Finanzieller Erfolg ist dann erreicht, wenn Geld aufhört, eine Quelle von Stress, Sorge oder Neid zu sein, und stattdessen ein stiller Ermöglicher für ein friedvolles und selbstbestimmtes Leben wird.
Würde ich meinen materiellen oder Komfortwünschen (z. B. täglich in einem Restaurant essen zu können) nachgehen wollen, würden meine regelmäßig gleichbleibenden Einnahmen dafür nicht ausreichen. In meinem Leben war es immer so, dass ich mit dem Geld, das mir zur Verfügung stand, ausgekommen bin. Mit viel Geld konnte ich mir viele Wünsche erfüllen, mit wenig Geld konnte ich haushalten. Da ich fast keine Süchte kenne, wurde ich nach der Erfüllung von Wünschen nie süchtig. Mit wenig Geld dauerte es etwas länger, bis ich mir bestimmte Wünsche erfüllen konnte. Und wenn ich zurückblicke, dann ist das Gefühl, sich einen lang gehegten Wunsch durch Ansparen zu erfüllen, ein sehr erfüllendes. Wenn ich mir Wünsche jedoch sofort und ohne nachzudenken und nachzurechnen erfüllen konnte, verlor ich das Gefühl für ihren Wert.
Etwas ist immer mehr als nichts, weshalb es mir gelingt, mit einem bestimmten Einkommen gut auszukommen. Außerdem versuche ich, Geld nachhaltig auszugeben, und überlege, ob ich das, was ich mir wünsche, auch tatsächlich gerade jetzt brauche oder doch lieber später oder gar nicht.
Ich versuche, einen möglichst ressourcenschonenden Lebensstandard zu haben, und bin keinem existenziellen Druck ausgesetzt.
Zeit ist mir wichtiger als Geld.
Die laufenden Kosten für Wohnen, Ernährung, Gesundheit und Mobilität können problemlos und verlässlich gedeckt werden. Es gibt einen ausreichenden Notgroschen für unvorhergesehene Ausgaben, beispielsweise für eine kaputte Waschmaschine oder unerwartete Rechnungen. Konsumschulden sind abgebaut und stellen keine psychologische oder finanzielle Belastung mehr dar.
Meine Einstellung, mich mit wenig zufriedengeben zu können, ohne neidisch oder gierig zu sein, ist der Schlüssel zu meinem ganz persönlichen finanziellen Erfolg.
Tägliche Schreibanregung
Wie beeinflusst deine Einstellung deinen finanziellen Erfolg?
Meine Muttersprache ist Deutsch. Daneben spreche ich Schulenglisch und -französisch. Zudem habe ich einen Anfängerkurs in Niederländisch besucht.
Ich wüsste nicht, wie sich das auf mein Leben ausgewirkt hat. Außer meiner Muttersprache habe ich die anderen Sprachen so gut wie nicht angewendet.
Die deutsche Sprache und Kultur haben mein Denken sicherlich beeinflusst. Ich bin froh, Deutsch zu sprechen, in Deutsch zu denken und in Deutsch zu träumen. Die deutsche Sprache ist nuancenreich und detailgenau. Auf Deutsch wurden viele der einflussreichsten literarischen, philosophischen und wissenschaftlichen Werke der Weltgeschichte verfasst. Der komplexe Satzbau zwingt dazu, einen Gedanken erst vollständig zu Ende zu denken (was in der Gesellschaft jedoch zunehmend seltener der Fall ist). Die deutsche Grammatik ist weitgehend logisch aufgebaut und bildet ein verlässliches Regelwerk. Im Deutschen wird fast alles so ausgesprochen, wie es geschrieben wird. Kennt man die grundlegenden Lautregeln, lassen sich auch bislang unbekannte Wörter korrekt aussprechen.
Für kreatives Schreiben und Sprechen kann ich mir keine bessere Sprache vorstellen.
Täglicher Schreibanreiz
Welche Sprachen sprichst du – und wie hat das dein Leben beeinflusst?
