Es gäbe viele Maßnahmen, mit denen sich die Stadt, in der ich wohne, sofort verbessern ließe.
Eine wäre, die Kernstadt zur Tempo-30-Zone zu erklären. Noch besser wäre es, jede Straße in der Kernstadt zur Fahrradstraße zu erklären. Eine daraus folgende Maßnahme wäre, Fahrradfahrer:innen von den Gehwegen zu verbannen.
Als Ausgleich für die immer häufiger stattfindenden verkaufsoffenen Sonntage müsste für jeden verkaufsoffenen Sonntag ein anderer Sonntag zum autofreien Sonntag erklärt werden.
An Ampeln sollten Fußgänger:innen längere und schnellere Grünphasen erhalten.
Auf zweispurigen Einbahnstraßen oder vierspurigen Straßen sollte eine Spur ausschließlich für den öffentlichen Personennahverkehr reserviert sein. Busse sollten eine eigene Ampel mit Vorrang vor allen anderen Verkehrsteilnehmern bekommen.
Der ruhende und fließende Verkehr sollte engmaschiger kontrolliert werden, um Regelverstöße konsequent ahnden zu können.
Unnötige Asphaltflächen ohne echte Funktion können zügig aufgebrochen und mit schnell wachsenden, insektenfreundlichen Wildblumenmischungen eingesät werden.
Tägliche Schreibanregung
Was ist eine Sache, die deine Stadt sofort besser machen würde?
Leider kann ich kein Foto beisteuern. Aber ich kann eine Geschichte aus den Jahren 1991 bis 2002 erzählen:
Nachdem sie den roten Kater von der Hauptstraße kratzten, zogen sie weg. Höher, in ein Dorf. Es war verkehrsberuhigt. Es lag am Waldrand. Es sollte für die beiden übriggebliebenen Katzen besser sein.
Die Zeit war günstig für einen Hund. Sie meldeten sich auf eine Anzeige und verabredeten sich mit der Züchterin, die in Wirklichkeit eine Händlerin war. Im ehemaligen Schweinestall waren zehn Hunde. Eine Rauhaardackel-Yorkshire-Terrier-Hündin machte besonders auf sich aufmerksam. Nein, von Tierhändlern kauften sie nichts. Sie fuhren wieder. Auf halber Strecke schauten sie sich an. Ein Blick genügte. Sie wendeten und schenkten sich 12 Jahre lang gegenseitig Freude.
Die Rauhaardackel-Yorkshire-Terrier-Hündin Sina hatte den Körper eines Dackels, das Fell und die Lebendigkeit eines Yorkshire Terriers. Sie war ein aufgewecktes, lebensfrohes und intelligentes Lebewesen. Sie war leicht überstimuliert und lernte alles, was man ihr beibrachte. Sina konnte zehn verschiedene Quietschtiere anhand ihres Namens unterscheiden und bringen. Sie freute sich wahnsinnig, wenn die Quietschtiere durch die Luft flogen und sie sie apportieren durfte. Bei Spaziergängen machte Sina Sitz und ihre Menschen verschwanden hinter der Kurve aus ihrem Blickfeld. Erst wenn sie ihren Namen hörte, lief sie los und kam mit fliegenden Beinen und Ohren um die Kurve gerannt. Sina durfte nicht ins Bett. So war der Plan. Den hatten sie ohne sie gemacht. Ihr Körbchen stand neben dem Bett. Kaum schliefen ihre Menschen, sprang sie ins Bett. Unzählige Male wurde sie wieder in ihr Körbchen zurückgelegt. Genauso oft sprang sie wieder ins Bett. Wenn sie aus dem Schlafzimmer verbannt wurde, heulte sie stundenlang wie ein kleiner Wolf.
Sina setzte sich durch.
Im Winter lag sie unter seiner Bettdecke auf seiner rechten oder linken Schlafseite, eingerollt vor seinem Bauch. Beide mochten es nicht mehr missen. Wenn die Menschen im Bett kuschelten, blieb Sina ruhig am Fußende liegen.
