Meine längste Reise begann mit meiner Geburt und wird bis zu meinem Tod andauern. Was danach kommt, weiß man nicht. Vielleicht hat unsere Reise sogar lange vor der Geburt begonnen und führt über den Tod hinaus. Die Lebensreise ist die längste Reise, auf der ich mich befinde.
Als wer wurde ich geboren? Zu wem wurde ich gemacht? Wer bin ich? Wer möchte ich sein?
Nach dem heutigen Erkenntnisstand der Wissenschaft wurde ich mit einer 40- bis 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit als introvertierter Mensch geboren.
Ich war meinen Eltern zu ruhig. Sie machten mir deutlich, dass das nicht gut ist, und gaben mir so viele Anreize, dass ich mich allmählich extravertiert verhielt. Natürlich unbewusst. Das ist der 50- bis 60-prozentige Einfluss meiner Umwelt.
Ab der Zeit der Pubertät spürte ich eine gewisse innere Ambivalenz und Unruhe, die ich mir nicht erklären konnte.
Erst sehr viel später, in der Begegnung mit einer zutiefst introvertierten Person, die entsprechend ihrem Temperament lebte und für deren Eltern Introversion etwas Normales war, erkannte ich meine eigene Introversion.
Ich häute mich also, lege die mich erschöpfenden extravertierten Anteile nach und nach ab und pflege meine introvertierten Anteile. Mein ambivalentes Gefühl verschwand und ich wurde ausgeglichener.
Darüber hinaus gibt es noch so viel mehr, was es auf der Lebensreise zu entdecken gibt: Sie erweitert meinen Horizont, erhält meine Flexibilität, lässt mich meine Gewohnheiten immer wieder anpassen, aus den Erfahrungen anderer lernen und offen bleiben für Veränderungen.
Tägliche Schreibanregung
Was war die längste Reise, die du je gemacht hast?
Es ist Juni 2002 und ich besuche Afrika. Südafrika. Johannesburg. Soweto. Ich bin in einer Gruppe von ca. 10 Personen.
Unsere Reiseführerin zeigt uns Soweto, die Hütten, die Villen, die Armut, den Reichtum, Menschen in Hütten vor Fernsehern, zwischen nasser Wäsche und Müllbergen, Menschen, die sich ein wenig Geld verdienen, Touristen durch ihre Hütte latschen zu lassen. Ein Eintritt in die Villen blieb uns verwehrt. Ein Schrank von einem Mann begleitet uns. Ein Leibwächter.
Wir sehen das drittgrößte Krankenhaus der Welt und das größte Afrikas, das Chris Hani Baragwanath Academic Hospital. Wir sehen Menschen am Straßenrand liegen, vegetieren – wir können nicht unterscheiden, was Kleidung und was nackte Haut ist. Auf dem Weg zum Restaurant vertreiben ein paar tanzende und singende Kinder unsere Schamgefühle. Die Kinder sind bestellt und verdienen sich für ihre Familien ein wenig Geld. Reine Folklore.
Wir biegen in die Makhalemele Street ein, in der sich „Wandies Place” befindet.
„Wandies Place“ ist ein Restaurant in einem typischen kleinen Vier-Zimmer-Haus in Soweto. Bis zum Ende der Apartheid war es der schwarzen Bevölkerung verboten, Bars und Ähnliches aufzusuchen, sodass „Wandies Place” heimlich betrieben wurde. Nach dem Ende der Apartheid baute der Besitzer es zu einem offiziellen Restaurant aus, das sich auf traditionelle südafrikanische Gerichte spezialisiert hat.
Hier habe ich die besten regionalen Gerichte gegessen, die ich je auf einer Reise hatte. Das Restaurant mit seinen langen Tischreihen (keine Einzeltische) war bis auf den letzten Platz besetzt, innen wie außen. Für unsere Gruppe war draußen auf der Straße unter Sonnenschirmen ein Platz reserviert und gedeckt.
Gegessen wurde nicht à la carte, sondern vom großen Buffet. Nicht groß in den Ausmaßen, sondern groß in der Vielfalt. Denn das Haus war klein. Die winzige Küche, in der vier Frauen standen, die nicht mehr umfallen konnten, grenzte unmittelbar an den Gastraum, der gleichzeitig das Wohnzimmer war. Vom Buffet aus konnte man in die Küche schauen und den Frauen ein freundliches „Hello” zurufen.
Auf dem Buffet standen große Kochtöpfe, direkt vom Herd, aus denen man die Hauptspeisen auf seinen Teller löffelte. Ebenso pragmatisch wurden die Beilagen angeboten.
Ich weiß nicht, was sich in den Kochtöpfen befand, denn sie waren unbeschildert. Ich wollte es auch lieber nicht wissen (mir fielen Reiseberichte aus fernen Ländern ein, in denen von Hammelhoden oder Ähnlichem die Rede war).
