Introvertierte sind verständnisvoll. Sie hören besser zu, sind mitfühlend und reflektieren viel. All dies hilft, sich in ihre Mitmenschen besser hineinzuversetzen.
Ich habe nie das Feedback bekommen, dass ich unsozial sei oder wirke. Im Gegenteil.
Grundsätzlich bin ich ein geselliger Mensch. Das habe ich bereits in der Kindheit verinnerlicht, weil meine Eltern und meine Umwelt mir signalisiert haben, dass meine introvertierten Eigenschaften falsch sind (das Wort „introvertiert“ ist dabei damals nie gefallen). Ich wurde für extravertiertes Verhalten gelobt. Dadurch war ich unter Leuten, mehr als mir gut tat.
Heute achte ich darauf, dass die sogenannte Me-Time mit der geselligen Zeit für mich ausgeglichen ist.
Introvertierte fühlen sich unwohl in großen Gruppen. „Je mehr Leute desto besser“ könnte aus Sicht eines Introvertierten nicht falscher sein. Sie fühlen sich am wohlsten in kleinen Runden.
Vor zwei Wochen schrieb ich zum Thema „Partys“: Als Introvertierter fühle ich mich in einem Kreis von zehn Personen wohl. Alles darüber hinaus ist für mich eine Party, bei der ich mich unwohl fühle.
In großen Runden bin ich die graue Maus, in kleinen Runden kann ich hingegen auch mal der Partylöwe sein. (-;
Das ist heute nicht mehr so. In meinen ersten Schuljahren war das jedoch sehr ausgeprägt. Wenn mein Gegenüber mir keine Zeit ließ, meine Gedanken zu sortieren, und dann auch noch deutliche Zeichen der Ungeduld zeigte oder mich gar aufforderte, endlich zu sprechen, bekam ich einen Blackout und sagte nichts mehr. In diesen ersten Lebensjahren begann ich irgendwann auch zu stottern. Vermutlich, weil mein Vater ungeduldig und mit Druck auf mich reagierte. Durch eine Therapie konnte ich das Stottern überwinden und es ist nie wieder aufgetreten.
Meine Umwelt und ich hatten für diese „Generalpausen” keinen Namen, denn der Begriff „Introversion” war noch nicht geläufig. Ich fühlte mich falsch und war bemüht, mich „richtig” zu verhalten. Unbewusst versuchte ich, die Lücke zwischen Denken und Sprechen zu verkleinern, was mir spätestens mit Beginn meiner Ausbildung auch gelang. Das war aber auch ein Grund, warum ich nach solchen Situationen oder am Ende eines (Arbeits-)Tages erschöpft war.
Heute kann ich meinem Gegenüber signalisieren, dass ich noch etwas Zeit zum Denken benötige, bevor ich antworte oder spreche.
Wenn ihr also jemanden trefft, der nicht oder nur langsam antwortet, habt ihr vermutlich eine Person mit introvertierten Anteilen vor euch. Gebt ihr Gelegenheit zu denken. (-:
Sich unwohlfühlen bedeutet, ein schlechtes Gefühl zu haben und sich körperlich oder seelisch schlecht zu fühlen. Eine Partyist ein (privates oder öffentliches) geselliges, meist abendliches Treffen oder eine (private oder öffentliche) zwanglose Feier.
Partys? Sind das die Veranstaltungen, bei denen man Bekannte trifft und eine Seite von ihnen sieht, die man noch nicht kannte?
Als Jugendlicher ging ich einmal kurz pinkeln, während einer Klassenparty. Als ich in den Partykeller zurückkehrte, lagen die Klassenkamerad:innen knutschend in den Ecken. Ich fragte mich, ob ich einen Filmriss hatte.
Meine letzte Party als Partygast liegt schon lange zurück. Anlass war ein vierzigster Geburtstag. Ich kannte niemanden. Ich war ja auch nur miteingeladen worden. Als Anhängsel meiner ehemaligen Frau. Die große Wohnung diente als Partyraum. Ich krallte mich in der Küche am Küchenschrank fest. Kaum hatte ich mich dort postiert, krallte sich ein anderer Mann neben mich am Schrank fest und erzählte mir ungefragt seine Zahnarztgeschichten. Immerhin: Das Fingerfood war gut.
