Es gäbe viele Maßnahmen, mit denen sich die Stadt, in der ich wohne, sofort verbessern ließe.
Eine wäre, die Kernstadt zur Tempo-30-Zone zu erklären. Noch besser wäre es, jede Straße in der Kernstadt zur Fahrradstraße zu erklären. Eine daraus folgende Maßnahme wäre, Fahrradfahrer:innen von den Gehwegen zu verbannen.
Als Ausgleich für die immer häufiger stattfindenden verkaufsoffenen Sonntage müsste für jeden verkaufsoffenen Sonntag ein anderer Sonntag zum autofreien Sonntag erklärt werden.
An Ampeln sollten Fußgänger:innen längere und schnellere Grünphasen erhalten.
Auf zweispurigen Einbahnstraßen oder vierspurigen Straßen sollte eine Spur ausschließlich für den öffentlichen Personennahverkehr reserviert sein. Busse sollten eine eigene Ampel mit Vorrang vor allen anderen Verkehrsteilnehmern bekommen.
Der ruhende und fließende Verkehr sollte engmaschiger kontrolliert werden, um Regelverstöße konsequent ahnden zu können.
Unnötige Asphaltflächen ohne echte Funktion können zügig aufgebrochen und mit schnell wachsenden, insektenfreundlichen Wildblumenmischungen eingesät werden.
Tägliche Schreibanregung
Was ist eine Sache, die deine Stadt sofort besser machen würde?
Meine längste Reise begann mit meiner Geburt und wird bis zu meinem Tod andauern. Was danach kommt, weiß man nicht. Vielleicht hat unsere Reise sogar lange vor der Geburt begonnen und führt über den Tod hinaus. Die Lebensreise ist die längste Reise, auf der ich mich befinde.
Als wer wurde ich geboren? Zu wem wurde ich gemacht? Wer bin ich? Wer möchte ich sein?
Nach dem heutigen Erkenntnisstand der Wissenschaft wurde ich mit einer 40- bis 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit als introvertierter Mensch geboren.
Ich war meinen Eltern zu ruhig. Sie machten mir deutlich, dass das nicht gut ist, und gaben mir so viele Anreize, dass ich mich allmählich extravertiert verhielt. Natürlich unbewusst. Das ist der 50- bis 60-prozentige Einfluss meiner Umwelt.
Ab der Zeit der Pubertät spürte ich eine gewisse innere Ambivalenz und Unruhe, die ich mir nicht erklären konnte.
Erst sehr viel später, in der Begegnung mit einer zutiefst introvertierten Person, die entsprechend ihrem Temperament lebte und für deren Eltern Introversion etwas Normales war, erkannte ich meine eigene Introversion.
Ich häute mich also, lege die mich erschöpfenden extravertierten Anteile nach und nach ab und pflege meine introvertierten Anteile. Mein ambivalentes Gefühl verschwand und ich wurde ausgeglichener.
Darüber hinaus gibt es noch so viel mehr, was es auf der Lebensreise zu entdecken gibt: Sie erweitert meinen Horizont, erhält meine Flexibilität, lässt mich meine Gewohnheiten immer wieder anpassen, aus den Erfahrungen anderer lernen und offen bleiben für Veränderungen.
Tägliche Schreibanregung
Was war die längste Reise, die du je gemacht hast?
Das günstigste Reisen ist nicht das Reisen mit dem geringsten Geldeinsatz, sondern das Vermeiden von Reisen. Das ist Teil der weltweiten Rettungsaktion, die unseren Kindern, Enkeln, Urenkeln und Ururenkeln ein gerade noch lebenswertes Leben ermöglicht.
Heute kann ich mittellange Distanzen in wenigen Stunden mit dem Flugzeug für ein 29-Euro-Ticket überbrücken. Die wahren Kosten dieses Fluges sind dabei ausgelagert: Die Kosten für die Folgen der CO2-Emissionen – wie die Beseitigung von Unwetterschäden, Ernteausfälle oder der Bau höherer Deiche – tauchen auf keinem Ticket auf. Sie werden von der Allgemeinheit getragen. Es ist die klassische Privatisierung von Gewinnen (für Fluggesellschaften und Schnäppchenjäger) und die Sozialisierung von Verlusten (für die Umwelt und die Gesellschaft).
