📅❓ Auf Messers Schneide.

Es ist der 3. Juni 2002, die Nacht in Pretoria war kalt. Das Gästehaus ist nicht beheizt. Tagsüber werden bei strahlendem Sonnenschein 25 Grad erreicht. Der Wecker klingelt, ich stehe auf und mir fröstelt es. Auch wegen der Aufregung. Heute werde ich den kleinen, dreijährigen, farbigen Waisenjungen kennenlernen, zu dem wir als Familie, als Eltern passen sollen. Außer uns wohnen noch vier andere Paare aus den Niederlanden, Belgien und Schweden im Gästehaus, die ebenfalls ihre Adoptivbabys oder Kleinkinder kennenlernen werden. Das nun vierte Frühstück in Südafrika ist das erste stille. Eine angespannte Stille. Alle sind aufgeregt.

Nach dem Frühstück werden wir von den Sozialpädagogen des christlichen Adoptivvermittlungsvereins in fünf Pkws abgeholt. Ein Paar fährt ins Krankenhaus, wo ein Baby auf sie wartet. Die anderen fahren eine Stunde von Pretoria entfernt in ein Kinderheim.

Unsere Sozialpädagogin Paula erzählt uns noch einmal den Ablauf und versucht, unser Lampenfieber zu beruhigen. Wir schweigen. Häuser, Hütten und Steppe ziehen an uns vorüber. Ich nehme das alles nur aus dem Augenwinkel wahr.

Nach ungefähr einer Stunde erreichen wir eine Wohngegend. Sie ist durch einen Zaun mit elektrischem Tor geschützt. Die Kriminalität lauert überall. Die Schere zwischen arm und reich ist zu groß. Wir dürfen einfahren. Wir halten vor einem großen Bungalow im Grünen.

Ich steige mit wackeligen Knien aus. Wir gehen eine Einfahrt hinunter. Wir klingeln. Wir werden erwartet. Das überrascht mich nicht. Die Begrüßung durch die Heimleitung ist sehr herzlich. Wir werden durch die Räume des Heims geführt. Speisesaal, Waschräume, Spielzimmer, Schlafzimmer und Küche. So stelle ich mir ein ideales Kinderheim vor.

Die Kinder im Kindergarten- und Vorschulalter spielen im großen, schattigen, grünen und umzäunten Garten, der an einem kleinen, plätschernden Bach liegt. Wir treten auf die Terrasse.

Sofort kommen vier kleine Kinder auf uns vier Paare zugerannt. Es gibt Verwechslungen. Unser Sohn erkennt uns sofort, zögert einen Augenblick, vergewissert sich kurz bei seiner Erzieherin und läuft dann los, um mir in die Arme zu springen.

Die Kinder sind genauso gut auf uns vorbereitet wie wir auf sie. „Mummy! Daddy!“ Sein Blick wandert von meinem Arm in den blauen Himmel, in dem gerade ein Flugzeug einen Kondensstreifen hinter sich herzieht. Sein Arm schnellt nach oben, der Zeigefinger zeigt Richtung Flugzeug. „An airplane to germany!“

Er krault meinen Bart. Minutenlang.

Vor drei Monaten sprach er nur seine südafrikanische Muttersprache. In dieser Zeit hat er Englisch sprechen gelernt, kindgerecht. Genauso schnell wird er Deutsch lernen. Ab August wird er in den Kindergarten gehen.

Wenn ich ihn anschaue, springen sein Strahlen, seine Unbefangenheit, seine Fröhlichkeit und seine Lebendigkeit auf mich über. Gänsehaut. Ich habe feuchte Augen.

Auf der Rückfahrt ins Gästehaus schläft er erschöpft auf dem Schoß seiner Adoptivmutter ein.

Der Adoptivvermittlungsverein hat ganze Arbeit geleistet. Die Familien und Kinder passen ausgesprochen gut zusammen. Alle haben sich bis heute gut entwickelt.

