Das ist eine Frage, die ich die nächsten zehn Jahre am 10. Juni jedes Jahres beantworten könnte. Es gibt einige Songs, die immer für gute Laune bei mir sorgen.
Ich fange mal mit „Azzurro” von Adriano Celentano an. Bei diesem Song kann ich nicht anders, als mitzusingen, mitzuwippen oder zu tanzen:
Ich habe Schwellenangst. Ich habe sie nicht überwunden. Ich übertrete sie einfach – bewusst und konzentriert. Ich erwarte gelassen, was kommen mag.
Nein, diese Angst ist nicht wörtlich zu nehmen. Es ist diese Hemmung oder Furcht, einen neuen, unbekannten Bereich zu betreten. Ich fühle mich unbehaglich, wenn ich meine Komfortzone verlassen muss.
Mein Magen krampft, wenn ich daran denke, ein volles Restaurant, eine neue Arztpraxis oder eine Behörde zu betreten. Oder wenn ich zu einer Party eingeladen bin, bei der mir die meisten Gäste unbekannt sind. Was erwartet mich dort? Werde ich angesehen? Wie verhalte ich mich „richtig”?
Wenn ich spezielle Orte wie Kunstgalerien, Opernhäuser, Luxusboutiquen oder Sterne-Restaurants besuchen möchte, fürchte ich, deren Fachsprache nicht zu sprechen oder gegen die ungeschriebenen Verhaltensregeln, den „Habitus”, zu verstoßen.
Ich zögere vor Neuanfängen oder Veränderungen. Beruflich habe ich zwar gerne neue Projekte übernommen, mich aber nie aktiv darum beworben. Es hätte sehr viel geschehen müssen, damit ich meinen Job gewechselt hätte.
Beziehungen zu beginnen oder zu beenden erfordert einen sehr langen Anlauf, meistens beginne ich erst gar keine.
Wie beginne ich ein schwieriges Gespräch? Wie sage ich jemandem, dass ich ihn mag?
Schwellenangst ist eine Blockade, die auftritt, kurz bevor ich eine Entscheidung in die Tat umsetze, deren Ausgang ich noch nicht kontrollieren kann.
Diese Schwellenangst habe ich einerseits von meiner Mutter „geerbt”, andererseits gehört sie zu meiner Introversion.
Soziale Interaktionen und äußere Reize kosten mich Energie. Im Alleinsein lade ich diese Energie wieder auf. Meine Schwellenangst ist also ein unbewusster Schutzmechanismus, der mich davor warnt, meine Energiereserven zu überziehen.
Ich verarbeite Reize tiefer und detaillierter. Betrete ich einen neuen Raum, prasseln unzählige Informationen auf mich ein. Gesichter, Stimmungen, Lautstärke, Gruppendynamiken – nicht zu unterschätzen: Gerüche, vor allem Angstschweiß. Diesen ungefilterten Informationen möchte ich mich nicht ohne Not aussetzen.
Meine Schwellenangst richtet sich gegen die Unberechenbarkeit einer Situation: Ich weiß nicht, wer mich anspricht, was erwartet wird oder wie schnell ich mich im Zweifel wieder zurückziehen kann. Ich schätze Struktur und bedeutungsvolle Interaktionen. Oberflächlicher Smalltalk oder unvorhergesehene Dynamiken empfinde ich in neuen Umgebungen als anstrengend.
Meine Schwellenangst ist keine soziale Phobie, sondern Teil meines Energiemanagements: Ich wäge ab, ob der „Preis” für das Übertreten der Schwelle es wert ist. Wenn ich die Schwelle übertrete, weiß ich, dass mich das Energie kostet, dass ich überstimuliert werden kann und dass ich anschließend ausgleichende Ruhe (z. B. Spaziergang, Musikhören) brauche, um mich zu erholen.
Ich übe ständig, meine Schwellenangst zu überwinden, indem ich mich diesen Situationen bewusst und konzentriert stelle, sie aushalte oder verlasse, wenn ich merke, dass meine Energie erschöpft ist.
Täglicher Schreibanreiz
Welche Angst hast du überwunden – und wie hast du das geschafft?
