🐚 realistisch, nicht pessimistisch

Introvertierte sind vorausschauend. Sie neigen dazu, nicht nur die positive Seite zu sehen, sondern erkennen schon frühzeitig mögliche Probleme. Dadurch wirken sie oft pessimistisch.

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Oh ja. Ich verstehe nicht, wie man die Fürs und Widers nicht identifiziert, damit vielleicht auf halber Strecke stehen bleibt und dann unvorbereitet ist, wenn plötzlich ein Hindernis auftaucht. Ich durchdringe meine Vorhaben gedanklich, frage mich, was im besten und im schlimmsten Fall geschehen kann, suche nach dem besten Weg und überlege mir schon Workarounds für den Fall, dass vorausgedachte Hindernisse auftreten. Dadurch laufe ich zwar etwas später los als andere und brauche etwas länger, um ins Handeln zu kommen, dafür bin ich aber schneller unterwegs und umgehe Hindernisse zügiger. Manchmal wäre es aber gut, jemanden an der Seite zu haben, der erkennt, wie dringlich es ist, loszulaufen, statt noch lange zu überlegen.

🐚 realistisch, nicht pessimistisch

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📅❓ danebenleben

Mein unerfahreneres Ich hätte weniger Schmerz gefühlt, wenn es sich bereits die Bedeutung der Aussage „Es gibt kein richtiges Leben im falschen” hätte erarbeiten können.

Und da heute nach dem Schmerzhaftesten gefragt wird, ist es für mich, ich wiederhole mich, am schmerzhaftesten, extravertiert gelebt zu haben, anstatt meine großen introvertierten Anteile auszuleben.

So kam es, dass mein introvertiertes Verhalten meinen Eltern Sorgen bereitete. Sie gaben mir immer wieder zu verstehen, dass ich so, wie ich bin, falsch bin. Bereits meine frühkindliche Überlebensstrategie war es, mich anzupassen und in die Rolle eines Extravertierten hineinzuwachsen.

Erst Jahrzehnte später, als ich damit beschäftigt war, die zerbrochenen Teile meines vergangenen Lebens neu zusammenzusetzen, spiegelte ich mich in einem introvertierten zeitweiligen Gegenüber und erkannte mich.

Ich erkannte, warum ich mich mein Leben lang ambivalent gefühlt hatte, und begriff, warum es auch im Innenleben kein richtiges Leben im falschen geben kann.


Was weißt du heute, das deinem jüngeren Ich viel Schmerz erspart hätte?

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What’s one thing you know now that would have saved your younger self a lot of pain? |  Was ist eine Sache, die du heute weißt und die deinem jüngeren Ich viel Leid erspart hätte?

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🐚 zurückhaltend

Introvertierte sind nicht besonders spontan. Sie beobachten lieber erst andere, bevor sie selbst aktiv werden.

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Am 23. September hatte ich etwas zu meiner Spontaneität geschrieben. Ich gleiche die wenig vorhandene Spontaneität meines introvertierten Ichs mit meiner Entscheidungsfreudigkeit aus.

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📅❓ Der Fremde in mir.

Wenn ich darüber nachdenke, welche Beziehung mich am meisten über mich selbst gelehrt hat, nenne ich als erstes meine Ehe und ihr Scheitern. Die letzte Zeit des Ringens während der ehelichen Agonie zwischen „change it, love it or leave it”, die relativ kurze Zeit, in der ich mich entschied, die Ehe zu verlassen, und die Zeit danach, in der ich mich intensiv mit mir selbst auseinandersetzte, haben mich zu Selbsterkenntnissen geführt.

Ein paar Jahre später folgte erst der virtuelle und später der telefonische Austausch mit einer jüngeren Frau, die selbstverständlich über ihre tiefe Introversion und wie sie diese lebt, sprach. Sie öffnete mir durch ihr Beispiel die in meiner Kindheit verschlossene Tür zu meiner eigenen Introversion. Diese eher lockere Beziehung war meine Rettung und hat mich am meisten über mich selbst gelehrt.

