📅❓ Zwischen Gesetzbüchern und Baustaub: Mein Sommer am Limit

Die Frage, wann genau mir klar wurde, dass ich stärker bin, als ich dachte, hatte ich an dem Tag, an dem ich mein Diplom des Verwaltungsbetriebswirts (VWA) erhielt.

Es war der Abschluss eines sechssemestrigen Abend- und Wochenendstudiums. Das Studium absolvierte ich also parallel zu einer Vierzigstundenwoche in meinem Beruf. Als ich das Studium begann, konnte ich nicht ahnen, dass ich in den letzten Monaten, während der Vorbereitung auf die mündliche Prüfung, jeden Tag nach der Arbeit und ganztags an den Wochenenden ein Haus renovieren musste.

Die Zeit drängte, denn der Zeitmietvertrag lief aus und wurde nicht verlängert. Der Mietwohnungsmarkt war durch politische Entscheidungen leergefegt, sodass der Hauskauf die letzte Rettung vor der befürchteten Obdachlosigkeit war. Ich musste Prioritäten setzen. Da das Studium bis einschließlich des fünften Semesters befriedigend lief, entschied ich mich, die mündlichen Prüfungsvorbereitungen zu vernachlässigen.

Drei Monate lang schuftete ich neben meinem Beruf in dem kleinen Altbau, um ihn bewohnbar zu machen. Ich hatte bezahlte Hilfe. Gerade in diesen drei Monaten des Frühsommers herrschten hochsommerliche Temperaturen, die mir den Schweiß aus allen Poren trieben. Harte körperliche Arbeit war ich nicht gewohnt.

Ich wurde rechtzeitig fertig und hatte noch ein paar Tage Zeit, um mich auf die mündliche Prüfung vorzubereiten. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass die mündliche Prüfung ungleich schwieriger werden würde als die schriftliche. Teilweise dachte ich, dass sie mir den Boden unter den Füßen wegzieht.

Besonders die Prüfung im Bürgerlichen Recht hatte es in sich. Sie ging in die Tiefe. Wir waren zu fünft in dieser Prüfung, und die ersten Fragen gingen an meine Kommiliton:innen, die sofort ins Schwimmen gerieten. Der Professor biss sich an ihnen fest, war genervt und wurde ironisch. Seltsamerweise gab er sich mit meinem Gestammel zufrieden und bohrte nie nach.

Es reichte für das Diplom. Bei der feierlichen Übergabe der Diplome wurde mir klar, was ich in den letzten Monaten geleistet hatte, dass ich über mich hinausgewachsen war und auch Glück gehabt hatte.

Täglicher Schreibanreiz
Welcher Moment hat dir gezeigt, dass du stärker bist, als du dachtest?

What’s a moment that made you realize you were stronger than you thought?  |  Was war der Moment, in dem dir klar wurde, dass du stärker bist, als du gedacht hast?

„CC BY-NC-SA“-Lizenz öffnet sich in einem neuen Tab: https://rueckzuginsprivate.de/cc-lizenzierung-cc-by-nc-sa/

„Aber wir lernen ja irgendwie nicht daraus.“

Der Artikel behandelt die Verbindung zwischen archaischen Männlichkeitsbildern und der Befürwortung von Kriegen, wie sie in einer aktuellen Studie festgestellt wurde. Der Soziologe Alexander Yendell erklärt, dass Gewalt im Namen eines maskulinen Männerbildes oft mit einer höheren Zustimmung zu militärischen Konflikten einhergeht. Dies wird auch durch die Äußerungen des US-Verteidigungsministers unterstrichen. Yendell warnt, dass die gegenwärtigen gesellschaftlichen Dynamiken und die Inszenierung von Männlichkeit durch politische Führer eine gefährliche Gewaltspirale auslösen können, aus der nur schwer auszubrechen ist.

hören:

Archaische Männerbilder als Kriegstreiber – Alexander Yendell, Soziologe
Schulz, Benedikt, Deutschlandfunk, Information und Musik

Gewaltfördernde Männlichkeitsbilder steigen mit Kriegsbereitschaft. Ein Wandel der Geschlechterrollen könnte Konflikte verringern.

~ Aggressive Männlichkeitsbilder fördern die Bereitschaft zum Krieg.

