🎶 „In letzter Zeit“, sagt sie, „habe ich das Gefühl, mein Leben …“

Es war ein Morgen, der geradewegs aus einem alten Schwarz-Weiß-Film zu stammen schien, an einem Ort, an dem die Zeit den Atem anzuhalten und sich rückwärts zu drehen schien. Wie ein schattenhafter Fremder schlenderst du gedankenvoll und fast unsichtbar durch die Menge, bis du plötzlich aus dem blendenden Sonnenlicht trittst. Ihr Seidenkleid weht im Laufschritt um sie herum, fließend und flüchtig wie ein Aquarellbild, das im Regen zerfließt. Sie verlangt keine Erklärungen, sie ist einfach da – eine unerwartete Naturgewalt im Jahr der Katze.

https://youtu.be/Ak_MTXQALa0

Bevor du auch nur eine Frage stellen kannst, hat sie sich bereits bei dir eingehakt. Du folgst ihr und verlierst mit jedem Schritt ein wenig mehr das Gefühl dafür, woher du kamst und wohin du eigentlich gehen wolltest. Vorbei an blau gefliesten Wänden und nicht weit von den lebhaften Marktständen entfernt, führt sie dich zielsicher zu einer verborgenen Tür. Ihre Worte sind ein leises Raunen, das dich umfängt: „Das Leben ist ein rastloser Fluss, der unaufhaltsam durch uns hindurchströmt.“

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Ihr Blick trifft dich mit einer kühlen, unergründlichen Ruhe, und in ihren Augen spiegelt sich das fahle Mondlicht auf dem nachtschwarzen Meer. Umhüllt vom schweren, erdigen Duft nach Weihrauch und Patschuli lässt du jede Gegenwehr fallen. Du gibst dich vollkommen hin, um das Geheimnis zu ergründen, das im Schatten auf dich wartet.

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https://music.apple.com/us/song/year-of-the-cat/160423223

Wenn schließlich der nächste Morgen dämmert, bist du noch immer bei ihr. Der Reisebus ist längst abgefahren, die Touristen sind weitergezogen. Du hast deine Pläne verworfen, dein Ticket achtlos weggeworfen und dich bewusst gegen das Geordnete entschieden. Auch wenn tief in dir das leise Wissen ruht, dass du sie eines Tages wieder verlassen musst, schwingt der Nachhall dieser Nacht in dir weiter. Der Rhythmus dieses neu geborenen Tages pocht in deinen Adern und in diesem flüchtigen Augenblick bleibst du.

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🎶 Also, Mary, steig ein …

Die Fliegengittertür fällt leise ins Schloss, während Mary im schwingenden Kleid die Veranda betritt. Im Hintergrund ist das leise Knistern eines Radios zu hören. Es ist ein Abend voller unausgesprochener Sehnsüchte, an dem die unbeschwerte Jugend allmählich zu verblassen scheint und die Gewissheit wächst, dass kein Retter vom Himmel herabsteigen wird.

https://youtu.be/JGBXnw86Mgc

Die wahre Verheißung ruht stattdessen staubig, unvollkommen und ungeduldig wummernd unter der Motorhaube eines Wagens.

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Es ist der drängende, fast verzweifelte Ruf, die sichere, aber erstickende Tristesse der Kleinstadt abzustreifen – einen Ort, an dem verblasste Träume wie rostige Autowracks am Straßenrand verrotten und die Geister alter Erinnerungen im kühlen Morgenwind verwehen.

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https://music.apple.com/de/song/thunder-road/1733551799

Die Nacht bricht auf, die Fenster sind heruntergekurbelt und die „Thunder Road” entrollt sich im Dunkeln als letzte, flüchtige Chance auf echte, greifbare Freiheit. Was bleibt, ist der Mut, die eigenen Ängste zurückzulassen, einzusteigen und jene Stadt der Resignierten weit hinter sich zu lassen, um das eigene Leben zurückzugewinnen.


