📅❓ Augenstern

Mir fällt kein selbst erlebter Zufall ein, der mir bis heute in Erinnerung geblieben wäre. Es gab viele alltägliche Zufälle, bei denen ich kurz innehielt, schmunzelte oder den Kopf schüttelte. Sie ergeben jedoch keine Geschichte.

Eine gelesene Geschichte ist mir jedoch bis heute gegenwärtig.

Anfang der 1970er Jahre schrieb Ursula Lebert für die Frauenzeitschrift „Brigitte” eine Artikelserie, für die sie jung verheiratete Paare in der ganzen Bundesrepublik besuchte und interviewte.

Etwa 30 Jahre später besuchte ihr Sohn, der Journalist Stephan Lebert, diese Paare erneut, um sie zu interviewen. Er wollte wissen, was aus ihnen geworden war.

Zusammen mit seiner Mutter veröffentlichte er 2002 das Buch „Du bist mein Augenstern. Was die Zeit aus Ehen macht“.

Die Leser:innen erfahren darin, welche Paare auch nach über 30 Jahren noch zusammen waren, welche geschieden sind und wer diese Zeit nicht überlebt hat.

Ein lesenswertes Buch. Leider besitze ich es nicht mehr und kann die folgende Lebensgeschichte nur ungefähr aus meiner Erinnerung heraus kurz nacherzählen:

Ich meine, eines der besuchten Paare hätte von einem Erlebnis eines ihrer Väter berichtet:

In den Nachkriegswirren hatte der Vater seine große Liebe verloren. Er hatte erfolglos nach ihr gesucht und dann in Westdeutschland eine Familie mit einer anderen Frau gegründet: Sie hatten sich verliebt, verlobt, geheiratet, Kinder bekommen und ein Haus gebaut.

Eines Tages in den 1990er Jahren fuhr der über 70-Jährige wie immer mit der Straßenbahn und erkannte seine große Liebe von damals als Mitfahrerin. Er sprach sie an, sie erkannten sich und erzählten sich gegenseitig ihr Leben. Sie war in der ehemaligen DDR bis 1989 „eingemauert” gewesen und war danach in den Westen übergesiedelt. Zuhause angekommen, packte er seine Koffer, ließ sein Leben der letzten 50 Jahre hinter sich und zog mit ihr zusammen.

Falls eine Leserin oder ein Leser dieses Buch besitzt, würde ich mich freuen, wenn sie oder er mir die entsprechenden Seiten als Fotos zuschicken könnte. Dann könnte ich die Geschichte genauer nacherzählen.

Tägliche Schreibanregung
Was war der seltsamste Zufall, den du je erlebt hast?

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🎙 Bürgergeld, Krankheit – und trotzdem glücklich? Eine gnadenlos ehrliche Lebensgeschichte.

Das Gespräch zeichnet das Porträt einer unkonventionellen, direkten und überaus resilienten Frau, die sich ihre Lebensfreude und eine große Hilfsbereitschaft bewahrt hat – trotz zahlreicher schwerer Schicksalsschläge.

Anja hat ein von Turbulenzen geprägtes Leben hinter sich. Sie erlebte eine schwierige Kindheit mit Gewalt, durchlitt zwei von häuslicher Gewalt und Überforderung geprägte Ehen und zog drei Kinder von drei verschiedenen Männern weitgehend allein groß. Hinzu kommen vergangene Phasen von Drogen- und Alkoholproblemen. Ein aktueller Schicksalsschlag ist der plötzliche Unfalltod des Halbbruders ihres ältesten Sohnes. Zudem leidet sie darunter, dass der Kontakt zu ihrer mittleren Tochter schmerzhaft abgerissen ist.

Aktuell kämpft Anja mit der Lungenkrankheit COPD und unerklärlichen, täglichen Schwindelanfällen, die sie humorvoll „Paul” nennt. Aufgrund dieser starken gesundheitlichen Beeinträchtigungen kann sie nicht mehr in ihrem erlernten Beruf als Friseurin oder in ihren späteren Jobs arbeiten und bezieht Bürgergeld.

