📅❓ Lächerlichkeitsfalle

Ich bin für Veränderung und stetigen Wandel. Deshalb sind mir Traditionen, die sich unverändert wiederholen, suspekt. Außerdem sind mittlerweile fast alle Traditionen durch und durch kommerzialisiert, sodass der Sinn hinter der Tradition unscheinbar geworden ist.

Trotzdem gibt es zwei Traditionen, die ich besonders liebe, wenn (kleine) Kinder im Haushalt oder zu Besuch sind: das Ostereiersuchen am Ostersonntag und die Bescherung am Heiligen Abend mit den Geheimnissen und den kleinen „Wundern” in der Adventszeit.

In den letzten Jahrzehnten wurde das Zeitfenster, in dem Kinder durch den „Osterhasen”, das „Christkind” oder den „Weihnachtsmann” zu beeindrucken sind, immer kleiner, da bereits in den Kindertagesstätten viele Kinder laut verkünden, dass es den Osterhasen, den Weihnachtsmann oder das Christkind gar nicht gibt.

Es ist zu einer Gratwanderung geworden, gläubige Kinder nicht in die Lächerlichkeitsfalle laufen zu lassen.

Tägliche Schreibanregung
Welche Tradition aus deinem Land liebst du besonders?

What’s a cultural tradition from your country that you love?  |  Welche kulturelle Tradition aus deinem Land magst du besonders gern?

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📅❓ La Bise

In Frankreich und den Niederlanden ist es Tradition, sich mit angedeuteten Küsschen auf die Wangen zu begrüßen.

In Frankreich heißt dieser Begrüßungskuss „La Bise”. Für Menschen, für die diese Tradition neu ist, ist die Anzahl der Küsschen (meist zwei, in manchen Regionen aber auch drei oder vier) sowie die Wange, mit der man beginnt, eine Wissenschaft für sich.

In den Niederlanden sind es genau drei Küsschen in der Reihenfolge rechts – links – rechts.

Diese Begrüßung ist ein Mittelweg zwischen dem bei uns üblichen Händeschütteln und der ebenfalls üblichen Umarmung. Sie ist weder zu distanziert noch zu eng und bietet die Gelegenheit zu prüfen, ob man das Gegenüber „riechen” kann.

Täglicher Schreibanreiz
Welche Tradition aus einem anderen Land würdest du dir auch in deinem wünschen?

What’s a cultural tradition from another country that you wish existed in yours?  |  Welche kulturelle Tradition aus einem anderen Land würdest du dir für dein eigenes Land wünschen?

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📅❓ Die regelbasierte Ordnung.

Zum heutigen Schreibanreiz über die größten Fehler, die Menschen bei einem Besuch in Deutschland begehen könnten, hatte ich spontan eine Idee.

Früher hieß es, dass man in Deutschland ohne Angst und ohne anzuhalten einen Zebrastreifen überqueren kann. Autofahrer hielten an und respektierten die „Vorfahrt” der Fußgänger.

Ich habe Gemini nach Vorurteilen befragt, die Deutschlandbesucher mitbringen, und auch danach, welches dieser Vorurteile für die Besucher gefährlich werden könnte.

Als vierten Punkt nannte mir Gemini tatsächlich das blinde Vertrauen in das sichere Deutschland.

Ich habe einige Newsletter abonniert, die Meldungen aus meiner Region enthalten. Ich beobachte, dass die Zahl der täglichen und wöchentlichen Polizeimeldungen von Jahr zu Jahr zunimmt. Immer häufiger werden beispielsweise Geschwindigkeitsbeschränkungen missachtet, an unübersichtlichen Stellen überholt, unter Alkohol- und/oder Drogeneinfluss Auto, E-Scooter und Fahrrad gefahren, ohne einen Führerschein zu besitzen Auto gefahren, Fußgänger auf Zebrastreifen oder bei grünem Ampelübergang überfahren, Fahrräder, E-Scooter und sogar Autos brettern durch reine Fußgängerzonen, es wird Fahrerflucht begangen und es sind Verfolgungsjagden durch die Polizei nötig.

Der größte Fehler, den Menschen bei einem Deutschlandbesuch begehen, ist, auf die Einhaltung der regelbasierten Ordnung zu vertrauen.

Außerdem gibt es in Deutschland tatsächlich Tempolimits auf Autobahnen, deutsches Bier hat tatsächlich einen nicht zu unterschätzenden Alkoholgehalt, Deutschland hat tatsächlich viele heiße und trockene Tage und es sind tatsächlich viele Trickdiebe unterwegs.

Täglicher Schreibanreiz
What are the biggest mistakes people make when visiting your country?

What are the biggest mistakes people make when visiting your country?  |  Was sind die größten Fehler, die Menschen bei einem Besuch in Ihrem Land begehen?

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🎙 Gert Heidenreich reflektiert über Deutschland und Identität.

Der Sendungsbeitrag handelt von Gert Heidenreich, einem bekannten deutschen Hörspielsprecher, Autor und Journalisten. Heidenreich blickt auf eine lange Karriere in der deutschen Medienlandschaft zurück und hat viele bedeutende Werke wie Goethes „Faust” und Tolkiens „Der Herr der Ringe” vertont.