In dieser Podcast-Folge wird die zunehmende Unterstützung für radikale rechte Parteien thematisiert und untersucht, warum immer mehr Menschen solche Parteien wählen. Die Autoren Kathrin Kühn und Patric Seibel beziehen sich dabei auf die Forschung des Politikwissenschaftlers Vicente Valentim.
Dieser argumentiert, dass sich die politischen Ansichten der Menschen nicht plötzlich geändert haben. Vielmehr seien diese Ansichten schon immer vorhanden gewesen, könnten jetzt aber offener ausgedrückt werden. Viele Menschen trauen sich, ihre rechten Einstellungen zu zeigen, da diese in der Gesellschaft weniger tabuisiert werden.
Valentim beschreibt drei Phasen der Normalisierung radikaler rechter Ansichten:
Latenzphase: Menschen mit rechten Ansichten äußern sich nicht, da es keine geeigneten Politiker gibt, die diese Ansichten vertreten.
Aktivierungsphase: Durch externe Ereignisse wie Krisen oder plötzliche Veränderungen (z. B. Migration) beginnen mehr Menschen, ihre extremen Ansichten zu äußern. Politiker erkennen die Möglichkeit, mit diesen Ansichten Wähler zu gewinnen.
Auftauchphase: Radikale rechte Positionen werden gesellschaftlich akzeptiert und normalisiert. Die Menschen fühlen sich wohler, wenn sie ihre Ansichten offen zeigen.
In dieser Podcastfolge wird auch darauf hingewiesen, dass die Medien eine wichtige Rolle spielen, da sie die öffentliche Meinung beeinflussen. Es wird diskutiert, wie sich die Diskussion über Migration in Talkshows zwischen 2015 und 2023 verändert hat: Radikale Forderungen rufen heute weniger Widerstand hervor als früher.
Zusammenfassend zeigt diese Podcast-Folge, dass die Unterstützung für radikale rechte Parteien nicht durch einen plötzlichen Anstieg rechter Einstellungen, sondern durch die Normalisierung dieser Ansichten in der Gesellschaft erklärt werden kann.
Podcastfolge „Rechtsextremismus: Warum die radikale Rechte so stark wird“ vom –30.10.2025– aus dem Deutschlandfunk-Podcast „Systemfragen“.
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Der Sendungsbeitrag handelt von Gert Heidenreich, einem bekannten deutschen Hörspielsprecher, Autor und Journalisten. Heidenreich blickt auf eine lange Karriere in der deutschen Medienlandschaft zurück und hat viele bedeutende Werke wie Goethes „Faust” und Tolkiens „Der Herr der Ringe” vertont.
Im Sendungsbeitrag reflektiert Heidenreich über seine Erfahrungen und Gedanken zu Deutschland. Er erinnert sich beispielsweise daran, wie er als Jugendlicher an einer Demonstration gegen die Notstandsgesetze in München teilnahm. Diese Erfahrung prägte sein Gefühl für Identität und Verantwortung in einem Land, das noch immer unter den Nachwirkungen des Krieges litt.
Er beschreibt, wie ihn seine Kindheit in einem zerstörten Deutschland beeinflusste und dass viele seiner Generation mit einem Trauma aufwuchsen. Heidenreich spricht auch über die Herausforderungen, mit denen das Land in den 1960er Jahren konfrontiert war, als ehemalige Nazis in vielen wichtigen Positionen saßen. Dies führte zur 68er-Bewegung, die versuchte, Deutschland geistig zu verändern.
Heidenreich hat ein komplexes Verhältnis zum Begriff „Heimat”, da er sowohl in Deutschland als auch in Frankreich lebt. Er hat viel von der Welt gesehen und ist der Meinung, dass das Gefühl von Heimat oft individuell ist und von persönlichen Erfahrungen abhängt.
Er betont die Wichtigkeit, soziale Spannungen in der Gesellschaft zu erkennen, und dass Demokratie ein stetiger Prozess ist, der gepflegt werden muss. Zudem wünscht er sich, dass der Fokus im deutschen Bildungssystem stärker auf den Geisteswissenschaften liegt.
