📅❓ Roadtrip vs. Homebase

Bei einem Roadtrip handelt es sich um eine längere Urlaubs- oder Entdeckungsreise mit dem Auto, dem Camper oder dem Motorrad. Dabei ist der Weg das Ziel.

Im Mittelpunkt steht das Reisen an sich, das Unterwegssein.

Ich habe noch nie einen Roadtrip unternommen oder geplant. Dafür bin ich nicht intrinsisch motiviert, ich bräuchte eine extrinsische Motivation. Auch die Menschen in meinem Umfeld hatten nie den Wunsch geäußert, einen Roadtrip zu machen.

Zum Wohlfühlen brauche ich eine Homebase, auch in der Fremde. Von dort aus unternehme ich gerne tageweise Roadtrips in die nähere oder weitere Umgebung. So bin ich schon früh morgens von meinem Urlaubsdomizil losgefahren, hunderte Kilometer weit gefahren und in der Nacht zurückgekehrt. Gerne auch einfach ins Blaue hinein.

Um einen möglichen ersten perfekten Roadtrip zu planen, würde ich zuerst Berichte erfahrener Roadtrip-Reisender lesen und Ratgeber konsultieren. Beim Lesen würden sich Inspirationen für eigene Wünsche und Ziele ergeben. Vielleicht würde ich auch erkennen, dass ein Roadtrip tatsächlich nichts für mich ist.

Nach der Beantwortung eines Daily Prompts vor ein paar Wochen interessierte ich mich für eine Wanderung quer durch Deutschland. Ich kaufte mir ein Buch eines erfahrenen Deutschland-Wanderers und erkannte, dass eine solche Wanderung nichts für mich ist.

Täglicher Schreibanreiz
Wie planst du den perfekten Roadtrip?

How do you plan the perfect road trip?  |  Wie plant man den perfekten Roadtrip?

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📅❓ Zwischen Gesetzbüchern und Baustaub: Mein Sommer am Limit

Die Frage, wann genau mir klar wurde, dass ich stärker bin, als ich dachte, hatte ich an dem Tag, an dem ich mein Diplom des Verwaltungsbetriebswirts (VWA) erhielt.

Es war der Abschluss eines sechssemestrigen Abend- und Wochenendstudiums. Das Studium absolvierte ich also parallel zu einer Vierzigstundenwoche in meinem Beruf. Als ich das Studium begann, konnte ich nicht ahnen, dass ich in den letzten Monaten, während der Vorbereitung auf die mündliche Prüfung, jeden Tag nach der Arbeit und ganztags an den Wochenenden ein Haus renovieren musste.

Die Zeit drängte, denn der Zeitmietvertrag lief aus und wurde nicht verlängert. Der Mietwohnungsmarkt war durch politische Entscheidungen leergefegt, sodass der Hauskauf die letzte Rettung vor der befürchteten Obdachlosigkeit war. Ich musste Prioritäten setzen. Da das Studium bis einschließlich des fünften Semesters befriedigend lief, entschied ich mich, die mündlichen Prüfungsvorbereitungen zu vernachlässigen.

Drei Monate lang schuftete ich neben meinem Beruf in dem kleinen Altbau, um ihn bewohnbar zu machen. Ich hatte bezahlte Hilfe. Gerade in diesen drei Monaten des Frühsommers herrschten hochsommerliche Temperaturen, die mir den Schweiß aus allen Poren trieben. Harte körperliche Arbeit war ich nicht gewohnt.

Ich wurde rechtzeitig fertig und hatte noch ein paar Tage Zeit, um mich auf die mündliche Prüfung vorzubereiten. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass die mündliche Prüfung ungleich schwieriger werden würde als die schriftliche. Teilweise dachte ich, dass sie mir den Boden unter den Füßen wegzieht.

Besonders die Prüfung im Bürgerlichen Recht hatte es in sich. Sie ging in die Tiefe. Wir waren zu fünft in dieser Prüfung, und die ersten Fragen gingen an meine Kommiliton:innen, die sofort ins Schwimmen gerieten. Der Professor biss sich an ihnen fest, war genervt und wurde ironisch. Seltsamerweise gab er sich mit meinem Gestammel zufrieden und bohrte nie nach.

