Es gibt viele Bücher, deren Ende mir nicht gefällt und bei denen ich mir ein anderes Ende gewünscht hätte. Für mich sind Bücher Kunstwerke oder Handwerkskunst. Ich käme nie auf die Idee, etwas daran zu ändern. Ich würde mir nie anmaßen, ein Werk zu ändern. Als Rezipient muss ich es aushalten, dass mir etwas nicht gefällt oder zusagt.
Selbst die Bibel endet mit einer eindringlichen Warnung an die Leserschaft, den Worten dieser prophetischen Schrift nichts hinzuzufügen und nichts davon wegzulassen (Offenbarung 22, Verse 18 und 19).
Täglicher Schreibanreiz
Wenn du das Ende eines Buches ändern könntest – welches wäre es?
Meine Muttersprache ist Deutsch. Daneben spreche ich Schulenglisch und -französisch. Zudem habe ich einen Anfängerkurs in Niederländisch besucht.
Ich wüsste nicht, wie sich das auf mein Leben ausgewirkt hat. Außer meiner Muttersprache habe ich die anderen Sprachen so gut wie nicht angewendet.
Die deutsche Sprache und Kultur haben mein Denken sicherlich beeinflusst. Ich bin froh, Deutsch zu sprechen, in Deutsch zu denken und in Deutsch zu träumen. Die deutsche Sprache ist nuancenreich und detailgenau. Auf Deutsch wurden viele der einflussreichsten literarischen, philosophischen und wissenschaftlichen Werke der Weltgeschichte verfasst. Der komplexe Satzbau zwingt dazu, einen Gedanken erst vollständig zu Ende zu denken (was in der Gesellschaft jedoch zunehmend seltener der Fall ist). Die deutsche Grammatik ist weitgehend logisch aufgebaut und bildet ein verlässliches Regelwerk. Im Deutschen wird fast alles so ausgesprochen, wie es geschrieben wird. Kennt man die grundlegenden Lautregeln, lassen sich auch bislang unbekannte Wörter korrekt aussprechen.
Für kreatives Schreiben und Sprechen kann ich mir keine bessere Sprache vorstellen.
Täglicher Schreibanreiz
Welche Sprachen sprichst du – und wie hat das dein Leben beeinflusst?
Das ist der „beste” Ratschlag, den ich jemandem geben würde, der jünger ist als ich.
Damit meine ich nicht das passive Vertrauen. Wenn man sich hinsetzt, die Hände in den Schoß legt und darauf vertraut, dass sich alles fügen wird, wird sich vermutlich nichts fügen.
Dieses Fügen bedeutet auch nicht, dass alle Träume, Wünsche und Hoffnungen in Erfüllung gehen, sondern dass rückblickend alles einen Sinn ergibt.
Viele Umwege und Sackgassen im Leben sind oft von Nutzen, um letztendlich den eigenen Weg und Lebenszufriedenheit zu finden. Manchmal – ich übertreibe jetzt – „muss” man durch die Hölle gehen, um das Paradies zu erreichen. Manchmal „muss” man die Fremdbestimmtheit überwinden, um selbstbestimmt durchs Leben gehen zu können. Manchmal muss man durch den Schmerz hindurchgehen, um die Schmerzfreiheit genießen zu können.
Man muss nichts, man kann, wenn man will.
Täglicher Schreibanreiz
Was ist der beste Rat, den du jemandem geben würdest, der jünger ist als du?
Das Wort „Inspiration“ stammt ursprünglich vom lateinischen „inspirare“, was „hineinblasen“ oder „einhauchen“ bedeutet. In der Antike glaubte man wörtlich, dass eine göttliche Muse einem eine Idee oder einen Gedanken wie einen Atemzug einhaucht.
Inspiration ist der Moment, in dem passive Beobachtung der Welt in das aktive Bedürfnis umschlägt, selbst etwas zu erschaffen oder auszudrücken.