Ich habe von fast allem probiert und es war köstlich. Nicht nur mir ging es so, sondern auch den anderen in der Gruppe. Scheinbar ging es auch den vielen Prominenten der Welt so, deren Bilder alle Wände des Hauses bedeckten. Auf diesen Bildern strahlten sie alle. Brad Pitt, Will Smith, Richard Branson, Chris Rock und Evander Holyfield, um nur einige zu nennen. Auch sogenannte Staatsmänner waren darunter.
Ich kann die heutige Schreibanregung also nicht mit einem bestimmten Gericht beantworten, sondern verweise auf authentische südafrikanische Speisen.
Dieser Tag im Juni 2002 hat mich bis heute beeindruckt.
Wandies Place gibt es offensichtlich noch heute. Die Webseite ist allerdings offline. Die Facebook-Seite endet mit dem 19.06.2015 (https://www.facebook.com/www.wandiesplace.co.za/). Die dort veröffentlichten Bilder decken sich mit meiner Erinnerung. Laut Google Maps ist das Restaurant täglich von 9 bis 22 Uhr geöffnet.
Tägliche Schreibanregung
Was ist das beste lokale Gericht, das du auf Reisen gegessen hast?
Bartosz Przybylek und seine Frau hatten lange versucht, ein Kind zu bekommen, und sich schließlich für eine Adoption entschieden, nachdem mehrere medizinische Behandlungen gescheitert waren.
Nach einem intensiven Bewerbungsprozess erhielten sie überraschend einen Anruf, in dem ihnen mitgeteilt wurde, dass sie einen drei Tage alten Säugling kennenlernen sollten. Die Vorbereitungen für die Ankunft des Kindes waren hektisch, doch Bartosz fühlte sich sofort mit dem Neugeborenen verbunden.
Im Gespräch reflektiert Bartosz über die Herausforderungen und Freuden der Elternschaft sowie die Balance zwischen Arbeit und Familie. Er hatte seine Online-Shops verkauft, um mehr Zeit für seinen Sohn zu haben.
In dieser Podcastfolge gewährt er Einblicke in seine Erfahrungen als frischgebackener Adoptivvater und die emotionale Reise, die er und seine Frau durchlebt haben.
Aus der Podcastfolge „Plötzlich Adoptivvater“ vom –15.04.2026– des RB-Podcasts „Eine Stunde reden – Gespräche mit Unbekannten“ (Verfügbar bis -14.04.2028-).
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Bevor ich mich für ein Fortbewegungsmittel für eine Reise quer durchs Land entscheide, muss ich mich für ein Land entscheiden.
Ob ich allein oder in einer Kleinstgruppe reise, ist entscheidend dafür, durch welches Land ich reisen möchte. Je nach Erfahrung der anderen Mitreisenden würde ich mich auch in fremde Länder wagen. Heute gehe ich einmal von einem Alleingang aus.
Zunächst würde ich gerne Deutschland von Süd nach Nord durchqueren – zu Fuß. Ich würde in der südlichsten Stadt Deutschlands, Sonthofen, starten und meine Reise in der nördlichsten Stadt Deutschlands, Glücksburg, beenden. Vermutlich würde ich nicht den kürzesten Fußweg nehmen, sondern etwas östlich davon wandern. Über meine Reise würde ich gerne schriftlich und/oder in einem Podcast berichten.
Spannend fände ich auch, Deutschland einmal von Süd nach Nord und von West nach Ost mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Linienbusse) zu durchqueren.
Reizvoll fände ich auch eine Reise mit der Bahn quer durch Europa inklusive Russland.
Täglicher Schreibanreiz
Du gehst auf eine Überlandreise. Reist du per Flugzeug, Bahn, Bus, Auto oder Fahrrad?
You’re going on a cross-country trip. Airplane, train, bus, car, or bike? | Du machst eine Reise quer durchs Land. Flugzeug, Zug, Bus, Auto oder Fahrrad?
In dieser Podcastfolge geht es darum, wie Traumata der Eltern das Leben und das Wohlbefinden ihrer Kinder beeinflussen können.
Podcastfolge „Wenn die Eltern traumatisiert sind – was macht das mit mir?“ vom 26.02.2023 aus dem RTL+-Podcast „Stahl aber herzlich„.
Im Gespräch mit Alison, einer Klientin, wird deutlich, dass sie durch den Tod ihres Vaters viele alte Erinnerungen und Gefühle aus ihrer Kindheit wiedererlebt hat. Alison erzählt von ihrer schwierigen Beziehung zu ihrer Mutter, die sie als traumatisiert wahrnimmt. Sie hat in ihrer Kindheit viel physische und psychische Gewalt erlebt und fühlt sich nun, nach dem Tod ihres Vaters, erneut enttäuscht und verletzt.