Eine Reise ist dann klimaneutral, wenn die Klimabilanz für Transport, Unterkunft, Verpflegung und alle Aktivitäten vor Ort bei exakt null liegt. Bei jeder anderen Reise ist die Währung nicht der Euro, sondern das Leben. Das eigene vielleicht in wenigen Jahrzehnten, das Leben der nachfolgenden Generationen bestimmt.
Die Menschen, die am wenigsten zur Erderwärmung beigetragen haben, zahlen den höchsten Preis. Ein „billiger” Wochenendtrip auf die Kanaren wird mit der Existenzgrundlage von Menschen bezahlt, die durch Dürren oder Überflutungen ihre Heimat verlieren. Inzwischen trifft dieser Preis auch uns in Europa immer häufiger und direkter, wie Überschwemmungen und extreme Hitzewellen zeigen.
Eine „günstige”, fossil betriebene Reise ist im Grunde ein Kredit, der im Namen kommender Generationen unter Zwang aufgenommen wird. Was wir heute vermeintlich an Geld sparen, hinterlassen wir jungen Erwachsenen und künftigen Generationen als unbezahlbare Schuldenlast. Es ist ein „Leben auf Pump” in der extremsten Form, bei dem die nachfolgende Generation die Rechnung in Form einer unbewohnbaren Welt präsentiert bekommt.
Wahrer Luxus beim Reisen ist nicht die zurückgelegte Entfernung, sondern die Entschleunigung. Wer sich auf den Weg macht – ob bei einer ausgedehnten Wanderung, einer Radtour oder beim sanften Gleiten auf Schienen – der lässt den Stress von Flughafenkontrollen und Staus hinter sich.
Beim langsamen, bodengebundenen Reisen beginnt die Erholung bereits an der eigenen Haustür. Das ist Balsam für die Seele, stärkt die innere Gelassenheit und belastet den Planeten nicht.
Es ist die einzige Form des Reisens, die uns wirklich bereichert, anstatt uns etwas zu nehmen.
Meine favorisierte Zeichentrickfigur ist Tobie Lolness aus einer Buchreihe von Timothée de Fombelle. Leider wurden die Bücher in einer deutsch-französischen Kooperation für KiKA für Kinder verfilmt. Die beiden Bücher sind definitiv keine Kinderbücher, sondern Jugendliteratur, die auch Erwachsenen ein Lesevergnügen bereitet. Die beiden Fortsetzungsromane verdichten unseren Makrokosmos im wahrsten Sinne des Wortes zu einem Mikrokosmos. Das Leben auf der Rinde eines Baumes. Die Bewohner verhalten sich dabei genauso gut und schlecht wie wir. Sie sägen auch an dem Ast, auf dem sie sitzen.
Obwohl Tobie Lolness nur anderthalb Millimeter groß ist, trägt er im Laufe der Geschichte buchstäblich das Schicksal seiner gesamten Welt – des riesigen Eichenbaums – auf seinen Schultern. Tobie ist selbst für die Verhältnisse seines Volkes winzig. Mit einer Körpergröße von nur 1,5 Millimetern wirkt er oft zerbrechlich, was ihn für seine Feinde leicht unterschätzbar macht.
Was ihm an physischer Stärke fehlt, gleicht er durch enorme Schnelligkeit, Kletterkunst und Geschicklichkeit aus. Im Laufe der Jahre auf der Flucht entwickelt er sich zu einem wahren Überlebenskünstler, der sich in den rauen, unbarmherzigen Zonen des Baumes (und später sogar auf der Erde darunter) zurechtfindet.
Geprägt durch seinen Vater, den weisen Wissenschaftler Sim Lolness, versteht Tobie, dass der Baum ein atmender, lebendiger Organismus ist. Er besitzt ein ausgeprägtes ökologisches Gewissen und Respekt vor allem Lebendigen.
Seine Liebe zu seinen Eltern (Sim und Maia) sowie zu Elisha, seiner großen Liebe, ist sein absoluter Antrieb. Um sie zu retten, nimmt er jedes noch so große Risiko in Kauf.
Tobie ist jedoch kein furchtloser Superheld. Er ist oft einsam und verzweifelt und hat schreckliche Angst. Sein wahrer Mut zeigt sich darin, dass er trotz dieser Ängste und der schier übermächtigen Gegner niemals aufgibt.