Sie ist somit der Treibstoff für Kreativität. Sie ist ein Zustand geistiger Klarheit und emotionaler Resonanz, der uns die Welt mit anderen Augen sehen lässt und uns dazu bringt, unsere eigenen Schlüsse zu ziehen.
Ich lasse mich am meisten von meiner eigenen inneren Stimme inspirieren. Für einen Menschen wie mich, der Ruhe schätzt und braucht, ist das bewusste Zurückziehen in die Stille oft die größte Quelle für neue Gedankengänge und Geistesblitze.
Dabei küsst mich die Muse oft bei meinen Spaziergängen durch die Natur. Auch in Zeiten großer Glücksgefühle bin ich besonders inspiriert.
Um den wichtigsten Tipp für ein erfolgreiches Leben geben zu können, müssten zunächst die individuellen Vorstellungen von Erfolg definiert werden. Um den heutigen Schreibanreiz zu beantworten, versuche ich, einen allgemeingültigen, wichtigsten Tipp zu geben:
Richte dein Leben konsequent nach deiner eigenen inneren Natur aus und widerstehe dem Drang, die Erwartungen anderer zu erfüllen. Wahrer Erfolg stellt sich ein, wenn die täglichen Handlungen im Einklang mit dem stehen, wer man im Kern ist.
Wer versucht, einer gesellschaftlichen Norm zu entsprechen – beispielsweise immer laut, gesellig oder nach außen gekehrt sein zu müssen, obwohl das eigene Wesen eigentlich nach Ruhe und Reflexion verlangt –, brennt auf Dauer aus. Wer seine eigene, vielleicht leisere Natur akzeptiert, behält seine Energie für die Dinge, die ihm wirklich etwas bedeuten.
Erfolg verbirgt sich vielmehr in der Qualität des Alltags. Wenn du deine eigenen Rhythmen kennst und schätzt – seien es bewusste, ruhige Momente am Morgen, ausgedehnte Spaziergänge in der Natur oder das schriftliche Festhalten deiner Gedanken –, baust du dir ein Fundament aus kleinen Freuden, das dich jeden Tag trägt.
Ein erfolgreiches Leben misst sich nicht an der Quantität flüchtiger Ereignisse. Oft sind es die wenigen, über Jahrzehnte gewachsenen Verbindungen und die tiefgreifenden Austausche mit Vertrauten, die am Ende das größte Gefühl von Erfüllung und Sinnhaftigkeit hinterlassen.
Das bedeutet auch, ganz bewusst „Nein” zu Dingen zu sagen, die einem nicht entsprechen, und sich Räume für sich selbst zu schaffen. Es bedeutet auch, sich dafür nicht zu rechtfertigen, wenn man seine Batterien in einer wohltuenden Umgebung und im eigenen Tempo auflädt.
Letztlich ist ein erfolgreiches Leben eines, bei dem du am Ende des Tages in den Spiegel schauen und sagen kannst: „Ich habe heute nach meinen eigenen Maßstäben gelebt.”
Täglicher Schreibanreiz
Was ist dein bester Tipp, um im Leben erfolgreich zu sein?
Erst am 18. Mai lautete die Schreibanregung „Wenn du einen Film aus deinem Gedächtnis löschen könntest, um ihn nochmal zum allerersten Mal zu sehen – welcher wäre das?“.
What’s a book, movie, or TV show that you wish you could experience again for the first time? | Welches Buch, welchen Film oder welche Fernsehserie würdest du gerne noch einmal zum ersten Mal erleben?
Der Psychologe Tal Ben-Shahar hat den schönen Begriff des „Eintrittstrugschlusses” geprägt. Damit beschreibt er den Irrglauben, dass das Erreichen eines bestimmten Ziels dauerhaft glücklich macht. Selbst wenn wir eine langersehnte Beförderung erhalten oder sogar im Lotto gewinnen, hält die Zufriedenheit meist nur kurz an. Das liegt unter anderem daran, dass wir uns sehr schnell an Neues gewöhnen und unser Glücksgefühl zum Ausgangspunkt zurückkehrt. Wir sind alle nur Menschen, die manchmal nicht genau wissen, wie sie sich in der Zukunft fühlen werden.
