📅❓ Lebensglück braucht keinen Einrichtungsstil

Allgemein gesprochen ist Stil eine besondere Gestaltungsweise.  Das Adjektiv „besonders” beschreibt etwas, das von Gewohntem, Normalen abweicht.

Meine Wohnsituation auf 30 Quadratmetern ist aus der „Not” einer Trennung vor 12 Jahren entstanden. Ich schätzte die Nähe zu meiner Arbeitsstelle und schätze die ruhige Lage mitten in der Stadt und die Höhe der Miete. Bis heute fühle ich mich hier wohl.

Mein Wohn- und Schlafraum hat hohe, weiße Wände, eine entsprechend hohe, relativ dunkle Decke und drei große Fenster, durch die viel Licht fällt. Alles andere als weiße Möbel hätte den Raum viel zu eng wirken lassen.  Also kaufte ich ausschließlich weiße Möbel. Den hellen, weißen Gesamteindruck habe ich durch schwarze Stühle, die sich mit weißen abwechseln, und durch schmale, schwarze, hängende Schuhschränke, die sich mit weißen abwechseln, kontrastiert.

Unpassend ist das Hochbett aus grauem Stahlrahmen („einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul”) sowie zwei mitgebrachten schmalen Kieferholzschränken für CDs und eine Espressotassensammlung.

Ich sympathisiere mit dem Minimalismus (klare Linien, neutrale Farben), mag aber keine leeren Wände. Die Räume sollten nicht kalt oder leer wirken (so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig).

Gut gefällt mir auch der skandinavische Stil mit hellem Holz, weißen Wänden, organischen Formen und funktionalen, aber komfortablen Möbeln, die gerne mit Baumwolle oder Leinen kombiniert werden.

Der Landhausstil spricht mich ebenfalls an, passt aber nur in entsprechend große Räume.

Mein Lebensglück hängt jedoch nicht von einem bestimmten Einrichtungsstil ab.

Ich müsste mal wieder ausmisten und für mehr freie Flächen sorgen …

Tägliche Schreibanregung
Wie würdest du deinen Einrichtungsstil beschreiben?

What’s your home decoration style?  |  Welchen Einrichtungsstil hast du?

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📅❓ Selbstwirksamkeit durch Grenzüberschreitung

Das Risiko ist die eingeschätzte Wahrscheinlichkeit einer Gefahr. Gefahr bezeichnet die Möglichkeit, dass ein Schaden oder eine Verletzung entsteht. Einschätzen bedeutet, etwas nach den persönlichen Erfahrungen zu beurteilen.

Ich bin unbewusst Risikos eingegangen, deren Gefährlichkeit mir erst im Nachhinein so richtig bewusst wurde. Ich bin auch Risiken eingegangen, die im schlimmsten Fall einen geringen Schaden oder eine leichte Verletzung nach sich hätten ziehen können. Doch das ist mehr oder weniger alltäglich. Ich beziehe den Daily Prompt auf die Frage nach einem schweren Schaden oder einer schweren Verletzung.

Meine Risikobereitschaft ist gering. Bislang hatte ich das Glück, keine Entscheidungen treffen zu müssen, die ein hohes Risiko in sich bargen. Ein solches Risiko würde ich nur eingehen wollen, wenn der Schaden oder die Verletzung nur mich selbst beträfe. Andere würde ich nicht hineinziehen wollen. Es sei denn, das Risiko einzugehen wäre existenziell.

Vor 1946 mussten die Menschen in Europa eher solche Risiken eingehen. Unzählige Menschen und Familien haben das Risiko, in Deutschland zu bleiben statt zu emigrieren, mit ihrem Leben bezahlt. Mit dem Leben, das ihnen noch geblieben war. Zuvor hatte man ihnen Hab und Gut, die Existenz und die Würde genommen.

