📅❓ Roger

Willemsen. Er war ein Intellektueller im besten Sinne des Wortes, ein Humanist und brillanter Denker mit tiefem moralischem Kompass und weitreichendem gesellschaftlichem Engagement – insbesondere als langjähriger Schirmherr des Afghanischen Frauenvereins.

Er war ein Sprachkünstler mit herausragender Eloquenz, poetischer Präzision und der Fähigkeit, komplexe emotionale und sachliche Themen in Essays meisterhaft zu formulieren.

Er war ein Weltbürger und Reisender, getrieben von rastloser Neugier auf fremde Kulturen und abgelegene Orte, die er in Werken wie „Die Enden der Welt” literarisch und philosophisch verarbeitet hat.

Er war ein scharfsinniger Beobachter, der das politische und alltägliche Leben mit detailgenauen, oft ironischen, aber stets empathischen Analysen beleuchtete, wie exemplarisch in seiner Bundestags-Reportage „Das Hohe Haus“.

Er war ein feingeistiger Interviewer, ein tiefgründiger Zuhörer und Moderator, der in Formaten wie „Willemsens Woche” intellektuellen Anspruch, Neugier und Unterhaltung auf Augenhöhe verband.

Er war melancholisch und hatte Humor. Er verband existenzielle Nachdenklichkeit und Schwermut mit warmherzigem, blitzgescheitem Witz.

Er war ein Kulturvermittler und ein leidenschaftlicher Grenzgänger zwischen Literatur, Musik (insbesondere Jazz), Fernsehen und Wissenschaft.

Roger Willemsen war ein Unikat. Einer der wenigen Männer, vor denen ich mich respektvoll verneige.

Das WDR-Zeitzeichen erinnerte in diesem Jahr an ihn: https://rueckzuginsprivate.de/?p=13899


Welche:n Promi würdest du gern mal treffen – und worüber würdet ihr reden?

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Which celebrity would you love to meet, and what would you talk about?  |  Welchen Prominenten würdest du gerne einmal treffen, und worüber würdet ihr euch unterhalten?

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🎙 „Das Leben kann man nicht verlängern, aber wir können es verdichten.“ – Über Roger Willemsen.

Roger Willemsen war ein bekannter deutscher Publizist und Fernsehmoderator. Er ist am 7. Februar 2016 verstorben. Ursprünglich wollte er Germanistikprofessor werden, doch dann änderte das Fernsehen seinen beruflichen Werdegang. Er war bekannt für seine scharfen, witzigen Fragen und seine Fähigkeit, mit Menschen unterschiedlichster Hintergründe zu sprechen. Willemsen moderierte zahlreiche Talkshows und erhielt dafür mehrere Auszeichnungen, darunter den Grimme-Preis in Gold.

Neben seiner Fernsehtätigkeit schrieb er 36 Bücher, von denen viele Bestseller wurden, sowie Essays und Artikel. Er reiste viel und hatte eine Leidenschaft für das Schreiben. Willemsen war ein charismatischer Entertainer, der sein Publikum in den Bann zog und häufig auf der Bühne stand.

Er hatte eine komplexe Beziehung zur Liebe und war für seine Unabhängigkeit bekannt. Willemsen wuchs in einer gebildeten, aber nicht wohlhabenden Familie auf und fand Trost in Büchern, insbesondere nach dem frühen Tod seines Vaters.

In den letzten Jahren seines Lebens engagierte er sich für Afghanistan und spendete für Projekte, die Frauen dort unterstützen. Kurz vor seinem 60. Geburtstag gab er seine Krebserkrankung bekannt. Er hinterließ einen bleibenden Eindruck in der deutschen Medienlandschaft und wird als wichtige Stimme in Erinnerung bleiben.


Aus der Podcastfolge „Zu schlau fürs Fernsehen: Der Publizist Roger Willemsen“ vom –07.02.2026– des WDR-Podcasts „WDR Zeitzeichen„.