Ihrem Spitznamen „Flummi” macht Anja alle Ehre. Sie kann kaum stillsitzen, hat einen enormen inneren Antrieb und ein großes Herz für andere. Obwohl sie selbst nur über sehr wenig Geld verfügt, engagiert sie sich ehrenamtlich. So holt sie beispielsweise gespendete Lebensmittel bei der Kirche ab und verteilt sie an Menschen, denen es noch schlechter geht als ihr.

Heute lebt Anja bewusst und glücklich allein. Sie hat mit romantischen Beziehungen abgeschlossen, da sie weiteren Stress und Enttäuschungen vermeiden möchte. Ruhe und Ausgleich findet sie in ihrem Kleingarten, bei den Spielen der lokalen Eishockeymannschaft und in ihrer großen Leidenschaft für den Drachen Tabaluga. Er symbolisiert für sie Freiheit, Stärke und die Fähigkeit, sich das „innere Kind“ zu bewahren.

Anjas Lebensgeschichte ist geprägt von extremen Höhen und Tiefen. Sie verstellt sich im Gespräch nicht, benennt eigene Fehltritte völlig offen und lässt sich nicht von gesellschaftlichen Normen verbiegen. Ihre Lebensphilosophie fasst sie am Ende selbst zusammen: „Immer ich selbst bleiben, anderen helfen und trotz allem das Lächeln und die Zuversicht niemals aufgeben.”


Aus der Podcastfolge „Trotz Schwindel aktiv“ vom –24.12.2025– des RB-Podcasts „Eine Stunde reden – Gespräche mit Unbekannten“ (Verfügbar bis -24.12.2027-).


Podcastfolge in neuem Tab hören: https://rbprogressivedl-a.akamaihd.net/clips/zt/welt/pg/pgd7C5ZPpm/pgd7C5ZPpm_audio_128k_stereo.mp3

Webseite der Folge in neuem Tab lesen: https://www.bremenzwei.de/audios/eine-stunde-reden-anja-100.html

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📅❓ ETWAS

Ich habe viele Lieblingszitate und nicht nur ein einziges. Für heute habe ich mich für das folgende entschieden:

Das Leben ist die Kategorie der Möglichkeit. Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.

~ Christian Friedrich Hebbel (1813–1863), deutscher Dramatiker und Lyriker

Hebbel notierte diesen Gedanken in seinen weltberühmten Tagebüchern und Aphorismen. Der Eintrag stammt aus den frühen Jahren seiner Aufzeichnungen, vermutlich aus dem Jahr 1838.

Hebbel versteht das Leben nicht als etwas Fertiges oder Besitzbares. Es ist vielmehr ein Raum der Möglichkeiten, in dem der Mensch erst durch sein Handeln zu dem wird, was er sein kann.

Hebbel drückt damit aus, dass die bloße Existenz – das nackte Dasein – noch keinen vorgefertigten Sinn oder Wert hat. Das Leben ist lediglich eine leere Leinwand oder das „Rohmaterial“. Erst durch den menschlichen Willen, das eigene Handeln und die bewusste Sinngebung formt der Mensch diese Gelegenheit zu „einem Etwas“ (einem erfüllten, bedeutungsvollen Schicksal).

Hebbel definiert das Leben als „Kategorie der Möglichkeit“ und entzieht ihm damit von vornherein den Status einer vorgefertigten „Wirklichkeit“.

Da das Leben reine Möglichkeit (Potenzial) ist, ist es an sich noch gar „nichts”, sondern wartet als bloße „Gelegenheit” darauf, durch den Menschen zu einer konkreten „Wirklichkeit” (einem Etwas) geformt zu werden.

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Was ist dein Lieblingszitat?

What is your favorite quote?  |  Was ist dein Lieblingszitat?

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🎙 Vom Amsterdamer Rotlichtmilieu zum Retter in der Not: Die bewegende Geschichte des Olav van Gerven

In dieser Podcastfolge könntest du einem sehr spontanen, aber tiefgründigen Gespräch zwischen dem Moderator Mario Neumann und seinem Gast Olav van Gerven lauschen. Leider ist sie in der Mediathek nicht mehr abrufbar. Der 64-jährige Wahl-Bremer mit niederländischen Wurzeln sprang kurzfristig für einen anderen Gast ein und teilt in dieser Stunde sehr offen seine bewegte Lebensgeschichte. Olav arbeitet heute als freigestellter Betriebsratsvorsitzender an einer Bremer Stadtteilschule und übernimmt nebenbei Apotheken-Botenfahrten. Er blickt auf eine äußerst vielseitige berufliche Laufbahn zurück, die Stationen als Elektroinstallateur, Industriekaufmann und Rettungsassistent in der psychologischen Krisenintervention umfasst.