Damals konnte ich noch nicht ahnen, was diesem kleinen Menschen widerfahren ist und wie sehr ihn das bis heute belastet. Es hätte ihn fast aus der Bahn geworfen.

Er muss in seinen ersten drei Lebensjahren eine innige Bindung zu seiner Mutter gehabt haben. Das machte ihn so widerstandsfähig, dass er auf Messers Schneide tanzen konnte.

Tägliche Schreibanregung
Wenn du einen Tag aus deiner Vergangenheit noch einmal erleben könntest: Welcher wäre das – und warum?

If you could relive one day from your past, which day would it be and why?  |  Wenn du einen Tag aus deiner Vergangenheit noch einmal erleben könntest, welcher Tag wäre das und warum?

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📅❓ Sina

Leider kann ich kein Foto beisteuern. Aber ich kann eine Geschichte aus den Jahren 1991 bis 2002 erzählen:

Nachdem sie den roten Kater von der Hauptstraße kratzten, zogen sie weg. Höher, in ein Dorf. Es war verkehrsberuhigt. Es lag am Waldrand. Es sollte für die beiden übriggebliebenen Katzen besser sein.

Die Zeit war günstig für einen Hund. Sie meldeten sich auf eine Anzeige und verabredeten sich mit der Züchterin, die in Wirklichkeit eine Händlerin war. Im ehemaligen Schweinestall waren zehn Hunde. Eine Rauhaardackel-Yorkshire-Terrier-Hündin machte besonders auf sich aufmerksam. Nein, von Tierhändlern kauften sie nichts. Sie fuhren wieder. Auf halber Strecke schauten sie sich an. Ein Blick genügte. Sie wendeten und schenkten sich 12 Jahre lang gegenseitig Freude.

Die Rauhaardackel-Yorkshire-Terrier-Hündin Sina hatte den Körper eines Dackels, das Fell und die Lebendigkeit eines Yorkshire Terriers. Sie war ein aufgewecktes, lebensfrohes und intelligentes Lebewesen. Sie war leicht überstimuliert und lernte alles, was man ihr beibrachte. Sina konnte zehn verschiedene Quietschtiere anhand ihres Namens unterscheiden und bringen. Sie freute sich wahnsinnig, wenn die Quietschtiere durch die Luft flogen und sie sie apportieren durfte. Bei Spaziergängen machte Sina Sitz und ihre Menschen verschwanden hinter der Kurve aus ihrem Blickfeld. Erst wenn sie ihren Namen hörte, lief sie los und kam mit fliegenden Beinen und Ohren um die Kurve gerannt. Sina durfte nicht ins Bett. So war der Plan. Den hatten sie ohne sie gemacht. Ihr Körbchen stand neben dem Bett. Kaum schliefen ihre Menschen, sprang sie ins Bett. Unzählige Male wurde sie wieder in ihr Körbchen zurückgelegt. Genauso oft sprang sie wieder ins Bett. Wenn sie aus dem Schlafzimmer verbannt wurde, heulte sie stundenlang wie ein kleiner Wolf.

Sina setzte sich durch.

Im Winter lag sie unter seiner Bettdecke auf seiner rechten oder linken Schlafseite, eingerollt vor seinem Bauch. Beide mochten es nicht mehr missen. Wenn die Menschen im Bett kuschelten, blieb Sina ruhig am Fußende liegen.

Wenn er traurig war – und das war er oft, während er auf den Adoptionsvermittlungsvorschlag wartete –, zauberte Sina ihm bei ihren täglichen Spaziergängen ein Lächeln ins Gesicht, sodass er seine Traurigkeit für eine Weile vergaß.