Aus dem Interview „Denk ich an Deutschland: der Hörspielsprecher Gert Heidenreich“ der Deutschlandfunk-Sendung „Information und Musik“ vom –24.05.2026-.
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Dies ist die kurze Geschichte über einen Menschen, der mein Leben positiv beeinflusst hat.
Es war mein Deutschlehrer H., der Konrektor des Gymnasiums, ein sogenannter alter Knochen, geprägt durch die Erfahrungen der Nazi-, Kriegs- und Nachkriegszeit. Sein Tick waren lateinische Sprüche. Er war ein Lehrer, der die Klasse verstummen ließ, wenn er den Raum betrat. Ich hatte Probleme mit Autoritäten. Ich machte mich klein und hoffte, unsichtbar zu sein. Ich war einer der schlechtesten Deutschschüler. Bis zu dem einen Morgen nach der großen Pause.
In dieser Pause nahm ich meinen kleineren Klassenkameraden P. spaßeshalber unter den Arm. In der darauffolgenden Deutschstunde wurde P. übel und H. fragte ihn, ob er wisse, woher seine Übelkeit komme. P. berichtete von meinem Armgriff.
Danach wackelten die Wände. H. schrie mich an, machte mir die größten Vorwürfe und trug mir auf, bis zum nächsten Tag zwölf DIN-A4-Seiten zu beschriften. Zuhause angekommen, war ich außer mir. Ich bebte vor empfundener Ungerechtigkeit. Ich hatte lediglich in der Pause mit P. geflachst und ihn möglicherweise unglücklich gegriffen. Meine Eltern suchten das Gespräch mit H., und ich gab meine zwölf DIN-A4-Seiten ab. Dann geschah etwas Überraschendes.
In den folgenden Wochen und Monaten gehörte ich immer zu denjenigen, die ihre Deutschhausaufgaben vor der Klasse stehend vortragen mussten. Nicht, weil H. mich vorführen oder beschämen wollte, sondern, wie ich gleich beim ersten Mal merkte, weil er mich von nun an fördern wollte. Im Laufe der Zeit wurde ich zu einem guten Deutschschüler. Ohne H. wäre ich heute vermutlich ein anderer Mensch.
Unsere gegenseitige Sympathie ging sogar so weit, dass mein befreundeter Klassenkamerad R. und ich eine Radtour auf die andere Rheinseite unternahmen, um H. zu Hause überraschend zu besuchen. Wir wurden freundlich empfangen. Ich lernte, was der Spruch „Harte Schale, weicher Kern” bedeutet.
=> Weitere „dailyprompts“ aller Blogger:innen: LINK
Es sind drei Lehrer:innen, die mich geprägt haben. Indirekt sind es sogar vier.
Nach der Grundschule erhielt ich keine Empfehlung für das Gymnasium, da meine Klassenlehrerin, Frau D., der Meinung war, dass Kinder, deren Eltern keine Fremdsprachen sprechen, auf dem Gymnasium nichts zu suchen haben. Auch nicht auf der Realschule.
Ich ging also in die fünfte Klasse der Hauptschule. Meine Klassenlehrerin, Frau K., war wohl Berufseinsteigerin, noch voller Illusionen und Enthusiasmus. Sie war mitfühlend, zugewandt und hatte alle ihre Schülerinnen und Schüler im Blick. Ihr war sehr daran gelegen, dass aus der Klasse eine Gemeinschaft wurde. Und das wurden wir. Wir trafen uns oft nachmittags nach der Schule zum Spielen. Wir Jungs vor allem, um Fußball zu spielen. Und Frau K. war sehr oft dabei. Das schweißte uns zusammen und machte aus vielen von uns eine eingeschworene Gemeinschaft. Unter ihrer Führung wurde ich einer der besten Schüler:innen der Klasse. Frau K. nutzte die Klassenbesten, um die Schwächeren zu unterstützen. Mit Erfolg. Viele von uns konnten am Ende des Schuljahres die Hauptschule in Richtung Realschule oder Gymnasium verlassen. Dazu musste man eine Aufnahmeprüfung bestehen. Frau K. ist mir bis heute lebendig in Erinnerung.
