, lasse sie sozusagen ziehen oder behalte sie als Warnruf im Hinterkopf und warte die kommende Entwicklung ab.

Negative Gedanken beunruhigen mich nicht. Ich betrachte sie als Warnung vor einer eventuellen Gefahr.

Sind die negativen Gedanken berechtigt, wälze ich sie gerne auf einem Spaziergang hin und her und überlege mir mehrere Strategien zu ihrer Bewältigung.

Gerade in einer alarmistischen Zeit und Gesellschaft, in der die Herrschenden und die Hintermänner zusätzlich versuchen, uns zu manipulieren, ist eine kritische Distanz zu unseren negativen Gedanken äußerst wichtig.

Täglicher Schreibanreiz
Was ist für dich der beste Weg, mit negativen Gedanken umzugehen?

What’s the best way to deal with negative thoughts?  |  Wie geht man am besten mit negativen Gedanken um?

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📅❓ Oliven

Bis Mitte meiner Teenagerjahre habe ich Oliven und ihren Geschmack gehasst.

Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann ich das erste Mal eine Olive probiert habe. Auf jeden Fall habe ich sie viele Jahre lang links liegen lassen.

Bis zu dem Tag, an dem unser Geschichts- und Physiklehrer uns zu sich nach Hause eingeladen hatte und es Pizza mit Oliven gab.

Ich wollte mich nicht mäklig zeigen, überwand meine Abneigung und aß die Oliven mit. Außerdem stand auf dem Mittagstisch ein Schälchen mit grünen und schwarzen Oliven. Auch davon probierte ich „todesmutig”.

Ich war von dem Geschmack begeistert und wusste gar nicht, woher meine Abneigung gegen Oliven kam.

Täglicher Schreibanreiz
Was liebst du heute, das du früher gehasst hast?

What do you love now, that you hated when you were younger?  |  Was liebst du heute, was du früher gehasst hast?

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📅❓ Bystander-Effekt

Die großen Fragen des Lebens behandle und wichtige Lebensentscheidungen treffe ich nicht allein intuitiv bzw. aus dem Bauchgefühl heraus. Ich kann zwar schnell Entscheidungen treffen, habe aber trotzdem blitzschnell die Fürs und Widers gegeneinander abgewogen. Wenn keine Zeit zum Denken ist, bleibt auch keine Zeit, das Bauchgefühl zu befragen. Dann handle ich rein instinktiv im Überlebensmodus.

Vor Entscheidungen befrage ich mein Bauchgefühl und hinterfrage es. Oft zeigt sich dann, dass ich etwas nicht berücksichtigt habe.

Bei den kleinen Dingen des Lebens überlasse ich gerne meinem Bauchgefühl die Entscheidung: Gehe ich heute den rechten oder den linken Weg? Spontan entscheide ich mich für einen von beiden. Ob ich auf dem anderen Weg Opfer eines Überfalls geworden wäre und mit meiner Entscheidung, diesen Weg zu gehen, genau richtig lag, kann ich nicht beurteilen.

Apropos Weggabelung. Auf dem Rückweg vom Bahnhof komme ich an einer Grünfläche mit einem kleinen Bolz- und Spielplatz vorbei. Ich kann rechts oder links daran vorbeigehen. Normalerweise gehe ich rechts daran vorbei, da dieser Weg etwas kürzer ist.

Vor ein paar Wochen entschied ich mich jedoch aus einem unbestimmten Gefühl heraus, links daran vorbeizugehen. „Oben“, an der Stelle, an der beide Wege zusammenlaufen, biege ich rechts ab. Der linke Weg führt geradeaus weiter. Während ich mich nach rechts drehe, sehe ich im Augenwinkel, wie jemand vom Fußweg nach unten verschwindet.

Ich ging noch ein paar Schritte, dann wurde mir bewusst, dass dieses Verschwinden wie ein Sturz aussah. Ich kehrte um und ging in die Richtung, in die der vermeintliche Sturz erfolgt war. Tatsächlich saß am Fuße einer kleinen Treppe nach unten ein grauhaariger Mann jammernd auf dem Boden. In der einen Hand hielt er eine volle Einkaufstüte, in der anderen die Leine seines kleinen Hundes.

Er war tatsächlich gestürzt. Er laboriere an einem Bandscheibenvorfall und warte auf einen OP-Termin, erzählte er mir. Das Gehen fiel ihm schwer und er sei soeben diese kleine Treppe hinuntergefallen. Er war offensichtlich unverletzt, nur der Bandscheibenvorfall bereitete ihm Schmerzen.

Mithilfe anderer Passanten richteten wir den Mann auf, und ich begleitete ihn stützend bis nach Hause.

Wäre ich wie immer den rechten Weg gegangen, hätte ich ihm nicht helfen können und seinen Sturz nicht bemerkt.