Ich kann auch keinen Unterschied zwischen einem Party- und einem Friseurbesuch erkennen. Es gibt nur Smalltalk. Habe ich schon erwähnt, dass ich Smalltalk hasse? Das ist der Grund, warum ich keinen Friseur mehr aufsuche. Ich kaufte mir einen Langhaarschneider und stellte 3 mm ein. Seitdem trage ich einen Dreitagebart auf dem Kopf. Der Langhaarschneider meldet sich nur, wenn der Akku leer ist, und interessiert sich nicht fürs Wetter.
Ich habe noch nie zu einer Party eingeladen.
Als Introvertierter fühle ich mich in einem Kreis von zehn Personen wohl. Alles darüber hinaus ist Party und ich fühle mich unwohl.
Es ist eine Freude, Ideen zu entwickeln und andere dazu zu ermutigen, ihre Ideen tatsächlich umzusetzen.
„Versuch macht klug.”, und man sollte darauf vorbereitet sein, dass die Umsetzung von Ideen auch scheitern kann.
Ich kann die Vorschläge meiner Mitmenschen gut nachvollziehen und helfe dabei, den Blickwinkel darauf zu erweitern. Im Beruf wurden zuletzt die Findung von Ideen und Lösungsvorschlägen zunehmend outgesourct. Leider merkte man der Umsetzung dann die fehlende Expertise der Praktikerinnen und Praktiker an.
Generell würde ich gerne mehr über neue Ideen und Lösungsvorschläge diskutieren.
Bis 2019 war mir meine Introvertiertheit nicht bewusst. Ich sah die damit verbundenen Eigenschaften negativ, sodass ich mich extravertiert verhielt. Trotzdem konnte ich nur wenig von mir preisgeben und spürte die dadurch entstehende Distanz. Seitdem ich mir meiner Introversion bewusst bin und sie auslebe, hat sich das gewandelt und ich bin nun freigiebiger. Dennoch merke ich, dass ich weiterhin distanziert wirke, vermutlich, weil ich mich mit so etwas wie einer Firewall schütze.
Zeit mit mir allein habe ich schon immer gern verbracht und ich fühle mich im Gleichgewicht zwischen Alleinsein und unter Menschen sein.
Es stimmt, dass ich nicht gerne im Mittelpunkt stehe. Zu der Zeit, als meine Introversion noch keinen Namen hatte und ich introvertiertes Verhalten ablehnte, überspielte ich Situationen, in denen ich in den Mittelpunkt gerückt wurde, indem ich ein selbstsicheres Auftreten vortäuschte. Heute lehne ich jegliche Anforderung ab, bei der ich im Mittelpunkt stehen müsste. Wenn es jedoch plötzlich und unerwartet geschieht, kann ich es.
Grundsätzlich nehme ich mich auch als bescheiden wahr. Mit zunehmendem Alter erkenne ich jedoch Situationen, in denen falsche Bescheidenheit unangebracht ist.
Da ich großes Drama liebe, neige ich dagegen zu Übertreibungen.
Während die anderen Besprechungsteilnehmer bereits den nächsten Tagesordnungspunkt behandelten, hob ich die Hand und sagte: „Ich muss noch einmal auf den vorhergehenden Tagesordnungspunkt zurückkommen.“ Dann stellte ich eine Frage oder entwickelte eine These, über die anschließend eine halbe Stunde lang diskutiert wurde. Beim ersten Mal rollten die Extravertierten noch mit den Augen, doch ab dem zweiten Mal wussten sie, dass meine späte Intervention die Diskussion bereichern würde. Oft gelang es mir auch, weitschweifige Diskussionen in wenigen Worten treffend zusammenzufassen.
Die Betonung liegt auf „proaktiv”. Passive Mitarbeiter trieben mich zur Verzweiflung. Meiner Erfahrung und Beobachtung nach gibt es nur Teams, die sich aus proaktiven und passiven Mitarbeitern zusammensetzen. Bei der Auswahl der Führungskräfte und Teams waren diese Persönlichkeitsdimensionen jedoch kein Kriterium.