Ich wechselte aufs Gymnasium und erlebte sozusagen das Gegenteil. Überfüllte Klassen und Schulhöfe, überforderte Lehrer:innen. Ich schleppte mich die ersten drei Jahre durch, ging dann völlig unter und blieb glücklicherweise nach dem siebten Schuljahr sitzen.
Ich kam in eine Klassengemeinschaft, die sich in den drei Jahren zuvor gut entwickelt hatte und sich ähnlich anfühlte wie unsere in der Hauptschule. Unser Klassenlehrer war Herr D., ein noch junger, drahtiger, sportlicher und lebenslustiger Mensch. Ihm habe ich meine Liebe zu Frankreich und zur französischen Sprache zu verdanken, die ich aktuell wieder auffrische. Auch er war ein Lehrer, der seinen Schüler:innen auf Augenhöhe begegnete, und es wurde immer respektiert, dass er der Erste unter Gleichen war. Er blieb unser Klassenlehrer bis zum Abschluss des 10. Schuljahres. Irgendwann stellten Herr D. und ich fest, dass er meine Klassenlehrerin aus der Hauptschule, Frau K., geheiratet hatte. Diese Erinnerung erzeugt noch heute Gänsehaut bei mir. Was für eine schöne Fügung!
Als Deutschlehrer hatten wir den Konrektor des Gymnasiums, Herrn H., einen sogenannten alten Knochen, geprägt durch die Erfahrungen der Nazi-, Kriegs- und Nachkriegszeit. Er war ein Lehrer, der die Klasse verstummen ließ, wenn er den Raum betrat. Ich habe schon immer Probleme mit Autoritäten. Ich machte mich klein und hoffte, unsichtbar zu sein. Ich war einer der schlechtesten Deutschschüler:innen. Bis zu dem Morgen nach der großen Pause, als ich meinen kleineren Klassenkameraden P. spaßeshalber unter den Arm nahm. In der darauffolgenden Deutschstunde wurde P. übel und H. fragte ihn, ob er sich seine Übelkeit erklären könne. P. berichtete von meinem Armgriff.
Danach wackelten die Wände. H. schrie mich an, machte mir die größten Vorwürfe und trug mir auf, bis zum nächsten Tag zwölf DIN-A4-Seiten zu beschriften. Zuhause angekommen, war ich außer mir. Ich bebte vor empfundener Ungerechtigkeit. Ich hatte lediglich in der Pause mit P. geflachst und ihn möglicherweise unglücklich gegriffen. Meine Eltern suchten das Gespräch mit H., woraufhin das Überraschende geschah.
In den folgenden Wochen und Monaten gehörte ich immer zu denjenigen, die ihre Deutschhausaufgaben vor der Klasse stehend vortragen mussten. Nicht, weil H. mich vorführen wollte, sondern, wie ich gleich beim ersten Mal merkte, weil er mich von nun an förderte. Ohne H. wäre ich heute vermutlich ein anderer Mensch.
Unsere gegenseitige Sympathie ging sogar so weit, dass ich mit meinem befreundeten Klassenkameraden R. eine Radtour auf die andere Rheinseite unternahm, um H. zu Hause zu besuchen. Wir wurden freundlich empfangen. Ich lernte, was der Spruch „Harte Schale, weicher Kern” bedeutete.
Von K., D. und H. lernte ich, wie wichtig es ist, Kinder zu fordern und zu fördern.
Fordern und Fördern, das eine nicht ohne das andere, ist zu einer meiner Lebensmaximen und zu meinem Erfolgsrezept geworden.
Täglicher Schreibanreiz
Welcher Lehrer hat dich am meisten beeinflusst? Warum?
Wir verstehen das Leben vorwärts, aber wir müssen es rückwärts verstehen.