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📅❓ I see skies of blue, black coffee too, I see trees of green and muesli clean …

Meine Morgenroutine und meine Aktivitäten in der ersten Stunde des Tages ändern sich mit der Zeit. Ich mag Rituale, vor allem neue. Wenn sie sich jedoch irgendwann starr und unbeweglich anfühlen, „erfinde” ich neue.

Geweckt werde ich nach wie vor durch das Programm des Deutschlandfunks. Ich lausche noch ein paar Minuten dem aktuellen Bericht, den darauffolgenden Nachrichten und der Presseschau. Wenn die Nachrichtenredaktionen mich mal wieder mit irgendwelchen Narrativen und/oder einseitigen Betrachtungen indoktrinieren wollen, bin ich hellwach. Das hilft mir ungemein, meine Träume hinter mir zu lassen, im Hier und Jetzt anzukommen und mich darin zu bestätigen, diesen Inszenierungen den Rücken gekehrt zu haben.

Wenn ich dann mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen stehe – also heil die Leiter meines großen Hochbettes heruntergestiegen bin –, entscheide ich spontan, ob ich mich zuerst frisch mache (z. B. Rasieren, Duschen, Zähneputzen) oder frühstücke. Ich frühstücke mein abends zuvor vorbereitetes Müsli und koche mir einen Becher Kaffee. Während des Frühstücks höre ich einen meiner abonnierten Podcasts. Wenn ich ihn für teilenswert halte, teile ich ihn später im Blog.

Ich liebe es, wenn der Sonnenaufgang in meine Morgenroutine fällt. Ich ziehe dann die Rollläden und die Innenjalousien nach oben. Während ich frühstücke, fällt mein Blick himmelwärts und ich erhasche vielleicht die ersten von rechts kommenden Sonnenstrahlen. Ich blicke ins beruhigende Grün der Baumkronen.

Für Frühstück, Podcast und den Badbesuch lasse ich mir Zeit, sodass am Ende schon eineinhalb Stunden des neuen Tages vergangen sind.


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🎶 Auf dieser langen Lebensreise ist es nie zu spät, den einmal eingeschlagenen Weg noch zu wechseln.

Es gibt da eine Frau, die unerschütterlich daran glaubt, dass alles, was glänzt, tatsächlich aus purem Gold ist. In ihrer grenzenlosen materiellen Zuversicht ist sie fest davon überzeugt, sich mit ihrem Reichtum sogar einen Weg in den Himmel erkaufen zu können. Selbst wenn sie ihr Ziel erreicht und alle Türen verschlossen sind, denkt sie, dass ein einziges, wohlplatziertes Wort ausreichen wird, um genau das zu bekommen, was sie sucht.

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Doch während diese eine Frau beharrlich versucht, ihre himmlische Treppe zu erwerben, gibt es Zeichen, die zur Vorsicht mahnen. An den Wänden stehen warnende Worte, doch sie zögert, denn sie ahnt, dass Worte oft doppeldeutig sind und in die Irre führen können. In der Natur hingegen, wo ein Singvogel in einem Baum am Bachufer sein Lied anstimmt, wird klar, dass unsere menschlichen Gedanken und Sorgen oft fehlgeleitet sind.

Dieser blinde Materialismus weckt beim Beobachter tiefe Zweifel und eine innere Unruhe. Ein Blick nach Westen löst eine unerklärliche spirituelle Sehnsucht aus, ein Drängen nach einem echten, wahrhaftigen Leben. In ihren Visionen tauchen Rauchringe auf, die durch alte Wälder ziehen, begleitet von den schweigenden Blicken derer, die am Rand stehen und beobachten. Man hört ein Flüstern, dass bald eine Zeit der Vernunft anbrechen wird, angeführt von einem geheimnisvollen Spielmann, der jene in einen neuen, leuchtenden Morgen führt, die lange standhaft geblieben sind. Dann werden die alten Wälder wieder von freudigem Lachen widerhallen.

