📅❓ Roger

Willemsen. Er war ein Intellektueller im besten Sinne des Wortes, ein Humanist und brillanter Denker mit tiefem moralischem Kompass und weitreichendem gesellschaftlichem Engagement – insbesondere als langjähriger Schirmherr des Afghanischen Frauenvereins.

Er war ein Sprachkünstler mit herausragender Eloquenz, poetischer Präzision und der Fähigkeit, komplexe emotionale und sachliche Themen in Essays meisterhaft zu formulieren.

Er war ein Weltbürger und Reisender, getrieben von rastloser Neugier auf fremde Kulturen und abgelegene Orte, die er in Werken wie „Die Enden der Welt” literarisch und philosophisch verarbeitet hat.

Er war ein scharfsinniger Beobachter, der das politische und alltägliche Leben mit detailgenauen, oft ironischen, aber stets empathischen Analysen beleuchtete, wie exemplarisch in seiner Bundestags-Reportage „Das Hohe Haus“.

Er war ein feingeistiger Interviewer, ein tiefgründiger Zuhörer und Moderator, der in Formaten wie „Willemsens Woche” intellektuellen Anspruch, Neugier und Unterhaltung auf Augenhöhe verband.

Er war melancholisch und hatte Humor. Er verband existenzielle Nachdenklichkeit und Schwermut mit warmherzigem, blitzgescheitem Witz.

Er war ein Kulturvermittler und ein leidenschaftlicher Grenzgänger zwischen Literatur, Musik (insbesondere Jazz), Fernsehen und Wissenschaft.

Roger Willemsen war ein Unikat. Einer der wenigen Männer, vor denen ich mich respektvoll verneige.

Das WDR-Zeitzeichen erinnerte in diesem Jahr an ihn: https://rueckzuginsprivate.de/?p=13899


Welche:n Promi würdest du gern mal treffen – und worüber würdet ihr reden?

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Which celebrity would you love to meet, and what would you talk about?  |  Welchen Prominenten würdest du gerne einmal treffen, und worüber würdet ihr euch unterhalten?

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📰 gedankenlos

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📅❓ Hammelhoden sind es nicht

Es ist Juni 2002 und ich besuche Afrika. Südafrika. Johannesburg. Soweto. Ich bin in einer Gruppe von ca. 10 Personen.

Unsere Reiseführerin zeigt uns Soweto, die Hütten, die Villen, die Armut, den Reichtum, Menschen in Hütten vor Fernsehern, zwischen nasser Wäsche und Müllbergen, Menschen, die sich ein wenig Geld verdienen, Touristen durch ihre Hütte latschen zu lassen. Ein Eintritt in die Villen blieb uns verwehrt. Ein Schrank von einem Mann begleitet uns. Ein Leibwächter.

Wir sehen das drittgrößte Krankenhaus der Welt und das größte Afrikas, das Chris Hani Baragwanath Academic Hospital. Wir sehen Menschen am Straßenrand liegen, vegetieren – wir können nicht unterscheiden, was Kleidung und was nackte Haut ist. Auf dem Weg zum Restaurant vertreiben ein paar tanzende und singende Kinder unsere Schamgefühle. Die Kinder sind bestellt und verdienen sich für ihre Familien ein wenig Geld. Reine Folklore.

Wir biegen in die Makhalemele Street ein, in der sich „Wandies Place” befindet.

„Wandies Place“ ist ein Restaurant in einem typischen kleinen Vier-Zimmer-Haus in Soweto. Bis zum Ende der Apartheid war es der schwarzen Bevölkerung verboten, Bars und Ähnliches aufzusuchen, sodass „Wandies Place” heimlich betrieben wurde. Nach dem Ende der Apartheid baute der Besitzer es zu einem offiziellen Restaurant aus, das sich auf traditionelle südafrikanische Gerichte spezialisiert hat.

Hier habe ich die besten regionalen Gerichte gegessen, die ich je auf einer Reise hatte. Das Restaurant mit seinen langen Tischreihen (keine Einzeltische) war bis auf den letzten Platz besetzt, innen wie außen. Für unsere Gruppe war draußen auf der Straße unter Sonnenschirmen ein Platz reserviert und gedeckt.

Gegessen wurde nicht à la carte, sondern vom großen Buffet. Nicht groß in den Ausmaßen, sondern groß in der Vielfalt. Denn das Haus war klein. Die winzige Küche, in der vier Frauen standen, die nicht mehr umfallen konnten, grenzte unmittelbar an den Gastraum, der gleichzeitig das Wohnzimmer war. Vom Buffet aus konnte man in die Küche schauen und den Frauen ein freundliches „Hello” zurufen.

Auf dem Buffet standen große Kochtöpfe, direkt vom Herd, aus denen man die Hauptspeisen auf seinen Teller löffelte. Ebenso pragmatisch wurden die Beilagen angeboten.

Ich weiß nicht, was sich in den Kochtöpfen befand, denn sie waren unbeschildert. Ich wollte es auch lieber nicht wissen (mir fielen Reiseberichte aus fernen Ländern ein, in denen von Hammelhoden oder Ähnlichem die Rede war).

Ich habe von fast allem probiert und es war köstlich. Nicht nur mir ging es so, sondern auch den anderen in der Gruppe. Scheinbar ging es auch den vielen Prominenten der Welt so, deren Bilder alle Wände des Hauses bedeckten. Auf diesen Bildern strahlten sie alle. Brad Pitt, Will Smith, Richard Branson, Chris Rock und Evander Holyfield, um nur einige zu nennen. Auch sogenannte Staatsmänner waren darunter.

Ich kann die heutige Schreibanregung also nicht mit einem bestimmten Gericht beantworten, sondern verweise auf authentische südafrikanische Speisen.

Dieser Tag im Juni 2002 hat mich bis heute beeindruckt.

Wandies Place gibt es offensichtlich noch heute. Die Webseite ist allerdings offline. Die Facebook-Seite endet mit dem 19.06.2015 (https://www.facebook.com/www.wandiesplace.co.za/). Die dort veröffentlichten Bilder decken sich mit meiner Erinnerung. Laut Google Maps ist das Restaurant täglich von 9 bis 22 Uhr geöffnet.

Tägliche Schreibanregung
Was ist das beste lokale Gericht, das du auf Reisen gegessen hast?

What’s the best local dish you’ve ever eaten while traveling?  |  Was war das beste regionale Gericht, das du je auf einer Reise gegessen hast?

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