Kurz nachdem sie den Dreijährigen in Südafrika adoptiert hatten, starb Sina. Selbst ihr Tod und ihre Beerdigung waren für die kleine Familie im Allgemeinen und für den Dreijährigen im Besonderen ein Glücksfall. Nach Sinas Beerdigung lag der Junge stundenlang auf dem Bauch seiner neuen Mutter und erzählte stockend, wie seine leibliche Mutter in ein Loch gelegt worden war, nachdem Männer sie geboxt hatten. Anschließend hätten sie ihn in einen Park gebracht und sich selbst überlassen. Den Angestellten des Kinderheims und den Sozialarbeiterinnen des Adoptionsvereins vor Ort hatte er nichts erzählt. Er konnte nicht erzählen. Weil die Erinnerung weggesperrt war. Zu seinem Schutz. Sinas Tod löste die Sperre. So bekam er die dringend benötigte Hilfe. Das Geschehene wird ihn lebenslang begleiten.

Mit ihren leuchtenden Augen schuf sie leuchtende Momente. Ich lächle, wenn ich daran denke.

Tägliche Schreibanregung
Teile ein Foto von deinem Haustier und erzähl uns eine Sache, die es so einzigartig macht.

Share a photo of your pet and tell us one thing that makes them uniquely them.  |  Teile ein Foto von deinem Haustier und erzähle uns eine Sache, die es so einzigartig macht.

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🎙 Pflegekind oder Adoption? Was potenzielle Eltern vor diesem Schritt wissen müssen.

Das Interview behandelt die Debatte über Leihmutterschaft in Deutschland, die verboten ist, und erörtert alternative Möglichkeiten, um eine Familie zu gründen, wie etwa Pflege- und Adoptivfamilien. Ramona Westhof spricht mit Rainer Rettinger, dem Geschäftsführer eines Vereins für Pflege- und Adoptivfamilien.

Rettinger erklärt, dass es viele Gründe gibt, warum Menschen Pflegekinder aufnehmen möchten. Einige haben bereits eigene Kinder und möchten ihr Zuhause erweitern, andere sind kinderlos und suchen nach einer Möglichkeit, ein Kind in ihre Familie aufzunehmen. Es gibt auch Familien mit pädagogischem oder psychologischem Hintergrund, die traumatisierten Kindern helfen möchten.

Um ein Pflegekind aufnehmen zu können, müssen Interessierte bestimmte Voraussetzungen erfüllen, wie etwa eine sichere finanzielle Situation und ausreichend Platz im Zuhause. Sowohl verheiratete als auch unverheiratete Paare sowie Alleinstehende können sich bewerben.

Der Unterschied zwischen Pflege und Adoption wird ebenfalls erläutert. Bei einer Adoption haben die Eltern das volle Sorgerecht, während Pflegeeltern oft mit Rückkehranträgen der leiblichen Eltern konfrontiert werden. Pflegefamilien erhalten monatliches Pflegegeld, was bei einer Adoption entfällt. Dafür bietet Adoption mehr rechtliche Sicherheit.

Rettinger spricht auch die Unterstützung an, die Pflegefamilien von den Jugendämtern erhalten. Während einige Familien gute Unterstützung erfahren, kämpfen andere mit unzureichender Hilfe. Eine Umfrage zeigt, dass etwa 37 % der Pflegefamilien zufrieden sind, eine erhebliche Anzahl wird jedoch nicht ausreichend unterstützt.

Abschließend beschreibt Rettinger positive Erfahrungen von Pflegeeltern, die mit viel Liebe und Fürsorge für ihre Pflegekinder sorgen und sie als Teil ihrer Familie betrachten.


Aus dem Interview „Debatte um Leihmutterschaft – Adoption und Pflegeelternschaft als Alternative“ der Deutschlandfunk-Kultur-Sendung „Studio 9“ vom –23.07.2026-.


Interview in neuem Tab hören: https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2026/07/23/debatte_um_leihmutterschaft_adoption_und_pflegeelternschaft_drk_20260723_0740_28cb3ca5.mp3

Webseite des Interviews in neuem Tab lesen: https://www.deutschlandfunkkultur.de/debatte-um-leihmutterschaft-adoption-und-pflegeelternschaft-als-alternative-100.html

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🎙 Vom Amsterdamer Rotlichtmilieu zum Retter in der Not: Die bewegende Geschichte des Olav van Gerven