Alison beschreibt zudem, dass ihre ältere Schwester eine dominante Rolle in der Familie spielt, wodurch ihre Mutter sie schlechter behandelt. Alison fühlt sich von ihrer Mutter im Stich gelassen und hat das Gefühl, dass ihre Bemühungen, für die Familie da zu sein, nicht gewürdigt werden. Dies führt zu Depressionen und Enttäuschung.
Stephanie versucht, Alison dabei zu helfen, ihre Gefühle zu verstehen und die Verantwortung für die Probleme in ihrer Familie nicht auf sich zu nehmen. Sie ermutigt Alison zu erkennen, dass die Probleme ihrer Mutter und die familiären Dynamiken nicht ihre Schuld sind.
Die Podcastfolge verdeutlicht, wie essenziell es ist, die eigenen Bedürfnisse und Gefühle zu erkennen und zu verinnerlichen, dass Liebe und Unterstützung, die ein Kind benötigt, von den Eltern kommen sollten. Alison lernt, dass sie ein liebenswertes Wesen ist – unabhängig von den Fehlern ihrer Eltern. Der Prozess der Befreiung von alten Verletzungen und die Übernahme der Verantwortung für die eigene emotionale Gesundheit sind zentrale Punkte auf Alisons Reise zur Heilung.
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Ungewollte Kinderlosigkeit. Sie brachte ein Adoptiv-Kind aus ihrer ersten Ehe mit in die zweite. Als dieses das Haus verließ war ihr Kinderwunsch immer noch vorhanden. Sie wollten ein Kind aus Afrika adoptieren. Vom ersten Antrag bis zum endgültigen Vermittlungsvorschlag vergingen vier lange, quälende Jahre. Dunkle Ränder unter seinen Augen, Nebel in seinem Kopf. Dann ging es Schlag auf Schlag. Es gab zwei Wochen Vorbereitungszeit bis zum Flug an einem Donnerstag. Formulare. Dokumente. Impfungen. Testament. Generalvollmacht. Der erste Langstreckenflug im Leben. Nachtflug. Landeanflug auf den „Johannesburg International Airport“ in die aufgehende Sonne bei strahlend blauem Himmel und Minustemperaturen – der Herbst lag in seinen letzten Zügen. Transfer nach Pretoria in den Bungalow, der für zwei Wochen Schutz bieten würde. Die Kriminalitätsrate war hoch. Im Bungalow waren Paare aus Belgien, Deutschland, den Niederlanden und Schweden. Sie alle warteten hoffnungsfroh. Freundschaften entstanden. Die kommenden drei Tage dienten der Akklimatisierung und dem Sightseeing. Es gab eine Führung durch Soweto. Sie sahen einen ausgemergelten farbigen Südafrikaner am Boden liegen. Was Hose war, was Haut – man konnte es nicht unterscheiden. Das größte Krankenhaus Afrikas. Wellblechhütten. In jeder stand ein laufender Fernseher. Am Straßenrand wurde Fleisch verkauft, das von Fliegen umschwärmt war. Eine Grill-Parade. Am Montag ging es ins Kinderheim. Es war die gefühlt längste Fahrt ihres Lebens. Die Kinder waren gut vorbereitet und freuten sich ehrlich. Das kleine, geschätzt dreijährige Waisenkind sprang gleich in seine Arme, strahlte übers ganze Gesicht und streckte die Finger einer Hand gen Himmel. „An Aeroplane to Germany!“ Er konnte seine Finger nicht von seinem Bart lassen. Es sollte der glücklichste Moment seines Lebens sein. Es war der erfolgreiche Abschluss ihres gemeinsamen Projekts. Teamarbeit. Herzblut. Danach war die Luft raus. Heute sind sie friedlich getrennt. Die beteiligten Organisationen hatten alles richtig gemacht. Sie hatten sorgfältig die passenden Eltern für die Kinder ausgewählt. Das ist keine Selbstverständlichkeit im Adoptionsgeschäft. Eine Woche des Kennenlernens. Nachmittagstee bei 22 Grad im Venning-Park. Eine entspannte Band spielte instrumental „Clair” von Gilbert O’Sullivan. Jetzt erst lösten sich seine Glückstränen. Eine Woche lang unternahmen sie beschützte Sightseeing-Touren durch die Umgebung von Pretoria und Johannesburg. Nebensächlich. Eine Woche des Unter-Beobachtung-Stehens. Am nächsten Montag war der Adoptionstermin vor einer Richterin des südafrikanischen Familiengerichts. Der Stempel unter der Urkunde besiegelte es. Donnerstag Abschied. Umarmungen. Händeschütteln. Dankbarkeit. Trennungsschmerz. Rückflug im Aeroplane to Germany.