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Ein guter Mensch zu sein, bedeutet nicht, immer nett, selbstlos oder moralisch perfekt zu sein. Es bedeutet auch nicht, sich auszubeuten oder es allen recht machen zu wollen. Dazu gehören gesunde Grenzen, Selbstfürsorge und die Fähigkeit, „Nein“ zu sagen. Andernfalls kann „Gutsein“ schnell zu Unterwerfung oder Burnout führen.
Letztlich ist „ein guter Mensch“ weniger ein Zustand als ein Prozess: immer wieder versuchen, mit Klugheit und Mitgefühl das Richtige zu tun, Unrecht nicht zu ignorieren, die eigene Macht nicht zu missbrauchen und die Würde anderer – und die eigene – zu achten. In einer unvollkommenen Welt kann man nicht immer alles richtig machen. Aber man kann sich bemühen, ein Mensch zu sein, dem andere vertrauen können und der das Leid anderer nicht gleichgültig hinnimmt.
Ich bemühe mich, gerecht, mutig, ehrlich, maßvoll und mitfühlend zu sein.
Ich bemühe mich, mein Gegenüber würdevoll zu behandeln und seine/ihre Grenzen und Autonomie zu respektieren.
Ich bemühe mich, wohlwollend zu sein.
Ich bemühe mich, Verantwortung zu übernehmen (für mein eigenes Handeln, zu meinen Fehlern zu stehen, aber auch für Strukturen, die Unrecht ermöglichen), zuwendend und aufmerksam zu sein.
Ich bemühe mich, barmherzig und demütig zu sein (ich weiß, dass ich nicht weiß) und Verantwortung zu übernehmen.
Ich bemühe mich, ehrlich und integer zu sein, d. h. auch dann standhaft zu bleiben, wenn es unbequem wird.
»Und der Mensch heißt Mensch Weil er vergisst, Weil er verdrängt Und weil er schwärmt und stählt Weil er wärmt, wenn er erzählt
Und der Mensch heißt Mensch Weil er irrt und weil er kämpft Und weil er hofft und liebt, Weil er mitfühlt und vergibt
Und der Mensch heißt Mensch Weil er vergisst, Weil er verdrängt
Sein. Einfach nur sein. Bequem sitzen. In Stille. In ununterbrochener Stille. Gedanken. Ertragen. Die eigenen ungefilterten Gedanken ertragen. Ablenkung, Ohne Ablenkung. Ohne sofort nach einer Ablenkung zu suchen und zu greifen. Einsamkeit. Bewusste Einsamkeit.
Dem Gehirn den nötigen Raum geben, um komplexe Gefühle zu entwirren. Die Eindrücke des Tages zu verarbeiten. Unterscheiden, was mir tatsächlich wichtig ist und was mir von außen aufgedrückt wird.
Eine Stunde ohne digitale Stimulation. Ohne Bildschirm. Vielleicht einmal einen Tag lang?
Pausieren. Nicht reflexartig nach Beschäftigung suchen.
Einsamkeit bzw. Stille planen.
Ganz allein mit meinen eigenen Gedanken sein.
Aufhören auf das Leben zu reagieren. Stattdessen beginne ich, es aus einer mit mir verbundenen Haltung heraus aktiv zu gestalten.
Welche Fähigkeit fürs Leben wird deiner Meinung nach total unterschätzt?
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