Zu Beginn der Geschichte erleben wir Tobie als behütetes Kind einer intellektuellen Familie. Durch die politische Verbannung in die Niederen Äste und die spätere Gefangennahme seiner Eltern wird er brutal aus dieser Welt gerissen. Er wird zum permanenten Flüchtling, verliert seine kindliche Unschuld und muss lernen, unsichtbar zu bleiben und der ständigen Verfolgung durch Jo Mitchs Handlanger zu entkommen.
Tobie durchläuft eine Wandlung vom reaktiven Flüchtling zum aktiven Kämpfer. Er erkennt, dass reines Überleben nicht mehr ausreicht. Er verlässt sein sicheres Exil beim „Grasvolk”, kehrt in den Baum zurück und entwickelt sich zum Dreh- und Angelpunkt des Widerstands. Er lernt, Allianzen zu schmieden, und übernimmt die Verantwortung, nicht nur seine Liebsten, sondern den Baum selbst vor der endgültigen Zerstörung zu bewahren.
Tobie verkörpert das klassische Motiv, dass selbst der Kleinste die Welt verändern kann – nicht durch rohe Gewalt, sondern durch Standhaftigkeit, Liebe und das Festhalten an moralischen Werten in einer korrupten Gesellschaft.
Die Zeichentrickfigur und Romanheld Tobie Lolness ist meine Lieblingsfigur.
Bitte erst die Bücher lesen, dann die Zeichentrickserie schauen. Andersherum wird es eine Enttäuschung. Die Zeichentrickserie ist liebevoll umgesetzt und die Bilder entsprechen den Bildern, die ich beim Lesen der Romane im Kopf hatte.
Ich hätte mir eine Verfilmung durch James Cameron oder Steven Spielberg mit echten Schauspieler:innen gewünscht.
Finanzieller Erfolg ist dann erreicht, wenn Geld aufhört, eine Quelle von Stress, Sorge oder Neid zu sein, und stattdessen ein stiller Ermöglicher für ein friedvolles und selbstbestimmtes Leben wird.
Würde ich meinen materiellen oder Komfortwünschen (z. B. täglich in einem Restaurant essen zu können) nachgehen wollen, würden meine regelmäßig gleichbleibenden Einnahmen dafür nicht ausreichen. In meinem Leben war es immer so, dass ich mit dem Geld, das mir zur Verfügung stand, ausgekommen bin. Mit viel Geld konnte ich mir viele Wünsche erfüllen, mit wenig Geld konnte ich haushalten. Da ich fast keine Süchte kenne, wurde ich nach der Erfüllung von Wünschen nie süchtig. Mit wenig Geld dauerte es etwas länger, bis ich mir bestimmte Wünsche erfüllen konnte. Und wenn ich zurückblicke, dann ist das Gefühl, sich einen lang gehegten Wunsch durch Ansparen zu erfüllen, ein sehr erfüllendes. Wenn ich mir Wünsche jedoch sofort und ohne nachzudenken und nachzurechnen erfüllen konnte, verlor ich das Gefühl für ihren Wert.
Etwas ist immer mehr als nichts, weshalb es mir gelingt, mit einem bestimmten Einkommen gut auszukommen. Außerdem versuche ich, Geld nachhaltig auszugeben, und überlege, ob ich das, was ich mir wünsche, auch tatsächlich gerade jetzt brauche oder doch lieber später oder gar nicht.
Ich versuche, einen möglichst ressourcenschonenden Lebensstandard zu haben, und bin keinem existenziellen Druck ausgesetzt.
Zeit ist mir wichtiger als Geld.
Die laufenden Kosten für Wohnen, Ernährung, Gesundheit und Mobilität können problemlos und verlässlich gedeckt werden. Es gibt einen ausreichenden Notgroschen für unvorhergesehene Ausgaben, beispielsweise für eine kaputte Waschmaschine oder unerwartete Rechnungen. Konsumschulden sind abgebaut und stellen keine psychologische oder finanzielle Belastung mehr dar.
Meine Einstellung, mich mit wenig zufriedengeben zu können, ohne neidisch oder gierig zu sein, ist der Schlüssel zu meinem ganz persönlichen finanziellen Erfolg.
Tägliche Schreibanregung
Wie beeinflusst deine Einstellung deinen finanziellen Erfolg?
Ich lese Bücher auf einem E-Reader. Ich habe es schon einmal bereut, ein Buch heruntergeladen zu haben.
Der Nachteil beim Kauf eines Buches für den E-Reader oder die Zusendung ist, dass man das Buch nicht in den Händen hält und somit nicht sofort erkennt, wie viele Seiten man für sein Geld erhält.