Die Ernsthaftigkeit, mit der das heutige Wahlvolk seine Politikerinnen und Politiker Deutschland von der Wehr- zur Kriegstüchtigkeit führt, wird mir wohl kurzfristig die Entscheidung abnötigen, ein großes Risiko einzugehen.

Als ich etwa zwölf Jahre alt war, bin ich das Risiko eingegangen, beim Klauen erwischt zu werden. Es waren Mutproben. Wir haben Colaflaschen aus Getränkelieferwagen gestohlen. Wir sind in die Spielzeugabteilung eines Kaufhauses gegangen und haben aus einer großen Verkaufsfläche voller Matchbox-Autos Autos geklaut. Wir wurden nicht erwischt. Heute vermute ich, dass die Verkäuferin bewusst weggesehen hat. Danach hatte ich ein schlechtes Gewissen. Bereut habe ich es jedoch nicht. Es war eine wichtige Erfahrung in Bezug auf Selbstwirksamkeit.

Täglicher Schreibanreiz
Beschreibe ein Risiko, das du eingegangen bist, ohne es im Nachhinein zu bereuen.

Describe a risk you took that you do not regret.  |  Beschreibe ein Risiko, das du eingegangen bist und das du nicht bereust.

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📅❓ Socken, Sport und 48 Wohnungen. Warum mein Lieblingsplatz im Café dieses Mal anders war.

Da war dieser Fremde im Café. Es war samstags am frühen Nachmittag. Ich ging mit meinem Tablett, auf dem ein Kaffee und ein Teller mit Gebäck lagen, die zwei großen Treppen mit ihren hohen Stufen ins Obergeschoss hinauf und steuerte meinen Lieblingsplatz an. Aus den Augenwinkeln hatte ich bereits wahrgenommen, dass er frei war. Rechts davon gibt es eine breite, gemütliche Bank, davor stehen zwei runde Tische mit zusätzlichen Stühlen.

An der Seite meines Platzes saß ein Mann auf dieser Bank. Er hatte schwarze Haare und einen kurz geschnittenen Vollbart. Er schaute konzentriert auf sein Smartphone, das er in beiden Händen hielt. Mir fiel sofort auf, dass er seine Sportschuhe ausgezogen hatte und auf Strümpfen an seinem Tisch saß. Als ich ihn ansah, blickte er auf und unsere Blicke begegneten sich.

Ich grüßte ihn mit einem freundlichen „Hallo” und er grüßte freundlich zurück. Ich hörte seinen Akzent, der verriet, dass Deutsch nicht seine Muttersprache ist und er die Sprache noch nicht lange spricht. Ich blieb eine Stunde im Café, las in einer meiner Zeitschriften und als ich ging – er saß noch immer auf der Bank – wünschten wir uns gegenseitig einen schönen Tag.

Zufällig ergab es sich, dass ich am darauffolgenden Sonntag zur ungefähr gleichen Zeit wieder dieses Café aufsuchte, mit Kaffee und Gebäck meinen Lieblingsplatz ansteuerte und stutzte. Sofort kam mir der Kinofilm „Und täglich grüßt das Murmeltier” in den Sinn. Auf den ersten Blick saß dieser Mann vom Vortag wieder an derselben Stelle, die Sportschuhe ausgezogen und ins Smartphone schauend. Wieder trafen sich unsere Blicke, wieder grüßten wir freundlich.

Ich konnte mir aber die Frage nicht verkneifen, ob er seit gestern dort sitzen geblieben sei, angesichts der identischen Situation. Er antwortete lachend, dass er zwischenzeitlich zu Hause gewesen sei.

Von nun an begegneten wir uns an den kommenden Samstagen immer zur gleichen Zeit an der gleichen Stelle. Zwischenzeitlich fiel mir auf, dass der Mann immer Sport-Oberbekleidung trug.

Dann wurde das Café renoviert und die obere Etage war gesperrt. Ich suchte einen Platz im Erdgeschoss. In der Mitte, am Rande des Treppenaufgangs, war noch einer frei. Und wer saß dort auf der anderen Seite am Fenster zur Fußgängerzone? Der mir mittlerweile vertraute Mann. Wieder begrüßten wir uns freundlich. Doch dieses Mal war es anders.

