Wenn mich jemand nach den âOpfernâ in meinem Leben fragt, dann geht es dabei sicherlich nicht um rituell geschlachtete Ziegen, sondern um die bewusste Entscheidung, etwas Wertvolles aufzugeben, um ein höheres Ziel zu erreichen.
Es ist vielleicht ein TauschgeschĂ€ft mit dem Schicksal: Ich verzichte im Hier und Jetzt auf bestimmte Dinge (zum Beispiel Bequemlichkeit, Sicherheit oder Zeit), in der Hoffnung, dass es sich spĂ€ter fĂŒr mich auszahlt oder jemand anderem hilft.
Ich könnte Zeit und Energie geopfert haben, Beziehungen und NÀhe, finanzielle Sicherheit, mein Ego und meinen Komfort.
Ein echtes Opfer muss wehtun.
Das Wort âOpferâ impliziert eine gewisse Schwere. Wenn es sich leicht anfĂŒhlt, war es stattdessen eine Priorisierung.
Ich habe in meinem Leben sicherlich Entscheidungen getroffen, fĂŒr die ich etwas mehr oder weniger Wertvolles aufgeben musste, um ein Ziel zu erreichen. Die Entscheidungsfindung fĂŒhlt sich fĂŒr mich schwer an und ist mit âSchmerzenâ verbunden. Die Entscheidung selbst hat sich fĂŒr mich jedoch nicht wie ein Opfer angefĂŒhlt, sondern eher wie eine Priorisierung. Da ich in fast allem einen Sinn erkenne und weiĂ, dass ich nicht alles haben kann, fĂŒhlen sich die Entscheidungen nicht wie ein Opfer an. Sie sind das Ergebnis einer AbwĂ€gung.
Ich weiĂ auch, dass ich bisher GlĂŒck gehabt habe und die Dinge so betrachten und empfinden kann. Mir ist bewusst, dass das Leben mir jederzeit ein echtes, schmerzhaftes Opfer abverlangen kann. Ich denke dabei an die Entscheidung Helmut Schmidts, der Erpressung durch die EntfĂŒhrung Hanns Martin Schleyers nicht nachzugeben, Schleyers Tod zu riskieren und am Ende diesen Schmerz ertragen zu mĂŒssen. Die Schwere dieser Entscheidung ist fĂŒr mich unermesslich, und die Reaktion der Hinterbliebenen hat Helmut Schmidt die Spitze dieses Schmerzes sicherlich etwas genommen.
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