🐚 Gesellig auf meine Art: Warum Introversion nichts mit Unnahbarkeit zu tun hat.

Introvertierte wirken unsozial, weil sie gern Zeit allein verbringen, anstatt unter Leute zu gehen.

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Ich habe nie das Feedback bekommen, dass ich unsozial sei oder wirke. Im Gegenteil.

Grundsätzlich bin ich ein geselliger Mensch. Das habe ich bereits in der Kindheit verinnerlicht, weil meine Eltern und meine Umwelt mir signalisiert haben, dass meine introvertierten Eigenschaften falsch sind (das Wort „introvertiert“ ist dabei damals nie gefallen). Ich wurde für extravertiertes Verhalten gelobt. Dadurch war ich unter Leuten, mehr als mir gut tat.

Heute achte ich darauf, dass die sogenannte Me-Time mit der geselligen Zeit für mich ausgeglichen ist.

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📔 Der introvertierte Gestalter: Mitwirkung ohne Rampenlicht

Ich bezeichne mich weder als Anführer noch als Mitläufer.

Ein Anführer ist eine Person, die eine Gruppe oder Organisation durch eine klare Vision leitet und dabei als inspirierendes Vorbild agiert, statt sich nur auf formale Befehlsgewalt zu stützen. Er gewinnt das Vertrauen seiner Mitmenschen, um gemeinsam Ziele zu erreichen und die individuellen Potenziale der Teammitglieder gezielt zu fördern. Dabei trägt er die zentrale Verantwortung für die strategische Ausrichtung sowie den Zusammenhalt der Gemeinschaft.

Ein Mitläufer hingegen schließt sich einer Gruppe oder Bewegung an, ohne eine aktive Führungsrolle zu übernehmen oder eigene kritische Standpunkte deutlich zu vertreten. Meist treibt ihn der Wunsch nach Sicherheit und Zugehörigkeit dazu, sich passiv der Mehrheitsmeinung anzupassen. Er trägt die kollektiven Ziele zwar mit, scheut jedoch die individuelle Verantwortung für die daraus resultierenden Konsequenzen.

Ein Mitläufer bin ich nicht. Es gibt nur wenige Gruppen oder Bewegungen, denen ich mich anschließe, meistens auch nur vorübergehend. Wenn es sich ergibt, bin ich bereit, zeitweise eine aktive Führungsrolle zu übernehmen. Kritische Standpunkte vertrete ich deutlich. Weicht die Mehrheitsmeinung fundamental von meiner Meinung ab, halte ich Distanz zur Gruppe oder Bewegung. Als Verantwortungsethiker übernehme ich selbstverständlich die individuelle Verantwortung für die Konsequenzen meiner Mitgliedschaft.

Ein Anführer bin ich jedoch nicht, da mich diese Rolle als zutiefst introvertierter Mensch überfordern und ungesund stressen würde. Für einen überschaubaren Zeitraum bin ich jedoch bereit, eine Führungsrolle zu übernehmen. Gerne unterstütze ich selbstlos Anführer, deren Ziele, Werte und Verhalten ich gutheiße.

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🐚 Ideen und Lösungsvorschläge

Introvertierte sind offen für Ideen. Sie hören bei Vorschlägen ihrer Mitmenschen besser zu und diskutieren gern neue Ideen und Lösungsvorschläge.

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Es ist eine Freude, Ideen zu entwickeln und andere dazu zu ermutigen, ihre Ideen tatsächlich umzusetzen.

„Versuch macht klug.”, und man sollte darauf vorbereitet sein, dass die Umsetzung von Ideen auch scheitern kann.

Ich kann die Vorschläge meiner Mitmenschen gut nachvollziehen und helfe dabei, den Blickwinkel darauf zu erweitern. Im Beruf wurden zuletzt die Findung von Ideen und Lösungsvorschlägen zunehmend outgesourct. Leider merkte man der Umsetzung dann die fehlende Expertise der Praktikerinnen und Praktiker an.

Generell würde ich gerne mehr über neue Ideen und Lösungsvorschläge diskutieren.

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🐚 distanziert 🐚

Introvertierte wirken distanziert, weil sie wenig von sich preisgeben und gern Zeit allein verbringen.

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Bis 2019 war mir meine Introvertiertheit nicht bewusst. Ich sah die damit verbundenen Eigenschaften negativ, sodass ich mich extravertiert verhielt. Trotzdem konnte ich nur wenig von mir preisgeben und spürte die dadurch entstehende Distanz. Seitdem ich mir meiner Introversion bewusst bin und sie auslebe, hat sich das gewandelt und ich bin nun freigiebiger. Dennoch merke ich, dass ich weiterhin distanziert wirke, vermutlich, weil ich mich mit so etwas wie einer Firewall schütze.

Zeit mit mir allein habe ich schon immer gern verbracht und ich fühle mich im Gleichgewicht zwischen Alleinsein und unter Menschen sein.

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🐚 Bescheidenheit

Introvertierte sind bescheiden. Sie stehen nicht gern im Mittelpunkt und neigen somit auch nicht zu Übertreibungen.