Einen großen Raum nimmt Olavs turbulente Jugend in Amsterdam ein. Geprägt durch ein belastetes Elternhaus und das stetige Gefühl, ein Außenseiter zu sein, rutschte er in jungen Jahren in das kriminelle Drogenmilieu ab und verfiel schwer dem Alkoholismus. Der absolute Wendepunkt seines Lebens ereignete sich 1982 an einem persönlichen Tiefpunkt: Durch die Begegnung mit jungen, undogmatischen Christen und ein verzweifeltes Gebet fand er zu Gott. Diese spirituelle Erfahrung gab ihm die Kraft, dem Alkohol und der Kriminalität den Rücken zu kehren und 1985 einen Neuanfang in Deutschland zu wagen.

In seiner neuen Heimat baute er sich mit seiner Frau ein Leben auf, das von tiefem Zusammenhalt, gegenseitigem Freiraum und großer Gastfreundschaft geprägt ist. Das Paar nahm mehrere Pflege- und Adoptivkinder auf. Im Interview schildert Olav auch die extremen familiären Belastungsproben, wie das schwere Mobbing und die daraus resultierende suizidale Krise seines Sohnes in der Jugend, sehr ehrlich. Diese dunkle Zeit konnte er als Vater nur durch den Rückhalt in der Familie und sein unerschütterliches Gottvertrauen durchstehen.

Sein christlicher Glaube zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Für Olav drückt er sich aber nicht in starren kirchlichen Dogmen oder Institutionen aus, sondern im täglichen Handeln, in Vergebung und bedingungsloser Liebe. Radikale oder ausgrenzende Prediger lehnt er entschieden ab. Zum Abschluss des Gesprächs zieht er ein kraftvolles Resümee: Vor dem Hintergrund seiner eigenen wechselhaften Geschichte sind ihm Freiheit, Demokratie und Toleranz zu den höchsten Gütern geworden. Er sieht es als essenzielle Aufgabe seiner Generation, diese freiheitlichen Werte an die Jüngeren weiterzugeben. Eindringlich warnt er vor politischen und religiösen Extremisten, die unsere Gesellschaft spalten wollen.


Aus der Podcastfolge „Kriminelle Kreise und Alkohol – bis er zu Gott fand“ vom –29.05.2024– des RB-Podcasts „Eine Stunde reden – Gespräche mit Unbekannten“ (nicht mehr verfügbar).


Webseite der Folge in neuem Tab lesen: https://www.ndr.de/nachrichten/info/epg/Eine-Stunde-reden-Gespraeche-mit-Unbekannten,sendung1454138.html

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📔 Die feine Linie zwischen Verzicht und Wahl: Was macht ein echtes Opfer aus?

Wenn mich jemand nach den „Opfern” in meinem Leben fragt, dann geht es dabei sicherlich nicht um rituell geschlachtete Ziegen, sondern um die bewusste Entscheidung, etwas Wertvolles aufzugeben, um ein höheres Ziel zu erreichen.

Es ist vielleicht ein Tauschgeschäft mit dem Schicksal: Ich verzichte im Hier und Jetzt auf bestimmte Dinge (zum Beispiel Bequemlichkeit, Sicherheit oder Zeit), in der Hoffnung, dass es sich später für mich auszahlt oder jemand anderem hilft.

Ich könnte Zeit und Energie geopfert haben, Beziehungen und Nähe, finanzielle Sicherheit, mein Ego und meinen Komfort.

Ein echtes Opfer muss wehtun.

Das Wort „Opfer” impliziert eine gewisse Schwere. Wenn es sich leicht anfühlt, war es stattdessen eine Priorisierung.