Er fragte mich, ob er mich etwas fragen dürfe, und ich antwortete: „Ja, klar.” Er erzählte mir, dass er 20 Kilometer mit dem Fahrrad hier ins Café fahre. Er arbeite auf der anderen Rheinseite in einem Steinbruch und suche hier eine Wohnung. Er fragte mich, ob ich wüsste, wo es eine gäbe. Ich musste mich sehr konzentrieren, um seine Worte zu verstehen, und fragte zurück, für wie viele Personen er suche oder ob er alleine lebe. Er lebe alleine, antwortete er, und suche eine 2-Zimmer-Küche-Bad-Wohnung.

Mir war keine freie 2-Zimmer-Wohnung bekannt, aber ich machte ihn darauf aufmerksam, dass die ortsansässige Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft (GSG) gerade einen Wohnblock in einer Straße von Grund auf saniert und renoviert und dort 48 Single-Wohnungen herrichtet, die sicherlich bald vermietet werden würden. Ich riet ihm, bei der GSG anzurufen. Er freute sich sichtlich über diese Antwort, bedankte sich und sagte, dass er am Montag dort anrufen würde.

Es war bislang das letzte Mal, dass wir uns begegneten, da ich das Café an anderen Tagen und zu anderen Uhrzeiten aufsuchte.

Täglicher Schreibanreiz
Beschreibe eine zufällige Begegnung mit einem Fremden, die dir positiv in Erinnerung geblieben ist.

Describe a random encounter with a stranger that stuck out positively to you.  |  Beschreibe eine zufällige Begegnung mit einem Fremden, die dir positiv in Erinnerung geblieben ist.

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📅❓ Träumer

Ich sehe Kinder, die gerne zur Schule gehen, ich sehe Lehrer die sie respektiern
Ich sehe Mütter & Väter, die gerne kochen und die nie die Nerven verliern
Ich sehe Eltern, die sich immer lieben, ich sehe Arbeit die sich lohnt
Ich sehe eine glückliche Großmutter, die bei ihrer Familie wohnt

Ich sehe Leute, die nie entlassen werden und Betriebe die floriern
Ich sehe Jugendliche mit Ausbildungsplätzen, die Drogen ignoriern
Ich sehe ehemalige Junkies im Fitness-Studio
Ich sehe schmucke Häuschen im Grünen mit Carport & Gästeklo

Ich sehe junge Leute im Freibad auf Ferrari-Handtüchern liegen
Ich sehe verliebte Pärchen, die werden sich nie betrügen
Ich sehe lustige Immigranten, die sich auf Deutsch unterhalten
Ich sehe nochmal die jungen Leute, wie sie einen Gang höher schalten

Ich sehe Soldaten, die gesund nach Hause kommen, und Flugzeuge die sicher landen
Ich sehe Russlanddeutsche, die bei uns ein neues zu Hause fanden
Ich sehe all die glücklichen Kühe, ich sehe all die prallen Euter
Und ich sehe die blühenden Landschaften und ich wandere immer weiter

Und all die zerbrochenen Träume
die kann es hier nicht geben
denn das hier ist ein schönes Lied
und es heißt : Gelingendes Leben……


Angelehnt an diesen Song habe ich noch einige Zeilen hinzugefügt:

Ich sehe Politiker:innen, die Schaden vom Volk abwenden und seinen Nutzen mehren.

Ich sehe ehemalige Rüstungsmanager:innen, die Frieden und Diplomatie predigen und Busse und Bahnen bauen.

Ich sehe Shareholder, die das Gemeinwohl bilanzieren und ein Grundeinkommen finanzieren.

Ich sehe ehemalige Fleischesser:innen, die Gnadenhöfe unterstützen und den Hunger in der Welt beseitigen.