– Sören Kierkegaard
Mit zunehmender Lebenserfahrung konzentriere ich mich mehr auf das, was ich im Leben für wesentlich halte. Die Anzahl meiner Freundschaften sinkt, dafür werden die bestehenden Freundschaften intensiver. Ich muss nichts mehr tun oder unterlassen, ich entscheide es selbst. Aus dem Müssen wird ein Wollen. Mit zunehmender Lebenserfahrung merke ich, dass sich alles um mich herum in Schleifen dreht und sich wiederholt. Ich werde gelassener und kann Dinge so sein lassen. Ich habe erfahren, dass ich darauf vertrauen kann, dass sich (fast) alles fügt. Ich springe nicht mehr über jedes Stöckchen, das mir jemand hinhält. Ich habe mein inneres Kind, mein Schattenkind, beruhigt und kann dadurch – bildlich gesprochen – wie ein Fels in der Brandung den Stürmen des Lebens widerstehen. Es gelingt mir immer besser, unwiederbringliche Momente ohne Ablenkung zu genießen. Mein Blick öffnet sich immer mehr für die Dinge und Menschen, für die ich dankbar bin. Was andere von mir denken, wird immer unwichtiger. Wichtig ist, was ich von mir selbst halte, ob ich meine Werte auch lebe und ob ich mich selbst als authentisch empfinde. Mit zunehmender Lebenserfahrung wächst die Erkenntnis, dass ich meine Zeit heute sinnvoll nutzen möchte. Fehler sind keine Katastrophe mehr, sondern Lehrgeld, das ich zahle, um es beim nächsten Mal besser zu machen. Es gibt kein richtig oder falsch, sondern nur besser oder schlechter. Glücklich sein kann ich nur im Hier und Jetzt. Auf Glück kann man nicht sparen.
Nicht was wir erleben, sondern wie wir es empfinden, macht unser Schicksal aus.
– Marie von Ebner-Eschenbach
Wichtige Lebensereignisse waren für mich: meine Geburt (da draußen war es ganz anders als in Mamas Bauch), die erste Operation unter Narkose, die Einschulung, der Wechsel zur weiterführenden Schule, die erste Freundin, die Zeit der Ausbildung, die Ableistung des Grundwehrdienstes, der infame Sturz Helmut Schmidts, die Zeit der Fortbildung, die Katastrophe von Tschernobyl, die Heirat und die plötzliche Mitverantwortung für ein dreijähriges Kind, die Öffnung der deutsch-deutschen Grenze und der Anschluss der DDR an die BRD, die Verweigerung einer Volksabstimmung darüber, der Hauskauf, die Altbausanierung, die Zerstörung aller politischen Illusionen durch die SPD – namentlich Gerhard Schröder – und die Grünen – namentlich Joschka Fischer –, die Inszenierung der Terroranschläge auf die Twin Towers und vieles mehr.
Die Vorlaufzeit einer Auslandsadoption, das außereheliche Verliebtsein und das Spüren, dass die eigene Ehe nahezu gescheitert ist, der Versuch, sie zu retten, und das Scheitern an dieser Rettung, der Entschluss, die Ehe zu verlassen und allein zu leben, die Umstellung auf pflanzliche und zwischendurch auch auf histaminfreie Ernährung, die sich abzeichnende Klimakatastrophe und die Hoffnung, die Fridays For Future brachte, die jedoch jäh durch eine Pandemie zunichte gemacht wurde, die schleichende weltweite Aushöhlung der Demokratie im Allgemeinen und unseres Grundgesetzes im Besonderen sowie all die Liebesgeschichten, die vom Finden des anderen handeln, vom Unglück der ersten Zeit, in der der unwahrscheinliche Fall einer gegenseitigen Liebe hergestellt werden soll, in der einer noch nicht so richtig will oder andere Umstände ein Zusammensein verhindern.
Die Flutung unserer Welt mit massenhaften Narrativen, gefälschten Bildern und Videos hat meine Wahrnehmung ebenfalls nachhaltig verändert.
All diese wichtigen Lebensereignisse haben meine Sicht auf das Leben mehr oder weniger stark beeinflusst. Diesen Einfluss im Einzelnen zu beschreiben, würde den Rahmen eines Daily Prompts sprengen.
