Vom 23.06.2026 bis heute hat sich der beste Rat, den ich jemandem geben würde, der jünger ist als ich, nicht verändert.
„Damals“ schrieb ich: „Du kannst darauf vertrauen, dass sich alles fügen wird.“ Das ist der „beste” Ratschlag, den ich jemandem geben würde, der jünger ist als ich.
Damit meine ich jedoch kein passives Vertrauen. Wenn man sich hinsetzt, die Hände in den Schoß legt und darauf vertraut, dass sich alles fügen wird, wird sich vermutlich nichts fügen.
Dieses Fügen bedeutet auch nicht, dass alle Träume, Wünsche und Hoffnungen in Erfüllung gehen, sondern dass rückblickend alles einen Sinn ergibt.
Viele Umwege und Sackgassen im Leben sind oft von Nutzen, um letztendlich den eigenen Weg und Lebenszufriedenheit zu finden. Manchmal – ich übertreibe jetzt – „muss” man durch die Hölle gehen, um das Paradies zu erreichen. Manchmal muss man die Fremdbestimmtheit überwinden, um selbstbestimmt durchs Leben gehen zu können. Manchmal muss man durch den Schmerz hindurchgehen, um Schmerzfreiheit genießen zu können.
Man muss nichts, man kann, wenn man will.
Tägliche Schreibanregung
Was ist der beste Rat, den du jemandem geben würdest, der jünger ist als du?
In ihrem Vortrag beschäftigt sich Prof. Dr. Susanne Becker mit der Beziehung zwischen Psyche und Schmerz. Schmerz ist ein wichtiges Signal unseres Körpers, das uns dabei hilft, Entscheidungen zu treffen und uns vor Verletzungen zu schützen. Zwar empfinden viele Menschen Schmerzen als unangenehm, doch sind sie an sich nützlich, da sie uns warnen und dazu bringen, vorsichtig zu sein.
Becker erklärt, dass Schmerzen je nach emotionalem Zustand und Ablenkung unterschiedlich wahrgenommen werden können. So kann beispielsweise Zahnschmerz morgens weniger störend sein, wenn man beschäftigt ist. Abends, wenn man zur Ruhe kommt, kann er jedoch viel intensiver empfunden werden. Diese Wahrnehmung hängt auch von biologischen Faktoren wie der Aktivität im Gehirn und der Verarbeitung von Schmerzsignalen ab.
Ein wichtiger Punkt ist der Einfluss psychologischer Faktoren auf die Schmerzwahrnehmung. Gefühle, Gedanken und Erwartungen können die Intensität des Schmerzes beeinflussen. In einer Studie wurde gezeigt, dass die Erwartung, ein Placebo einzunehmen, den Schmerz verringern kann, während die Erwartung, dass ein Placebo nicht mehr wirkt, den Schmerz verstärken kann.
Der Vortrag thematisiert auch chronische Schmerzen, die länger als drei Monate anhalten. Sie können durch Veränderungen im Körper und im Gehirn entstehen, die durch anhaltende Schmerzreize verursacht werden. Diese Veränderungen können dazu führen, dass selbst leichte Berührungen als schmerzhaft empfunden werden.
Becker spricht auch über die Rolle des Katastrophisierens, bei dem Menschen ihre Schmerzen überbewerten und sich hilflos fühlen. Dies kann die Schmerzwahrnehmung verstärken und die Genesung verzögern.
Zusammengefasst zeigt der Vortrag somit, dass Schmerz ein sowohl physisches als auch psychologisches Phänomen ist. Unsere Gedanken und Emotionen beeinflussen, wie wir Schmerz empfinden und darauf reagieren. Um Schmerzen besser zu bewältigen, ist es demnach wichtig, sowohl körperliche als auch psychologische Aspekte zu berücksichtigen.
[Diese Zusammenfassung basiert auf der Podcast-Folge.]
Podcastfolge „Gesundheit – Wie unsere Psyche Schmerzen beeinflusst“ vom –30.01.2026– aus dem Deutschlandfunk-Nova-Podcast „Hörsaal„.
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Wenn mich jemand nach den „Opfern” in meinem Leben fragt, dann geht es dabei sicherlich nicht um rituell geschlachtete Ziegen, sondern um die bewusste Entscheidung, etwas Wertvolles aufzugeben, um ein höheres Ziel zu erreichen.
Es ist vielleicht ein Tauschgeschäft mit dem Schicksal: Ich verzichte im Hier und Jetzt auf bestimmte Dinge (zum Beispiel Bequemlichkeit, Sicherheit oder Zeit), in der Hoffnung, dass es sich später für mich auszahlt oder jemand anderem hilft.
Ich könnte Zeit und Energie geopfert haben, Beziehungen und Nähe, finanzielle Sicherheit, mein Ego und meinen Komfort.
Ein echtes Opfer muss wehtun.
Das Wort „Opfer” impliziert eine gewisse Schwere. Wenn es sich leicht anfühlt, war es stattdessen eine Priorisierung.
Ich habe in meinem Leben sicherlich Entscheidungen getroffen, für die ich etwas mehr oder weniger Wertvolles aufgeben musste, um ein Ziel zu erreichen. Die Entscheidungsfindung fühlt sich für mich schwer an und ist mit „Schmerzen” verbunden. Die Entscheidung selbst hat sich für mich jedoch nicht wie ein Opfer angefühlt, sondern eher wie eine Priorisierung. Da ich in fast allem einen Sinn erkenne und weiß, dass ich nicht alles haben kann, fühlen sich die Entscheidungen nicht wie ein Opfer an. Sie sind das Ergebnis einer Abwägung.
Ich weiß auch, dass ich bisher Glück gehabt habe und die Dinge so betrachten und empfinden kann. Mir ist bewusst, dass das Leben mir jederzeit ein echtes, schmerzhaftes Opfer abverlangen kann. Ich denke dabei an die Entscheidung Helmut Schmidts, der Erpressung durch die Entführung Hanns Martin Schleyers nicht nachzugeben, Schleyers Tod zu riskieren und am Ende diesen Schmerz ertragen zu müssen. Die Schwere dieser Entscheidung ist für mich unermesslich, und die Reaktion der Hinterbliebenen hat Helmut Schmidt die Spitze dieses Schmerzes sicherlich etwas genommen.
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