Podcastfolge in neuem Tab hören: https://wdrmedien-a.akamaihd.net/medp/ondemand/weltweit/fsk0/342/3421299/3421299_65600907.mp3

Webseite der Folge in neuem Tab lesen: https://www1.wdr.de/mediathek/audio/zeitzeichen/audio-zu-schlau-fuers-fernsehen-der-publizist-roger-willemsen-100.html

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📅❓ Betriebstemperatur

Ich fühle mich auf der körperlichen Ebene richtig lebendig, wenn ich mich ausgepowert habe. In meiner Jugend waren es lange Fahrradtouren oder Läufe bergauf und bergab. Beim Fußballspielen. Später blieb nur das Laufen. Nach einer sehr langen Ruhephase gab es diesen einen Moment am 12. Oktober eines Jahres, in dem ich wieder mit dem Laufen begann. Ausgepowert kam ich zu Hause an, war überglücklich und fühlte mich richtig lebendig.

Auf der geistigen Ebene fühle ich mich lebendig, wenn ich gefordert werde. Wenn ich ein oder mehrere Probleme durchdenken muss, wenn ich etwas Komplexeres organisieren muss oder schwierige Gespräche führe. Wenn ich dabei meine „Betriebstemperatur” erreiche, fühle ich mich wirklich lebendig. So geschah es in der vergangenen Woche, als ich zwei Personen dabei half, gegen die unsäglichen Hürden der Bürokratie im Jobcenter zu kämpfen und Eingliederungshilfe bei der Kreisverwaltung oder BAföG beim Amt für Ausbildungsförderung zu beantragen.

Auf der seelischen Ebene fühle ich mich richtig lebendig, wenn ich eine Seelenverwandte treffe, mich verliebe oder mich mit jemandem unterhalten kann, sodass die Worte nur so fliegen. Insgesamt fühle ich mich lebendig, wenn sich ein Kontakt oder eine Beziehung leicht anfühlt.


Welcher Moment in deinem Leben hat dich so richtig lebendig fühlen lassen?

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What’s a moment in your life that made you feel truly alive?  |  Was war ein Moment in deinem Leben, in dem du dich wirklich lebendig gefühlt hast?

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🎶 »Wär es nicht Zeit, dass diese Frage uns alle auf die Straßen treibt?«

Wenn ich mich in dieser seltsamen Welt umsehe, frage ich mich ernsthaft, ob ich meinen eigenen Augen noch trauen kann. Wir leben in einer Zeit voller Widersprüche: Plötzlich wird fossiles Gas als umweltfreundlich und grün deklariert, während das Gras um uns herum in der Hitze vertrocknet und gelb wird. Es entbehrt jeder Vernunft, dass leere Flugzeuge einfach weiterfliegen, während wir tatenlos zusehen, wie die letzten sieben Jahre die heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen waren. Minütlich fließen elf Millionen an Subventionen in Öl, Gas und Kohle – ein Wahnsinn, den kaum jemand noch begreift.

https://youtu.be/jZr90jsvAWs

Mit aufgesetzter Heiterkeit werden wir von den Verantwortlichen vertröstet. Solange die Wirtschaft floriert, scheint es niemanden zu stören, dass wichtige Arten wie die Bienen verschwinden. Und wenn wir dann doch einmal mit Vehemenz etwas schützen, dann ist es zynischerweise kein echtes Lebewesen zu Lande oder in den Flüssen, sondern ein Kampfpanzer vom Typ Leopard 2.

https://open.spotify.com/intl-de/track/3lHMHcmk1RTRmd6j0X6EvA

Angesichts dieser Zustände ist es leicht, zu resignieren oder melancholische Lieder über den Untergang zu singen. Doch damit stellt sich die drängendste Frage unserer Zeit: Wer gibt uns noch eine Perspektive, und woher soll die Hoffnung kommen? Die Antwort darauf findet sich nicht in leeren Phrasen, sondern auf der Straße, wo die Menschen lautstark rufen, dass Lützerath bleiben muss.