Ich sehe Wähler:innen, die keine Parteien mehr wählen, sondern sich in Bürgerräten engagieren.

Ich sehe Parteien, die an der politischen Willensbildung mitwirken und sich jedem Lobbyismus entziehen.

Ich sehe ehemalige Autofahrer:innen, die Bus und Bahn fahren und in der Nähe ihres Arbeitsplatzes wohnen.

Ich sehe Bauunternehmer:innen, die Häuser ohne Beton bauen und den Altbestand erhalten.

Ich sehe ehemalige Flug- und Schiffsreisende, die im Sauerland, an der Nord- oder Ostsee oder in den Bergen Urlaub machen.

Ich sehe ehemalige Lkw-Fahrer, die jetzt Busse und Bahnen lenken und jeden Tag einmal zu Hause sind.

Ich sehe muslimische Mädchen, Jugendliche und Frauen, die ohne Angst ein Kopftuch tragen und lieben dürfen, wen sie wollen.

Ich sehe Schülerinnen und Schüler, die geistig und musisch gebildet die Schule verlassen und ohne Existenzsorgen in die Zukunft blicken.

Ich sehe Kinder, die draußen in der Natur spielen und Smartphones als Werkzeuge betrachten.

Ich sehe Menschen, die früher prekär lebten und nun mit Grundeinkommen und einer Arbeit über die Runden kommen.

Ich sehe Menschen, die sich gegenseitig und selbstlos helfen.

Ich sehe ehemalige Zwangsprostituierte, die frei und unabhängig sind und in anderen sozialen Berufen arbeiten.

Ich sehe Frauen, die arbeiten und den gleichen Lohn für gleiche Arbeit erhalten sowie die Hälfte aller Führungspositionen besetzen.

Ich sehe eine Erde, die wieder biologisch vielfältiger wird und sich langsam abkühlt.

Ich sehe Staaten, die sich nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten einmischen und auch kein Vetorecht bei der UNO mehr besitzen.


Thematisch passt auch Bodo Wartkes „Überwunden” (29.08.2025, Spotify, YouTube, Deezer, Apple) gut dazu:

Wir haben den Rassismus überwunden
Er findet endlich nirgendwo mehr statt
Und nach und nach verheilen all die Wunden
Die er jahrtausendelang geschlagen hat

Wir haben auch den Nationalismus überwunden
Weil inzwischen auch der Letzte erkennt:
Wir alle sind miteinander verbunden
Und es gibt so viel mehr, was uns verbindet, als uns trennt

Auch den Faschismus ham wir übеrwunden
Minderheitеn werden nicht mehr unterdrückt
Wir brauchten dafür ein paar Ehrenrunden
Doch inzwischen ist es überall geglückt!

Wir haben auch den Antisemitismus überwunden
Bei diesem Blödsinn macht heut niemand mehr mit
Von allen menschheitsgeschichtlich profunden
Entwicklungsschritten war das so mit der größte Schritt

Wir haben den Neoliberalismus überwunden
Eine große Last wurde von uns genommen
Seitdem kommen wir alle viel besser über die Runden
Dank dem bedingungslosen Grundeinkommen

Wir haben auch die Korruption überwunden
In Wirtschaft, Behörden, Polizei und Politik
Wir haben aus dem Sumpf herausgefunden
Und das Verbrechen besiegt

Wir haben das Patriarchat überwunden
Und die Geschlechterungerechtigkeit
Frauen sind endlich ebenbürtig eingebunden
Das wurde ja auch verdammt noch mal Zeit!

Wir haben die Homophobie überwunden
Und all die toxische Männlichkeit
Sie ist endlich rückstandslos verschwunden
Und stattdessen herrscht Regenbogen-Pride!

