Für mich ist eine Persönlichkeit ein Mensch mit Format und Ausstrahlung. Eine Persönlichkeit hat Herausragendes geleistet – in Worten und/oder Taten. Sie verkörpert Originalität und hat unserer Welt etwas Eigenes, Neues hinzugefügt. Eine Persönlichkeit zeigt Haltung und Rückgrat. Sie ist unverwechselbar, hat Ecken und Kanten und vertritt auch unpopuläre Standpunkte. Eine Persönlichkeit ist sichtbar. Sie hat eine Strahlkraft und ein Charisma. Sie kann Menschen begeistern, überzeugen, provozieren oder in ihren Bann ziehen. Eine Persönlichkeit ist ein Vorbild für viele Menschen. Sie orientieren sich an ihr. Eine Persönlichkeit dient auch als Projektionsfläche für Ideen und Ideale.
Ein Mensch wird zu einer Persönlichkeit, wenn allein die Nennung seines Namens mit vielen Assoziationen verbunden ist, wenn sein Name bereits bestimmte Erwartungen, Qualitäten oder Weltanschauungen transportiert.
Für mich zeichnet sich eine Persönlichkeit dadurch aus, dass sie mutige Entscheidungen trifft und Weitblick hat.
Richard von Weizsäcker war für mich eine solche Persönlichkeit. Gerade jährte sich seine Ansprache zum 40. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai 1985. In dieser machte er den Deutschen bewusst, dass sie diesen Krieg nicht verloren hatten, sondern von sich selbst befreit wurden – befreit von einer menschenverachtenden Ideologie, der sie bis in den Tod folgten
(Heute sind die Deutschen wieder kriegstüchtig. Die Aggression bricht sich in der Öffentlichkeit zunehmend Bahn.). Die Reaktionen vieler Politikerinnen und Politiker zeigten, wie kleingeistig sie selbst waren und sind. Willy Brandt (Kniefall in Warschau), Helmut Schmidt (Sturmflutkatastrophe in Hamburg, Nicht-Erpressbarkeit durch Terroristen) …
Die Frage ist heute eine andere. Es gibt kaum noch Persönlichkeiten im oben beschriebenen Sinn. Möchtegern-Persönlichkeiten gibt es hingegen viele. Auch viele, die von den Medien künstlich hochgejubelt werden. Persönlichkeiten im oben beschriebenen Sinne sind heute weitgehend in der Öffentlichkeit unsichtbar. Vertreten sie eine von den Herrschenden abweichende Meinung, werden sie neuerdings gecancelt: Sie verlieren den Zugang zu ihren Bankkonten, zu ihren E-Mail- und Social-Media-Accounts, und ihre Freizügigkeit wird drastisch eingeschränkt.
Wenn ich in die Gedankenwelt wahrer Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens eintauche, finde ich auch bei denjenigen, mit denen ich mich nur wenig identifizieren kann, kluge, nachdenkenswerte Gedanken.
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