Ich lebe im Augenblick, im Hier und Jetzt. Deshalb will ich mich nicht mehr mit den unsäglichen Manipulationsversuchen der Herrschenden beschäftigen. Ich habe alle Informationsquellen verschlossen und alle Abos beendet. Ich werde mich nicht mehr an der politischen Willensbildung beteiligen und nicht mehr wählen. Es gibt kein richtiges Leben im falschen. Bitte informiert mich, wenn es irgendwo eine neue Demokratie ohne Parteien und Lobbyisten mit einer Gemeinwohlökonomie geben sollte. Dann denke ich darüber nach, meine innere Emigration zu beenden und mich wieder am öffentlichen Leben zu beteiligen. Bis dahin werde ich mich den schönen Dingen widmen, was meinem Blutdruck sicherlich zuträglich ist.
Lange beschäftigte mich u. a. die Frage, wie es zur nationalsozialistischen Zeit mit ihrem Massenmord an Juden, Russen, „unwertem” Leben, Andersdenkenden und einem massenhaften Mitläufertum, Mitmachtum oder Schweigen kommen konnte. Meine Hochachtung gilt beispielsweise den Geschwistern Scholl, den Mitgliedern der Roten Laterne und den Menschen, die Leben gerettet haben.
Täglicher Schreibanreiz
Wie beeinflussen wichtige Lebensereignisse oder der Lauf der Zeit deine Sicht auf das Leben?
How do significant life events or the passage of time influence your perspective on life? | Wie beeinflussen bedeutende Lebensereignisse oder der Lauf der Zeit Ihre Sichtweise auf das Leben?
Es gibt viele Menschen – ausschließlich Frauen – die mein Leben positiv beeinflusst haben. Oftmals kenne ich diese Frauen nur oberflächlich; sie zu beschreiben, würde ihnen nicht gerecht werden.
Da wäre zum Beispiel J., meine Oma, bei der ich viel Zeit meiner Kindheit verbrachte. Bei ihr habe ich mich geliebt gefühlt. Und akzeptiert, so wie ich bin. Bei ihr war ich gut genug. Sie war meine Rettung in der Kindheit. Sie war die erste Frau, neben der ich in einem Doppelbett schlief. Beim Einschlafen durfte ich ihre Hand halten.
C. war eine Mitschülerin im Schreibmaschinenkurs. Es war meine alberne Zeit. Das gefiel ihr. Sie beauftragte ihren älteren Bruder und dessen Freund herauszufinden, ob ich mit ihr gehen wolle. Ich wollte. Ich konnte aber noch nicht. Sie wollte mich küssen. Sie wollte Haut auf Haut spüren. Dafür war ich noch nicht reif. Mir genügte meine Albernheit. Durch sie lernte ich meine Eifersucht kennen und „besiegen”. Seitdem ist Eifersucht (fast) kein Thema mehr für mich.
M. war eine Mitsängerin im Jugend- und jungen Erwachsenenchor. Ich war in sie verliebt. Ich war schüchtern. Ich traute mich nicht. Durch sie lernte ich, dass ich mein Schneckenhaus auch mal verlassen muss. „Es reicht nicht, etwas zu wollen, man muss es auch tun.“
K. war eine Mitsängerin im Jugend- und jungen Erwachsenenchor. Sie war in mich verliebt. Ich jedoch nicht in sie. Sie offenbarte sich mir. Ich lehnte freundlich ab. Danach durfte ich sie nie mehr mit dem Auto nach Hause fahren. Durch sie lernte ich, Nein zu sagen und die Folgen zu tragen.
B. (siehe B.) war eine Mitsängerin – ihr wisst schon. Sie war mein Coming-out-of-age, meine Erwachsenwerdung. Mit ihr konnte ich zum ersten Mal küssen. Wir lagen Haut an Haut und mehr.
C. lernte ich im Friedensgrüppchen kennen und lieben. Bald heirateten wir. Sie brachte ein Kind mit. Jahre später adoptierten wir ein weiteres. Kurz darauf brachte uns das Jugendamt ein weiteres Kind zur Dauerpflege. Was uns anfangs verband, brachte uns später auseinander. Schleichend, bis es zu spät war. Durch sie und mit ihr lernte ich, was Verantwortung bedeutet – auch über die Trennung hinaus. Ohne die Trennung hätte ich mein inneres Kind nicht befrieden können.