„Versuch macht klug“: Dinge einfach ausprobieren, sich bei Erfolg auf die Schultern klopfen und bei Misserfolg die „Krone richten“ und weitermachen. Nicht an sich selbst zweifeln, sondern nüchtern analysieren, was gut und was schlecht war, was noch besser gemacht werden kann und wie die Klippen umschifft werden können. Jeder kann sich selbst vertrauen. Man lernt aus Erfahrungen und reift. Jeder Mensch genügt, egal, was man meinte, in der Kindheit erlebt zu haben. Du bist gut, so wie du bist. Vertraue dir selbst und lerne auch aus den Erfahrungen anderer.
Betrachte Fehler als Feedback: Wenn Dinge scheitern, ist das kein Beweis für persönliche Inkompetenz, sondern lediglich eine wertvolle Information. Ähnlich wie bei der Entwicklung von Software oder dem Tüfteln an einem komplexen technischen Workaround: Ein Fehler im System bedeutet nicht, dass das gesamte Vorhaben gescheitert ist. Man schaut sich an, an welcher Stelle es hakt, passt die Parameter an und testet neu. Dieser iterative Prozess nimmt dem Scheitern den emotionalen Schrecken.
Erlebe Selbstwirksamkeit: Wahres Selbstvertrauen entsteht nicht durch die trügerische Gewissheit, dass immer alles glattläuft. Es entsteht durch das tiefe, innere Wissen: „Selbst wenn es schiefgeht, weiß ich, dass ich damit umgehen kann.” Jedes Mal, wenn du hinfällst und wieder aufstehst, sammelt dein Gehirn knallharte Beweise für deine eigene Widerstandsfähigkeit.
Handle statt zu grübeln: Wer die Dinge einfach ausprobiert, verlässt das reine Kopfkino und geht in die Handlung. Oft nehmen wir uns durch Überanalyse im Vorfeld selbst den Mut. Der Schritt in die Praxis durchbricht diese gedankliche Lähmung.
Wenn du deine „Krone richtest”, verurteilst du dich nicht tagelang für den Fehlversuch. Du zeigst Selbstmitgefühl und nimmst das Scheitern nicht als persönlichen Makel in deine Identität auf. Du klopfst dir den Staub ab, bewahrst deine Würde und behältst den Blick nach vorne gerichtet. Du behältst eine gesunde Distanz zu dem Fehlversuch oder Scheitern.
Reines Ausprobieren und Scheitern, ohne nachzudenken, kann auf Dauer zermürben. Der Prozess wird erst dann zu einem echten Motor für das Selbstvertrauen, wenn zwischen dem „Hinfallen” und dem „Krone richten” eine kurze Phase der stillen Reflexion steht. Was genau hat nicht funktioniert? Lag es an den äußeren Umständen, am fehlenden Wissen oder an der Herangehensweise? Wer diese Erkenntnisse in den nächsten Versuch mitnimmt, wächst unweigerlich.
Täglicher Schreibanreiz
Was ist der beste Weg, um Selbstvertrauen aufzubauen?
Ich habe mir keine Gedanken darüber gemacht, wie ich treue oder loyale Abonnent:innen gewinne.
Ich blogge, also bin ich: Es bereitet mir Freude, täglich auf den „Daily Prompt” bzw. die tägliche Schreibanregung zu reagieren und meine Gedanken oder Anekdoten zu veröffentlichen. Außerdem teile ich gerne die Podcasts oder Radiobeiträge, die ich gehört habe. Ebenso freue ich mich, meine Schnappschüsse, die ich fast täglich mache, zu teilen.
Ich freue mich über jede Person, der oder dem es gefällt und die oder der über diese Veröffentlichungen informiert werden möchte, indem sie oder er meinen Blog abonniert. Über Likes freue ich mich ebenfalls, denn sie signalisieren mir, dass mein Blogbeitrag zur Kenntnis genommen oder gelesen wurde und/oder gefallen hat. Kommentare regen zum Nachdenken an oder bestätigen die geteilten Gedanken. Auf fast jeden Kommentar reagiere ich mit einer Antwort oder zumindest mit einem „Like“, um zu signalisieren, dass ich ihn gelesen habe oder er mir gefallen hat.