Erst als ich bei dem Mann war und mit ihm redete, hielten auch andere Passanten an und boten ihre Hilfe an (sogenannte Auflösung des Bystander-Effekts).

Täglicher Schreibanreiz
Wann bist du deinem Bauchgefühl gefolgt – und es lag genau richtig?

What’s a time you followed your gut and it turned out to be exactly right?  |  Wann hast du einmal deinem Bauchgefühl gefolgt und es hat sich als genau richtig herausgestellt?

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📅❓ JS

Ich nominiere den als absolut christlichen Politiker ausgewiesenen JS. Dann sind wir ihn los. Und mit Gesichtsmasken kennt er sich auch aus.

Täglicher Schreibanreiz
Imperator Palpatine hat freie Wahlen für einen neuen Imperator angekündigt – und Darth Vader nominiert. Du darfst einen Gegenkandidaten ins Rennen schicken: Wen nominierst du?

Emperor Palpatine has announced open elections for a new Emperor — and he’s nominated Darth Vader. You get to nominate one challenger.  |  Kaiser Palpatine hat offene Wahlen für einen neuen Kaiser angekündigt – und er hat Darth Vader als Kandidaten nominiert. Du darfst einen Gegenkandidaten nominieren.

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📅❓ Nikolausi. Osterhasi. & Das Gute und das Böse.

Ich übersetze „ridiculous” lieber mit „absurd”. Absurd wird definiert als „widersinnig, dem gesunden Menschenverstand widersprechend, abwegig, sinnlos”.

Ein klassisches Beispiel ist mein Kinderglaube an die Existenz des Nikolaus, des Weihnachtsmannes, des Christkindes und des Osterhasen. Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob das Positive dieses Glaubens oder das Negative seiner Entzauberung überwiegt und dementsprechend besser oder schlechter für Kinder ist. Bei mir führte die Entzauberung zu einer Ernüchterung, die den genannten Festen einen bitteren Beigeschmack gab und gibt. Andererseits möchte ich die Vorfreude und das Unerklärliche in meiner Kindheit nicht missen.

Viel schwerer wiegt mein Kinderglaube an das Gute im Menschen und dass das Gute letztendlich immer „siegt” (allgemein betrachtet). Obwohl meine Kindheit vom Vietnamkrieg und den langen Nachwirkungen des Ersten und Zweiten Weltkriegs in der Familie geprägt war und ich bereits im vierten Schuljahr Filme vom Öffnen der Konzentrationslager sah, war mein Glaube an das Gute unerschütterlich.

Wie absurd und geradezu lächerlich kommt mir dieser Glaube heute vor.

Es ist nicht in Worte zu fassen, was Menschen Tieren für Genussbefriedigung antun.

Es ist nicht in Worte zu fassen, was die Menschen der Erde antun, wie sie ihre eigenen Lebensgrundlagen systematisch und gierig zerstören, wohlwissend, dass sie die Erde brauchen, die Erde sie aber nicht.

Es ist etwas anderes, Schwarz-Weiß-Dokumente zu sehen, in denen gezeigt wird, wie die Menschen vor 1914 und vor 1939 kriegstüchtig gemacht wurden, als dies live mitzuerleben, und zwar vor den von den Verantwortlichen genannten Jahreszahlen 2029/2030.

Erleben zu müssen, wie sich das Verhalten der Menschen als Individuen in der Öffentlichkeit allmählich verändert. Wie es verroht. Wie Empathie und Wohlwollen allmählich verschwinden.

Mir wird schwindelig bei dem Gedanken, wie diese Menschen wohl hinter verschlossenen Türen agieren.

Blitzlicht: In Deutschland wird alle drei Tage eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Die Zahl der erfassten Körperverletzungen stieg in den letzten zehn Jahren von ca. 114.000 auf 171.000 im Jahr 2024; 80 Prozent der Opfer sind Frauen).

Es gibt viele nette, wohlwollende, empathische, hilfsbereite, zugewandte, gelassene und friedliche Menschen.

Mein Kinderglaube an das Gute im Menschen wurde durch meinen Glauben als Erwachsener an die Verkommenheit der Menschheit als Ganzes ersetzt.

PS: Ich bin nicht verbittert. Ernüchtert.

Täglicher Schreibanreiz
Was hast du als Kind geglaubt, das dir heute total absurd vorkommt?

What’s something you used to believe as a kid that seems ridiculous now?  |  Was hast du als Kind geglaubt, was dir heute lächerlich erscheint?

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📅❓ Nach uns keine Zukunft?

Zunächst war da das Fernsehen. Als ich ein Junge war, lief sonntagabends während des Abendessens der „Weltspiegel”, der immer ausführlich über den Vietnamkrieg und die Kriegsgräuel berichtete. Dabei bin ich einmal fast an einem Stück Schinkenwurst erstickt. Dieses Gefühl, zu ersticken, ist seitdem latent vorhanden, wenn ich den Umgang der Menschheit mit dieser Welt betrachte: eine Menschheit, die ihre Lebensgrundlagen aktiv zerstört – wider besseres Wissen.