In dieser Podcastfolge könntest du einem sehr spontanen, aber tiefgründigen Gespräch zwischen dem Moderator Mario Neumann und seinem Gast Olav van Gerven lauschen. Leider ist sie in der Mediathek nicht mehr abrufbar. Der 64-jährige Wahl-Bremer mit niederländischen Wurzeln sprang kurzfristig für einen anderen Gast ein und teilt in dieser Stunde sehr offen seine bewegte Lebensgeschichte. Olav arbeitet heute als freigestellter Betriebsratsvorsitzender an einer Bremer Stadtteilschule und übernimmt nebenbei Apotheken-Botenfahrten. Er blickt auf eine äußerst vielseitige berufliche Laufbahn zurück, die Stationen als Elektroinstallateur, Industriekaufmann und Rettungsassistent in der psychologischen Krisenintervention umfasst.

Einen großen Raum nimmt Olavs turbulente Jugend in Amsterdam ein. Geprägt durch ein belastetes Elternhaus und das stetige Gefühl, ein Außenseiter zu sein, rutschte er in jungen Jahren in das kriminelle Drogenmilieu ab und verfiel schwer dem Alkoholismus. Der absolute Wendepunkt seines Lebens ereignete sich 1982 an einem persönlichen Tiefpunkt: Durch die Begegnung mit jungen, undogmatischen Christen und ein verzweifeltes Gebet fand er zu Gott. Diese spirituelle Erfahrung gab ihm die Kraft, dem Alkohol und der Kriminalität den Rücken zu kehren und 1985 einen Neuanfang in Deutschland zu wagen.

In seiner neuen Heimat baute er sich mit seiner Frau ein Leben auf, das von tiefem Zusammenhalt, gegenseitigem Freiraum und großer Gastfreundschaft geprägt ist. Das Paar nahm mehrere Pflege- und Adoptivkinder auf. Im Interview schildert Olav auch die extremen familiären Belastungsproben, wie das schwere Mobbing und die daraus resultierende suizidale Krise seines Sohnes in der Jugend, sehr ehrlich. Diese dunkle Zeit konnte er als Vater nur durch den Rückhalt in der Familie und sein unerschütterliches Gottvertrauen durchstehen.

Sein christlicher Glaube zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Für Olav drückt er sich aber nicht in starren kirchlichen Dogmen oder Institutionen aus, sondern im täglichen Handeln, in Vergebung und bedingungsloser Liebe. Radikale oder ausgrenzende Prediger lehnt er entschieden ab. Zum Abschluss des Gesprächs zieht er ein kraftvolles Resümee: Vor dem Hintergrund seiner eigenen wechselhaften Geschichte sind ihm Freiheit, Demokratie und Toleranz zu den höchsten Gütern geworden. Er sieht es als essenzielle Aufgabe seiner Generation, diese freiheitlichen Werte an die Jüngeren weiterzugeben. Eindringlich warnt er vor politischen und religiösen Extremisten, die unsere Gesellschaft spalten wollen.


Aus der Podcastfolge „Kriminelle Kreise und Alkohol – bis er zu Gott fand“ vom –29.05.2024– des RB-Podcasts „Eine Stunde reden – Gespräche mit Unbekannten“ (nicht mehr verfügbar).


Webseite der Folge in neuem Tab lesen: https://www.ndr.de/nachrichten/info/epg/Eine-Stunde-reden-Gespraeche-mit-Unbekannten,sendung1454138.html

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📅❓ the promise I made

Angesichts der Verheerungen in der Welt – den ideologischen, den atomaren, den klimatischen, den kriegerischen, den kriminellen, den von Machtgier verursachten – sagte ich mir als Jugendlicher, dass ich keine eigenen Kinder bekommen, sondern Kinder adoptieren möchte.

Ich wollte am Ende meines Lebens nicht mit der Frage konfrontiert werden: „Warum hast du uns in diese Welt gesetzt?” Ich spürte die Last ererbter gesellschaftlicher Verantwortung und die Unmöglichkeit, die Entwicklung auf dieser Welt positiv zu beeinflussen.