Ich hatte mir mehrere Romane eines französischen Autors in chronologischer Reihenfolge heruntergeladen und gelesen. Jeder dieser Romane hatte zwischen 300 und 400 Seiten. Der letzte „Roman” hatte nur 112 Seiten, und das für den annähernd gleichen Preis der vorherigen. Das empfand ich als Wucher.
Seitdem achte ich immer darauf, wie viele Seiten ein Buch hat, und stelle den Preis ins Verhältnis dazu.
Ich habe es noch nie bereut, ein Buch gelesen zu haben.
Selbst aus einem Buch, das mich ärgerlich zurücklässt, kann ich noch gute Erkenntnisse ziehen.
Wie bereits vor einigen Tagen geschrieben, gibt es allerdings ein Buch, das ich nicht zu Ende gelesen habe, weil es mich überhaupt nicht angesprochen hat. Dass ich es gekauft und angelesen habe, bereue ich nicht.
Tägliche Schreibanregung
Hast du es schon mal bereut, ein Buch gelesen zu haben – welches und warum?
Wer eine solche Frage, nach dem besten bzw. schlimmsten Flughafen, stellt, hat den Ernst der mittlerweile unaufhaltsamen Klimakatastrophe immer noch nicht begriffen.
Flughäfen sind der Ausgangs- und Endpunkt der mit Abstand klimaschädlichsten Art der Fortbewegung. Wer in ein Flugzeug steigt, trägt in kurzer Zeit massiv zur Erderwärmung bei. Das liegt nicht nur am Treibstoffverbrauch, sondern auch daran, dass die Emissionen in großer Höhe freigesetzt werden.
Flugzeuge verbrennen enorme Mengen Kerosin, einen fossilen Brennstoff. Das dabei entstehende CO₂ (Kohlendioxid) wird direkt in die Atmosphäre abgegeben.
Bei einem einzigen Hin- und Rückflug von Frankfurt nach New York verursacht eine Person rund zwei bis drei Tonnen CO₂. Das übersteigt das klimaverträgliche Jahresbudget eines Menschen, wenn die weltweiten Klimaziele eingehalten werden sollen.
Was das Fliegen besonders problematisch macht, ist die Reiseflughöhe. In 9 bis 12 Kilometern Höhe wirken die Emissionen physikalisch und chemisch völlig anders als am Boden.
Der Wasserdampf und die Rußpartikel aus den Triebwerken gefrieren in der kalten Luft sofort. Es entstehen feine Zirruswolken. Diese künstlichen Wolken lassen zwar kurzwellige Sonnenstrahlung herein, hindern aber die langwellige Wärmestrahlung der Erde daran, ins All zu entweichen – sie wirken wie ein massiver Treibhauseffekt.
Stickoxide (NO_x) führen in der Reiseflughöhe zur Bildung von Ozon, welches in dieser Atmosphärenschicht ebenfalls als starkes Treibhausgas wirkt.
Wissenschaftler fassen diese Effekte im sogenannten RFI-Wert (Radiative Forcing Index) zusammen. Die Faustregel besagt, dass die tatsächliche Klimawirkung eines Fluges zwei- bis dreimal so hoch ist wie die der reinen CO₂-Emissionen aus dem Triebwerk.
Im Jahr 2024 lag das weltweite Passagieraufkommen bei etwa 9 Billionen Passagierkilometern, also 9.000 Milliarden Kilometern.
Der internationale Luftfahrtverband IATA geht davon aus, dass sich diese Zahl durch die wachsende Nachfrage bis zum Jahr 2050 auf über 20,8 Billionen Passagierkilometer verdoppeln wird.
Bei einem durchschnittlichen Ausstoß von etwa 110 bis 130 Gramm CO₂ pro Passagierkilometer (abhängig von Auslastung, Flugzeugtyp und Strecke) wurden direkt etwa eine Milliarde Tonnen CO₂ erzeugt. Das entspricht in etwa den jährlichen Gesamtemissionen eines Industriestaates wie Japan.
Berücksichtigt man die zusätzlichen heizenden Effekte von Kondensstreifen, Zirruswolken und Stickoxiden in der Reiseflughöhe (mit dem gängigen Multiplikator von ca. 2 bis 3), steigt die reale Klimawirkung auf das Äquivalent von 2,5 bis 3 Milliarden Tonnen CO₂ pro Jahr.