Wenn er traurig war – und das war er oft, während er auf den Adoptionsvermittlungsvorschlag wartete –, zauberte Sina ihm bei ihren täglichen Spaziergängen ein Lächeln ins Gesicht, sodass er seine Traurigkeit für eine Weile vergaß.
Kurz nachdem sie den Dreijährigen in Südafrika adoptiert hatten, starb Sina. Selbst ihr Tod und ihre Beerdigung waren für die kleine Familie im Allgemeinen und für den Dreijährigen im Besonderen ein Glücksfall. Nach Sinas Beerdigung lag der Junge stundenlang auf dem Bauch seiner neuen Mutter und erzählte stockend, wie seine leibliche Mutter in ein Loch gelegt worden war, nachdem Männer sie geboxt hatten. Anschließend hätten sie ihn in einen Park gebracht und sich selbst überlassen. Den Angestellten des Kinderheims und den Sozialarbeiterinnen des Adoptionsvereins vor Ort hatte er nichts erzählt. Er konnte nicht erzählen. Weil die Erinnerung weggesperrt war. Zu seinem Schutz. Sinas Tod löste die Sperre. So bekam er die dringend benötigte Hilfe. Das Geschehene wird ihn lebenslang begleiten.
Mit ihren leuchtenden Augen schuf sie leuchtende Momente. Ich lächle, wenn ich daran denke.
Tägliche Schreibanregung
Teile ein Foto von deinem Haustier und erzähl uns eine Sache, die es so einzigartig macht.
Share a photo of your pet and tell us one thing that makes them uniquely them. | Teile ein Foto von deinem Haustier und erzähle uns eine Sache, die es so einzigartig macht.
Diese Eigenschaft trifft auf mich zu. Ich kann mich gut auf eine Sache konzentrieren und mich so darin vertiefen, dass ich in einen Flow-Zustand gerate. Dazu braucht es eine ungestörte Umgebung. Da ich leicht ablenkbar bin, bleibe ich zwar konzentriert, erreiche aber nicht den Flow.
Es begab sich zu einer Zeit, als die Vorweihnachtszeit noch am ersten Advent begann und nicht bereits nach dem Sommerurlaub. Alle Geschäfte in der Innenstadt – City nannte man sie damals noch nicht – waren festlich geschmückt. Vor allem für die Kinder.
Ich drückte meine Nase an die Schaufensterscheiben und bestaunte mit großen Augen die Auslagen. Vor allem faszinierten mich die sich bewegenden Puppen und Bären, die regelrecht tanzten. Es gab Lego-Welten auf sechs Quadratmetern mit sich drehenden Karussells und blinkenden Lichtern; Eisenbahnen, die im Kreis fuhren, am Bahnhof anhielten und die Fahrtrichtung wechselten. Es gab 2-spurige Carrerabahnen, auf denen Formel-1-Boliden um die Wette fuhren.
Ich glaubte noch daran, dass das Christkind den Kindern Weihnachtsgeschenke brachte. Mein Wunschzettel war lange geschrieben, nachdem ich die Kataloge von Quelle und Neckermann stundenlang studiert und die Bilder meiner Wünsche ausgeschnitten hatte.
Es waren geheimnisvolle vier Wochen voller Erwartung und Vorfreude. Nicht auf die Geburt Jesu, sondern auf den Tag, an dem ich nicht ins Wohnzimmer durfte, bis abends das Glöckchen läutete und wir in den dunklen Raum traten.
Der Weihnachtsbaum leuchtete im Schein echter Kerzen, das Lametta und die Kugeln glänzten und funkelten.
Den diesjährigen Heiligen Abend feierten wir ausnahmsweise bei meiner Oma; ansonsten war alles wie immer. Das Glöckchen läutete, wir traten andächtig ins kleine Wohnzimmer und sangen zwei Weihnachtslieder. Danach folgte die Bescherung.