Kinder brauchen Eltern. Und es gibt zu viele Waisenkinder auf dieser Welt. Mindestens einem von ihnen wollte ich ein behütetes Zuhause und eine liebevolle Familie geben.

Am Ende sind es drei Kinder geworden. Nicht allein durch aktives Handeln, sondern auch durch Fügung. Selbst als das Konzept der „Familie unter einem Dach” scheiterte, mussten die Kinder nicht darunter leiden.

Diese drei Versprechen (keine leiblichen Kinder, Adoption/Pflege, eine sichere Familie), die ich mir selbst gegeben habe, konnte und durfte ich auch wirklich einhalten.

Tägliche Schreibanregung
Welches Versprechen an dich selbst hast du wirklich gehalten?

What’s a promise you made to yourself that you’ve actually kept?  |  Welches Versprechen hast du dir selbst gegeben, das du auch wirklich eingehalten hast?

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📅❓ Mal mehr, mal weniger.

Bevor ich Kinder hatte, hätte ich die heutige Schreibanregung eindeutig beantwortet. Wer wir werden, wird überwiegend durch unsere Erziehung und Erfahrungen geprägt.

Doch wir bekamen keine leiblichen Kinder. Stattdessen kamen drei Adoptiv- und Pflegekinder zu uns. Ich wurde eines Besseren belehrt: It’s the genes, stupid.

Unsere Adoptivtochter, die als achttägige Neugeborene zu uns kam, band 16 Jahre lang fast unsere gesamte Energie (dann zog sie in ihre eigene Wohnung). Ihr Temperament stand genau im Gegensatz zu unserem. Mit Mitte 20 lernte sie – und wir – ihre leibliche Mutter kennen. Sie sind ein Kopf und ein Arsch, wie es im Umgangssprachlichen heißt. Sie könnten Geschwister sein, denn der Altersunterschied beträgt nur 15 Jahre. Sie rauchen gleich viel, sie trinken gleich viel, sie fahren beide einen heißen Reifen, sie sind beide hyperaktiv und sie ähneln sich sehr, um nur die offensichtlichsten Gemeinsamkeiten zu nennen. Es sind eindeutig die Gene und die Erfahrungen im Mutterleib.

Unser Adoptivsohn, der Mittlere, wuchs als farbiger Mensch in Südafrika auf. In seinen entscheidenden ersten drei Lebensjahren. Sein Temperament könnte nicht besser zu uns passen. Aber er ist eine Wundertüte, aus der seit 23 Jahren immer neue Überraschungen herausragen. Leider wissen wir nicht, was den Genen zugerechnet werden kann und was der Bindung zu seinen Bezugspersonen und seiner Erziehung – seine Mutter starb und der Vater ist unbekannt – geschuldet ist.

Unsere Pflegetochter, die Jüngste, kam als Sechsmonatige zu uns und aus der Notfallpflege wurde „lebenslänglich”. In den ersten drei Jahren gab es einen mäßigen, aber regelmäßigen Kontakt zur Mutter, sodass auch hier die Gene offensichtlich deutlich im Vordergrund stehen. Ihren Vater haben wir in ihren Teenagerjahren kennengelernt. Von ihm hat sie offensichtlich die uns überragende Körpergröße geerbt.

Offensichtlich prägen uns die Gene aus der Herkunftsfamilie und ggf. die Prägungen im Mutterleib oder in den ersten drei Lebensjahren etwas mehr als unsere Erziehung und Erfahrungen. Mit zunehmendem Alter und Erfahrungen treten die Gene allmählich etwas in den Hintergrund. Im letzten Lebensdrittel schieben sie sich wieder langsam nach vorne.

Bei so unterschiedlichen Kindern ist es für Eltern notwendig, sich in Erziehungsfragen einig zu sein. Letztlich sind wir u. a. auch daran gescheitert.

Und bei allem Einfluss der Gene ist es ein tolles Gefühl, zu sehen, wie die Kinder mit zunehmendem Alter und mehr Autonomie und Selbstständigkeit auch unsere Verhaltensweisen zeigen und unsere Werte leben. – Mal mehr, mal weniger.