Somit ist der globale Flugverkehr einer der intensivsten Treiber der Erderwärmung – gemessen an der verhältnismäßig geringen Zahl von Menschen, die überhaupt regelmäßig fliegen.
„How dare you!”
Meine Botschaft lautet: Wir werden euch im Auge behalten!
Das alles ist falsch. Ich sollte gar nicht hier oben stehen. Eigentlich sollte ich wieder in der Schule sein, auf der anderen Seite des Ozeans. Und trotzdem wendet ihr euch an uns junge Menschen, um Hoffnung zu finden. Wie könnt ihr es wagen!
Mit euren leeren Worten habt ihr mir meine Träume und meine Kindheit geraubt. Und doch gehöre ich zu den Glücklichen. Menschen leiden. Menschen sterben. Ganze Ökosysteme brechen zusammen. Wir stehen am Anfang eines Massensterbens und alles, worüber ihr reden könnt, ist Geld und Märchen von ewigem Wirtschaftswachstum. Wie könnt ihr es wagen!
Seit mehr als 30 Jahren ist die wissenschaftliche Lage glasklar. Wie können Sie es wagen, weiterhin wegzuschauen, hierherzukommen und zu behaupten, Sie würden genug tun, obwohl die notwendigen politischen Maßnahmen und Lösungen noch immer nicht in Sicht sind?
Ihr sagt, ihr hörtet uns zu und versteht, wie dringend die Lage ist. Aber egal, wie traurig und wütend ich bin, das will ich nicht glauben. Wenn ihr die Situation wirklich verstehen würdet und trotzdem untätig bliebt, dann wärt ihr böse. Und das weigere ich mich zu glauben.
Die weit verbreitete Vorstellung, unsere Emissionen innerhalb von zehn Jahren zu halbieren, bietet uns lediglich eine 50-prozentige Chance, die Erderwärmung auf unter 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Zudem birgt sie das Risiko irreversibler Kettenreaktionen, die sich der menschlichen Kontrolle entziehen.
Fünfzig Prozent mögen für euch akzeptabel sein. Diese Zahlen berücksichtigen jedoch weder Kipppunkte noch die meisten Rückkopplungsschleifen, die durch giftige Luftverschmutzung verursachte zusätzliche Erwärmung oder Aspekte der Gerechtigkeit und Klimagerechtigkeit. Außerdem setzen sie voraus, dass meine Generation Hunderte von Milliarden Tonnen Ihres CO₂ mit kaum vorhandenen Technologien aus der Luft filtert.
Ein Risiko von 50 Prozent ist für uns, die wir mit den Folgen leben müssen, daher schlichtweg inakzeptabel.
Um eine Wahrscheinlichkeit von 67 % zu erreichen, dass die globale Erwärmung unter 1,5 °C bleibt – die vom Zwischenstaatlichen Ausschuss für Klimawandel als bestes Ergebnis angegebene Wahrscheinlichkeit –, standen der Welt am 1. Januar 2018 noch 420 Gigatonnen CO₂ zur Emission zur Verfügung. Heute ist diese Zahl bereits auf weniger als 350 Gigatonnen gesunken.
Wie können Sie es wagen, so zu tun, als ließe sich das Problem einfach durch „Business as usual“ und ein paar technische Lösungen lösen? Bei den heutigen Emissionswerten wird das verbleibende CO₂-Budget in weniger als achteinhalb Jahren vollständig aufgebraucht sein.
Hier werden keine Lösungen oder Pläne vorgestellt, die diesen Zahlen entsprechen, denn sie sind zu unbequem. Und ihr seid noch nicht reif genug, um die Dinge beim Namen zu nennen.
Ihr lasst uns im Stich. Aber die jungen Menschen beginnen, euren Verrat zu durchschauen. Die Augen aller zukünftigen Generationen sind auf euch gerichtet. Wenn ihr euch entscheidet, uns im Stich zu lassen, dann sage ich euch: Wir werden euch niemals vergeben.
Damit werdet ihr nicht durchkommen. Genau hier und jetzt ziehen wir die Grenze. Die Welt erwacht. Und der Wandel kommt, ob es euch gefällt oder nicht.
Danke.
~ Greta Thunberg, 23.09.2019
Tägliche Schreibanregung
Was war der beste und was der schlimmste Flughafen, an dem du je warst?
