📅❓ »Die Welt steht auf mit euch, und Anfang glänzt an allen Bruchstelln unseres Mißlingens…«

Die Antwort auf die heutige Schreibanregung, wie ich mit Unsicherheiten umgehe, ist spätestens seit 2019, eher seit dem 11. September 2001, eine existenzielle.

Der Kabarettist Georg Schramm machte ab ca. 2008 mit seiner Kunstfigur Lothar Dombrowski auf das Interview aufmerksam, das Warren Buffett am 26. November 2006 der New York Times gab und in dem er sagte: »There’s class warfare, all right, but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning.« [Es gibt zwar einen Klassenkampf, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die diesen Kampf führt – und wir gewinnen.]

In Deutschland begann dieser von oben geführte Klassenkampf mit dem Sturz Helmut Schmidts durch ein konstruktives Misstrauensvotum der Mehrheit des Deutschen Bundestags, durch das Helmut Kohl zum Bundeskanzler gewählt wurde. Seitdem findet eine Umverteilung von unten nach oben statt. Die von Willy Brandt eingeleitete Politik wurde zunichte gemacht, nämlich die Politik des Ausbaus des Sozialstaats, der Bildungsreform, der Stärkung der Arbeitnehmer:innen, der Familien, der Gleichberechtigung von Frauen und der gesellschaftlichen Liberalisierung, erst ganz langsam und verdeckt, dann immer schneller und unverhohlener.

Dass die Klasse der Nicht-Reichen vor diesem mittlerweile offenen Klassenkampf sitzt wie das Kaninchen vor der Schlange und viele dies noch nicht einmal sehen wollen oder können, verunsichert mich zutiefst.

Das Mundtotmachen von „Fridays for Future”, die Pandemie, das regelrechte Befeuern der Klimakatastrophe und die direkt und indirekt angezettelten aktuellen Kriege und Völkermorde, die Vorbereitungen für einen zukünftigen aktiven Krieg in wenigen Jahren mittels unvorstellbarer Schulden, mit denen die Umverteilung von unten nach oben ihren finalen Höhepunkt erreicht, sowie der gleichzeitig begonnene Abbau von Transferleistungen und Steuererleichterungen, beginnend bei den Ärmsten und Schwächsten, sind nur Symptome des von Warren Buffett vor 20 Jahren angekündigten Klassenkampfes.

Mit dieser elementaren Unsicherheit und anderen Unsicherheiten gehe ich aber relativ gelassen um:

Zunächst halte ich das unangenehme Gefühl der Unsicherheit bzw. der Ungewissheit einfach aus, indem ich mich durch Meditation und Atmung beruhige und die Dinge, die ich möglicherweise beeinflussen kann, von den Dingen, auf die ich keinen Einfluss habe, gedanklich trenne.

Anschließend beschaffe ich mir so viele Informationen wie möglich aus den unterschiedlichsten Quellen, gerne auch gegensätzliche, um mir daraus eine eigene Meinung und Strategie zu bilden.

Ich überlege, was ich als Nächstes tun oder unterlassen kann, und denke auch über einen Plan B als Workaround nach, für den Fall, dass Plan A nicht funktioniert.

Ich schätze das Risiko für mich ein und versuche, es zu minimieren. Risiken zu vermeiden ist unmöglich.

Ich überlege, wie ich das bedrohliche Gefühl der Unsicherheit als Chance, Abenteuer oder Lernprozess umdeuten kann.

Ich verdränge die Unsicherheit keinesfalls oder lenke mich ab. Auch tappe ich nicht in die Falle eines Kontrollzwangs. Entscheidungen treffe ich in unsicheren Zeiten ohne schuldhaftes Zögern sofort. Prokrastination kann tödlich sein.

Wenn ich ins Grübeln gerate, versuche ich, die Gedankenschleife zu durchbrechen und mich auf das Hier und Jetzt zu fokussieren.

Glaube und Spiritualität helfen mir dabei überhaupt nicht. Sie lähmen mich nur und verhindern, dass ich das Erforderliche unverzüglich tue, auch wenn es bitter ist.

In einer akut unsicheren Lage verliere ich dagegen meine Kreativität.

Aktuell sehe ich angesichts der Verheerungen in der Welt die Chance für persönliche Veränderungen.