Doch was war das?
Für mich lagen keine Geschenke unterm Baum. Meine Gesichtszüge wechselten von freudiger Erwartung mit glänzenden Augen zu einem langen Gesicht mit traurigen Augen. Meine Schultern hingen mit gesenktem Kopf. Kurz bevor mir die Tränen in die Augen schossen, sagte mein Vater, ich solle doch mal die Tür zum Nebenraum öffnen.
Dieser ungeheizte Raum diente als Abstell- und Rumpelkammer. Ungläubig öffnete ich langsam die Tür zu diesem zirka sechs Quadratmeter großen Raum. Bis auf einen schmalen Streifen füllte eine Sperrholzplatte den Raum aus, die auf Unterstellböcken stand.
Auf der Sperrholzplatte war eine Landschaft mit einem See, einem Hügel mit einem Tunnel, Bahnübergängen, einem mehrgleisigen Bahnhof mit leuchtenden Straßenlaternen aufgebaut. Es gab Züge, die in alle Richtungen fuhren, anhielten und die Richtung wechselten. Sogar eine Dampflokomotive dampfte echt. Es gab auch Modellautos und Häuser. Kurzum, es war eine perfekte Märklin H0-Modelleisenbahn mit einer Revell-Landschaft.
Mein Vater musste sie in den letzten Wochen und Monaten in stundenlanger Freizeit aufgebaut haben. – Rückblickend betrachtet, denn ich glaubte ja, die Bahn wäre vom Christkind. – Ich war völlig baff, ein Traum erfüllte sich für mich, den ich niemals als Wunsch geäußert hätte.
In den nächsten Jahren verbrachte ich regelmäßig viele Stunden in der Rumpelkammer. Ich verwendete mein Taschengeld für den Zukauf weiterer Lokomotiven, Güter- und Personenzüge sowie Revell-Bausätze.
Es war wohl das einzige Mal, dass sich ein Traum meines Vaters mit meinem überschnitt.
Täglicher Schreibanreiz
Beschreibe eine positive Sache, die ein Familienmitglied für dich getan hat.
Mit der Beantwortung der Frage „Was würdest du gerne jeden Tag öfter tun?” tue ich mich heute sehr schwer. Vielleicht liegt es an der Dreifachimpfung, die ich am Morgen erhalten habe, bevor ich dieses Daily Prompt beantwortet habe. Oder daran, dass mich ein Teil meiner Vergangenheit eingeholt hat, den ich in alle meine Träume der vergangenen Nacht verarbeitet habe. Jedenfalls stehe ich heute, am Tag der Beantwortung, neben mir. Drei Anläufe habe ich bereits verworfen. Nein, es gibt keine Sache, die ich gerne täglich häufiger tun würde. [gelogen] Ich verstehe die Frage so, dass sich die Frage darauf bezieht, ob ich etwas, das ich bereits täglich mache, häufiger machen möchte. Es gibt keine Sache, die ich täglich tue und die ich gerne häufiger machen würde. [gelogen] Natürlich schreit jetzt mein Lustzentrum „Aber!” auf. Mein Verstand weiß jedoch, dass die Lust an den Dingen, die ich täglich tue, weil ich Lust darauf habe, getötet werden könnte, wenn ich mehr davon täte. Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich momentan mit den Dingen, die ich täglich tue, zufrieden bin.
Alle Angaben ohne Gewähr der heutigen geistigen Zurechnungsfähigkeit. (-;
Täglicher Schreibanreiz
Welche Sache würdest du gerne täglich häufiger tun?
Ich dachte, es wäre an der Zeit, meine Französischkenntnisse aufzufrischen. Ich versuche dies mit der Webanwendung und App „Duolingo”. Am 30. Januar habe ich angefangen und es bisher geschafft, täglich am Ball zu bleiben. Ich freue mich auf die täglichen, zehnminütigen Lektionen.