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Es stimmt, dass ich nicht gerne im Mittelpunkt stehe. Zu der Zeit, als meine Introversion noch keinen Namen hatte und ich introvertiertes Verhalten ablehnte, überspielte ich Situationen, in denen ich in den Mittelpunkt gerückt wurde, indem ich ein selbstsicheres Auftreten vortäuschte. Heute lehne ich jegliche Anforderung ab, bei der ich im Mittelpunkt stehen müsste. Wenn es jedoch plötzlich und unerwartet geschieht, kann ich es.

Grundsätzlich nehme ich mich auch als bescheiden wahr. Mit zunehmendem Alter erkenne ich jedoch Situationen, in denen falsche Bescheidenheit unangebracht ist.

Da ich großes Drama liebe, neige ich dagegen zu Übertreibungen.

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🐚 Passivität

Introvertierte wirken passiv, weil sie etwas langsamer sind und vor allem wenig und erst spät reden.

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Während die anderen Besprechungsteilnehmer bereits den nächsten Tagesordnungspunkt behandelten, hob ich die Hand und sagte: „Ich muss noch einmal auf den vorhergehenden Tagesordnungspunkt zurückkommen.“ Dann stellte ich eine Frage oder entwickelte eine These, über die anschließend eine halbe Stunde lang diskutiert wurde. Beim ersten Mal rollten die Extravertierten noch mit den Augen, doch ab dem zweiten Mal wussten sie, dass meine späte Intervention die Diskussion bereichern würde. Oft gelang es mir auch, weitschweifige Diskussionen in wenigen Worten treffend zusammenzufassen.

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🐚 Führen

Introvertierte sind gute Führungskräfte. Sie können Teams von proaktiven Mitarbeitern besser führen als Extrovertierte.

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Die Betonung liegt auf „proaktiv”. Passive Mitarbeiter trieben mich zur Verzweiflung. Meiner Erfahrung und Beobachtung nach gibt es nur Teams, die sich aus proaktiven und passiven Mitarbeitern zusammensetzen. Bei der Auswahl der Führungskräfte und Teams waren diese Persönlichkeitsdimensionen jedoch kein Kriterium.

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🐚 Tagträumen

Introvertierte sind Tagträumer. Sie erleben die Welt nicht so intensiv wie Extrovertierte, sondern richten sich an die innere Welt der Gedanken.

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Je älter ich wurde, desto mehr trat das Tagträumen in den Hintergrund. Während ich in der Grundschule im Unterricht noch die Amsel im Baum vor dem Fenster unserer Klasse beobachtete, mit ihr sang, Futter suchte und ihre Jungen fütterte, wurde ich durch die laute Ermahnung meiner Lehrerin aus diesem Tagtraum gerissen. Diese Fähigkeit möchte ich mir wieder aneignen, da das Tagträumen eine schöne Möglichkeit ist, dem täglichen Albtraum der erlebten Außenwelt zu entfliehen und sich zu erholen.traum in der erlebten Außenwelt den Rücken zu kehren und mich zu erholen.

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🐚 Pünktlichkeit

Introvertierte sind pünktlich. Es ist ihnen unangenehm, wenn andere Menschen auf sie warten müssen.

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Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals unpünktlich gewesen zu sein. Vielleicht ist es mir so unangenehm, dass andere Menschen auf mich warten mussten, dass ich die wenigen Male meiner Unpünktlichkeit vollkommen verdrängt habe. Der Gedanke, dass jemand pünktlich zu einem verabredeten Ort und Termin erscheint und auf mich warten muss, ist für mich nur schwer erträglich. In meiner Planung baue ich mir ausreichend Puffer für die Dinge ein, die dazwischenkommen können. Meist bin ich viel zu früh, was mir die Gelegenheit gibt, mich am Treffpunkt zu akklimatisieren. Wenn ich Menschen in ihrer Wohnung besuche, bin ich auch nie zu früh. Wenn andere unpünktlich sind, mache ich kein Drama daraus. Das heißt nicht, dass ich gehe, sondern dass ich mich in der Zeit beschäftige oder mich im Nichtsdenken übe, bis meine Verabredung eintrifft.

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🐚 Schuldgefühle

Introvertierte neigen zu Schuldgefühlen. Wenn sie das Gefühl haben, einem anderen Menschen Umstände zu bereiten oder ihn falsch behandelt zu haben, leiden sie schnell unter einem schlechten Gewissen.

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Schuldgefühle bzw. ein schlechtes Gewissen begleiten mich mein ganzes Leben lang: Obwohl ich weiß, dass es völlig normal ist, jemanden um Hilfe zu bitten oder ein Hilfsangebot anzunehmen, habe ich dabei immer ein schlechtes Gewissen. Deshalb bitte ich nur um Hilfe oder nehme sie an, wenn es gar nicht anders geht. In diesem Moment kann ich mein schlechtes Gewissen bzw. das Schuldgefühl beiseiteschieben. Stattdessen zeigt sich große Dankbarkeit.

Nachhaltig prägen sich mir auch alle Situationen ein, in denen ich jemanden falsch behandelt, eine Grenze überschritten oder rücksichtslos war. Dabei weiß ich, dass es im Eifer des täglichen Lebens völlig normal ist, Menschen falsch zu behandeln. Dafür gibt es die Möglichkeit, sich zu entschuldigen und um Verzeihung zu bitten, was in der Regel auch angenommen wird. Manchmal können die Schuldgefühle oder das schlechte Gewissen jedoch so groß sein, dass ich dieser Person zukünftig aus dem Weg gehe.

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