Ich werde mir weiterhin keine Gedanken darüber machen, wie ich treue oder loyale Abonnent:innen gewinnen kann.
Ich bin wieder Kind und sitze am Küchentisch bei meinen Eltern. Mein Vater haut wieder eines seiner Sprichwörter heraus, das voller Vorurteile ist und keinem Realitätscheck standhält. Er hat viele davon. Ich weiß nicht, woher er sie hat und warum er sie als Glaubenssätze verinnerlicht hat.
„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“
Dieses Sprichwort spricht älteren Menschen die Lernfähigkeit ab, was jedoch von der modernen Hirnforschung (Neuroplastizität) eindeutig widerlegt wird. Das menschliche Gehirn ist bis ins hohe Alter in der Lage, neue synaptische Verbindungen zu bilden. Zwar lernen Erwachsene anders als Kinder – oft strukturierter und auf Basis von Vorwissen –, aber sie können definitiv noch neue Sprachen, Instrumente oder Fähigkeiten erlernen.
Dieses Sprichwort lässt sich bis ins frühe 17. Jahrhundert zurückverfolgen (im Englischen gibt es das exakte Pendant: „You can’t teach an old dog new tricks“).
Was ich meinem Vater zugute halten kann, ist, dass selbst die Wissenschaft an den Wahrheitsgehalt dieses Sprichworts glaubte, bis im Jahr 2000 die Neurowissenschaftlerin Eleanor Maguire vom University College London die heute legendäre „Londoner Taxifahrer-Studie“ veröffentlichte.
Um in London Taxifahrer zu werden, müssen Anwärter in einem jahrelangen Prozess den chaotischen Stadtplan mit Tausenden Straßen auswendig lernen, was als „The Knowledge“ bekannt ist. Maguire bewies durch Gehirnscans, dass der hintere Hippocampus (das Zentrum für räumliches Gedächtnis und Navigation) bei den erwachsenen Taxifahrern durch dieses extreme Lernen messbar gewachsen war – umso mehr, je länger sie in dem Beruf arbeiteten.
Spätestens mit dieser anschaulichen und unbestreitbaren Studie setzte sich das Konzept der lebenslangen Neuroplastizität in der gesamten Wissenschaftsgemeinde endgültig durch. Der erwachsene „Hans“ war damit offiziell rehabilitiert.
Täglicher Schreibanreiz
Teile ein Sprichwort, das du komplett falsch findest – und begründe, warum.
Share a proverb you think is completely wrong and make your case. | Nenne ein Sprichwort, das deiner Meinung nach völlig falsch ist, und begründe deine Ansicht.
Ob es Seelenverwandte gibt, ist keine Glaubensfrage. Sie existieren. Jedenfalls für mich.
Eine Seelenverwandte berührt den eigenen Wesenskern und bereichert das Leben dadurch nachhaltig. Es gibt diese natürliche und in vielen Punkten unerklärliche Verbundenheit. Dieses Gefühl, jemanden auf einer gemeinsamen Ebene zu verstehen und von ihm verstanden zu werden, geht weit über das Alltägliche hinaus.
Für mich als Introvertierten fühlt sich Seelenverwandtschaft nicht anstrengend, sondern völlig natürlich und mühelos an. Gemeinsame Stille wird nicht als peinlich empfunden. Als Seelenverwandte dürfen wir genau so sein, wie wir sind, mit allen Eigenheiten und Fehlern. Es gibt keinen Druck, sich verstellen zu müssen. Wir inspirieren uns gegenseitig, uns weiterzuentwickeln, Gewohnheiten zu hinterfragen und im Leben voranzuschreiten. Seelenverwandtschaft kann auch platonisch sein, beispielsweise in Form einer reinen Freundschaft mit der besten Freundin oder dem besten Freund, einer Vertrauten oder einem Vertrauten, dem man vieles anvertrauen kann. Die Gespräche werden nie oberflächlich. Seelenverwandte können einen auch „nur” als Weggefährten auf Zeit begleiten.
Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass die Menschen, dass die Menschheit diese Lücke zwischen Reiz und Reaktion erkennt und innehält, bevor sie dem Impuls nachgeben: der Gier, dem maßlosen Verlangen, der Lust, der Begierde. Vermutlich würde dies bereits genügen, um die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte mit Leben zu erfüllen. Kein Kain müsste einen Abel mehr erschlagen. Friede und Liebe wären deutlich sichtbar und auffallend präsent.
Ich weiß, dass ich das wahrscheinlich nicht mehr erleben werde.
Den fortschreitenden Impulskontrollverlust allerdings schon.
Täglicher Schreibanreiz
Was würdest du in der Zukunft total gern sehen, obwohl du weißt, dass du es wahrscheinlich nicht mehr erleben wirst?
What’s something you’d love to see in the future, but know you probably won’t live to witness? | Was würdest du dir für die Zukunft wünschen, von dem du aber weißt, dass du es wahrscheinlich nicht mehr erleben wirst?
Minimalismus bedeutet, sich auf das Wesentliche zu beschränken. Für mich ist das keine Glaubensfrage. Ich weiß, dass er mir hilft, mich auf das zu fokussieren, was mir wesentlich ist.
Besitz, ständige Verpflichtungen oder ein überfüllter Alltag rauben mir mehr Energie, als sie mir geben. Für meine innere Ruhe und meinen Fokus brauche ich einen reduzierten Wohnraum als Oase der Ruhe. Ich ziehe mich gerne zurück, um soziale Verpflichtungen oder Kontakte auszugleichen, und ein klares, reizarmes Umfeld hilft mir, meine Batterien wieder aufzuladen.
Ich lege Wert auf Nachhaltigkeit. Ich ernähre mich rein pflanzlich, kaufe faire Kleidung und habe Respekt vor den natürlichen Ressourcen. Minimalismus unterstützt mich dabei. Ich bin auf der Suche nach Gegenständen, die einen echten, langlebigen Nutzen haben und mich erfreuen.
Regelmäßiges Ausmisten befreit mich und entlastet mich. Jeder Besitz beansprucht Zeit und Aufmerksamkeit: Er muss aufgeräumt, abgestaubt, repariert oder gewartet werden. Das kostet Lebenszeit, die ich viel lieber in Dinge oder Aktivitäten stecke, die mir guttun.
Ich halte nichts von einem Minimalismus, der mir vorschreibt, nur noch 100 Dinge zu besitzen. Dieses Ziel würde mich nur unnötig stressen.
Ich behalte genau das, was mein Leben bereichert, und lasse den Rest los.
Minimalismus scheint mir für Menschen, die ein starkes Bedürfnis nach visueller Fülle haben, leidenschaftlich sammeln und basteln, emotionale Sicherheit in Gegenständen finden oder in existenzieller Knappheit leben, eher ungeeignet zu sein. Minimalismus ist ein Luxus, den sich Menschen leisten können, die im Überfluss leben.
Hit 5,000 steps today and drop your achievement here — we’re cheering you on! | Schaff heute 5.000 Schritte und teile deinen Erfolg hier mit uns – wir feuern dich an!
Bei meinem Spaziergang heute kam ich an der Außenrestauration eines Restaurants und Cafés vorbei.
Ich unterbrach meinen Spaziergang, um einen doppelten Espresso zu trinken. Dieser wurde mir in einer vorgewärmten Tasse auf einem silbernen Tablett serviert.
Rechts neben der Espressotasse lag eine Praline in Form eines braunen Guglhupfs. Ich nahm die Praline aus der Kapsel aus braunem Papier und führte sie in meinen Mund. Sie war eisgekühlt und erinnerte im ersten Moment an das bekannte Eiskonfekt.
Sie bestand jedoch aus feinstem Nougat und zerging auf der warmen Zunge. Sie gab dem anschließenden ersten Schluck des Espressos eine angenehm schokoladige Note.
Täglicher Schreibanreiz
Geh heute spazieren und teile ein Foto von etwas, das dir ins Auge fällt.
Go on a walk today and share a photo of something that catches your eye. | Mach heute einen Spaziergang und teile ein Foto von etwas, das dir ins Auge fällt.