🐚 euphorisch unglücklich lächelnd

Introvertierte wirken unglücklicher, weil sie weniger lächeln und weniger euphorisch sind.

~ 92 Eigenschaften von Introvertierten, introvertiert.org, https://www.introvertiert.org/92-eigenschaften-von-introvertierten

„Warum schaust du so ernst?“ Diese Frage wird mir oft gestellt. Lange wusste ich es selbst nicht. Heute antworte ich: „Ich bin introvertiert.” Ich bin oft in Gedanken. In mir. Dabei erschlaffen die Gesichtsmuskeln und die Physiognomie entspannt sich. Wenn ich mich in solchen Momenten ertappe und mich in der Öffentlichkeit oder in Gesellschaft befinde, ermahne ich mich, zu lächeln. Ich kann euphorisch sein, aber ich kann es nicht zeigen. Es tobt innerlich.

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🕮 still, still, still, …

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📅❓ „Ein Mann muss in seinem Leben einen Baum pflanzen, ein Haus bauen und einen Sohn zeugen.“

Dieser Satz war einer der vielen Glaubenssätze meines Vaters. Er glaubte nicht nur daran, sondern setzte sie auch in die Tat um.

Er begann von hinten und zeugte mich als Erstes. Das Ergebnis schien ihm nicht ganz zu gefallen, denn ich war ganz und gar nicht sein Ebenbild. Ein introvertiertes Kind trifft auf einen extravertiert lebenden Vater. Deshalb startete er fünf Jahre später einen neuen Versuch – und es gelang ihm, einen besser passenden Sohn zu zeugen. Rückblickend verstehe ich, dass dies die Kränkung meines Lebens war.

Dem Hausbau musste sich alles unterordnen. Fünfzehn Jahre lang hielt er die Familie knapp bei Kasse, sparte, wo er nur konnte, was mit Entbehrungen für die ganze Familie verbunden war. Was für Nachbarskinder selbstverständlich war, mussten wir uns hartnäckig erbetteln. Mitten in meiner Pubertät zogen wir in das neu gebaute Haus. Ich war entwurzelt und fühlte mich in diesem Haus wie ein Gast.

Das Haus hatte auch einen Garten. Hier konnte er endlich den dritten Teil seines Glaubenssatzes erfüllen. Der Baum wurde gepflanzt.

Ich dagegen wollte keine Kinder zeugen. Ich wollte auch nie ein Haus bauen oder kaufen, und das nicht, um des Preises des Sparens oder der hohen Kreditzinsen willen. Ich las Hoimar von Ditfurth: „So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen – es ist soweit.” Seine Hoffnung teile ich jedoch nicht. Also wollte ich auch keinen Baum pflanzen.

Stattdessen habe ich einen Sohn adoptiert, bin für ein Mädchen, das über die Jahre zur Frau geworden ist, der soziale Vater geworden und wurde Pflegevater eines Babys, das sechs Monate alt war und geblieben ist. Ich wohne gerne zur Miete in Häusern, Wohnungen und kleinen Appartements. Einmal musste ich ein renovierungsbedürftiges Häuschen kaufen, um Wohnungslosigkeit zu verhindern. Von dieser Last trennte ich mich nach neun Jahren. In dem gekauften Haus und den gemieteten Wohnungen pflanzte ich keine Bäume, sondern Bodendecker, um die vielen Gräber der Hunde und Katzen zu bedecken.

Über Gefühle wurde zu Hause nicht gesprochen, sie wurden nur selten gezeigt. Meist als Lachen, verlegen oder albern.

Ich dagegen spreche heute über meine Gefühle.

PS: Ich weiß übrigens, warum mein Vater so war, wie er war. Seine Eltern waren vom Ersten Weltkrieg geprägt, er wurde in den Zweiten hineingeboren. Da wird die Schale so hart, dass der weiche Kern nur noch manchmal durchblitzt. Da verdrängt man Gefühle, denn wenn man sie zuließe, würden sie einen überwältigen. Denn: „Ein Indianer kennt keinen Schmerz.” Schade, dass für ihn eine Psychotherapie keine Option war.

Tägliche Schreibanregung
Was machst du heute komplett anders, als du es von zu Hause aus gelernt hast?

What’s something you do completely differently from how you were raised?  |  Was machst du ganz anders als in deiner Kindheit?

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🐚 selbstbewusst

Introvertierte haben ein geringeres Selbstbewusstsein. Das ist jedoch nur eine indirekte Eigenschaft, die durch die negative Einstellung der Gesellschaft zur Introversion hervorgerufen wird.

