Introvertierte sind weniger materialistisch. Sie wenden sich eher ihrem Innenleben zu als externen Dingen. Daher sind ihnen Statussymbole weniger wichtig.
So ist es. Statussymbole interessieren mich überhaupt nicht. Externe Dinge müssen funktionieren und technisch oder materialmäßig gut sein. Wenn ein von der Allgemeinheit als Statussymbol betrachtetes Ding hervorragend funktioniert und sich in meinem Besitz befindet, ist es mir sogar unangenehm.
Introvertierte sind die besseren Zuhörer. Sie mögen tief gehende Gespräche und diskutieren gerne die Probleme von anderen Menschen. Sie sind weniger darauf aus, selbst zu Wort zu kommen, sondern hören einfach zu.
Es stimmt schon, dass ich gerne zuhöre, tiefgehende Gespräche mag und lieber die Probleme anderer Menschen diskutiere als meine eigenen. Andererseits bin ich auch sehr redselig.
Mein Verhältnis zu Telefonen ist eher neutral. (-; Aber es stimmt, dass ich Jahrzehnte lang keine Telefonate mochte. In Briefen und E-Mails fühlte ich mich hingegen wohl. Mittlerweile stehen Sprechen und Schreiben gleichwertig nebeneinander. Was ich jedoch nicht abgelegt habe und auch nicht ablegen möchte, ist meine Abneigung gegen Kaltbesuche an der Haustür oder Anrufe von unbekannten oder unterdrückten Telefonnummern. Die Haustür bleibt zu, ich stelle mich tot, und solche Anrufe landen auf dem Anrufbeantworter. Vielleicht rufe ich zurück.
Ich habe nie das Feedback bekommen, dass ich unsozial sei oder wirke. Im Gegenteil.
Grundsätzlich bin ich ein geselliger Mensch. Das habe ich bereits in der Kindheit verinnerlicht, weil meine Eltern und meine Umwelt mir signalisiert haben, dass meine introvertierten Eigenschaften falsch sind (das Wort „introvertiert“ ist dabei damals nie gefallen). Ich wurde für extravertiertes Verhalten gelobt. Dadurch war ich unter Leuten, mehr als mir gut tat.
Heute achte ich darauf, dass die sogenannte Me-Time mit der geselligen Zeit für mich ausgeglichen ist.
Ich bezeichne mich weder als Anführer noch als Mitläufer.
Ein Anführer ist eine Person, die eine Gruppe oder Organisation durch eine klare Vision leitet und dabei als inspirierendes Vorbild agiert, statt sich nur auf formale Befehlsgewalt zu stützen. Er gewinnt das Vertrauen seiner Mitmenschen, um gemeinsam Ziele zu erreichen und die individuellen Potenziale der Teammitglieder gezielt zu fördern. Dabei trägt er die zentrale Verantwortung für die strategische Ausrichtung sowie den Zusammenhalt der Gemeinschaft.
Ein Mitläufer hingegen schließt sich einer Gruppe oder Bewegung an, ohne eine aktive Führungsrolle zu übernehmen oder eigene kritische Standpunkte deutlich zu vertreten. Meist treibt ihn der Wunsch nach Sicherheit und Zugehörigkeit dazu, sich passiv der Mehrheitsmeinung anzupassen. Er trägt die kollektiven Ziele zwar mit, scheut jedoch die individuelle Verantwortung für die daraus resultierenden Konsequenzen.
Ein Mitläufer bin ich nicht. Es gibt nur wenige Gruppen oder Bewegungen, denen ich mich anschließe, meistens auch nur vorübergehend. Wenn es sich ergibt, bin ich bereit, zeitweise eine aktive Führungsrolle zu übernehmen. Kritische Standpunkte vertrete ich deutlich. Weicht die Mehrheitsmeinung fundamental von meiner Meinung ab, halte ich Distanz zur Gruppe oder Bewegung. Als Verantwortungsethiker übernehme ich selbstverständlich die individuelle Verantwortung für die Konsequenzen meiner Mitgliedschaft.
Ein Anführer bin ich jedoch nicht, da mich diese Rolle als zutiefst introvertierter Mensch überfordern und ungesund stressen würde. Für einen überschaubaren Zeitraum bin ich jedoch bereit, eine Führungsrolle zu übernehmen. Gerne unterstütze ich selbstlos Anführer, deren Ziele, Werte und Verhalten ich gutheiße.
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Es ist eine Freude, Ideen zu entwickeln und andere dazu zu ermutigen, ihre Ideen tatsächlich umzusetzen.
„Versuch macht klug.”, und man sollte darauf vorbereitet sein, dass die Umsetzung von Ideen auch scheitern kann.
Ich kann die Vorschläge meiner Mitmenschen gut nachvollziehen und helfe dabei, den Blickwinkel darauf zu erweitern. Im Beruf wurden zuletzt die Findung von Ideen und Lösungsvorschlägen zunehmend outgesourct. Leider merkte man der Umsetzung dann die fehlende Expertise der Praktikerinnen und Praktiker an.
Generell würde ich gerne mehr über neue Ideen und Lösungsvorschläge diskutieren.
Bis 2019 war mir meine Introvertiertheit nicht bewusst. Ich sah die damit verbundenen Eigenschaften negativ, sodass ich mich extravertiert verhielt. Trotzdem konnte ich nur wenig von mir preisgeben und spürte die dadurch entstehende Distanz. Seitdem ich mir meiner Introversion bewusst bin und sie auslebe, hat sich das gewandelt und ich bin nun freigiebiger. Dennoch merke ich, dass ich weiterhin distanziert wirke, vermutlich, weil ich mich mit so etwas wie einer Firewall schütze.
Zeit mit mir allein habe ich schon immer gern verbracht und ich fühle mich im Gleichgewicht zwischen Alleinsein und unter Menschen sein.
Es stimmt, dass ich nicht gerne im Mittelpunkt stehe. Zu der Zeit, als meine Introversion noch keinen Namen hatte und ich introvertiertes Verhalten ablehnte, überspielte ich Situationen, in denen ich in den Mittelpunkt gerückt wurde, indem ich ein selbstsicheres Auftreten vortäuschte. Heute lehne ich jegliche Anforderung ab, bei der ich im Mittelpunkt stehen müsste. Wenn es jedoch plötzlich und unerwartet geschieht, kann ich es.
Grundsätzlich nehme ich mich auch als bescheiden wahr. Mit zunehmendem Alter erkenne ich jedoch Situationen, in denen falsche Bescheidenheit unangebracht ist.
Da ich großes Drama liebe, neige ich dagegen zu Übertreibungen.
Während die anderen Besprechungsteilnehmer bereits den nächsten Tagesordnungspunkt behandelten, hob ich die Hand und sagte: „Ich muss noch einmal auf den vorhergehenden Tagesordnungspunkt zurückkommen.“ Dann stellte ich eine Frage oder entwickelte eine These, über die anschließend eine halbe Stunde lang diskutiert wurde. Beim ersten Mal rollten die Extravertierten noch mit den Augen, doch ab dem zweiten Mal wussten sie, dass meine späte Intervention die Diskussion bereichern würde. Oft gelang es mir auch, weitschweifige Diskussionen in wenigen Worten treffend zusammenzufassen.
Die Betonung liegt auf „proaktiv”. Passive Mitarbeiter trieben mich zur Verzweiflung. Meiner Erfahrung und Beobachtung nach gibt es nur Teams, die sich aus proaktiven und passiven Mitarbeitern zusammensetzen. Bei der Auswahl der Führungskräfte und Teams waren diese Persönlichkeitsdimensionen jedoch kein Kriterium.