Mein lieber Onkel May, das war ein toller Mann. Mein lieber Onkel May, an den kam keiner ran.
Wie der mich mit auf Reisen nahm in seine heile Welt, so mitten aus den Schulaufgaben, komm wenn’s dir gefällt, da tauschte ich mein Zimmer und bekam wein weites Sternenzelt. Bei dem war alles klar, da gab’s nur Böse oder gut, der eine war der Feuerhans der andre war der Shout, und manchmal floss dabei ein wenig Blut.
Mein lieber Onkel May, war das ein toller Mann. Mein lieber Onkel May, an den kam keiner ran.
Wie der doch immer alles ohne Zögern gleich verstand, der konnte einen Vogel treffen, mit der linken Hand, und ich sass schön im Feuerschein in einem wilden fremden Land. Mit dem, da ging das Reiten machmal ganze Tage lang, des nachts, da schliefen wir an einem düstern Felsenhang, und manchmal wurde mir ein bisschen bang.
Mein lieber Onkel May, das war ein toller Mann. Zu schade, Onkel May, dass ich nicht mehr mit dir reiten kann.
What’s the first book you ever finished and still remember to this day? | Welches war das erste Buch, das du jemals zu Ende gelesen hast und an das du dich bis heute erinnerst?
Ich suche mir Filme sehr bewusst aus. Ich lese Filmkritiken und schaue mir an, welche Bewertung das Publikum dem Film bei IMDb gegeben hat. Ich vermeide also Filme, bei denen ich denke, dass ich sie nicht mögen werde.
Es müsste also ein Film sein, den ich zufällig angeschaut habe, obwohl ich glaubte, ihn möglicherweise zu hassen. Beispielsweise, wenn ich im Kino im falschen Saal bin und mich meinem Schicksal ergeben habe. Nein, das ist mir noch nicht passiert.
Es müsste also ein Film sein, den ich einer oder mehreren Personen zuliebe mitgeschaut habe. Dabei handelt es sich eher um Komödien, denn um Komödien mache ich grundsätzlich einen weiten Bogen.
So kam es, dass ich jemanden ins Kino begleiten sollte, und zwar in eine Komödie. Und das auch noch in einer französischen. Ich befürchtete das Schlimmste.
Heiter, beschwingt und beseelt verließ ich das Kino. Am 8. Februar 2012 gab ich dem Film bei IMdB 10 von 10 möglichen Sternen.
Dieser Film und ich, wir wurden ziemlich beste Freunde.
Täglicher Schreibanreiz
Bei welchem Film dachtest du erst, dass du ihn hassen würdest – und hast ihn am Ende doch geliebt?
Nach einer Affäre während Julias Schwangerschaft und mehreren gescheiterten Versuchen, die Beziehung zu öffnen, ist ihre Ehe am Ende. Während Julia aufgrund vergangener Verletzungen emotional distanziert ist und sich in die Arbeit flüchtet, möchte Tim die Ehe unbedingt retten.
Er leidet jedoch massiv unter der fehlenden körperlichen Intimität. Der Therapeut Eric arbeitet heraus, dass Julia von einer inneren „Beschützerin” vor neuen Enttäuschungen bewahrt wird, was jedoch die für einen Neuanfang nötige Offenheit blockiert.
Er rät dem Paar, den Fokus von der reinen Problemanalyse weg und hin zu neuen, gemeinsamen Erlebnissen sowie einer körperlichen Annäherung ohne sexuellen Leistungsdruck zu lenken.
Als Hausaufgabe sollen beide durch die „Wunderfrage” positive Visionen für ihre Zukunft entwickeln, um herauszufinden, ob sie noch einmal gemeinsam in ihre Ehe investieren möchten.
Podcastfolge „Wenn eine Affäre alles zerstört“ vom –01.11.2024– aus dem NDR-Podcast „Die Paartherapie„; verfügbar bis -01.11.2026-.
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Der Soziologe Heinz Bude konstatiert das Ende des Zeitalters des stetigen Wachstums und Wohlstands in Deutschland.
Dies ist auf geopolitische Krisen und notwendige Prioritätensetzungen bei den Staatsausgaben zurückzuführen. Er erläutert, dass der Erhalt der allgemeinen Wohlfahrt – etwa des hochentwickelten Gesundheitssystems – künftig nur noch durch spürbare Einbußen beim individuellen Lebensstandard möglich sein wird.
Laut Bude führt diese Entwicklung zu einer tiefgreifenden Vertrauenskrise in die Regierungsfähigkeit und befeuert den Zulauf zu populistischen Strömungen quer durch alle sozialen Schichten. Bude warnt dabei vor einer wachsenden Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern, die aus reinem Eigennutz prinzipienlose Politik unterstützen würden, solange diese ihren persönlichen Wohlstand sichert.
Abschließend plädiert er für politische Wahrhaftigkeit und die Einsicht, dass die Gesellschaft die Zukunft des Landes als gestaltende Kraft in Europa wieder aktiv selbst in die Hand nehmen muss.
Aus dem Interview „Verlust als Grundproblem der Gegenwart – Heinz Bude, Soziologe“ der Deutschlandfunk-Sendung „Information und Musik“ vom –19.04.2026-.
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Früher wachte ich mit dem Sonnenlicht auf, das durch das Fenster schien. Jetzt weckt mich eine Rakete, die zwei Wohnblöcke entfernt einschlägt. Es gibt keinen Morgen mehr – keine Arbeit, keine Schule, keine Mahlzeiten. Es gibt nur noch den nächsten Augenblick und die Angst, dass wir ihn nicht überleben werden.