Ich habe in meinem Leben sicherlich Entscheidungen getroffen, für die ich etwas mehr oder weniger Wertvolles aufgeben musste, um ein Ziel zu erreichen. Die Entscheidungsfindung fühlt sich für mich schwer an und ist mit „Schmerzen” verbunden. Die Entscheidung selbst hat sich für mich jedoch nicht wie ein Opfer angefühlt, sondern eher wie eine Priorisierung. Da ich in fast allem einen Sinn erkenne und weiß, dass ich nicht alles haben kann, fühlen sich die Entscheidungen nicht wie ein Opfer an. Sie sind das Ergebnis einer Abwägung.

Ich weiß auch, dass ich bisher Glück gehabt habe und die Dinge so betrachten und empfinden kann. Mir ist bewusst, dass das Leben mir jederzeit ein echtes, schmerzhaftes Opfer abverlangen kann. Ich denke dabei an die Entscheidung Helmut Schmidts, der Erpressung durch die Entführung Hanns Martin Schleyers nicht nachzugeben, Schleyers Tod zu riskieren und am Ende diesen Schmerz ertragen zu müssen. Die Schwere dieser Entscheidung ist für mich unermesslich, und die Reaktion der Hinterbliebenen hat Helmut Schmidt die Spitze dieses Schmerzes sicherlich etwas genommen.

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📅❓ Fügung.

Vereinfacht und allgemein definiert bedeutet Schicksal, dass eine höhere Macht die Zukunft eines Menschen beliebig beeinflusst oder lenkt. Vorhersehung erweitert die Schicksalsbedeutung um die philosophische Ebene der Akzeptanz oder des Determinismus. In diesem Fall bedeutet Vorhersehung, dass die Weltordnung feststeht und die höchste Tugend des Menschen darin besteht, sein Schicksal anzunehmen, anstatt dagegen anzukämpfen. Beim Determinismus folgt alles einer logischen Kausalkette.

Dass es eine höhere Macht gibt, die die Zukunft eines Menschen beliebig beeinflusst oder lenkt, daran glaube ich nicht. Für möglich halte ich es jedoch. Beweise dafür gibt es meines Wissens nach nicht. Die Menschheit steckt noch in den Kinderschuhen und wenn sie sich nicht vorher selbst auslöscht, hat sie noch sehr viel Zeit, die Existenz einer höheren Macht zu beweisen.

Dass alles einer logischen Kausalkette folgt, halte ich für wahrscheinlich. Aber nicht alles. Die Menschheit hat bislang viele Gesetzmäßigkeiten und Naturgesetze erkannt. Nach unserem heutigen Erkenntnisstand folgt vieles dieser Gesetzmäßigkeiten. Aber auch da steht die Menschheit gerade erst am Anfang und entdeckt immer wieder Abläufe oder Veränderungen, die von den erkannten Gesetzmäßigkeiten abweichen. Ich glaube jedoch, dass die Evolution nach bestimmten Regeln erfolgt.

Viele Menschen hadern mit ihrem Schicksal und versinken in ihrem Schmerz. Ich finde die Idee gut, sein Schicksal zunächst zu akzeptieren und anzunehmen, um dann zu schauen, was tatsächlich nicht und was tatsächlich beeinflusst werden kann. Wenn alles feststünde, wäre eine paradoxe Intervention erfolglos. Dabei wird der Teufelskreis aus Erwartungsangst und Kontrollverlust durchbrochen. Es handelt sich um eine erfolgreiche Therapiemethode, die meist aus der systemischen oder Logotherapie stammt.

Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unser Wachstum und unsere Freiheit.

  • Dieses Zitat stammt aus einer Zusammenfassung von Viktor Frankls Überzeugungen und bildet das Herzstück seiner Logotherapie.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich vieles fügt, wenn ich nicht impulsiv reagiere, sondern gelassen bleibe und die Dinge ihren Lauf nehmen lasse. Ich glaube also an Fügung. Das bedeutet nicht, dass sich alles so fügt, wie ich es gerne hätte, sondern dass ich einen Sinn darin erkenne, wie sich fast alles fügt. Oft entspricht es meinen Wünschen.

Täglicher Schreibanreiz
Glaubst du an Schicksal?

Do you believe in fate/destiny? | Glaubst du an Schicksal/Vorsehung?

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