Eine Story im Sinne einer die Handlung ausmachende (zumeist knapp umrissene) Geschichte einer literarischen, filmischen, theatralischen oder ähnlichen Erzählung? Oh, nein.
Eine Story im Sinne einer ungewöhnlichen, zuweilen abenteuerlichen beziehungsweise wenig glaubhaften Geschichte, die sich ereignet haben soll? Oh, nein.
Eine Story im Sinne einer sachliche Wiedergabe wichtiger (gegenwartsnaher) Ereignisse, Entwicklungen oder dergleichen? Oh, ja.
Introvertierte sind vorausschauend. Sie neigen dazu, nicht nur die positive Seite zu sehen, sondern erkennen schon frühzeitig mögliche Probleme. Dadurch wirken sie oft pessimistisch.
Oh ja. Ich verstehe nicht, wie man die Fürs und Widers nicht identifiziert, damit vielleicht auf halber Strecke stehen bleibt und dann unvorbereitet ist, wenn plötzlich ein Hindernis auftaucht. Ich durchdringe meine Vorhaben gedanklich, frage mich, was im besten und im schlimmsten Fall geschehen kann, suche nach dem besten Weg und überlege mir schon Workarounds für den Fall, dass vorausgedachte Hindernisse auftreten. Dadurch laufe ich zwar etwas später los als andere und brauche etwas länger, um ins Handeln zu kommen, dafür bin ich aber schneller unterwegs und umgehe Hindernisse zügiger. Manchmal wäre es aber gut, jemanden an der Seite zu haben, der erkennt, wie dringlich es ist, loszulaufen, statt noch lange zu überlegen.
Am 23. September hatte ich etwas zu meiner Spontaneität geschrieben. Ich gleiche die wenig vorhandene Spontaneität meines introvertierten Ichs mit meiner Entscheidungsfreudigkeit aus.
Bevor mir meine Introversion bewusst wurde, habe ich mich immer gewundert, warum ich ruhig wurde, wenn alle anderen aufgeregt wurden. Ich strahle immer Ruhe aus. Immer? Nein, nicht immer. Zum Beispiel nicht, wenn ich in der Küche stehe und ein Gericht oder gar ein Menü zum ersten Mal koche und dann etwas in einer Kettenreaktion schiefläuft. Dann kocht nicht nur der Topf über, dann verliere ich meine Ruhe. In solchen Momenten sollte ich besser für ein paar Minuten allein in der Küche sein. Dann strahlt nichts mehr. Außer meinen roten und heißen Ohren. Doch zurück zu den normalen Zeiten: Auch wenn ich immer Ruhe ausstrahle – Ausnahmen bestätigen die Regel, siehe oben – tobt es doch in mir. Das merkt halt niemand. Wenn es um mich herum turbulent wird und Hektik ausbricht, werde ich erstaunlicherweise auch innerlich ruhig. Ich reagiere ruhig, umsichtig und bedacht. Heute weiß ich, warum.
Introvertierte werden oft um Rat gefragt. Durch ihr bedachtes Auftreten und ihr tiefes Wissen, werden sie oft von anderen Menschen konsultiert. Introvertierte sind besonders häufig in beratenden Berufen tätig.
Das trifft auch auf mich zu. Die schönste Zeit meines Berufslebens war der Zeitraum von ca. 2002 bis 2012. In dieser Zeit durfte ich tüfteln (Qualitätssicherung, Testgruppensitzungen), schulen (im Umgang mit der Software für Endanwender:innen) und beraten (Endanwender:innen). Danach wurden diese drei Tätigkeiten getrennt und ich musste mich spezialisieren. Der Schwerpunkt lag auf dem Tüfteln und ich durfte noch ein bisschen beraten.