https://music.apple.com/de/song/grasgelb/1706417257

Die vorherrschende Politik versucht, die Wirtschaft um jeden Preis zu entfesseln, dabei legt sie die Menschen aber in metaphorische Ketten. Um unsere Welt noch zu retten, müssten wir dieses Prinzip umkehren. Während wir hier im Überfluss baden, ertrinken zeitgleich Menschen im Meer. Die Menschenwürde verkommt in einem System, das der globalen Erwärmung mit sozialer Kälte begegnet, zu einem reinen Konjunktiv. Wer diesen Kapitalismus kritisiert und zynische Wahrheiten ausspricht, hat es schwer, denn echte Kritik verkauft sich schlecht.

https://link.deezer.com/s/34vnq9EPS96tvMG9Veo5b

Letztlich bleibt uns keine Zeit mehr für passives Schweigen. Anstatt uns der Resignation hinzugeben, müssen wir um jede Perspektive und jede Hoffnung ringen. Die offensichtlichen Ungerechtigkeiten müssen uns alle auf die Straßen treiben, damit wir die Zeit nicht ungenutzt verstreichen lassen. Wir alle stellen uns dieselben drängenden Fragen – also lass uns gemeinsam aufstehen und ein aktiver Teil der Antwort werden!

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📅❓ Rückzug ins Private. Es gibt kein richtiges Leben im falschen.

Ich fühle mich wie im falschen Leben, umgeben von Menschen, die mir fremd sind. Deshalb engagiere ich mich nicht mehr in der Gemeinde, Gesellschaft, Kommune, Allgemeinheit oder im Gemeinwesen.

Die Community, das sind die Zuschauer eines Theaterstücks, das auf der politischen, gesellschaftlichen und kirchlichen Bühne aufgeführt wird. Worte, Worthülsen und Sprechblasen dringen an das Ohr des Publikums und zerplatzen: „Wir wollen. Wir werden. Wir müssen.“ Ankündigungssprechblasen. Entweder wird davon nichts umgesetzt, oder es wird nur halbherzig umgesetzt – oder sogar das Gegenteil.
Die Herrschenden bitten zum letzten Aderlass.

Das Volk bewegt sich zwischen den Fassaden demokratisch angestrichener Kulissen und verwechselt das Leben dazwischen mit Demokratie. Das wahre Leben findet jedoch hinter diesen Kulissen statt. Wenn die Fassaden dieser Kulissen von vorne oder von hinten einstürzen, wird das Volk merken, dass es nackt ist. Es wurde ein zweites Mal aus dem Paradies vertrieben und findet nun verbrannte Erde vor. Derweil sitzen die Protagonisten im Flugzeug auf dem Weg in einen Unterschlupf. Ich bin mir nicht sicher, ob „man” sie landen lässt. Wenn ihnen diese Erkenntnis langsam ins Bewusstsein träufelt, wird ihr letzter Gedanke sein: „Nützlicher Idiot.”

„Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ [1] Ich habe den Saal verlassen, stehe im Foyer an der Theke und trinke meinen letzten Prosecco. Rückzug ins Private. Vermeintlich.

[1]:

Dieses berühmte Zitat stammt von dem Philosophen und Soziologen Theodor W. Adorno.

Es bildet den Abschluss des 18. Aphorismus mit dem Titel „Asyl für Obdachlose“. Er findet sich in Adornos Werk „Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben“, das 1951 veröffentlicht wurde (der Großteil des Werkes wurde während seines Exils in den USA zwischen 1944 und 1947 verfasst).
In diesem Werk setzt sich Adorno mit der Frage auseinander, wie ein Individuum in einer Gesellschaft, die er als entfremdet und grundlegend „falsch“ (kapitalistisch durchdrungen und unfrei) wahrnimmt, ein ethisch „richtiges“ oder gelungenes Leben führen kann.

Seine knappe Antwort ist radikal: Da der Einzelne untrennbar mit dem Gesamtsystem verwoben ist, kann er sich innerhalb dieses Systems keine private Nische des Wahren und Guten schaffen. Jede individuelle Anstrengung, „richtig“ zu leben, bleibt demnach Stückwerk, solange die gesellschaftlichen Verhältnisse insgesamt „falsch“ sind.

Täglicher Schreibanreiz
Was tust du, um dich in der Community zu engagieren?

What do you do to be involved in the community?  |  Was tust du, um dich in der Gemeinde zu engagieren?

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