🎶 Auf dieser langen Lebensreise ist es nie zu spät, den einmal eingeschlagenen Weg noch zu wechseln.

Es gibt da eine Frau, die unerschütterlich daran glaubt, dass alles, was glänzt, tatsächlich aus purem Gold ist. In ihrer grenzenlosen materiellen Zuversicht ist sie fest davon überzeugt, sich mit ihrem Reichtum sogar einen Weg in den Himmel erkaufen zu können. Selbst wenn sie ihr Ziel erreicht und alle Türen verschlossen sind, denkt sie, dass ein einziges, wohlplatziertes Wort ausreichen wird, um genau das zu bekommen, was sie sucht.

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Doch während diese eine Frau beharrlich versucht, ihre himmlische Treppe zu erwerben, gibt es Zeichen, die zur Vorsicht mahnen. An den Wänden stehen warnende Worte, doch sie zögert, denn sie ahnt, dass Worte oft doppeldeutig sind und in die Irre führen können. In der Natur hingegen, wo ein Singvogel in einem Baum am Bachufer sein Lied anstimmt, wird klar, dass unsere menschlichen Gedanken und Sorgen oft fehlgeleitet sind.

Dieser blinde Materialismus weckt beim Beobachter tiefe Zweifel und eine innere Unruhe. Ein Blick nach Westen löst eine unerklärliche spirituelle Sehnsucht aus, ein Drängen nach einem echten, wahrhaftigen Leben. In ihren Visionen tauchen Rauchringe auf, die durch alte Wälder ziehen, begleitet von den schweigenden Blicken derer, die am Rand stehen und beobachten. Man hört ein Flüstern, dass bald eine Zeit der Vernunft anbrechen wird, angeführt von einem geheimnisvollen Spielmann, der jene in einen neuen, leuchtenden Morgen führt, die lange standhaft geblieben sind. Dann werden die alten Wälder wieder von freudigem Lachen widerhallen.

Selbst wenn es plötzlich im Gestrüpp raschelt, ist das kein Grund zur Sorge, sondern lediglich das natürliche Frühlingserwachen, eine Reinigung für die mystische Maikönigin. Jeder Mensch steht an einer Weggabelung und muss sich zwischen zwei sehr unterschiedlichen Pfaden entscheiden. Der eine ist trügerisch, der andere wahrhaftig. Das Tröstliche dabei ist: Auf dieser langen Lebensreise ist es nie zu spät, den einmal eingeschlagenen Weg noch zu wechseln.

Während die innere Melodie im Kopf dröhnt und der Wind beharrlich durch die Bäume flüstert, ruft der Spielmann unermüdlich dazu auf, sich ihm anzuschließen. Am Ende der Reise, wenn die eigenen Schatten am Abend länger sind als die Seele selbst, offenbart sich die universelle Wahrheit. Die Frau strahlt in weißem Licht und versucht immer noch, allen zu zeigen, wie sich alles in Gold verwandeln lässt. Wer jedoch still wird und genau hinhört, wird die Melodie der absoluten Erkenntnis vernehmen. Letztlich ist alles eins und eins ist alles. Es gilt, wie ein unerschütterlicher Fels in der Brandung zu stehen und sich nicht einfach treiben zu lassen – auch wenn eine gewisse Dame weiterhin unbelehrbar versucht, sich ihre Treppe in den Himmel zu kaufen.

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📔 ‚Cogito, ergo sum‘, ‚contradictio in se‘, ‚deus ex machina‘.

Dies ist die kurze Geschichte über einen Menschen, der mein Leben positiv beeinflusst hat.

Es war mein Deutschlehrer H., der Konrektor des Gymnasiums, ein sogenannter alter Knochen, geprägt durch die Erfahrungen der Nazi-, Kriegs- und Nachkriegszeit. Sein Tick waren lateinische Sprüche. Er war ein Lehrer, der die Klasse verstummen ließ, wenn er den Raum betrat. Ich hatte Probleme mit Autoritäten. Ich machte mich klein und hoffte, unsichtbar zu sein. Ich war einer der schlechtesten Deutschschüler. Bis zu dem einen Morgen nach der großen Pause.

In dieser Pause nahm ich meinen kleineren Klassenkameraden P. spaßeshalber unter den Arm. In der darauffolgenden Deutschstunde wurde P. übel und H. fragte ihn, ob er wisse, woher seine Übelkeit komme. P. berichtete von meinem Armgriff.

Danach wackelten die Wände. H. schrie mich an, machte mir die größten Vorwürfe und trug mir auf, bis zum nächsten Tag zwölf DIN-A4-Seiten zu beschriften. Zuhause angekommen, war ich außer mir. Ich bebte vor empfundener Ungerechtigkeit. Ich hatte lediglich in der Pause mit P. geflachst und ihn möglicherweise unglücklich gegriffen. Meine Eltern suchten das Gespräch mit H., und ich gab meine zwölf DIN-A4-Seiten ab. Dann geschah etwas Überraschendes.

In den folgenden Wochen und Monaten gehörte ich immer zu denjenigen, die ihre Deutschhausaufgaben vor der Klasse stehend vortragen mussten. Nicht, weil H. mich vorführen oder beschämen wollte, sondern, wie ich gleich beim ersten Mal merkte, weil er mich von nun an fördern wollte. Im Laufe der Zeit wurde ich zu einem guten Deutschschüler. Ohne H. wäre ich heute vermutlich ein anderer Mensch.

Unsere gegenseitige Sympathie ging sogar so weit, dass mein befreundeter Klassenkamerad R. und ich eine Radtour auf die andere Rheinseite unternahmen, um H. zu Hause überraschend zu besuchen. Wir wurden freundlich empfangen. Ich lernte, was der Spruch „Harte Schale, weicher Kern” bedeutet.

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