Wir haben die Religionen neu erfunden
Sie sind für viele Menschen offenbar elementar
Doch den Fanatismus ham wir ja überwunden
Seitdem stellen Religionen keine Gefahr mehr dar

Auch das Artensterben ham wir überwunden
Denn inzwischen ham wir alle kapiert:
Wird das Artensterben nicht unterbunden
Sind die Nächsten, die aussterben, wir

Wir haben die Klimakrise überwunden
Wir haben es gemeinschaftlich gepackt!
Der Planet ist endlich wieder am Gesunden
Und die Ökosysteme sind intakt

Ich hoffe ja, dass ich unumwunden
All das mal meinen Kindern sagen kann
Wir haben uns und Mutter Erde lang genug geschunden
Und jetzt fang’n wir damit aufzuhören an!


Das Wort, das mich beschreibt:

„Träumer”

Ich bin in guter Gesellschaft.

Täglicher Schreibanreiz
Nenne ein Wort, das dich beschreibt.

What is one word that describes you?  |  Welches Wort beschreibt dich am besten?

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Mein perfekter Tag:

Allmählich wache ich auf. Ich höre die Vögel zwitschern. Im Hintergrund kräht ein Hahn. Auf der anderen Seite des Hauses fährt eine Straßenbahn vorbei. Langsam öffne ich die Augen. Die Sonne strahlt durch die Ritzen des Rollladens und illuminiert die schwebenden Staubpartikel. Einatem, Ausatem, sie schläft noch. Ich schleiche mich aus dem Bett. Ich gehe ins Bad. – Auf Zehenspitzen gehe ich in die Küche, hole das am Vorabend vorbereitete Müsli aus dem Kühlschrank und gebe ihm Luft zum Atmen. Ich öffne Spotify und sanfte Lieder klingen leise aus dem Lautsprecher.

Sie wacht auf und schält sich langsam aus der Bettdecke. Sie geht ins Bad. –

Danach umarmen wir uns und genießen die wenigen Minuten unserer noch weichen und sanften Körper.

Ich koche uns Kaffee. Sie zieht die Rollläden hoch und öffnet die Fenster. Die Nacht mit ihrem Duft und ihrer Wärme entflieht und für Anfang April viel zu warme Luft strömt herein. Mit unseren Bademänteln über den Schlafanzügen und dicken Wollsocken an den Füßen setzen wir uns mit Müsli und Kaffee an den kleinen runden Tisch auf dem kleinen eckigen Balkon. Wir genießen unsere innere Ruhe und lauschen den Geräuschen der Umgebung. Wir saugen die noch unverbrauchte Luft in uns ein.

Wir beschließen, mit den Rädern eine kleine Tour am Rhein entlang zu fahren.

Anschließend fahren wir mit Straßen- und Regionalbahn nach Köln. Die knappe halbe Stunde vom Bahnhof zum Käthe-Kollwitz-Museum gehen wir zu Fuß. Die Ausstellung beeindruckt uns. Wir sprechen über die Zeit, aus der die Exponate stammen, und entdecken Parallelen zu heute.

Erschöpft von den Eindrücken gehen wir zehn Minuten weiter ins „Hempies”. Wir teilen uns eine „Flotte Lotte” und ein „Not-Egg”, dazu trinken wir einen Americano oder einen Matcha Latte. Wir lassen unseren Gedanken freien Lauf. „Was denkst du?” Wir reden darüber. Mit Bus und Bahn geht es wieder nach Hause.

Mit einem Kaltgetränk setzen wir uns wieder auf den Balkon.

Wir haben Hunger und kochen gemeinsam ein Pilzrisotto.

Eine Stunde später sitzen wir am Esstisch, jeder mit einer reich gefüllten Schale vor sich. Zwischen uns flackert eine Kerze. Wir stoßen mit einem alkoholfreien Riesling auf uns an und lassen es uns schmecken.

Den Sonntag lassen wir mit unserem „Jour Fixe der Liebe” ausklingen. Wir setzen uns aufs Sofa und schauen uns in die Augen. Der duftende Jasmintee steigt uns in die Nase. Wir erzählen uns, was wir in dieser Woche toll am jeweils anderen fanden, wie es jedem diese Woche in der Beziehung ging, was in der kommenden Woche ansteht, wer was macht und was wir nächste Woche vom jeweils anderen brauchen. Wir senden Ich-Botschaften und lassen uns gegenseitig ausreden. Was einen von uns schlucken lässt und nicht sofort gelöst werden kann, wird auf einen anderen Tag verschoben.