Während der Zusammenhang bei Introvertierten bereits öfter nachgewiesen wurde, besteht bei Hochsensibilität offensichtlich kein direkter Zusammenhang. Bei hochsensiblen Menschen müssen demnach weitere Faktoren hinzukommen. Es gibt Introvertierte, die von Kaffee regelrecht „überdreht” werden. Ich gehöre nicht dazu. Ich kann viel Kaffee oder Cola trinken, werde nicht überdreht und kann trotzdem gut einschlafen. Nur meine Schlafphasen verändern sich nach dem Konsum von koffeinhaltigen Getränken.
„Warum schaust du so ernst?“ Diese Frage wird mir oft gestellt. Lange wusste ich es selbst nicht. Heute antworte ich: „Ich bin introvertiert.” Ich bin oft in Gedanken. In mir. Dabei erschlaffen die Gesichtsmuskeln und die Physiognomie entspannt sich. Wenn ich mich in solchen Momenten ertappe und mich in der Öffentlichkeit oder in Gesellschaft befinde, ermahne ich mich, zu lächeln. Ich kann euphorisch sein, aber ich kann es nicht zeigen. Es tobt innerlich.
Introvertierte haben ein geringeres Selbstbewusstsein. Das ist jedoch nur eine indirekte Eigenschaft, die durch die negative Einstellung der Gesellschaft zur Introversion hervorgerufen wird.
Nur zur Erinnerung: Selbstbewusstsein bedeutet wörtlich, dass man sich seiner selbst bewusst ist. Man kennt seine Stärken, Schwächen, Werte und Bedürfnisse. Man weiß beispielsweise sehr genau, in welchen Situationen man aufblüht, welche Werte einem wichtig sind und wann man sich lieber zurückzieht, um Energie zu tanken. Es ist eine klare, realistische und ungeschönte Sicht auf die eigene Persönlichkeit.
Introvertiert.org hat diese von Introvertierten selbst beschriebenen Eigenschaften 2013 veröffentlicht. Ich vermute, dass diese Eigenschaft umso weniger ausgeprägt ist, je jünger die oder der Introvertierte ist. Denn die negative Einstellung der Gesellschaft zur Introversion wurde im Laufe der Jahrzehnte schwächer. Ich hatte das Pech, Eltern zu haben, für die Introversion fast schon eine behandlungsbedürftige Krankheit darstellte. Das haben sie mir von klein auf vermittelt, sodass ich mich bereits als Kind unbewusst anpasste und lernte, mich extravertiert zu verhalten. Die Folge war ein ambivalentes Lebensgefühl, das Gefühl, irgendwie nicht richtig zu sein. Erst die Begegnung mit einer viel jüngeren, sehr selbstbewussten Introvertierten hat mir die Augen geöffnet, sodass ich heute meine starken introvertierten Anteile kenne und immer mehr auslebe.
Introvertierte wollen wachsen. Sie haben einen besonders starken Drang nach persönlichem Wachstum. Dieses erreichen sie vor allem durch Lesen und Reflexion – aber auch durch neue Erlebnisse in einem für sie erträglichen Umfang.
Auch in dieser Eigenschaft erkannte ich mich plötzlich wieder. Ich möchte mich weiterentwickeln und nicht stehenbleiben. Ich will mich verändern, langsam und stetig. Und tatsächlich gelingt mir das, wenn ich über das Gelesene und über mich selbst nachdenke. Da mich Bilder stark ansprechen, sind es auch Filme, die mich wachsen lassen. Es sind weniger neue Erlebnisse, da diese viel Energie kosten und mich erschöpfen. Deshalb stimmt auch die Aussage mit dem „erträglichen Umfang”.
Introvertierte arbeiten gern ohne Unterbrechung. Da sie mit ihren Gedanken arbeiten, werden sie ungern unterbrochen. Im modernen Büroalltag ist das jedoch keine Selbstverständlichkeit und kann negativ wahrgenommen werden.
Unterbrechungen der Arbeit werden im modernen Büroalltag negativ wahrgenommen. Vor allem von Introvertierten. (-: Ich konnte üben, mich nicht über Unterbrechungen zu ärgern. Für Arbeiten, die hohe Konzentration erforderten, gab es Rückzugsräume.