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Ich war 15 Jahre lang oft auf Dienstreise und habe dabei einige Städte „kennengelernt”. Als ich mit dem Zug in Frankfurt am Main ankam und aus dem Bahnhof auf den Vorplatz trat, schlug mir eine Welle aus Lärm, Hektik und negativen Emotionen entgegen. Mir war sofort klar: Hier will ich nicht lange bleiben. Ähnlich geht es mir bei meinen Besuchen in Köln.
Als ich hingegen in Stuttgart ankam, schlug mir eine Welle der relativen Ruhe, der Unaufgeregtheit und der Gastfreundschaft entgegen. Hier fühlte ich mich sofort wohl. Und der Zufall wollte es, dass ich viele Jahre später nach Stuttgart reisen durfte und mein Eindruck verfestigte sich. Bedenke ich die Höhe der Mieten nicht, würde ich bedenkenlos nach Stuttgart ziehen.
Da wären auch noch die beiden Inseln Wangerooge und Langeoog, auf denen ich mich immer sehr wohlfühlte. Den Auszubildenden „meiner” Krankenkasse fiel es damals zu, Kinder auf dem Weg mit dem Zug zur Kur nach Langeoog zu begleiten. Zwei Auszubildende und mehrere Kinder. Heute ist so etwas aus gutem Grund unvorstellbar. Es war meine erste Begegnung mit der Insel. Ich fühlte mich so wohl, dass ich mich zum Lernen für meine zweite Verwaltungsprüfung dorthin zurückzog.
Die Eltern meiner damaligen Liebsten besaßen eine Wohnung auf Wangerooge. Das nutzten wir gerne aus, um dort beispielsweise verlängerte Wochenenden zu verbringen. Auch dort fühlte ich mich wie zu Hause.
Und in Bremen. Dort wohnte meine ehemalige Schwiegermutter, die wir oft besuchten. Diese kleine Großstadt ist genauso liebenswert wie Stuttgart für mich. Keine Reise in den Norden ohne einmal durch die Bremer Innenstadt zu spazieren, den Schnoor und den Bürgerpark zu besuchen.
Nur da, wo ich wohne, bin ich nicht zu Hause.
Tägliche Schreibanregung
Welcher Ort, den du besucht hast, hat sich wie Zuhause angefühlt?
Sie war meine Küchenfee in meinem Lieblingscafé. Jeden Freitag beginne ich dort mein Wochenende, ich schöpfe Kraft beim Lesen meiner Zeitschriftenabonnements und genieße die leckeren Salate, einen frisch gebackenen Kuchen und den selbst gerösteten Kaffee. Irgendwann, in den Sommerwochen, brachte sie mir meinen Salat persönlich an den Tisch, obwohl sie sonst immer nur im Hintergrund in der Küche arbeitete. Mit einem Lächeln im Gesicht und strahlenden Augen. Anfangs war ich leicht irritiert, doch irgendwann genoss ich es und spürte, wie dabei die Sonne aufging. Erst zuletzt begannen wir, ein Gespräch zwischen Tisch und Küche zu führen. Uns trennen Jahrzehnte. Wir empfanden das jedoch nicht so. Es blieb dabei.
Heute betrat ich „mein“ Café und T., der Chef und Barista, begrüßte mich wie immer und fügte hinzu: „Heute verabschieden wir Ines. Sie verlässt uns Richtung Heimat.“ Ich war konsterniert und vertiefte mich in meine Zeitschriften.
Nach einer Viertelstunde stand Ines an meinem Tisch, hielt die Salatschüssel „Avocadoliebe” in der Hand und sagte, dass ich es wohl schon erfahren hätte, dass sie fünfhundert Kilometer zurück in ihre Heimatstadt zieht. Aus Heimweh, kurzfristig entschieden. Aus diesem Grund habe sie heute den Salat gekrönt, sagte sie, während sie die Schüssel vor mir abstellte. Ich war sichtlich gerührt. Wir unterhielten uns noch ein paar Minuten und verabschiedeten uns schließlich mit einer Umarmung.
Heimat ruft Ines Avocadoliebe bleibt die Sonne geht auf