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Nur zur Erinnerung: Selbstbewusstsein bedeutet wörtlich, dass man sich seiner selbst bewusst ist. Man kennt seine Stärken, Schwächen, Werte und Bedürfnisse. Man weiß beispielsweise sehr genau, in welchen Situationen man aufblüht, welche Werte einem wichtig sind und wann man sich lieber zurückzieht, um Energie zu tanken. Es ist eine klare, realistische und ungeschönte Sicht auf die eigene Persönlichkeit.

Introvertiert.org hat diese von Introvertierten selbst beschriebenen Eigenschaften 2013 veröffentlicht. Ich vermute, dass diese Eigenschaft umso weniger ausgeprägt ist, je jünger die oder der Introvertierte ist. Denn die negative Einstellung der Gesellschaft zur Introversion wurde im Laufe der Jahrzehnte schwächer. Ich hatte das Pech, Eltern zu haben, für die Introversion fast schon eine behandlungsbedürftige Krankheit darstellte. Das haben sie mir von klein auf vermittelt, sodass ich mich bereits als Kind unbewusst anpasste und lernte, mich extravertiert zu verhalten. Die Folge war ein ambivalentes Lebensgefühl, das Gefühl, irgendwie nicht richtig zu sein. Erst die Begegnung mit einer viel jüngeren, sehr selbstbewussten Introvertierten hat mir die Augen geöffnet, sodass ich heute meine starken introvertierten Anteile kenne und immer mehr auslebe.

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🐚 wachsend

Introvertierte wollen wachsen. Sie haben einen besonders starken Drang nach persönlichem Wachstum. Dieses erreichen sie vor allem durch Lesen und Reflexion – aber auch durch neue Erlebnisse in einem für sie erträglichen Umfang.

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Auch in dieser Eigenschaft erkannte ich mich plötzlich wieder. Ich möchte mich weiterentwickeln und nicht stehenbleiben. Ich will mich verändern, langsam und stetig. Und tatsächlich gelingt mir das, wenn ich über das Gelesene und über mich selbst nachdenke. Da mich Bilder stark ansprechen, sind es auch Filme, die mich wachsen lassen. Es sind weniger neue Erlebnisse, da diese viel Energie kosten und mich erschöpfen. Deshalb stimmt auch die Aussage mit dem „erträglichen Umfang”.

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🐚 unterbrechungsfrei

Introvertierte arbeiten gern ohne Unterbrechung. Da sie mit ihren Gedanken arbeiten, werden sie ungern unterbrochen. Im modernen Büroalltag ist das jedoch keine Selbstverständlichkeit und kann negativ wahrgenommen werden.

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Unterbrechungen der Arbeit werden im modernen Büroalltag negativ wahrgenommen. Vor allem von Introvertierten. (-: Ich konnte üben, mich nicht über Unterbrechungen zu ärgern. Für Arbeiten, die hohe Konzentration erforderten, gab es Rückzugsräume.

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📅❓ Freundlich widerstehen

Meine Nachricht an mein früheres Ich: Lieber Bernd, du bist in Ordnung, so wie du bist. Du bist introvertiert!