Die Welt steht auf mit euch, und Anfang glänzt an allen Bruchstelln unseres Mißlingens …

– Rainer Maria Rilke, titellos, Muzot im Oktober 1925

Tägliche Schreibanregung
Wie gehst du mit Unsicherheit um?

How do you deal with uncertainty?  |  Wie gehst du mit Unsicherheit um?

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📅❓ Kritische Distanz

Für mich ist der beste Weg, mit negativen Gedanken umzugehen, mir zunächst wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass ich meine Gedanken nicht bin: Ich habe Gedanken, kann mich ihrer bedienen. Gedanken machen sich oft selbstständig und denken wirres Zeug.

Danach überprüfe ich die negativen Gedanken auf ihren Wahrheitsgehalt. Gründen die negativen Gedanken auf belastbaren Fakten?

Im nächsten Schritt prüfe ich, ob ich Einfluss auf das Geschehen oder die Ursache der negativen Gedanken habe.

Wenn ich einen Einfluss habe, versuche ich, die Situation zu meinen Gunsten und zu positiveren Gedanken zu verändern.

Wenn ich keinen Einfluss habe, nehme ich die negativen Gedanken zur Kenntnis, lasse sie sozusagen ziehen oder behalte sie als Warnruf im Hinterkopf und warte die kommende Entwicklung ab.

Negative Gedanken beunruhigen mich nicht. Ich betrachte sie als Warnung vor einer eventuellen Gefahr.

Sind die negativen Gedanken berechtigt, wälze ich sie gerne auf einem Spaziergang hin und her und überlege mir mehrere Strategien zu ihrer Bewältigung.

Gerade in einer alarmistischen Zeit und Gesellschaft, in der die Herrschenden und die Hintermänner zusätzlich versuchen, uns zu manipulieren, ist eine kritische Distanz zu unseren negativen Gedanken äußerst wichtig.

Täglicher Schreibanreiz
Was ist für dich der beste Weg, mit negativen Gedanken umzugehen?

What’s the best way to deal with negative thoughts?  |  Wie geht man am besten mit negativen Gedanken um?

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📅❓ Mein Umgang mit Ängsten und Selbstzweifeln.

Wenn ich Angst vor etwas habe, das auf mich zukommt und auf das ich keinen Einfluss habe, kann ich mich selbst gut beruhigen. Ich erwarte, was auf mich zukommt, schalte in den spontanen Modus um und reagiere instinktiv. Dabei stehe ich wie ein Fels in der Brandung.

Zeigt sich die Angst oder der Selbstzweifel vor dem eigenen Tun oder Unterlassen, wäge ich die Vor- und Nachteile des möglichen Unterlassens, wenn ich etwas tun sollte, oder des möglichen Tuns, wenn ich etwas unterlassen sollte, ab. Wenn sich die Vor- und Nachteile die Waage halten oder es mir vorteilhaft erscheint, der Angst oder dem Selbstzweifel nachzugeben, unterlasse oder tue ich das Erwartete.

Überwiegen jedoch die Nachteile, stelle ich mich der Angst, gehe in die Offensive und handle trotz der Angst.

Beim Abwägen unterziehe ich die Angst oder den Selbstzweifel einem sogenannten Faktencheck: Ist die Angst berechtigt oder lediglich ein diffuses Gefühl, vielleicht ein Echo von Erlebtem aus der Kindheit? Gerne notiere ich mir alles, was mir im Zusammenhang mit der Angst oder dem Selbstzweifel in den Sinn kommt. Anschließend sortiere und bewerte ich die aufgeschriebenen Gedanken (oft reicht ein Spaziergang in der Natur und ein gedankliches Durchdringen). Ich trete auch innerlich einen Schritt zurück und frage mich, welchen Rat ich jemandem geben würde, der mir seine, meiner Angst entsprechende Angst schildert.

Wenn ich die Angst oder den Selbstzweifel überwinde und mich der Situation stelle, konzentriere ich mich zuerst auf meinen Atem, fokussiere mich und handele dann.

Täglicher Schreibanreiz
Wie gehst du mit Angst und Selbstzweifeln um?

How do you handle fear and self-doubt?  |  Wie gehst du mit Ängsten und Selbstzweifeln um?

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