Im Sendungsbeitrag reflektiert Heidenreich über seine Erfahrungen und Gedanken zu Deutschland. Er erinnert sich beispielsweise daran, wie er als Jugendlicher an einer Demonstration gegen die Notstandsgesetze in München teilnahm. Diese Erfahrung prägte sein Gefühl für Identität und Verantwortung in einem Land, das noch immer unter den Nachwirkungen des Krieges litt.

Er beschreibt, wie ihn seine Kindheit in einem zerstörten Deutschland beeinflusste und dass viele seiner Generation mit einem Trauma aufwuchsen. Heidenreich spricht auch über die Herausforderungen, mit denen das Land in den 1960er Jahren konfrontiert war, als ehemalige Nazis in vielen wichtigen Positionen saßen. Dies führte zur 68er-Bewegung, die versuchte, Deutschland geistig zu verändern.

Heidenreich hat ein komplexes Verhältnis zum Begriff „Heimat”, da er sowohl in Deutschland als auch in Frankreich lebt. Er hat viel von der Welt gesehen und ist der Meinung, dass das Gefühl von Heimat oft individuell ist und von persönlichen Erfahrungen abhängt.

Er betont die Wichtigkeit, soziale Spannungen in der Gesellschaft zu erkennen, und dass Demokratie ein stetiger Prozess ist, der gepflegt werden muss. Zudem wünscht er sich, dass der Fokus im deutschen Bildungssystem stärker auf den Geisteswissenschaften liegt.


Aus dem Interview „Denk ich an Deutschland: der Hörspielsprecher Gert Heidenreich“ der Deutschlandfunk-Sendung „Information und Musik“ vom –24.05.2026-.


Interview in neuem Tab hören: https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2026/05/24/denk_ich_an_deutschland_der_hoerspielsprecher_gert_dlf_20260524_0821_92d534ef.mp3

Webseite des Interviews in neuem Tab lesen: https://www.deutschlandfunk.de/denk-ich-an-deutschland-der-hoerspielsprecher-gert-heidenreich-100.html

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💬 »wer einen Posten übernimmt, übernimmt Verantwortung, und zwar für die ganze Gesellschaft«

»Ich glaube, dass sich die Deutschen sehr deutlich in zwei Richtungen entwickeln. Leider.

Ich hätte auch vor einiger Zeit noch gesagt, Deutschland ist ein privilegiertes Land, in dem es uns doch so gut geht. Und ich habe Hemmungen, das inzwischen zu sagen, weil ich gar nicht mehr von den Deutschen reden kann und wie es uns geht. Die soziale Schere wird immer größer und die Verbindung zwischen diesen beiden Gruppen verliert sich.

Und das halte ich für sehr gefährlich, vor allem weil der Reichtum unter anderem da ist, wo die politischen Entscheider sind.

Und was mich wirklich richtig wütend macht, ist, dass die politische Führung ihre Verantwortung nicht mehr wahrnimmt.

Also wer einen Posten übernimmt, übernimmt Verantwortung, und zwar für die ganze Gesellschaft. Und inzwischen kommt es mir vor wie so ein moderner Feudalismus, dass es da so eine Elite gibt, die ihre Macht nicht für die Gemeinschaft ausnutzt, sondern die Entscheidung so trifft, dass es ihnen besser geht.

Und ich glaube, das spüren die Leute im Land und dieses Gefühl der Ungerechtigkeit, das ist, glaube ich, etwas, was sehr gefährlich ist.«

~ Stephanie Schneider, deutsche Schriftstellerin, Autorin für Kinderbücher, 03.05.2026, Deutschlandfunk, Information und Musik, Denk ich an Deutschland: die Kinderbuchautorin Stephanie Schneider

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🎙 Ist unser Wohlstand noch zu retten oder müssen wir unsere Prioritäten völlig neu setzen?

Der Soziologe Heinz Bude konstatiert das Ende des Zeitalters des stetigen Wachstums und Wohlstands in Deutschland.

Dies ist auf geopolitische Krisen und notwendige Prioritätensetzungen bei den Staatsausgaben zurückzuführen. Er erläutert, dass der Erhalt der allgemeinen Wohlfahrt – etwa des hochentwickelten Gesundheitssystems – künftig nur noch durch spürbare Einbußen beim individuellen Lebensstandard möglich sein wird.

Laut Bude führt diese Entwicklung zu einer tiefgreifenden Vertrauenskrise in die Regierungsfähigkeit und befeuert den Zulauf zu populistischen Strömungen quer durch alle sozialen Schichten. Bude warnt dabei vor einer wachsenden Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern, die aus reinem Eigennutz prinzipienlose Politik unterstützen würden, solange diese ihren persönlichen Wohlstand sichert.

Abschließend plädiert er für politische Wahrhaftigkeit und die Einsicht, dass die Gesellschaft die Zukunft des Landes als gestaltende Kraft in Europa wieder aktiv selbst in die Hand nehmen muss.


Aus dem Interview „Verlust als Grundproblem der Gegenwart – Heinz Bude, Soziologe“ der Deutschlandfunk-Sendung „Information und Musik“ vom –19.04.2026-.


Interview in neuem Tab hören: https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2026/04/19/verlust_als_grundproblem_der_gegenwart_heinz_bude_soziologe_dlf_20260419_0714_5f6359f3.mp3

Webseite des Interviews in neuem Tab lesen: https://www.deutschlandfunk.de/verlust-als-grundproblem-der-gegenwart-heinz-bude-soziologe-100.html

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