Ein paar Jahre später war es das Fernsehmagazin „Report Mainz“ mit dem Moderator Franz Alt, der über die Boatpeople und die deutsche Hilfsorganisation „Cap Anamur/Deutsche Notärzte e. V.“ berichtete. Bis heute lässt die staatliche Menschheit Flüchtlinge einfach ertrinken.

Zu dieser Zeit hatte ich die 1980 von Horst Stern gegründete Zeitschrift „Natur” abonniert, die mir die Augen weiter öffnete, da sie Lösungen aus dem allgemeinen Wahnsinn aufzeigte.

Über diese Zeitschrift wurde ich auf das 1979 erschienene Buch „Nach uns die Zukunft: Von der positiven Subversion” von Hans A. Pestalozzi aufmerksam. Dem Buch ist bis heute nichts hinzuzufügen, weder in seiner Analyse der Welt, der Umwelt und der Weltwirtschaft noch in den gestellten Fragen, deren Beantwortung uns eine bessere Welt gebracht hätte.

Ein Beispiel für eine solche einfache Frage ist: „Wollen wir eine verkehrsgerechte Stadt oder einen stadtgerechten Verkehr?”

Der große Erfolg und die Popularität des Buchs

(»ein Blockbuster der gesellschaftskritischen Literatur, der die politischen und ökologischen Diskurse der 1980er Jahre maßgeblich mitgeprägt hat«)

war der Startschuss für alle Vermögenden und Mächtigen, sich mit Vehemenz gegen die Beschneidung ihres Gewinnstrebens und ihrer Gier zu wehren. Heute steht die Erde evolutionär gesehen kurz vor dem Kollaps.

Das Buch „Nach uns die Zukunft: Von der positiven Subversion” wurde 1979 von dem Schweizer Manager Hans A. Pestalozzi geschrieben. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung leitete er das Gottlieb Duttweiler Institut (GDI), eine der wichtigsten europäischen Denkfabriken. Das Werk ist eine scharfe, leidenschaftliche Gesellschafts- und Wirtschaftskritik, in der Pestalozzi das damalige (und heutige) auf ständiges Wachstum ausgerichtete System radikal infrage stellt.

Wirtschaft ist nicht das ganze Leben. Pestalozzi kritisiert den blinden Glauben an unendliches Wirtschaftswachstum. Er zeigt auf, dass wir durch die bloße Erhöhung der produzierten Gütermenge letztlich mehr zerstören – Umwelt und soziale Strukturen – als wir an tatsächlichem Wert für die Menschen schaffen.

Das Buch ist ein Aufruf zur „positiven Subversion”: Wir sollen die bestehenden Verhältnisse nicht passiv hinnehmen. „Positive Subversion” bedeutet für ihn, sich den Zwängen des Systems zu entziehen, anders zu leben und die vorgegebenen Strukturen aktiv und kreativ zu unterlaufen.

Eigenverantwortung statt blinder Pflicht: Ein zentrales Thema ist die Entmündigung des Einzelnen in der modernen Welt. Pestalozzi warnt davor, dass Manager und Experten die Macht übernehmen, während der normale Mensch im wirtschaftlichen Hamsterrad nur noch seine Pflicht erfüllt. Er fordert, dass wir wieder echte Eigenverantwortung für unser Handeln und unser Leben übernehmen.

Entlarvung falscher Leitbilder: Der Autor hinterfragt viele vermeintliche „Wahrheiten“, die uns von Politikern, Ökonomen oder bereits in der Schule als alternativlos präsentiert werden. Er regt dazu an, den Sinn von Arbeit, Freizeit, Demokratie und Konsum kritisch zu reflektieren.

Pestalozzis Ansichten waren für ein Vorstandsmitglied der Wirtschaft absolut unkonventionell. Das Buch forderte die Menschen direkt dazu auf, sich der Konsummaschinerie zu verweigern. Diese radikalen Thesen waren für seine Arbeitgeber – das GDI war eng mit dem Handelsunternehmen Migros verknüpft – so untragbar, dass Pestalozzi kurz nach der Veröffentlichung im Sommer 1979 fristlos entlassen wurde. In der Folge wandelte er sich vom hochrangigen Topmanager zum Systemkritiker, Aktivisten und späteren Aussteiger.

Insgesamt betrachtet ist „Nach uns die Zukunft” ein flammendes Plädoyer für kritisches Denken, mehr Menschlichkeit und den Mut, aus einer rein profitorientierten und fremdbestimmten Gesellschaft auszubrechen.

Täglicher Schreibanreiz
Welches Medium (Buch, Film, Song) hat verändert, wie du die Welt siehst?

What’s a piece of media (book, movie, song) that changed how you see the world?  |  Welches Medium (Buch, Film, Lied) hat deine Sicht auf die Welt verändert?

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