Es gäbe viele Maßnahmen, mit denen sich die Stadt, in der ich wohne, sofort verbessern ließe.
Eine wäre, die Kernstadt zur Tempo-30-Zone zu erklären. Noch besser wäre es, jede Straße in der Kernstadt zur Fahrradstraße zu erklären. Eine daraus folgende Maßnahme wäre, Fahrradfahrer:innen von den Gehwegen zu verbannen.
Als Ausgleich für die immer häufiger stattfindenden verkaufsoffenen Sonntage müsste für jeden verkaufsoffenen Sonntag ein anderer Sonntag zum autofreien Sonntag erklärt werden.
An Ampeln sollten Fußgänger:innen längere und schnellere Grünphasen erhalten.
Auf zweispurigen Einbahnstraßen oder vierspurigen Straßen sollte eine Spur ausschließlich für den öffentlichen Personennahverkehr reserviert sein. Busse sollten eine eigene Ampel mit Vorrang vor allen anderen Verkehrsteilnehmern bekommen.
Der ruhende und fließende Verkehr sollte engmaschiger kontrolliert werden, um Regelverstöße konsequent ahnden zu können.
Unnötige Asphaltflächen ohne echte Funktion können zügig aufgebrochen und mit schnell wachsenden, insektenfreundlichen Wildblumenmischungen eingesät werden.
Tägliche Schreibanregung
Was ist eine Sache, die deine Stadt sofort besser machen würde?
Das Konzept der „klimagerechten Stadt“ vereint die drei entscheidenden Faktoren Klimaschutz, Klimaanpassung – beispielsweise in Form von Abkühlung und Regenwasseraufnahme durch Pflanzen – und Gerechtigkeit, also eine faire Versorgung aller Stadtquartiere mit ausreichenden Grünflächen.
Zentrale Lösungsansätze: Eine Mobilitätswende ist der Schlüssel, denn der Platz in Städten ist knapp und stark umkämpft. Um den dringend benötigten Raum für neue Grünflächen zu schaffen, muss der ruhende Verkehr (Parkplätze für Autos) zugunsten des Fahrrad- und Nahverkehrs reduziert werden.
Intelligente Nachverdichtung: Anstatt bestehende Gebäude abzureißen und neu zu bauen, ist es ökologisch sinnvoller, diese zu sanieren und aufzustocken. Gelingt es gleichzeitig, versiegelte Flächen wie Innenhöfe aufzubrechen und Gebäude zu begrünen (Dach und Fassade), entsteht trotz Nachverdichtung mehr Naturraum.
Klimamanagement in Kommunen: Eigene Klimamanager:innen in den Verwaltungen treiben das Thema stark voran – besonders dann, wenn sie als Stabsstellen weit oben in der Hierarchie angesiedelt sind. Die Hürde: Diese Stellen sind oft nur befristet finanziert.
Hürden in der deutschen Stadtplanung
Im Vergleich zu Städten wie Paris oder Kopenhagen hinkt Deutschland bei der Umsetzung hinterher. Ein Hauptgrund dafür sind die starren, komplexen und sehr langwierigen Planungsprozesse. Klimaschutz und -anpassung müssen zwingend von Beginn an in Bauvorhaben integriert werden. Wenn die rechtlichen Abstimmungen bereits laufen, ist es fast unmöglich, Planungen nachträglich noch klimagerechter umzugestalten.
Die Vision für die Zukunft: die 3-30-300-Regel.
Simone Linke nennt eine einfache Faustregel als Idealbild für die Stadt der Zukunft:
Man sollte mindestens drei Bäume sehen, wenn man aus dem eigenen Fenster schaut.
30 Prozent der Stadtfläche sollten von Baumkronen überdeckt sein, um im Sommer kühle Wege zu schaffen.
Die maximale Entfernung zur nächsten öffentlichen Grünfläche sollte 300 Meter betragen.
Aus dem Interview „Stadtplanung – Wie gelingt die klimagerechte Zukunft? Simone Linke, Stadtpl.HSWT“ der Deutschlandfunk-Sendung „Information und Musik“ vom –14.06.2026-.
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