~ Autoritäre Männlichkeitsmodelle beeinflussen kriegerisches Verhalten.

~ Ein Wandel der Geschlechterrollen wird als Friedensfaktor gesehen.

~ Männlichkeit, Sexualität und Angst sind zentrale Themen in Kriegen.

~ Falsche Überzeugungen über Geschlechterrollen verstärken Konflikte.

~ Prävention durch Familienarbeit und emotionalen Zusammenhalt ist möglich.

Amerikanische Militärs setzen jedoch nach wie vor stark auf tradierte, maskuline Ideale. Eine aktuelle Studie mit über 1.000 Befragten in Großbritannien zeigt, dass Menschen, die Gewalt im Zusammenhang mit Männlichkeit befürworten, Krieg positiver sehen. Diese Vorstellungen sind historisch und aktuell eng mit Militarismus und Konflikten verbunden, wie das Beispiel Russlands und des Ukraine-Kriegs zeigt. Putin inszeniert sich hypermaskulin, wodurch der Krieg auch durch Geschlechterstereotype legitimiert wird.

Traditionelle Geschlechterbilder, die Männlichkeit mit Stärke, Dominanz und Sexualität verbinden, werden kaum hinterfragt, obwohl sie toxisch sind. Rechtspopulistische Bewegungen wie die AfD nutzen diese Vorstellungen gezielt, um Zustimmung zu gewinnen. In Gesellschaften mit gleichberechtigteren Rollen, wie in vielen Demokratien, sind aggressive Tendenzen weniger ausgeprägt. Falsche Rollenbilder können zu Vaterlosigkeit, Gewalt und Konflikten führen.

Eine Abkehr von aggressiven Männlichkeitsbildern könnte das Kriegsrisiko reduzieren. Wichtige Schritte wären gesellschaftlicher Wandel, mehr emotionaler Zusammenhalt und die Förderung von Gleichberechtigung. Aktuell sieht der Experte jedoch eine gefährliche Dynamik: Extreme Mächte inszenieren bewusst Stärke, was Konflikte verschärft. Die Hoffnung ruht auf langfristiger kultureller Veränderung, doch die aktuelle Lage bleibt besorgniserregend.

Um Kriege und Gewalt zu vermindern, ist die Überwindung archaischer Männlichkeitsbilder essenziell. Gesellschaftliche und familiäre Unterstützung kann dazu beitragen, diesen Wandel zu fördern und Konflikte nachhaltiger zu verhindern.

https://www.deutschlandfunk.de/archaische-maennerbilder-als-kriegstreiber-alexander-yendell-soziologe-100.html

Wie oft ich denke, ich hätte das alles verdient. | Citation.

» […] Jella … lässt ihr bisheriges Leben Revue passieren und fragt sich verzweifelt, wie es so weit kommen konnte. Sie schaut noch einmal genauer hin auf ihr Aufwachsen in der Lausitz, auf Mädchenfreundschaften und -ängste, sexuelles Erwachen, frustrierende Erfahrungen mit toxischer Männlichkeit. Wie viel demütigenden Sex mit Kleinstadt-Machos muss ein hübsches Mädchen über sich ergehen lassen, wie viele Blow-Jobs, die sie ekeln, um dazuzugehören? […] Erst im Rückblick kann sie eine Vergewaltigung durch einen gewissen Ansgar auch als solche beschreiben. Es war ja kein ekliger alter Mann im Park, sondern ihr Kumpel, der gutaussehende Ansgar. „Du machst doch jetzt aber kein Drama, oder?“ Ihr „Ich habe doch Nein gesagt“, hatte keine Bedeutung, für ihn gehörte das zum Vorspiel. […] Die Stärke dieses Buches liegt in der Intensität der Sprache, die mal poetisch, mal drastisch ist, un in den genauen Beschreibungen, die die Situation der traumatisierten Frau, die kein Opfer mehr sein will, nachvollziehbar machen. „Wie oft ich denke, ich hätte das alles verdient“, ist die bittere Bilanz noch nach Monaten. […] «

~ Barbara von Machui in EMMA Nr. 5 (382) September/Oktober 2025, Seite 71, Rezension zu Ruth-Maria Thomas‘ Buch „Die schönste Version“, Rowohlt, 24 EUR

https://www.emma.de/artikel/die-schoenste-version-341957 | Bezahlschranke