📅❓ Denken – Fühlen – Handeln

Je länger ich darüber nachdenke, desto weniger kann ich mit dem Begriff „früheres Ich“ anfangen. Ich bin ich.

Ich bin als relativ unbeschriebenes Blatt auf die Welt gekommen, das nach und nach beschrieben wurde. Ich habe immer wieder dazugelernt, habe mich versucht, habe mich geirrt oder war gleich beim ersten Versuch erfolgreich. Ich kann stolz sein auf Dinge, die ich gelernt habe und heute kann, die ich früher jedoch nicht konnte.
Früher war ich in meinen Gedanken gefangen. Ich habe wenig gefühlt und bin nicht ins Handeln gekommen.

Irgendwann wurde die Mauer um meine Gefühle gesprengt und ich war plötzlich mit ihnen verbunden. Zunächst war ich von meinen befreiten Gefühlen überwältigt und lief planlos umher. Zeitweise bezeichnete ich mich selbst als emotionaler Geisterfahrer, der einige Mitmenschen „überfuhr“ und überforderte.

Ich lernte, dass ich Gefühle habe, aber nicht meine Gefühle bin. Ich kann meine Gefühle in ihre Schranken weisen oder sie kontrolliert zulassen, sodass sie für mich und andere erträglich sind.

Heute bin ich nah dran an meiner Mitte.


Was hast du schon geschafft, worauf dein früheres Ich stolz wäre?

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What’s something you’ve done that your past self would be proud of?  |  Was hast du getan, worauf dein früheres Ich stolz wäre?

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🕮 empathisch

🕮 empathisch

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🐚 euphorisch unglücklich lächelnd

Introvertierte wirken unglücklicher, weil sie weniger lächeln und weniger euphorisch sind.

~ 92 Eigenschaften von Introvertierten, introvertiert.org, https://www.introvertiert.org/92-eigenschaften-von-introvertierten

„Warum schaust du so ernst?“ Diese Frage wird mir oft gestellt. Lange wusste ich es selbst nicht. Heute antworte ich: „Ich bin introvertiert.” Ich bin oft in Gedanken. In mir. Dabei erschlaffen die Gesichtsmuskeln und die Physiognomie entspannt sich. Wenn ich mich in solchen Momenten ertappe und mich in der Öffentlichkeit oder in Gesellschaft befinde, ermahne ich mich, zu lächeln. Ich kann euphorisch sein, aber ich kann es nicht zeigen. Es tobt innerlich.

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📅❓ Auf Messers Schneide.

Es ist der 3. Juni 2002, die Nacht in Pretoria war kalt. Das Gästehaus ist nicht beheizt. Tagsüber werden bei strahlendem Sonnenschein 25 Grad erreicht. Der Wecker klingelt, ich stehe auf und mir fröstelt es. Auch wegen der Aufregung. Heute werde ich den kleinen, dreijährigen, farbigen Waisenjungen kennenlernen, zu dem wir als Familie, als Eltern passen sollen. Außer uns wohnen noch vier andere Paare aus den Niederlanden, Belgien und Schweden im Gästehaus, die ebenfalls ihre Adoptivbabys oder Kleinkinder kennenlernen werden. Das nun vierte Frühstück in Südafrika ist das erste stille. Eine angespannte Stille. Alle sind aufgeregt.

Nach dem Frühstück werden wir von den Sozialpädagogen des christlichen Adoptivvermittlungsvereins in fünf Pkws abgeholt. Ein Paar fährt ins Krankenhaus, wo ein Baby auf sie wartet. Die anderen fahren eine Stunde von Pretoria entfernt in ein Kinderheim.

Unsere Sozialpädagogin Paula erzählt uns noch einmal den Ablauf und versucht, unser Lampenfieber zu beruhigen. Wir schweigen. Häuser, Hütten und Steppe ziehen an uns vorüber. Ich nehme das alles nur aus dem Augenwinkel wahr.

Nach ungefähr einer Stunde erreichen wir eine Wohngegend. Sie ist durch einen Zaun mit elektrischem Tor geschützt. Die Kriminalität lauert überall. Die Schere zwischen arm und reich ist zu groß. Wir dürfen einfahren. Wir halten vor einem großen Bungalow im Grünen.

Ich steige mit wackeligen Knien aus. Wir gehen eine Einfahrt hinunter. Wir klingeln. Wir werden erwartet. Das überrascht mich nicht. Die Begrüßung durch die Heimleitung ist sehr herzlich. Wir werden durch die Räume des Heims geführt. Speisesaal, Waschräume, Spielzimmer, Schlafzimmer und Küche. So stelle ich mir ein ideales Kinderheim vor.

Die Kinder im Kindergarten- und Vorschulalter spielen im großen, schattigen, grünen und umzäunten Garten, der an einem kleinen, plätschernden Bach liegt. Wir treten auf die Terrasse.

Sofort kommen vier kleine Kinder auf uns vier Paare zugerannt. Es gibt Verwechslungen. Unser Sohn erkennt uns sofort, zögert einen Augenblick, vergewissert sich kurz bei seiner Erzieherin und läuft dann los, um mir in die Arme zu springen.

Die Kinder sind genauso gut auf uns vorbereitet wie wir auf sie. „Mummy! Daddy!“ Sein Blick wandert von meinem Arm in den blauen Himmel, in dem gerade ein Flugzeug einen Kondensstreifen hinter sich herzieht. Sein Arm schnellt nach oben, der Zeigefinger zeigt Richtung Flugzeug. „An airplane to germany!“

Er krault meinen Bart. Minutenlang.

Vor drei Monaten sprach er nur seine südafrikanische Muttersprache. In dieser Zeit hat er Englisch sprechen gelernt, kindgerecht. Genauso schnell wird er Deutsch lernen. Ab August wird er in den Kindergarten gehen.

Wenn ich ihn anschaue, springen sein Strahlen, seine Unbefangenheit, seine Fröhlichkeit und seine Lebendigkeit auf mich über. Gänsehaut. Ich habe feuchte Augen.

Auf der Rückfahrt ins Gästehaus schläft er erschöpft auf dem Schoß seiner Adoptivmutter ein.

Der Adoptivvermittlungsverein hat ganze Arbeit geleistet. Die Familien und Kinder passen ausgesprochen gut zusammen. Alle haben sich bis heute gut entwickelt.

Damals konnte ich noch nicht ahnen, was diesem kleinen Menschen widerfahren ist und wie sehr ihn das bis heute belastet. Es hätte ihn fast aus der Bahn geworfen.

Er muss in seinen ersten drei Lebensjahren eine innige Bindung zu seiner Mutter gehabt haben. Das machte ihn so widerstandsfähig, dass er auf Messers Schneide tanzen konnte.

Tägliche Schreibanregung
Wenn du einen Tag aus deiner Vergangenheit noch einmal erleben könntest: Welcher wäre das – und warum?

If you could relive one day from your past, which day would it be and why?  |  Wenn du einen Tag aus deiner Vergangenheit noch einmal erleben könntest, welcher Tag wäre das und warum?

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