Tägliche Schreibanregung
Glaubst du, wir werden mehr von unseren Erfahrungen geprägt oder von dem, wer wir sind?

Do you think we’re shaped more by our experiences or by who we are?  |  Glaubst du, dass wir eher durch unsere Erfahrungen geprägt werden oder dadurch, wer wir sind?

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🎙 Die Adoption verändert das Leben von Bartosz und seiner Frau.

Bartosz Przybylek und seine Frau hatten lange versucht, ein Kind zu bekommen, und sich schließlich für eine Adoption entschieden, nachdem mehrere medizinische Behandlungen gescheitert waren.

Nach einem intensiven Bewerbungsprozess erhielten sie überraschend einen Anruf, in dem ihnen mitgeteilt wurde, dass sie einen drei Tage alten Säugling kennenlernen sollten. Die Vorbereitungen für die Ankunft des Kindes waren hektisch, doch Bartosz fühlte sich sofort mit dem Neugeborenen verbunden.

Im Gespräch reflektiert Bartosz über die Herausforderungen und Freuden der Elternschaft sowie die Balance zwischen Arbeit und Familie. Er hatte seine Online-Shops verkauft, um mehr Zeit für seinen Sohn zu haben.

In dieser Podcastfolge gewährt er Einblicke in seine Erfahrungen als frischgebackener Adoptivvater und die emotionale Reise, die er und seine Frau durchlebt haben.


Aus der Podcastfolge „Plötzlich Adoptivvater“ vom –15.04.2026– des RB-Podcasts „Eine Stunde reden – Gespräche mit Unbekannten“ (Verfügbar bis -14.04.2028-).


Podcastfolge in neuem Tab hören: https://rbprogressivedl-a.akamaihd.net/clips/zt/welt/3d/3Dj89WJhxB/3Dj89WJhxB_audio_128k_stereo.mp3

Webseite der Folge in neuem Tab lesen: https://www.bremenzwei.de/audios/eine-stunde-reden-bartosz-przybylek-100.html

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🎙 Zwei Väter, zwei Wege, eine Liebe: Unser Abenteuer mit Pflege- und Adoptivkindern.

In dieser Podcastfolge berichtet Bastian über sein Familienleben mit seinem Ehemann Dominik und ihren zwei Töchtern.

Ein Kind wurde als Pflegekind, das zweite als Adoptivkind aufgenommen. Trotz Dominiks Multiple-Sklerose-Erkrankung entschied sich das Paar bewusst für diesen Weg. Bei der älteren Tochter begann dieser sehr kurzfristig, bei der jüngeren mündete er in einer Adoption nach einer vertraulichen Geburt.

Ein wesentlicher Aspekt ihrer Erziehung ist der offene Umgang mit der Herkunft der Kinder, inklusive kindgerechter Erklärungen zur „Bauchmama“ und Briefkontakt zur leiblichen Mutter der Pflegetochter. Bastian betont, dass beide Mädchen ungeachtet ihres rechtlichen Status mit der gleichen Liebe aufgezogen werden und sich ihr Alltag, vom Kuscheln bis zum Vorlesen, kaum von dem anderer Familien unterscheidet.

Letztlich zeigt das Gespräch, dass für das Paar vor allem Ehrlichkeit, Gesundheit und Gelassenheit die Pfeiler ihres persönlichen Familienabenteuers bilden.


Aus der Podcastfolge „Unser Familienabenteuer mit Adoptiv- und Pflegekind“ vom –30.11.2025– des SWR-Podcasts „Das wahre Leben„.


Podcastfolge in neuem Tab hören: https://pdodswr-a.akamaihd.net/swr/video/nachtcafe/podcast/unser-familienabenteuer-mit-adoptiv-und-pflegekind.mp3

Webseite der Folge in neuem Tab lesen: https://www.swr.de/video/sendungen-a-z/nachtcafe/unser-familienabenteuer-mit-adoptiv-und-pflegekind-100.html

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