Es reichte für das Diplom. Bei der feierlichen Übergabe der Diplome wurde mir klar, was ich in den letzten Monaten geleistet hatte, dass ich über mich hinausgewachsen war und auch Glück gehabt hatte.

Täglicher Schreibanreiz
Welcher Moment hat dir gezeigt, dass du stärker bist, als du dachtest?

What’s a moment that made you realize you were stronger than you thought?  |  Was war der Moment, in dem dir klar wurde, dass du stärker bist, als du gedacht hast?

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📅❓ Mein Rezept für einen guten Tag: Natur, Kaffee, Musik und ein ausgeliehener Hund.

Ich empfinde die Frage, welche kleine Freude mich im Alltag richtig glücklich macht, als doch sehr einengend. Es soll nicht irgendeine Freude sein, sondern nur eine kleine. Diese kleine Freude soll nicht nur einen Glücksmoment erzeugen, sondern mich richtig glücklich machen. Ich halte mich daher an die englischsprachige Frage und meine deutsche Übersetzung: Welche kleine Freude bereitet mir im Leben oder im Alltag Freude?

Es gibt täglich mehrere kleine Freuden, die mir Glücksmomente zaubern beziehungsweise mir Freude bereiten.

Dazu zählen mein täglicher Spaziergang durch die Natur, die tägliche Tasse Kaffee in einem Café mit etwas Gebäck und dem Lesen einer Zeitschrift, das mehrmalige Spazierengehen pro Woche über Wiesen und Felder mit einem Leihhund sowie das tägliche Hören einiger Lieblingssongs.

Täglicher Schreibanreiz
Welche kleine Freude im Alltag macht dich richtig glücklich?

What’s a simple pleasure in life that brings you joy?  |  Was ist eine kleine Freude im Leben, die dir Freude bereitet?

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📅❓ Die Pointe im Schnee

Ich verfüge über die seltene Eigenschaft, die Pointen aus Filmen und Büchern zu vergessen. Dadurch muss ich keinen Film aus meinem Gedächtnis löschen, um ihn noch einmal zum ersten Mal sehen zu können.

Während ich den Film ein zweites Mal schaue, dämmert es mir allmählich und manchmal fallen mir die Pointen oder Filmenden wieder ein. Das schmälert meinen Genuss, meine Freude oder meine Spannung jedoch nicht.

Es gibt aber natürlich auch Filme, deren Details sich in meinem Gedächtnis eingebrannt haben. Einer davon ist der am 8. März 1996 erschienene Film der Brüder Joel und Ethan Coen mit William H. Macey, Steve Buscemi und der überragenden Frances McDormand als hochschwangere Polizistin in der Hauptrolle: „Fargo” (auch bekannt als „Blutiger Schnee”). Ein Film über einen einfachen Plan (Verbrechen), der irrwitzig scheitert. Mit einer unvergesslichen Auflösung gegen Ende, bei der man das Geräusch auf der Tonspur erst zuordnen kann und begreift, was geschieht, wenn die Kamera nach einer langen, langsamen Fahrt sozusagen um die Ecke biegt. Diese Szene würde ich gerne noch einmal zum allerersten Mal sehen.

Dieses Geräusch und ähnliche Geräusche im Hier und Jetzt triggern mich jedes Mal und zaubern mir gleichzeitig Gänsehaut und ein Lächeln ins Gesicht.

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Wenn du einen Film aus deinem Gedächtnis löschen könntest, um ihn nochmal zum allerersten Mal zu sehen – welcher wäre das?

If you could erase one movie from your memory and watch it again for the first time, which one would it be?  |  Wenn du einen Film aus deinem Gedächtnis löschen und ihn noch einmal ganz neu anschauen könntest, welcher wäre das?

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📔 Die feine Linie zwischen Verzicht und Wahl: Was macht ein echtes Opfer aus?

Wenn mich jemand nach den „Opfern” in meinem Leben fragt, dann geht es dabei sicherlich nicht um rituell geschlachtete Ziegen, sondern um die bewusste Entscheidung, etwas Wertvolles aufzugeben, um ein höheres Ziel zu erreichen.

