📅❓ Alles wird sich fügen. Aber nicht von selbst.

Vom 23.06.2026 bis heute hat sich der beste Rat, den ich jemandem geben würde, der jünger ist als ich, nicht verändert.

„Damals“ schrieb ich: „Du kannst darauf vertrauen, dass sich alles fügen wird.“ Das ist der „beste” Ratschlag, den ich jemandem geben würde, der jünger ist als ich.

Damit meine ich jedoch kein passives Vertrauen. Wenn man sich hinsetzt, die Hände in den Schoß legt und darauf vertraut, dass sich alles fügen wird, wird sich vermutlich nichts fügen.

Dieses Fügen bedeutet auch nicht, dass alle Träume, Wünsche und Hoffnungen in Erfüllung gehen, sondern dass rückblickend alles einen Sinn ergibt.

Viele Umwege und Sackgassen im Leben sind oft von Nutzen, um letztendlich den eigenen Weg und Lebenszufriedenheit zu finden. Manchmal – ich übertreibe jetzt – „muss” man durch die Hölle gehen, um das Paradies zu erreichen. Manchmal muss man die Fremdbestimmtheit überwinden, um selbstbestimmt durchs Leben gehen zu können. Manchmal muss man durch den Schmerz hindurchgehen, um Schmerzfreiheit genießen zu können.

Man muss nichts, man kann, wenn man will.

Tägliche Schreibanregung
Was ist der beste Rat, den du jemandem geben würdest, der jünger ist als du?

What’s the best advice you’d give to someone younger than you?  |  Was ist der beste Rat, den du jemandem geben würdest, der jünger ist als du?

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📅❓ Wer die Wahl hat, hat die Qual.

Wenn ich ein Jahr meines Lebens noch einmal erleben könnte, wäre es nicht das Jahr, in dem ich etwas besonders Schönes erlebt habe, um das Schöne noch einmal zu erleben. Und es wäre auch nicht das Jahr, in dem ich etwas besonders Fieses erlebt habe, um das Fiese vielleicht verhindern oder umgehen zu können.

Nein, ich würde mich für ein Jahr entscheiden, in dem die Weichen für mein zukünftiges Leben gestellt wurden. Natürlich mit dem Erfahrungsschatz von heute.

Vielleicht wäre es das Jahr, in dem ich die Wahl hatte, vom fünften Schuljahr der Hauptschule aufs Gymnasium zu wechseln. Ich hatte mich damals fürs Gymnasium entschieden. Heute würde ich mich vermutlich für den Verbleib auf der Hauptschule entscheiden und nach der Hauptschule zur Mittleren Reife oder zum Abitur weiterlernen.

Vielleicht wäre es das Lebensjahr, in dem ich die Wahl gehabt hätte, nach der Mittleren Reife die Oberstufe hin zum Abitur zu durchlaufen. Mein ganzes Umfeld wollte, dass ich eine Ausbildung mache: Meine Eltern, weil sie mich während eines Studiums nicht finanziell unterstützen wollten und lieber sofort Kostgeld kassieren wollten, und die Schule, weil sie aus allen Nähten platzte. Damals hatte ich noch nicht das Bewusstsein und auch nicht das Rückgrat, um anders zu entscheiden.

Vielleicht wäre es das Lebensjahr, in dem ich mich von meiner langjährigen Liebsten trennte. Ich tat es zugunsten einer neuen Liebe.

Vielleicht wäre es das Jahr, in dem ich einer Frau begegnete, einer temporären Kollegin, in die ich mich hoffnungslos und limerent verliebte. Sie sprach klar aus, dass sie meine Liebe nicht erwidern würde. Danach chatteten wir drei Monate lang jeden späten Abend und während der Arbeit per E-Mail. Was sie mir verschwieg, war, dass ihre Hochzeit unmittelbar bevorstand. Ich erfuhr es von Dritten, nachdem sie den Kontakt vor ihrer Hochzeit abrupt abbrach. Einer meiner Werte war und ist, mich nicht in bestehende Beziehungen zu drängen – egal, wie stark meine Gefühle sind. Mit dem Wissen von heute hätte ich Distanz zu ihr gehalten. Es hätte mir eine lange Zeit der Trauer erspart. Es hatte auch etwas Gutes. Durch diese Begegnung war ich plötzlich mit meinen Gefühlen verbunden.

Ich möchte kein Jahr meines Lebens noch einmal erleben. In der Quintessenz ist es gut, wie es war.

Tägliche Schreibanregung
Wenn du ein Jahr deines Lebens noch einmal erleben könntest – welches wäre das?

If you could relive one year of your life, which one would it be?  |  Wenn du ein Jahr deines Lebens noch einmal erleben könntest, welches wäre das?

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📅❓ Selbstwirksamkeit durch Grenzüberschreitung

Das Risiko ist die eingeschätzte Wahrscheinlichkeit einer Gefahr. Gefahr bezeichnet die Möglichkeit, dass ein Schaden oder eine Verletzung entsteht. Einschätzen bedeutet, etwas nach den persönlichen Erfahrungen zu beurteilen.

Ich bin unbewusst Risikos eingegangen, deren Gefährlichkeit mir erst im Nachhinein so richtig bewusst wurde. Ich bin auch Risiken eingegangen, die im schlimmsten Fall einen geringen Schaden oder eine leichte Verletzung nach sich hätten ziehen können. Doch das ist mehr oder weniger alltäglich. Ich beziehe den Daily Prompt auf die Frage nach einem schweren Schaden oder einer schweren Verletzung.

Meine Risikobereitschaft ist gering. Bislang hatte ich das Glück, keine Entscheidungen treffen zu müssen, die ein hohes Risiko in sich bargen. Ein solches Risiko würde ich nur eingehen wollen, wenn der Schaden oder die Verletzung nur mich selbst beträfe. Andere würde ich nicht hineinziehen wollen. Es sei denn, das Risiko einzugehen wäre existenziell.

Vor 1946 mussten die Menschen in Europa eher solche Risiken eingehen. Unzählige Menschen und Familien haben das Risiko, in Deutschland zu bleiben statt zu emigrieren, mit ihrem Leben bezahlt. Mit dem Leben, das ihnen noch geblieben war. Zuvor hatte man ihnen Hab und Gut, die Existenz und die Würde genommen.

Die Ernsthaftigkeit, mit der das heutige Wahlvolk seine Politikerinnen und Politiker Deutschland von der Wehr- zur Kriegstüchtigkeit führt, wird mir wohl kurzfristig die Entscheidung abnötigen, ein großes Risiko einzugehen.

Als ich etwa zwölf Jahre alt war, bin ich das Risiko eingegangen, beim Klauen erwischt zu werden. Es waren Mutproben. Wir haben Colaflaschen aus Getränkelieferwagen gestohlen. Wir sind in die Spielzeugabteilung eines Kaufhauses gegangen und haben aus einer großen Verkaufsfläche voller Matchbox-Autos Autos geklaut. Wir wurden nicht erwischt. Heute vermute ich, dass die Verkäuferin bewusst weggesehen hat. Danach hatte ich ein schlechtes Gewissen. Bereut habe ich es jedoch nicht. Es war eine wichtige Erfahrung in Bezug auf Selbstwirksamkeit.

Täglicher Schreibanreiz
Beschreibe ein Risiko, das du eingegangen bist, ohne es im Nachhinein zu bereuen.

Describe a risk you took that you do not regret.  |  Beschreibe ein Risiko, das du eingegangen bist und das du nicht bereust.

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