Ein Klischee ist, kurz gesagt, eine eingefahrene Vorstellung von etwas oder von menschlichen Typen, Charakteren und deren Verhaltensweisen. In Büchern oder Filmen sind es klassische Motive der Vorhersehbarkeit, der Vereinfachung oder der mangelnden Originalität (Deus ex machina, der Gott aus der Maschine).
Ich finde, Klischees sind an sich nichts Schlechtes. Was für die eine Person eine häufige Lebenserfahrung widerspiegelt, ist für die andere völlig absurd.
Wenn die Atmosphäre stimmt und der Spannungsbogen gehalten wird, nerven mich Klischees in einem Film oder Buch überhaupt nicht, auch wenn sich der Film oder das Buch noch so vieler Klischees bedient. Manche Filme oder Bücher bestehen aus einer Aneinanderreihung von Klischees, die aber so augenzwinkernd bzw. humorvoll beschrieben oder dargestellt werden, dass es fast genial ist.
Ich zeige mich jedoch nicht amüsiert, wenn eine Aneinanderreihung von Klischees das Publikum manipulieren möchte.
In Filmen oder Büchern nervt mich am meisten, wenn ich als Zuschauerin oder Zuschauer förmlich in jedes Logikloch hineingeführt werde und darüber stolpern muss. Dann kann es vorkommen, dass ich den Film oder das Buch vor dem Ende verlasse.
Tägliche Schreibanregung
Welches Klischee/Schema in Büchern oder Filmen nervt dich am meisten?
Wenn ich ein Jahr meines Lebens noch einmal erleben könnte, wäre es nicht das Jahr, in dem ich etwas besonders Schönes erlebt habe, um das Schöne noch einmal zu erleben. Und es wäre auch nicht das Jahr, in dem ich etwas besonders Fieses erlebt habe, um das Fiese vielleicht verhindern oder umgehen zu können.
Nein, ich würde mich für ein Jahr entscheiden, in dem die Weichen für mein zukünftiges Leben gestellt wurden. Natürlich mit dem Erfahrungsschatz von heute.
Vielleicht wäre es das Jahr, in dem ich die Wahl hatte, vom fünften Schuljahr der Hauptschule aufs Gymnasium zu wechseln. Ich hatte mich damals fürs Gymnasium entschieden. Heute würde ich mich vermutlich für den Verbleib auf der Hauptschule entscheiden und nach der Hauptschule zur Mittleren Reife oder zum Abitur weiterlernen.
Vielleicht wäre es das Lebensjahr, in dem ich die Wahl gehabt hätte, nach der Mittleren Reife die Oberstufe hin zum Abitur zu durchlaufen. Mein ganzes Umfeld wollte, dass ich eine Ausbildung mache: Meine Eltern, weil sie mich während eines Studiums nicht finanziell unterstützen wollten und lieber sofort Kostgeld kassieren wollten, und die Schule, weil sie aus allen Nähten platzte. Damals hatte ich noch nicht das Bewusstsein und auch nicht das Rückgrat, um anders zu entscheiden.
Vielleicht wäre es das Lebensjahr, in dem ich mich von meiner langjährigen Liebsten trennte. Ich tat es zugunsten einer neuen Liebe.
Vielleicht wäre es das Jahr, in dem ich einer Frau begegnete, einer temporären Kollegin, in die ich mich hoffnungslos und limerent verliebte. Sie sprach klar aus, dass sie meine Liebe nicht erwidern würde. Danach chatteten wir drei Monate lang jeden späten Abend und während der Arbeit per E-Mail. Was sie mir verschwieg, war, dass ihre Hochzeit unmittelbar bevorstand. Ich erfuhr es von Dritten, nachdem sie den Kontakt vor ihrer Hochzeit abrupt abbrach. Einer meiner Werte war und ist, mich nicht in bestehende Beziehungen zu drängen – egal, wie stark meine Gefühle sind. Mit dem Wissen von heute hätte ich Distanz zu ihr gehalten. Es hätte mir eine lange Zeit der Trauer erspart. Es hatte auch etwas Gutes. Durch diese Begegnung war ich plötzlich mit meinen Gefühlen verbunden.
Ich möchte kein Jahr meines Lebens noch einmal erleben. In der Quintessenz ist es gut, wie es war.
Tägliche Schreibanregung
Wenn du ein Jahr deines Lebens noch einmal erleben könntest – welches wäre das?