S. war eine Nachbarin, die frisch verlassen war und sich einen Spaß daraus machte, andere Ehen zu zerstören. Fast wäre ich auf sie hereingefallen. Durch sie lernte ich, was es heißt, seinen Gefühlen nicht mehr vertrauen zu können, und wie leicht ich manipulierbar war. Die Sicherheit, meinen Gefühlen wieder vertrauen zu können, kam mit N. zurück. …
mein Leben haben sehr positiv beeinflusst so viele Menschen
… N. war eine entfernte Arbeitskollegin und gefühlt die (unerfüllte) Liebe meines Lebens. Wir arbeiteten drei Monate lang in einem Projekt zusammen. Nie ging ich leichter zur Arbeit. Einen Tag nach dem Ende des Projekts offenbarte ich mich ihr. Sie liebe mich nicht, schrieb sie – und chattete drei Monate lang jeden Abend stundenlang mit mir. Plötzlich war Funkstille. Wie ich später erfuhr, heiratete sie kurz danach. Sie hat es mir verschwiegen. Durch sie konnte ich die Leichtigkeit des Seins spüren und anschließend die Schwere einer tiefen Traurigkeit erleben.
C. war nur ein kurzer virtueller Kontakt, der mir die Augen und das Herz für das unsägliche Leid geöffnet hat, das wir den Tieren antun. Durch sie begann ich, mich pflanzlich zu ernähren und vegan zu leben.
J. war eine weitere entfernte Arbeitskollegin, in die ich mich ebenfalls verliebte. Leider hatte ich das falsche Geschlecht. Auch mit ihr arbeitete ich drei Monate lang in einem Projekt zusammen. Wir hatten viel Spaß, aber sie hatte auch Schmerzen. Beim Marathon-Training rannte sie gegen eine herunterfahrende Schranke. Die Platzwunde am Kopf musste genäht werden. Ich übernahm den Krankentransport. Zum Abschied gab sie mir den entscheidenden verbalen Tritt in den Hintern, um meine Grübeleien zu beenden und mich aus meiner Ehe zu verabschieden.
N. ist meine beste Freundin. Wir können über alles reden und uns gute Ratschläge geben. Wir kennen uns seit fast 25 Jahren, unsere Freundschaft besteht seit 13 Jahren. Als wir einmal beide durchhingen, blieben wir an einem viel zu warmen Sommerabend mehrere Stunden lang umarmt auf einem Hinterhofparkplatz stehen, spürten den Herzschlag des jeweils anderen und atmeten im Gleichklang ruhig. Ich hätte niemals für möglich gehalten, wie eine solche Nähe unsere „Batterien” gegenseitig aufladen kann. Wir sehen uns einmal wöchentlich, seit vier Jahren auch mit ihrem Kind, das sie mit ihrem Ehemann hat. Mit ihm bin ich ebenfalls befreundet. Durch sie habe ich tiefgründiges Denken zu schätzen gelernt. Ich habe erkannt, dass es verlässliche und vertraute Beziehungen geben kann.
C. war ein weiterer kurzer virtueller Kontakt (wir haben auch ab und zu telefoniert). Sie ist eine tief introvertierte Frau, für die das Introvertiertsein völlig normal ist. Durch sie habe ich begriffen, dass ich selbst tief introvertiert und demisexuell bin. Das sind die revolutionärsten Erkenntnisse meines Lebens. So erklärten sich meine jahrzehntelangen Verhaltensweisen und ambivalenten Gefühle. Plötzlich fühlte ich mich nicht mehr falsch, sondern richtig. Die Ambivalenz verschwand. Es wird noch eine Weile dauern, bis ich die Rolle des Extravertierten vollständig abgelegt habe und einfach introvertiert sein kann.
T. b. c.
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Beschreibe einen Menschen, der dein Leben positiv beeinflusst hat.