Welche Beziehung hat dich am meisten über dich selbst gelehrt?

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Which relationship has taught you the most about yourself?  |  Welche Beziehung hat dir am meisten über dich selbst beigebracht?

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🐚 ruhig

Introvertierte strahlen Ruhe aus. In turbulenten Zeiten werden sie weniger hektisch und treffen weiterhin bedachte Entscheidungen.

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Bevor mir meine Introversion bewusst wurde, habe ich mich immer gewundert, warum ich ruhig wurde, wenn alle anderen aufgeregt wurden. Ich strahle immer Ruhe aus. Immer? Nein, nicht immer. Zum Beispiel nicht, wenn ich in der Küche stehe und ein Gericht oder gar ein Menü zum ersten Mal koche und dann etwas in einer Kettenreaktion schiefläuft. Dann kocht nicht nur der Topf über, dann verliere ich meine Ruhe. In solchen Momenten sollte ich besser für ein paar Minuten allein in der Küche sein. Dann strahlt nichts mehr. Außer meinen roten und heißen Ohren. Doch zurück zu den normalen Zeiten: Auch wenn ich immer Ruhe ausstrahle – Ausnahmen bestätigen die Regel, siehe oben – tobt es doch in mir. Das merkt halt niemand. Wenn es um mich herum turbulent wird und Hektik ausbricht, werde ich erstaunlicherweise auch innerlich ruhig. Ich reagiere ruhig, umsichtig und bedacht. Heute weiß ich, warum.

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🐚 beratend

Introvertierte werden oft um Rat gefragt. Durch ihr bedachtes Auftreten und ihr tiefes Wissen, werden sie oft von anderen Menschen konsultiert. Introvertierte sind besonders häufig in beratenden Berufen tätig.

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Das trifft auch auf mich zu. Die schönste Zeit meines Berufslebens war der Zeitraum von ca. 2002 bis 2012. In dieser Zeit durfte ich tüfteln (Qualitätssicherung, Testgruppensitzungen), schulen (im Umgang mit der Software für Endanwender:innen) und beraten (Endanwender:innen). Danach wurden diese drei Tätigkeiten getrennt und ich musste mich spezialisieren. Der Schwerpunkt lag auf dem Tüfteln und ich durfte noch ein bisschen beraten.

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📅❓ Scheuklappen

Mir selbst bewusst zu sein. Zwar verfügte ich schon immer über die Fähigkeit zur Selbstreflexion, also die Fähigkeit, meine eigenen Gedanken, Gefühle, Motive und Reaktionen von außen zu betrachten und zu verstehen. Vermutlich ist das eine Folge davon, dass ich bereits als Kleinkind – vielleicht sogar schon im Mutterleib – gelernt habe, mich nur auf mich selbst verlassen zu können. Schwierigkeiten bereitete mir jedoch meine Identität, also das klare Wissen darüber, wer ich bin, welche Werte ich vertrete und was meine Persönlichkeit im Kern ausmacht. Das lag vermutlich daran, dass meine Eltern meine Introversion als falsch betrachteten und mir vermittelten, dass ich so, wie ich bin, falsch bin, und richtig, wenn ich mich extravertiert verhielt. Dadurch wurde mir lange der Zugang zu dem Wissen verwehrt, wer ich bin und was meine Persönlichkeit im Kern ausmacht. Ein weiterer Mangel bestand in der unterentwickelten Erkenntnis, mich abzugrenzen, also die Erkenntnis, als eigenständiges Individuum getrennt von der Umwelt und anderen Menschen zu existieren.

Dagegen war mein Selbstbewusstsein im Sinne von Selbstvertrauen gut ausgeprägt. In der Rolle des angelernten, angepassten Extravertierten. Vermutlich als Folge des oben Skizzierten. Selbstwirksamkeit und soziale Sicherheit waren immer vorhanden, ebenso wie ein gutes Selbstwertgefühl.

