Dieser Satz war einer der vielen Glaubenssätze meines Vaters. Er glaubte nicht nur daran, sondern setzte sie auch in die Tat um.
Er begann von hinten und zeugte mich als Erstes. Das Ergebnis schien ihm nicht ganz zu gefallen, denn ich war ganz und gar nicht sein Ebenbild. Ein introvertiertes Kind trifft auf einen extravertiert lebenden Vater. Deshalb startete er fünf Jahre später einen neuen Versuch – und es gelang ihm, einen besser passenden Sohn zu zeugen. Rückblickend verstehe ich, dass dies die Kränkung meines Lebens war.
Dem Hausbau musste sich alles unterordnen. Fünfzehn Jahre lang hielt er die Familie knapp bei Kasse, sparte, wo er nur konnte, was mit Entbehrungen für die ganze Familie verbunden war. Was für Nachbarskinder selbstverständlich war, mussten wir uns hartnäckig erbetteln. Mitten in meiner Pubertät zogen wir in das neu gebaute Haus. Ich war entwurzelt und fühlte mich in diesem Haus wie ein Gast.
Das Haus hatte auch einen Garten. Hier konnte er endlich den dritten Teil seines Glaubenssatzes erfüllen. Der Baum wurde gepflanzt.
Ich dagegen wollte keine Kinder zeugen. Ich wollte auch nie ein Haus bauen oder kaufen, und das nicht, um des Preises des Sparens oder der hohen Kreditzinsen willen. Ich las Hoimar von Ditfurth: „So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen – es ist soweit.” Seine Hoffnung teile ich jedoch nicht. Also wollte ich auch keinen Baum pflanzen.
Stattdessen habe ich einen Sohn adoptiert, bin für ein Mädchen, das über die Jahre zur Frau geworden ist, der soziale Vater geworden und wurde Pflegevater eines Babys, das sechs Monate alt war und geblieben ist. Ich wohne gerne zur Miete in Häusern, Wohnungen und kleinen Appartements. Einmal musste ich ein renovierungsbedürftiges Häuschen kaufen, um Wohnungslosigkeit zu verhindern. Von dieser Last trennte ich mich nach neun Jahren. In dem gekauften Haus und den gemieteten Wohnungen pflanzte ich keine Bäume, sondern Bodendecker, um die vielen Gräber der Hunde und Katzen zu bedecken.
Über Gefühle wurde zu Hause nicht gesprochen, sie wurden nur selten gezeigt. Meist als Lachen, verlegen oder albern.
Ich dagegen spreche heute über meine Gefühle.
PS: Ich weiß übrigens, warum mein Vater so war, wie er war. Seine Eltern waren vom Ersten Weltkrieg geprägt, er wurde in den Zweiten hineingeboren. Da wird die Schale so hart, dass der weiche Kern nur noch manchmal durchblitzt. Da verdrängt man Gefühle, denn wenn man sie zuließe, würden sie einen überwältigen. Denn: „Ein Indianer kennt keinen Schmerz.” Schade, dass für ihn eine Psychotherapie keine Option war.
What’s something you do completely differently from how you were raised? | Was machst du ganz anders als in deiner Kindheit?
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