Glück hat auch physiologische Grenzen. Bereits in den 1970er Jahren wurde erkannt, dass Geld nur bis zu einem gewissen Punkt glücklich macht. Danach hat es, wie vieles andere auch, nur wenig Einfluss auf unser Wohlbefinden. Auch kurzfristige Freuden wie gutes Essen, Sex oder ein neues Auto können nicht dauerhaft anhalten. Wir Menschen gewöhnen uns an angenehme Reize. Dieser Effekt wird als hedonistische Adaptation bezeichnet und bringt uns dazu, noch mehr von derselben Quelle zu suchen. Deshalb ist es wichtig, Glück nie als Fundament, sondern als wunderbaren Bonus zu betrachten, der uns manchmal in die Arme fällt und manchmal nicht.
„Wenn ich erst den richtigen Partner gefunden habe, bin ich glücklich.“ – „Wenn ich diese finanzielle Hürde genommen habe, fallen alle Sorgen von mir ab.“ – „Wenn ich endlich im Ruhestand bin, fängt das echte Leben an.“ Doch die Realität sieht meist anders aus.
Wir Menschen sind evolutionär darauf programmiert, uns extrem schnell an neue Umstände anzupassen – sowohl an schlechte als auch an gute. Ein großer Erfolg bringt zwar einen spürbaren mentalen Höhenflug, doch nach überraschend kurzer Zeit kehrt unser Glücksempfinden auf sein gewohntes, individuelles Basisniveau zurück. Das „Neue“ wird schlichtweg normal.
Wenn wir ein Ziel verfolgen, gibt uns der Weg dorthin oft Struktur, Sinn und einen täglichen Antrieb. Fällt dieses Ziel durch das Erreichen weg, entsteht nicht selten eine Leere. Man realisiert, dass die Probleme des Alltags weiterhin existieren und sich im eigenen Inneren eigentlich gar nicht so viel verändert hat.
Das Missverständnis liegt in der Annahme, Glück sei ein statischer Zustand, in den man sich irgendwann begibt und in dem man dann dauerhaft verweilt. Tatsächlich ist Glück aber eine flüchtige Emotion, die eher in kleinen, alltäglichen Momenten und Gewohnheiten entsteht als beim Überschreiten einer Ziellinie.
Der Irrtum besteht also darin, die Verantwortung für die eigene Zufriedenheit an ein zukünftiges Ereignis auszulagern, anstatt sie in der Gegenwart zu kultivieren.
Täglicher Schreibanreiz
Welches Missverständnis haben viele Menschen über Glück?
Fremde Sprachen nicht nur zu sprechen, sondern mich in ihnen auszudrücken, das zwischen den Zeilen Ausgedrückte zu verstehen, Humor und (Wort-)Witz in ihnen auszudrücken, in ihnen zu denken und zu träumen – das wäre eine Fähigkeit, die ich gerne hätte.
Nur über das gegenseitige Verstehen einer Sprache, ihrer Grammatik und ihrer Redewendungen kann ein tiefes Verständnis füreinander entstehen. Nur so könnten wir uns als eine Menschheit verstehen, Grenzen und Gegensätze überwinden und unser Zusammenleben friedlicher gestalten.
Täglicher Schreibanreiz
Wenn du sofort jede Fähigkeit perfekt beherrschen könntest: Welche wäre das – und warum?
Persönliches Wachstum vollzieht sich oft so leise, dass es im Trubel des Alltags kaum bemerkt wird. Es ist selten ein plötzlicher Durchbruch, sondern vielmehr eine sanfte, kontinuierliche Verschiebung der eigenen Perspektive.