Vieles in meinem Leben wäre einfacher, besser oder einfach anders gelaufen, wenn ich viel früher damit angefangen hätte, meine Introversion zu erkennen. Doch die Scheuklappen waren viel zu groß.

Tägliche Schreibanregung
Was hättest du im Leben gern viel früher angefangen?

What’s one thing you wish you had started doing earlier in life?  |  Was ist eine Sache, von der du dir wünschst, du hättest schon früher damit angefangen?

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🐚 koffeinhaltig

Introvertierte bzw. hoch sensible Menschen reagieren oft stärker auf Koffeein.

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Während der Zusammenhang bei Introvertierten bereits öfter nachgewiesen wurde, besteht bei Hochsensibilität offensichtlich kein direkter Zusammenhang. Bei hochsensiblen Menschen müssen demnach weitere Faktoren hinzukommen.
Es gibt Introvertierte, die von Kaffee regelrecht „überdreht” werden. Ich gehöre nicht dazu. Ich kann viel Kaffee oder Cola trinken, werde nicht überdreht und kann trotzdem gut einschlafen. Nur meine Schlafphasen verändern sich nach dem Konsum von koffeinhaltigen Getränken.

🐚 koffeinhaltig

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📅❓ Zu mir

Meine längste Reise begann mit meiner Geburt und wird bis zu meinem Tod andauern. Was danach kommt, weiß man nicht. Vielleicht hat unsere Reise sogar lange vor der Geburt begonnen und führt über den Tod hinaus. Die Lebensreise ist die längste Reise, auf der ich mich befinde.

Als wer wurde ich geboren? Zu wem wurde ich gemacht? Wer bin ich? Wer möchte ich sein?

Nach dem heutigen Erkenntnisstand der Wissenschaft wurde ich mit einer 40- bis 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit als introvertierter Mensch geboren.

Ich war meinen Eltern zu ruhig. Sie machten mir deutlich, dass das nicht gut ist, und gaben mir so viele Anreize, dass ich mich allmählich extravertiert verhielt. Natürlich unbewusst. Das ist der 50- bis 60-prozentige Einfluss meiner Umwelt.

Ab der Zeit der Pubertät spürte ich eine gewisse innere Ambivalenz und Unruhe, die ich mir nicht erklären konnte.

Erst sehr viel später, in der Begegnung mit einer zutiefst introvertierten Person, die entsprechend ihrem Temperament lebte und für deren Eltern Introversion etwas Normales war, erkannte ich meine eigene Introversion.

Ich häute mich also, lege die mich erschöpfenden extravertierten Anteile nach und nach ab und pflege meine introvertierten Anteile. Mein ambivalentes Gefühl verschwand und ich wurde ausgeglichener.

Darüber hinaus gibt es noch so viel mehr, was es auf der Lebensreise zu entdecken gibt: Sie erweitert meinen Horizont, erhält meine Flexibilität, lässt mich meine Gewohnheiten immer wieder anpassen, aus den Erfahrungen anderer lernen und offen bleiben für Veränderungen.

Tägliche Schreibanregung
Was war die längste Reise, die du je gemacht hast?

What’s the longest trip you’ve ever taken?  |  Was war die längste Reise, die du je unternommen hast?

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🐚 euphorisch unglücklich lächelnd

Introvertierte wirken unglücklicher, weil sie weniger lächeln und weniger euphorisch sind.

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„Warum schaust du so ernst?“ Diese Frage wird mir oft gestellt. Lange wusste ich es selbst nicht. Heute antworte ich: „Ich bin introvertiert.” Ich bin oft in Gedanken. In mir. Dabei erschlaffen die Gesichtsmuskeln und die Physiognomie entspannt sich. Wenn ich mich in solchen Momenten ertappe und mich in der Öffentlichkeit oder in Gesellschaft befinde, ermahne ich mich, zu lächeln. Ich kann euphorisch sein, aber ich kann es nicht zeigen. Es tobt innerlich.

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