Nach einer Stunde ist der Tee ausgetrunken. Wir sind zufrieden. Morgen ist wieder Alltag.

Auf einen Tag intensiver „We-time” folgt ein „Me-time”-Tag. Morgen kümmert sich jeder um sich selbst. Distanz und Nähe.

Heute fühlen wir uns sehr nah.

Wir gehen ins Bett.

Wir verspüren noch Lust. –

Das ist eine von vielen möglichen Skizzen eines perfekten Tages. Perfekte Tage gibt es kaum. Es gibt Träume davon. Sie helfen dabei, aus gewöhnlichen Tagen besondere zu machen.

Täglicher Schreibanreiz
Beschreibe deinen perfekten Tag von Anfang bis Ende.

Describe your most ideal day from beginning to end. | Beschreiben Sie Ihren idealen Tag von Anfang bis Ende.

Ein Klick auf die Grafik erklärt die Lizenz.

Engel? | dailyprompt

Es gibt viele Menschen – ausschließlich Frauen – die mein Leben positiv beeinflusst haben. Oftmals kenne ich diese Frauen nur oberflächlich; sie zu beschreiben, würde ihnen nicht gerecht werden.

Da wäre zum Beispiel J., meine Oma, bei der ich viel Zeit meiner Kindheit verbrachte. Bei ihr habe ich mich geliebt gefühlt. Und akzeptiert, so wie ich bin. Bei ihr war ich gut genug. Sie war meine Rettung in der Kindheit. Sie war die erste Frau, neben der ich in einem Doppelbett schlief. Beim Einschlafen durfte ich ihre Hand halten.

C. war eine Mitschülerin im Schreibmaschinenkurs. Es war meine alberne Zeit. Das gefiel ihr. Sie beauftragte ihren älteren Bruder und dessen Freund herauszufinden, ob ich mit ihr gehen wolle. Ich wollte. Ich konnte aber noch nicht. Sie wollte mich küssen. Sie wollte Haut auf Haut spüren. Dafür war ich noch nicht reif. Mir genügte meine Albernheit. Durch sie lernte ich meine Eifersucht kennen und „besiegen”. Seitdem ist Eifersucht (fast) kein Thema mehr für mich.

M. war eine Mitsängerin im Jugend- und jungen Erwachsenenchor. Ich war in sie verliebt. Ich war schüchtern. Ich traute mich nicht. Durch sie lernte ich, dass ich mein Schneckenhaus auch mal verlassen muss. „Es reicht nicht, etwas zu wollen, man muss es auch tun.“

K. war eine Mitsängerin im Jugend- und jungen Erwachsenenchor. Sie war in mich verliebt. Ich jedoch nicht in sie. Sie offenbarte sich mir. Ich lehnte freundlich ab. Danach durfte ich sie nie mehr mit dem Auto nach Hause fahren. Durch sie lernte ich, Nein zu sagen und die Folgen zu tragen.

B. (siehe B.) war eine Mitsängerin – ihr wisst schon. Sie war mein Coming-out-of-age, meine Erwachsenwerdung. Mit ihr konnte ich zum ersten Mal küssen. Wir lagen Haut an Haut und mehr.

C. lernte ich im Friedensgrüppchen kennen und lieben. Bald heirateten wir. Sie brachte ein Kind mit. Jahre später adoptierten wir ein weiteres. Kurz darauf brachte uns das Jugendamt ein weiteres Kind zur Dauerpflege. Was uns anfangs verband, brachte uns später auseinander. Schleichend, bis es zu spät war. Durch sie und mit ihr lernte ich, was Verantwortung bedeutet – auch über die Trennung hinaus. Ohne die Trennung hätte ich mein inneres Kind nicht befrieden können.

