Leider kann ich kein Foto beisteuern. Aber ich kann eine Geschichte aus den Jahren 1991 bis 2002 erzählen:
Nachdem sie den roten Kater von der Hauptstraße kratzten, zogen sie weg. Höher, in ein Dorf. Es war verkehrsberuhigt. Es lag am Waldrand. Es sollte für die beiden übriggebliebenen Katzen besser sein.
Die Zeit war günstig für einen Hund. Sie meldeten sich auf eine Anzeige und verabredeten sich mit der Züchterin, die in Wirklichkeit eine Händlerin war. Im ehemaligen Schweinestall waren zehn Hunde. Eine Rauhaardackel-Yorkshire-Terrier-Hündin machte besonders auf sich aufmerksam. Nein, von Tierhändlern kauften sie nichts. Sie fuhren wieder. Auf halber Strecke schauten sie sich an. Ein Blick genügte. Sie wendeten und schenkten sich 12 Jahre lang gegenseitig Freude.
Die Rauhaardackel-Yorkshire-Terrier-Hündin Sina hatte den Körper eines Dackels, das Fell und die Lebendigkeit eines Yorkshire Terriers. Sie war ein aufgewecktes, lebensfrohes und intelligentes Lebewesen. Sie war leicht überstimuliert und lernte alles, was man ihr beibrachte. Sina konnte zehn verschiedene Quietschtiere anhand ihres Namens unterscheiden und bringen. Sie freute sich wahnsinnig, wenn die Quietschtiere durch die Luft flogen und sie sie apportieren durfte. Bei Spaziergängen machte Sina Sitz und ihre Menschen verschwanden hinter der Kurve aus ihrem Blickfeld. Erst wenn sie ihren Namen hörte, lief sie los und kam mit fliegenden Beinen und Ohren um die Kurve gerannt. Sina durfte nicht ins Bett. So war der Plan. Den hatten sie ohne sie gemacht. Ihr Körbchen stand neben dem Bett. Kaum schliefen ihre Menschen, sprang sie ins Bett. Unzählige Male wurde sie wieder in ihr Körbchen zurückgelegt. Genauso oft sprang sie wieder ins Bett. Wenn sie aus dem Schlafzimmer verbannt wurde, heulte sie stundenlang wie ein kleiner Wolf.
Sina setzte sich durch.
Im Winter lag sie unter seiner Bettdecke auf seiner rechten oder linken Schlafseite, eingerollt vor seinem Bauch. Beide mochten es nicht mehr missen. Wenn die Menschen im Bett kuschelten, blieb Sina ruhig am Fußende liegen.
Wenn er traurig war – und das war er oft, während er auf den Adoptionsvermittlungsvorschlag wartete –, zauberte Sina ihm bei ihren täglichen Spaziergängen ein Lächeln ins Gesicht, sodass er seine Traurigkeit für eine Weile vergaß.
Kurz nachdem sie den Dreijährigen in Südafrika adoptiert hatten, starb Sina. Selbst ihr Tod und ihre Beerdigung waren für die kleine Familie im Allgemeinen und für den Dreijährigen im Besonderen ein Glücksfall. Nach Sinas Beerdigung lag der Junge stundenlang auf dem Bauch seiner neuen Mutter und erzählte stockend, wie seine leibliche Mutter in ein Loch gelegt worden war, nachdem Männer sie geboxt hatten. Anschließend hätten sie ihn in einen Park gebracht und sich selbst überlassen. Den Angestellten des Kinderheims und den Sozialarbeiterinnen des Adoptionsvereins vor Ort hatte er nichts erzählt. Er konnte nicht erzählen. Weil die Erinnerung weggesperrt war. Zu seinem Schutz. Sinas Tod löste die Sperre. So bekam er die dringend benötigte Hilfe. Das Geschehene wird ihn lebenslang begleiten.
Mit ihren leuchtenden Augen schuf sie leuchtende Momente. Ich lächle, wenn ich daran denke.
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