Es ist vielleicht ein Tauschgeschäft mit dem Schicksal: Ich verzichte im Hier und Jetzt auf bestimmte Dinge (zum Beispiel Bequemlichkeit, Sicherheit oder Zeit), in der Hoffnung, dass es sich später für mich auszahlt oder jemand anderem hilft.

Ich könnte Zeit und Energie geopfert haben, Beziehungen und Nähe, finanzielle Sicherheit, mein Ego und meinen Komfort.

Ein echtes Opfer muss wehtun.

Das Wort „Opfer” impliziert eine gewisse Schwere. Wenn es sich leicht anfühlt, war es stattdessen eine Priorisierung.

Ich habe in meinem Leben sicherlich Entscheidungen getroffen, für die ich etwas mehr oder weniger Wertvolles aufgeben musste, um ein Ziel zu erreichen. Die Entscheidungsfindung fühlt sich für mich schwer an und ist mit „Schmerzen” verbunden. Die Entscheidung selbst hat sich für mich jedoch nicht wie ein Opfer angefühlt, sondern eher wie eine Priorisierung. Da ich in fast allem einen Sinn erkenne und weiß, dass ich nicht alles haben kann, fühlen sich die Entscheidungen nicht wie ein Opfer an. Sie sind das Ergebnis einer Abwägung.

Ich weiß auch, dass ich bisher Glück gehabt habe und die Dinge so betrachten und empfinden kann. Mir ist bewusst, dass das Leben mir jederzeit ein echtes, schmerzhaftes Opfer abverlangen kann. Ich denke dabei an die Entscheidung Helmut Schmidts, der Erpressung durch die Entführung Hanns Martin Schleyers nicht nachzugeben, Schleyers Tod zu riskieren und am Ende diesen Schmerz ertragen zu müssen. Die Schwere dieser Entscheidung ist für mich unermesslich, und die Reaktion der Hinterbliebenen hat Helmut Schmidt die Spitze dieses Schmerzes sicherlich etwas genommen.

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📔 zeitlos

Das älteste Kleidungsstück, das ich heute trage, ist ein Hemd. Meistens sind es Hemden, T-Shirts, Sweatshirts oder Pullover.

Meine Kleidungsstücke sind grundsätzlich langlebig. Ich kaufe, was mir gefällt, und nicht, was gerade angesagt oder beworben wird. Ich kaufe nur selten Kleidung und ersetze lediglich, was ausgemustert werden muss.

Im Laufe der letzten Jahrzehnte haben sich auf einer einhundert Zentimeter breiten Stange in meinem Kleiderschrank „unzählige” Oberbekleidungsstücke angesammelt. Ich komme kaum noch mit der Hand dazwischen. Solange sie nicht verschlissen sind, bleibe ich ihnen treu. Da ich die einzelnen Stücke aufgrund der großen Auswahl nicht oft trage, verschleißen sie erst nach vielen Jahren oder Jahrzehnten. Ein Grund für die große Auswahl ist, dass ich lange und oft auf Dienstreisen war. Beruflich war es mir wichtig, nie businessmäßig, sondern lässig aufzutreten. Ich trage meine Oberbekleidung immer über der Hose.

Alle anderen Kleidungskategorien haben wesentlich kürzere „Laufzeiten”. Ich gehöre nicht zu den Männern, die in Matthias Brodowys Programmpunkt „Shortstory” beschrieben werden und ihre Slips oder Boxershorts so lange tragen, bis die vielen Löcher nur noch durch wenig Stoff zusammengehalten werden. Das heißt, alles außer der Oberbekleidung verschleißt schneller und wird in kürzeren Intervallen ausgetauscht.

Das zweitälteste Kleidungsstück, das ich heute trage, sind meine Straßenschuhe, meine dreistreifigen Sneakers, die ohne tierische Stoffe gefertigt wurden. Wenn Frauen einen Schuh-Tick nachgesagt wird, dann offenbart mein Schuh-Tick meine weiblichen Anteile. Da ich relativ viele Schuhe besitze, halten die einzelnen Paare entsprechend länger, sodass sie heute bereits mehrere Jahre alt sind.

Die ältesten Kleidungsstücke in meinem Kleiderschrank sind Fliegen, die ich schon lange nicht mehr regelmäßig trage – außer zu feierlichen Anlässen oder um den 6. Dezember herum, wenn ich die Fliege mit den Nikoläusen trage.

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