Am meisten schrecke ich davor zurück, sich schnell bewegende Insekten, Spinnen, Schlangen und Skorpione (nicht das Sternzeichen) in die Hand zu nehmen. Um meine Furcht zu verlieren, wäre eine Expositionstherapie nötig. Für die Diagnose ICD-10 F40.2 reicht diese Furcht jedoch nicht aus, da ich weder in eine Schockstarre falle, noch Herzrasen, Schweißausbrüche, Zittern oder Atemnot bekomme. Lediglich ein starkes Vermeidungsverhalten zeige ich.
Ansonsten schrecke ich vor nichts zurück. Was nötig ist, wird gemacht oder ich lasse es machen.
Doch: ich werde mich im Freibad nicht vom Zehn-Meter-Sprungturm in die Tiefe stürzen. Damit ich mich überwinde, ins Wasser zu springen, müsste ich erstens in dieser Höhe zum Stehen kommen und zweitens müssten mich schnell bewegende Insekten, Spinnen, Schlangen oder Skorpione (nicht das Sternzeichen) jagen. Dann würde ich wahrscheinlich in eine Schockstarre fallen und Herzrasen, Schweißausbrüche, Zittern und Atemnot bekommen. Mit starkem Vermeidungsverhalten käme ich nicht weiter.
Täglicher Schreibanreiz
Vor welcher Sache schreckst du am meisten zurück? Was wäre nötig, damit du dich überwindest, es zu tun?
What’s the thing you’re most scared to do? What would it take to get you to do it? | Was ist das, wovor du dich am meisten fürchtest? Was müsste passieren, damit du es tust?
Zunächst denke ich über Süchte nach. Habe ich eine Sucht, der ich weniger nachgehen könnte? Ich denke an die Zeit, in der ich jeden Tag um 10 Uhr in der Kantine ein Snickers kaufen und essen musste. Zu meinem dreißigsten Geburtstag lagen morgens 30 Snickers auf meinem Schreibtisch im Büro. Snickers esse ich schon lange keine mehr. Nein, ich habe keine Süchte. Doch, Sehnsucht. Aber ich bin nicht abhängig.
Zweitens denke ich an Dinge, die mir nicht guttun, wenn ich sie tue. Gerne schlafe ich manchmal so lange, dass ich ohne Wecker von allein aufwache. Oft verpasse ich dabei den geeigneten Zeitpunkt. Ich werde wach und stelle fest, dass es draußen schon hell ist. Anstatt sofort aufzustehen, drehe ich mich noch einmal zur Seite und schlafe noch eine Runde weiter. Diese Runde dauert meist zwischen 45 und 90 Minuten. Dabei träume ich sehr intensiv und mit realistischen Gefühlen, meist sind …
Abwäsche sind ein Albtraum und erhöhen die Sehnsucht nach Snickers
… es Albträume, die den ganzen restlichen Tag überschatten. Ich könnte also weniger lange schlafen, wenn ich von allein aufwachen möchte.
Als Drittes denke ich an ungeliebte Tätigkeiten. Zum Beispiel könnte ich weniger Geschirr von Hand abwaschen. Ich habe schon einmal detailliert darüber geschrieben, als es um Routinen ging. Wobei, noch weniger geht nicht. Ich wasche nur noch ab, wenn sich entweder Besuch angekündigt hat oder ich wieder Platz brauche. Früher habe ich gerne abgewaschen und abgetrocknet. Seit ich allein lebe, ist mir die Lust vergangen. – PS: Essensreste werden immer kurz weggespült. – Meine kleine Küche hat keinen Platz für eine Spülmaschine. Spülmaschine oder Waschmaschine? Nein, meine Wäsche möchte ich nicht mit der Hand waschen. Also habe ich keine Spülmaschine. Die nächste Wohnung wird eine bekommen. – PPS: Ich habe einmal die Woche Besuch. Das relativiert das Problem. –
Nein, mir fällt nichts Wesentliches ein, das ich weniger machen könnte.