📅❓ @home

Ich war 15 Jahre lang oft auf Dienstreise und habe dabei einige Städte „kennengelernt”. Als ich mit dem Zug in Frankfurt am Main ankam und aus dem Bahnhof auf den Vorplatz trat, schlug mir eine Welle aus Lärm, Hektik und negativen Emotionen entgegen. Mir war sofort klar: Hier will ich nicht lange bleiben. Ähnlich geht es mir bei meinen Besuchen in Köln.

Als ich hingegen in Stuttgart ankam, schlug mir eine Welle der relativen Ruhe, der Unaufgeregtheit und der Gastfreundschaft entgegen. Hier fühlte ich mich sofort wohl. Und der Zufall wollte es, dass ich viele Jahre später nach Stuttgart reisen durfte und mein Eindruck verfestigte sich. Bedenke ich die Höhe der Mieten nicht, würde ich bedenkenlos nach Stuttgart ziehen.

Da wären auch noch die beiden Inseln Wangerooge und Langeoog, auf denen ich mich immer sehr wohlfühlte. Den Auszubildenden „meiner” Krankenkasse fiel es damals zu, Kinder auf dem Weg mit dem Zug zur Kur nach Langeoog zu begleiten. Zwei Auszubildende und mehrere Kinder. Heute ist so etwas aus gutem Grund unvorstellbar. Es war meine erste Begegnung mit der Insel. Ich fühlte mich so wohl, dass ich mich zum Lernen für meine zweite Verwaltungsprüfung dorthin zurückzog.

Die Eltern meiner damaligen Liebsten besaßen eine Wohnung auf Wangerooge. Das nutzten wir gerne aus, um dort beispielsweise verlängerte Wochenenden zu verbringen. Auch dort fühlte ich mich wie zu Hause.

Und in Bremen. Dort wohnte meine ehemalige Schwiegermutter, die wir oft besuchten. Diese kleine Großstadt ist genauso liebenswert wie Stuttgart für mich. Keine Reise in den Norden ohne einmal durch die Bremer Innenstadt zu spazieren, den Schnoor und den Bürgerpark zu besuchen.

Nur da, wo ich wohne, bin ich nicht zu Hause.

Tägliche Schreibanregung
Welcher Ort, den du besucht hast, hat sich wie Zuhause angefühlt?

What’s a place you visited that felt like home?  |  An welchem Ort, den du besucht hast, hast du dich wie zu Hause gefühlt?

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📅❓ Detektieren.

Da ich vor Kurzem kein neues Hobby für mich entdeckt habe, kann ich weder davon erzählen noch davon berichten, wie ich darauf gekommen bin.

Beim Nachdenken über die heutige Schreibanregung fiel mir jedoch ein Hobby ein, über das die BBC eine Serie in drei Staffeln produziert hat: das Detektieren.

Es handelt sich um die Serie „Detectorists”.

Wenn man die Handlung auf das Hobby des Sondengehens reduziert, liest sie sich wie eine fortlaufende, methodische archäologische Schatzsuche im ländlichen Essex.

Das Herzstück der Serie ist das titelgebende Duo, die beiden befreundeten Sondengänger Andy (Mackenzie Crook) und Lance (Toby Jones). Die Chemie der beiden Schauspieler passt perfekt.

Obwohl es vordergründig nur um ein paar Männer geht, die auf Äckern nach rostigem Schrott und römischen Münzen suchen (es gibt auch noch konkurrierende Sondengänger), geht es in „The Detectorists“ eigentlich um viel mehr. Die Serie fängt Themen wie männliche Freundschaft, Einsamkeit, die Liebe zur Natur und die Suche nach dem eigenen Platz im Leben wunderschön ein.

Auch die Nebenfiguren aus dem lokalen Sondengänger-Verein werden liebevoll und augenzwinkernd gefeiert. Sie werden nie als reine Witzfiguren oder tumbe Nerds bloßgestellt, sondern als echte, tiefgründige Menschen mit all ihren alltäglichen Sorgen, Macken und Leidenschaften gezeichnet.

Das Drehbuch von Mackenzie Crook, der auch Regie führt und die Hauptrolle spielt, ist brillant. Der Humor ist trocken, subtil und extrem pointiert, kommt aber völlig ohne eingespielte Lacher aus. Die Serie glänzt durch clevere, schlagfertige Dialoge und fantastische, kurze, pointierte Bemerkungen, ohne dabei jemals in platten Klamauk abzurutschen. Meisterhaft pendelt sie zwischen leiser Komik, trockenem Humor und berührender Tragik.

Das Sondengehen bildet die Klammer um tragische, komische und tragikkomische Geschichten aus einer britischen Kleinstadt und ihren Bewohner:innen. Liebe, Freundschaft, Familien und deren Zusammenführung, Loyalität, Pubbesuche und Vereinsmeierei sind die noch viel interessanteren Nebenschauplätze.

„Detectorists“ ist ein echtes Juwel der britischen Fernsehlandschaft. Wer sich auf das ruhige Tempo („Slow Burn“) einlässt, wird mit einer der besten, lustigsten und herzlichsten Comedy-Drama-Serien der letzten Jahre belohnt.

Britischer Humor und Situationskomik vom Feinsten.

Die Serie sollte im Originalton angeschaut und gehört werden, denn keine Synchronisation kann den originalen Tonfall ersetzen. Die Serie ist untertitelt.

Tägliche Schreibanregung
Erzähl von einem Hobby, das du dir erst kürzlich angeeignet hast – wie bist du dazu gekommen?

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