Ich begreife mein Leben als stetiges Wachsen. In diesem Jahr gibt es keinen Leuchtturm meines Wachstums. Es sind viele kleine Trippelschritte auf der kleinteiligen Leiter meines Lebens, die ich langsam nach oben gehe.
Die fast vollkommene Abwesenheit von Krankheiten oder Krankheitsgefühlen erlaubte es mir in den vergangenen zehn Jahren, meine Abneigung gegen Arztbesuche auszuleben. Dieses Jahr habe ich mir jedoch einen Ruck gegeben und alle Vorsorgeuntersuchungen durchführen lassen sowie alle Schutzimpfungen erhalten, die sinnvoll oder nötig waren.
Angefangen mit einer neuen Hausarztpraxis und voraussichtlich bald endend mit einem Augenarztbesuch, habe ich dazwischen einen Kardiologen, einen Gastroenterologen und einen Urologen aufgesucht. Die Vorsorge habe ich nun verstetigt, indem ich mir gleich die nächsten Termine für 2027 habe geben lassen. Aus ärztlicher Sicht bin ich in einem guten Allgemeinzustand und für die altersnormalen bzw. ererbten Wehwehchen gibt es gute Medikamente. Gesundheitlich ist also alles im Lot.
Somit kann ich die heutige Frage konkret mit der Aussage beantworten, dass ich in diesem Jahr in meiner Selbstfürsorge gewachsen bin und sich eine unterschwellige Angst vor einer schweren, unentdeckten Erkrankung in Luft aufgelöst hat.
Wenn ich meinem 20-jährigen Ich eine Botschaft übermitteln könnte, wäre es meine heutige, späte Erkenntnis, dass wir introvertiert sind. Ich würde ihm erklären, welche Eigenschaften dazugehören – wir haben viele davon – und dass es völlig in Ordnung ist, diese Eigenschaften zu haben und zu leben. Und dass die elterlichen Glaubenssätze, wir würden nicht genügen, wenn wir so sind, schlichtweg nicht stimmen. Wir müssen uns nicht wie Extravertierte verhalten. So, wie wir sind, sind wir genug und richtig.
Ich würde meinem 20-jährigen Ich raten, die Ausbildung zu beenden und anschließend das Abitur nachzuholen und zu studieren.
Außerdem würde ich ihm Mut machen, den Wehrdienst zu verweigern. Wir würden einer Überprüfung unseres Gewissens standhalten.
Ich würde ihm sagen, dass man den Parteien, auch den neuen Grünen, nicht trauen kann, da sie im Laufe der Zeit allesamt von Kriegstreibern gekapert werden. 40 Jahre später würden sie die Vernichtung Europas und Russlands mindestens in Kauf nehmen, selbst die neue Partei, die u. a. aus der Friedensbewegung entstammt.
Ich würde meinem 20-jährigen Ich raten, sich mit aller Kraft gegen Aufrüstung und für Diplomatie zu engagieren. Ich würde ihm sagen, dass Hans-Dietrich Genscher der letzte fähige Außenminister der Bundesrepublik Deutschland war, der sich auf Diplomatie verstand, und dass ihm Politiker:innen folgen werden, die dieses Handwerk nicht verstehen und sich wie ein Elefant im Porzellanladen in der Welt bewegen werden.
Ich würde meinem 20-jährigen Ich sagen, dass unsere Überlegung als 15-Jähriger, keine leiblichen Kinder in die Welt zu setzen, völlig korrekt ist. Es wird sich zeigen, dass sich die Welt klimatisch, gesellschaftlich, politisch und militärisch in einem sich beschleunigenden freien Fall befindet. Ich würde ihm berichten, dass es gut gewesen sein wird, Kinder zu adoptieren oder in Pflege zu nehmen und weltweite finanzielle Kinderpatenschaften zu übernehmen.
Ich würde ihm sagen, dass Franz Alt noch lebt und bis heute Recht hat.