📔 Die feine Linie zwischen Verzicht und Wahl: Was macht ein echtes Opfer aus?

Wenn mich jemand nach den „Opfern” in meinem Leben fragt, dann geht es dabei sicherlich nicht um rituell geschlachtete Ziegen, sondern um die bewusste Entscheidung, etwas Wertvolles aufzugeben, um ein höheres Ziel zu erreichen.

Es ist vielleicht ein Tauschgeschäft mit dem Schicksal: Ich verzichte im Hier und Jetzt auf bestimmte Dinge (zum Beispiel Bequemlichkeit, Sicherheit oder Zeit), in der Hoffnung, dass es sich später für mich auszahlt oder jemand anderem hilft.

Ich könnte Zeit und Energie geopfert haben, Beziehungen und Nähe, finanzielle Sicherheit, mein Ego und meinen Komfort.

Ein echtes Opfer muss wehtun.

Das Wort „Opfer” impliziert eine gewisse Schwere. Wenn es sich leicht anfühlt, war es stattdessen eine Priorisierung.

Ich habe in meinem Leben sicherlich Entscheidungen getroffen, für die ich etwas mehr oder weniger Wertvolles aufgeben musste, um ein Ziel zu erreichen. Die Entscheidungsfindung fühlt sich für mich schwer an und ist mit „Schmerzen” verbunden. Die Entscheidung selbst hat sich für mich jedoch nicht wie ein Opfer angefühlt, sondern eher wie eine Priorisierung. Da ich in fast allem einen Sinn erkenne und weiß, dass ich nicht alles haben kann, fühlen sich die Entscheidungen nicht wie ein Opfer an. Sie sind das Ergebnis einer Abwägung.

Ich weiß auch, dass ich bisher Glück gehabt habe und die Dinge so betrachten und empfinden kann. Mir ist bewusst, dass das Leben mir jederzeit ein echtes, schmerzhaftes Opfer abverlangen kann. Ich denke dabei an die Entscheidung Helmut Schmidts, der Erpressung durch die Entführung Hanns Martin Schleyers nicht nachzugeben, Schleyers Tod zu riskieren und am Ende diesen Schmerz ertragen zu müssen. Die Schwere dieser Entscheidung ist für mich unermesslich, und die Reaktion der Hinterbliebenen hat Helmut Schmidt die Spitze dieses Schmerzes sicherlich etwas genommen.

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📅❓ Fügung.

Vereinfacht und allgemein definiert bedeutet Schicksal, dass eine höhere Macht die Zukunft eines Menschen beliebig beeinflusst oder lenkt. Vorhersehung erweitert die Schicksalsbedeutung um die philosophische Ebene der Akzeptanz oder des Determinismus. In diesem Fall bedeutet Vorhersehung, dass die Weltordnung feststeht und die höchste Tugend des Menschen darin besteht, sein Schicksal anzunehmen, anstatt dagegen anzukämpfen. Beim Determinismus folgt alles einer logischen Kausalkette.

Dass es eine höhere Macht gibt, die die Zukunft eines Menschen beliebig beeinflusst oder lenkt, daran glaube ich nicht. Für möglich halte ich es jedoch. Beweise dafür gibt es meines Wissens nach nicht. Die Menschheit steckt noch in den Kinderschuhen und wenn sie sich nicht vorher selbst auslöscht, hat sie noch sehr viel Zeit, die Existenz einer höheren Macht zu beweisen.

Dass alles einer logischen Kausalkette folgt, halte ich für wahrscheinlich. Aber nicht alles. Die Menschheit hat bislang viele Gesetzmäßigkeiten und Naturgesetze erkannt. Nach unserem heutigen Erkenntnisstand folgt vieles dieser Gesetzmäßigkeiten. Aber auch da steht die Menschheit gerade erst am Anfang und entdeckt immer wieder Abläufe oder Veränderungen, die von den erkannten Gesetzmäßigkeiten abweichen. Ich glaube jedoch, dass die Evolution nach bestimmten Regeln erfolgt.

Viele Menschen hadern mit ihrem Schicksal und versinken in ihrem Schmerz. Ich finde die Idee gut, sein Schicksal zunächst zu akzeptieren und anzunehmen, um dann zu schauen, was tatsächlich nicht und was tatsächlich beeinflusst werden kann. Wenn alles feststünde, wäre eine paradoxe Intervention erfolglos. Dabei wird der Teufelskreis aus Erwartungsangst und Kontrollverlust durchbrochen. Es handelt sich um eine erfolgreiche Therapiemethode, die meist aus der systemischen oder Logotherapie stammt.

Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unser Wachstum und unsere Freiheit.

  • Dieses Zitat stammt aus einer Zusammenfassung von Viktor Frankls Überzeugungen und bildet das Herzstück seiner Logotherapie.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich vieles fügt, wenn ich nicht impulsiv reagiere, sondern gelassen bleibe und die Dinge ihren Lauf nehmen lasse. Ich glaube also an Fügung. Das bedeutet nicht, dass sich alles so fügt, wie ich es gerne hätte, sondern dass ich einen Sinn darin erkenne, wie sich fast alles fügt. Oft entspricht es meinen Wünschen.

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Glaubst du an Schicksal?

Do you believe in fate/destiny? | Glaubst du an Schicksal/Vorsehung?

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Schicksalsschläge?

Wenn eine innere Situation nicht bewusst gemacht wird, erscheint sie im Außen als Schicksal.

C. G. Jung, Aion – Beiträge zur Symbolik des Selbst

Es ist ein zentrales Thema seiner analytischen Psychologie sowie seiner Auseinandersetzung mit dem Unbewussten. Es drückt die Überzeugung aus, dass unbewusste Konflikte oder Aspekte der Persönlichkeit, die ignoriert oder verdrängt werden, sich in der äußeren Welt in Form von scheinbar unkontrollierbaren Ereignissen oder „Schicksalsschlägen” manifestieren.