S. war eine Nachbarin, die frisch verlassen war und sich einen Spaß daraus machte, andere Ehen zu zerstören. Fast wäre ich auf sie hereingefallen. Durch sie lernte ich, was es heißt, seinen Gefühlen nicht mehr vertrauen zu können, und wie leicht ich manipulierbar war. Die Sicherheit, meinen Gefühlen wieder vertrauen zu können, kam mit N. zurück. …

mein Leben haben
sehr positiv beeinflusst
so viele Menschen

… N. war eine entfernte Arbeitskollegin und gefühlt die (unerfüllte) Liebe meines Lebens. Wir arbeiteten drei Monate lang in einem Projekt zusammen. Nie ging ich leichter zur Arbeit. Einen Tag nach dem Ende des Projekts offenbarte ich mich ihr. Sie liebe mich nicht, schrieb sie – und chattete drei Monate lang jeden Abend stundenlang mit mir. Plötzlich war Funkstille. Wie ich später erfuhr, heiratete sie kurz danach. Sie hat es mir verschwiegen. Durch sie konnte ich die Leichtigkeit des Seins spüren und anschließend die Schwere einer tiefen Traurigkeit erleben.

C. war nur ein kurzer virtueller Kontakt, der mir die Augen und das Herz für das unsägliche Leid geöffnet hat, das wir den Tieren antun. Durch sie begann ich, mich pflanzlich zu ernähren und vegan zu leben.

J. war eine weitere entfernte Arbeitskollegin, in die ich mich ebenfalls verliebte. Leider hatte ich das falsche Geschlecht. Auch mit ihr arbeitete ich drei Monate lang in einem Projekt zusammen. Wir hatten viel Spaß, aber sie hatte auch Schmerzen. Beim Marathon-Training rannte sie gegen eine herunterfahrende Schranke. Die Platzwunde am Kopf musste genäht werden. Ich übernahm den Krankentransport. Zum Abschied gab sie mir den entscheidenden verbalen Tritt in den Hintern, um meine Grübeleien zu beenden und mich aus meiner Ehe zu verabschieden.

N. ist meine beste Freundin. Wir können über alles reden und uns gute Ratschläge geben. Wir kennen uns seit fast 25 Jahren, unsere Freundschaft besteht seit 13 Jahren. Als wir einmal beide durchhingen, blieben wir an einem viel zu warmen Sommerabend mehrere Stunden lang umarmt auf einem Hinterhofparkplatz stehen, spürten den Herzschlag des jeweils anderen und atmeten im Gleichklang ruhig. Ich hätte niemals für möglich gehalten, wie eine solche Nähe unsere „Batterien” gegenseitig aufladen kann. Wir sehen uns einmal wöchentlich, seit vier Jahren auch mit ihrem Kind, das sie mit ihrem Ehemann hat. Mit ihm bin ich ebenfalls befreundet. Durch sie habe ich tiefgründiges Denken zu schätzen gelernt. Ich habe erkannt, dass es verlässliche und vertraute Beziehungen geben kann.

C. war ein weiterer kurzer virtueller Kontakt (wir haben auch ab und zu telefoniert). Sie ist eine tief introvertierte Frau, für die das Introvertiertsein völlig normal ist. Durch sie habe ich begriffen, dass ich selbst tief introvertiert und demisexuell bin. Das sind die revolutionärsten Erkenntnisse meines Lebens. So erklärten sich meine jahrzehntelangen Verhaltensweisen und ambivalenten Gefühle. Plötzlich fühlte ich mich nicht mehr falsch, sondern richtig. Die Ambivalenz verschwand. Es wird noch eine Weile dauern, bis ich die Rolle des Extravertierten vollständig abgelegt habe und einfach introvertiert sein kann.

T. b. c.

Täglicher Schreibanreiz
Beschreibe einen Menschen, der dein Leben positiv beeinflusst hat.
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