Selbst wenn es plötzlich im Gestrüpp raschelt, ist das kein Grund zur Sorge, sondern lediglich das natürliche Frühlingserwachen, eine Reinigung für die mystische Maikönigin. Jeder Mensch steht an einer Weggabelung und muss sich zwischen zwei sehr unterschiedlichen Pfaden entscheiden. Der eine ist trügerisch, der andere wahrhaftig. Das Tröstliche dabei ist: Auf dieser langen Lebensreise ist es nie zu spät, den einmal eingeschlagenen Weg noch zu wechseln.

Während die innere Melodie im Kopf dröhnt und der Wind beharrlich durch die Bäume flüstert, ruft der Spielmann unermüdlich dazu auf, sich ihm anzuschließen. Am Ende der Reise, wenn die eigenen Schatten am Abend länger sind als die Seele selbst, offenbart sich die universelle Wahrheit. Die Frau strahlt in weißem Licht und versucht immer noch, allen zu zeigen, wie sich alles in Gold verwandeln lässt. Wer jedoch still wird und genau hinhört, wird die Melodie der absoluten Erkenntnis vernehmen. Letztlich ist alles eins und eins ist alles. Es gilt, wie ein unerschütterlicher Fels in der Brandung zu stehen und sich nicht einfach treiben zu lassen – auch wenn eine gewisse Dame weiterhin unbelehrbar versucht, sich ihre Treppe in den Himmel zu kaufen.

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📔 ‚Cogito, ergo sum‘, ‚contradictio in se‘, ‚deus ex machina‘.

Dies ist die kurze Geschichte über einen Menschen, der mein Leben positiv beeinflusst hat.

Es war mein Deutschlehrer H., der Konrektor des Gymnasiums, ein sogenannter alter Knochen, geprägt durch die Erfahrungen der Nazi-, Kriegs- und Nachkriegszeit. Sein Tick waren lateinische Sprüche. Er war ein Lehrer, der die Klasse verstummen ließ, wenn er den Raum betrat. Ich hatte Probleme mit Autoritäten. Ich machte mich klein und hoffte, unsichtbar zu sein. Ich war einer der schlechtesten Deutschschüler. Bis zu dem einen Morgen nach der großen Pause.

In dieser Pause nahm ich meinen kleineren Klassenkameraden P. spaßeshalber unter den Arm. In der darauffolgenden Deutschstunde wurde P. übel und H. fragte ihn, ob er wisse, woher seine Übelkeit komme. P. berichtete von meinem Armgriff.

Danach wackelten die Wände. H. schrie mich an, machte mir die größten Vorwürfe und trug mir auf, bis zum nächsten Tag zwölf DIN-A4-Seiten zu beschriften. Zuhause angekommen, war ich außer mir. Ich bebte vor empfundener Ungerechtigkeit. Ich hatte lediglich in der Pause mit P. geflachst und ihn möglicherweise unglücklich gegriffen. Meine Eltern suchten das Gespräch mit H., und ich gab meine zwölf DIN-A4-Seiten ab. Dann geschah etwas Überraschendes.

In den folgenden Wochen und Monaten gehörte ich immer zu denjenigen, die ihre Deutschhausaufgaben vor der Klasse stehend vortragen mussten. Nicht, weil H. mich vorführen oder beschämen wollte, sondern, wie ich gleich beim ersten Mal merkte, weil er mich von nun an fördern wollte. Im Laufe der Zeit wurde ich zu einem guten Deutschschüler. Ohne H. wäre ich heute vermutlich ein anderer Mensch.

Unsere gegenseitige Sympathie ging sogar so weit, dass mein befreundeter Klassenkamerad R. und ich eine Radtour auf die andere Rheinseite unternahmen, um H. zu Hause überraschend zu besuchen. Wir wurden freundlich empfangen. Ich lernte, was der Spruch „Harte Schale, weicher Kern” bedeutet.

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