Es ist in Ordnung,

  • wenn du die Smalltalks beim Friseur nicht leiden kannst
  • dass du gut beobachten kannst
  • gewissenhaft, genau und ordnungsbewusst zu sein
  • zuverlässig zu sein, pünktlich zu sein, Schuldgefühle zu haben, wenn du andere Menschen in unangenehme Situationen gebracht hast
  • viel zu lesen anstatt draußen zu spielen
  • kenntnisreich zu sein
  • über alles lange nachzudenken
  • alles zu hinterfragen
  • mit anderen mitzufühlen, schäme dich nicht deiner eigenen Gefühle, auch Indianer kennen Schmerz und können weinen
  • andere zu verstehen
  • bescheiden zu sein
  • wenig zu reden und vor allem langsam, weil es gut ist, alles zu bedenken
  • deine Kreativität auszuleben
  • vorausschauen zu können, das ist kein Pessimismus, das ist eine Gabe
  • vieles zu planen
  • gut vorbereitet zu sein
  • vom Guten im Menschen auszugehen, doch: sei wachsam
  • nichts im Äußeren zu tun und dich im Inneren zu beschäftigen
  • geduldig und ausdauernd zu sein
  • vorsichtig zu sein und Risiken abzuwägen
  • nicht von Anderen abhängig zu sein und Zeit allein zu verbringen
  • offen für Neues zu bleiben
  • sich lange konzentrieren zu können
  • dich nicht für Statussymbole zu interessieren
  • ruhig zu sein
  • nachdenklich zu sein
  • Tagträumen nachzugehen
  • nur wenige Freund:innen zu haben, die wenigen wirst du lange haben
  • das Leben nicht leicht zu nehmen und ernsthaft zu sein
  • von Gefühlen überwältigt zu werden und sensibel zu sein
  • dich nur mit wenigen Menschen zu umgeben und eine Zeit lang allein zu sein
  • in die Natur zu gehen und dich an der Schöpfung zu erfreuen
  • nicht stundenlang einkaufen zu wollen
  • noch keine Freundin zu haben, wenn alle anderen eine haben
  • nicht zu jedem Thema etwas beitragen zu müssen
  • dich mit einer Sache unterbrechungsfrei beschäftigen zu können
  • nicht im Mittelpunkt stehen zu wollen
  • Kunst zu mögen
  • wenn andere dich aufgrund deiner Introversion auf den ersten Blick „mysteriös“ empfinden, der zweite Blick wird es korrigieren
  • dich zurückzuziehen, wenn du erschöpft bist
  • sehr direkt zu sein; übe, dich zu entschuldigen
  • nicht euphorisch zu sein; es darf in dir toben
  • gehemmt zu sein; sprich darüber
  • dich in großen Gruppen unwohl zu fühlen
  • überstimuliert zu sein und dich dann zurückzuziehen und dir Pausen zu gönnen
  • nicht vor anderen Menschen Reden zu halten
  • leise zu reden
  • Telefonieren zu meiden; schreibe, schreibe, schreibe
  • bei hitzigen Streits, mit den Extravertierten nicht mithalten zu können
  • kein Partylöwe zu sein und die Menschen mit Geschichten zu unterhalten
  • beim Sprechen Denkpausen einzulegen
  • dich auf Parties unwohl zu fühlen
  • Augenkontakt zu vermeiden
  • nicht spontan sein zu können, das lernst du im Laufe deines Lebens
  • nur wenig von dir preiszugeben, auch das lernst du
  • dich unwohl zu fühlen, wenn du neue Umgebungen betrittst oder fremde Menschen kennenlernst
  • dich unterlegen zu fühlen, wenn du auf Menschen mit viel mehr Erfahrung triffst, irgendwann wirst du der Erfahrene sein
  • Dinge nicht parallel sonder seriell zu erledigen
  • nervös zu werden, wenn du beobachtet wirst; sprich es an
  • dich schneller und heftiger zu verlieben, verliere dich nicht dabei
  • weniger zu lächeln als andere, Introvertierte lächeln nach innen
  • nicht aus sich herauszugehen, auch das wird sich mit der Zeit wandeln

Mama und Papa haben keine Worte für eine Introversion. Die Gesellschaft in deiner Kindheit und Jugend betrachtet Introversion als Makel. Sie ist aber eine Stärke. Höre nicht auf Mama und Papa, wenn sie dich verbiegen möchten. Passe dich nicht an. Sei freundlich widerständig.

Tägliche Schreibanregung
Wenn du eine Zeitmaschine hättest und deinem früheren Ich nur eine einzige Nachricht schicken könntest: Was würdest du schreiben?

If you had a time machine and could send just one message to your past self, what would it say?  |  Wenn du eine Zeitmaschine hättest und deinem früheren Ich nur eine einzige Nachricht schicken könntest, wie würde diese lauten?

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🐚 ruhig

Introvertierte sind ruhig. Was in turbulenten Zeiten Sicherheit gibt, löst in anderen Situationen weniger Begeisterung aus.

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In hektischen, stressigen oder unübersichtlichen Momenten behalte ich oft meine äußere Ruhe. Ich beobachte, analysiere und denke nach, bevor ich handle. Dafür erfahre ich Wertschätzung.

In entspannteren, geselligen oder leistungsorientierten Momenten wird genau diese Ruhe jedoch plötzlich negativ ausgelegt. Sie wird oft fälschlicherweise als Desinteresse, Schüchternheit, Arroganz oder mangelnde Initiative ausgelegt. Dafür erfahre ich Geringschätzung.

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🐚 gewissenhaft

Introvertierte sind sehr gewissenhaft und verantwortungsbewusst. Ihnen ist wichtig, eine Aufgabe korrekt zu erledigen und Fehler zu vermeiden.

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Yep! Gewissenhaftigkeit. Verantwortungsbewusstsein. Korrektheit. Fehlervermeidung. Nie perfekt. Eine gewisse Unschärfe bleibt.

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🐚 seltsam

Introvertierte wirken seltsam, weil man wenig über sie weiß.

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seltsam, Adjektiv:

Bedeutungen: nicht normal; merkwürdig, sonderbar

Synonyme: absonderlich, befremdlich, bizarr, eigenartig, eigentümlich, komisch, kurios, merkwürdig, skurril, sonderbar, spinnert, ungewöhnlich, wunderlich

Kann sein, muss es aber nicht.

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