Sogar der Himmel über Gaza hat sich verändert. Die Sonne geht auf, aber sie wärmt nicht mehr. Die Nacht senkt sich über uns, aber sie bietet keine Ruhe.
Was wir Schlaf nennen, ist kein Schlaf mehr. Es ist Müdigkeit mit einem geöffneten Auge. Wir packen unsere Taschen. Wir lassen unsere Kinder vollständig angezogen. Jedes Summen über uns lässt uns den Atem anhalten. Wenn es länger als zehn Minuten still ist, entspannen wir uns ein wenig.
In der vierten Nacht des Oktobers 2023[1] leuchtete der Himmel auf. Ein Feuergürtel peitschte über unsere Straße. Ich lag neben meinem Bruder auf dem Boden. Wir hörten Kreischen. Dann nichts mehr. Dann Staub und Schreien. Ich sah, wie die Brust meines Cousins aufgerissen wurde. Sein Körper fiel zu Boden und machte ein Geräusch wie kein anderes. Mein Bruder und ich krochen unter Glasscherben hervor. Die Hälfte des Gebäudes auf der anderen Straßenseite war verschwunden. Wir hatten keine Zeit, meinen Cousin ordentlich zu begraben. Keine Tücher. Kein Licht. Zum ersten Mal stellte ich die Gerechtigkeit meines Überlebens in Frage. Etwas in mir erstarrte und zersplitterte dann. Ich weinte nicht. Ich blieb gebrochen. Schließlich hörte der Krieg nicht auf. Reparatur würde nur darauf vorbereiten, erneut zerbrochen zu werden.
In einem Schutzraum weinte ein Kind um seinen Vater, der am Morgen zuvor gestorben war. Seine Mutter hielt ihn mit steinernen Armen fest, stumm und mit starrem Blick. „Mama, warum weinst du nicht?“, fragte das Kind. Die Mutter brach zusammen. Ich wünschte, ich hätte es nicht gesehen, wie ihr Gesicht in sich zusammenfiel.
Früher habe ich unter einer Lampe gelernt. Ich habe Bücher gelesen. Ich habe vom Leben geträumt. Jetzt lässt mich das Leuchten meines Handys zusammenzucken. Eine Kerze ist ein Ziel. Ein Streichholz ein Verrat. Die Drohnen suchen nach Lichtquellen. Ich erinnere mich an die Nacht, in der die Taschenlampe eines Nachbarn ihn sein Zuhause gekostet hat. Das Flugzeug kreiste. Dann kam das Licht. Dann das Ende.
Wir verdecken unsere Fenster. Wir sprechen flüsternd. Ich lerne jeden Winkel unserer zerstörten Wohnung auswendig. Die Anzahl der Schritte zwischen dem Flur und dem Waschbecken. Das Muster der Risse auf dem Boden. Den Geruch von Verbranntem in der Ferne.
Kinder spielen Stille-Spiele. Ich greife nach der Hand meiner Mutter, um mich zu vergewissern, dass sie da ist. Wir stellen keine Fragen mehr. Die Antworten sind erbarmungslos: Nirgendwo ist es sicher, niemand ist unversehrt.
Im Dezember 2023 suchten wir Schutz in einem Industriegebiet. Panzer umzingelten uns. Kein Ausweg. Keine Zukunft. Mein Vater sagte: „Rennt jetzt.“ Ich sah den Staub unter den Ketten der Panzer. Ich roch ihren Stahl. Ich weiß nicht, wie wir es geschafft haben – aber das ist alles, was mir geblieben ist: die schlichte Tatsache, dass wir überlebt haben, und das Gefühl der Schuld, dass es bei anderen nicht so war.
Ich habe Angst vor Licht. Ich habe Angst vor Dunkelheit. Ich habe Angst vor Stille. Ich fürchte mich vor Lärm. Wenn die Explosionen aufhören, wird meine Angst stärker. Die Stille ist nur ein Vorspiel. Jede Sekunde fühlt sich wie Warten an. Worauf warten wir? Wir wissen es nicht.
Am Abgrund jedes Augenblicks sprechen zwei Stimmen zu mir. Die eine sagt: „Du hast überlebt.“ Die andere: „Es fängt bald wieder an.“
Ein Teil von mir möchte an den Morgen glauben. Ein Teil von mir bereitet sich auf eine weitere Nacht vor.
Früher kannte ich Zeit als Kalender, als Plan, als Ziel. Jetzt ist Zeit nur noch etwas, das wir ertragen.
Manchmal schließe ich die Augen und stelle mir einen Sonnenaufgang vor, der Kaffee mit sich bringt, nicht Angst. Ich träume davon, gedankenlos ein Fenster zu öffnen, um die Brise zu spüren; davon, ein Buch zu lesen ohne das Geräusch von Drohnen über mir. Ich träume von Nächten in Gaza, wie sie einmal waren: Verliebte, die durch vom Mond erhellte Straßen spazieren, spielende Kinder. Aber ich glaube diesen Träumen nicht.
Ich frage mich, wer ich sein werde, wenn das hier endet; ob ich jemals wieder ohne Angst neben einer Lampe sitzen werde; ob die Kinder meiner Kinder jemals wieder dem Licht vertrauen werden. In Gaza gibt es keine Metaphern. Es gibt nur das, was verschwunden ist, und das, was bleibt – dieses Leben zwischen Schatten und die Erinnerung an ein anderes Licht.
12.08.2025; von Abdullah Hany Daher, palästinensischer Schriftsteller und Journalist aus Gaza
Dieser Artikel erschien ursprünglich auf Englisch in der Zeitschrift Jewish Currents. Übersetzung: Maike Gosch, NachDenkSeiten