🎙 Wie sich unser Blick auf Flucht und Migration verändert hat

In diesem Gespräch geht es um die Situation von Migranten in Ceuta, einer spanischen Enklave, sowie um die Reaktionen Europas auf die Flüchtlingskrise. Der Philosoph Daniel Loick äußert sich besorgt über die abnehmende Solidarität und den zunehmenden Rassismus in der Gesellschaft. Er stellt fest, dass die politische Reaktion auf die Flüchtlingskrise vor allem auf Abschottung und Rückführungen setzt, während Menschlichkeit und Mitgefühl oft in den Hintergrund gedrängt werden.

Ich glaube, wir sind zunächst einmal als Menschen, einfach als menschliche Lebewesen, empathische Lebewesen.

Also das ist zentral für unsere schon frühkindliche Sozialisation, dass es diese Fähigkeit gibt, Anteil zu nehmen am Schicksal von anderen.

Erst die Empathielosigkeit ist etwas, das wir uns antrainieren müssen. Also wir müssen uns die Empathie sozusagen abgewöhnen.

Und das passiert, glaube ich, durch bestimmte politische Strategien und Bilder, Sprachen, Kommunikationen, dass dann eben dieser ursprüngliche empathische Impuls abgetötet wird oder kanalisiert wird, gelenkt wird, sodass er dann eben selektiver wird.

~ Daniel Loick (* 1977), deutscher Philosoph und Sozialwissenschaftler. Er ist Associate Professor für Politische Philosophie und Sozialphilosophie an der Universität Amsterdam.

Loick vergleicht die aktuelle Situation mit der großen Flüchtlingskrise von 2015, als viele Menschen bereit waren, Flüchtlinge zu unterstützen. Heute sei die Empathie selektiver geworden und richte sich oft nur noch an bestimmte Gruppen von Migranten. Dies sei teilweise auf rassistische Einstellungen zurückzuführen.

Loick argumentiert, dass Empathie nicht nur ein Gefühl ist, sondern auch in politisches Handeln übersetzt werden muss. Wichtig sei es, Menschen als Träger von Rechten und nicht nur als Empfänger von Hilfe zu sehen. Loick fordert deshalb die Schaffung gesellschaftlicher Strukturen, die es ermöglichen, Empathie in politisches Handeln umzusetzen, um eine offene und solidarische Gesellschaft zu fördern.


Aus dem Interview „Migranten in Ceuta – Philosoph: Europa erlebt eine „Krise der Solidarität““ der Deutschlandfunk-Sendung „Information und Musik“ vom –16.08.2026-.


Interview in neuem Tab hören: https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2026/08/16/empathie_u_handlungsdruck_im_umgang_mit_migranten_daniel_dlf_20260816_0737_874c86bd.mp3

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📰 Rückkehr der Geheimpolizei? Die schleichende Abschaffung des Rechtsstaats: Die riskante Geheimdienstreform der Bundesregierung

In dieser Kolumne von Heinrich Schmitz geht es um eine von Innenminister Alexander Dobrindt vorgeschlagene Reform der deutschen Geheimdienste. Durch diese Reform könnten die Geheimdienste mehr Macht erhalten und nicht nur Informationen sammeln, sondern auch aktiv eingreifen. Der Autor warnt, dass diese Veränderungen gefährlich sein könnten, da sie an die dunkle Geschichte Deutschlands erinnern – insbesondere an die Gestapo, die während des Nationalsozialismus für Überwachung und Verfolgung verantwortlich war.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Deutschland eine klare Trennung zwischen Polizei und Geheimdiensten eingeführt, um zu verhindern, dass eine einzige Behörde zu viel Macht erhält. Der Artikel betont, wie wichtig diese Trennung ist, da sie sicherstellt, dass die Geheimdienste lediglich beobachten und nicht eingreifen, während die Polizei für die Durchsetzung von Gesetzen zuständig ist.

Schmitz betont, dass es zwar notwendig ist, die Sicherheitsbehörden an neue Bedrohungen anzupassen, man aber auch vorsichtig sein muss, wie viel Kontrolle man aufgibt. Er warnt, dass eine Demokratie oft schleichend ihre Freiheiten verliert, ohne dass es einen großen Aufschrei gibt. Die zentrale Frage bleibt, wie viel Sicherheit man bereit ist, auf Kosten von Freiheit und Kontrolle aufzugeben.

thecolumnists.org | Die Geheimpolizei kommt zurück. Oder auch nicht. | von Heinrich Schmitz | am 15.08.2026 | hier: https://thecolumnists.org/2026/08/15/die-geheimpolizei-ist-zurueck/

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📰 Innestemme: Das Geheimnis der ruhigen Restaurants in Norwegen

In Norwegen lernen Kinder im Kindergarten, ihre Lautstärke der Umgebung anzupassen. Sie unterscheiden dabei zwischen der „Innenstimme“ für drinnen und der „Außenstimme“ für draußen. Dieses Konzept hilft ihnen, in ruhigen Umgebungen leise zu sein, was in der Gesellschaft sehr geschätzt wird. Eine Psychologin erklärt, dass es wichtig ist, leise zu sein, um Stress zu vermeiden.

In Norwegen gibt es spezielle Rituale, die den Kindern zeigen, wann sie leise sein sollen. Ein Beispiel ist das Ablegen der Jacken im Garderobenraum. So gewöhnen sich die Kinder an die ruhigere Atmosphäre drinnen.

In Deutschland ist es hingegen schwieriger, dieses ruhige Verhalten zu fördern. Der Personalmangel in Kitas führt oft zu chaotischen Situationen, in denen Kinder laut werden, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Eine gute Betreuung erkennt die Bedürfnisse der Kinder und schafft eine angenehme Umgebung, in der sie sich wohlfühlen.

Frankfurter Rundschau | „Unmöglich“: Was norwegische Kita-Kinder können, macht Deutsche neidisch | 11.08.2026 | https://www.fr.de/panorama/unmoeglich-was-norwegische-kita-kinder-koennen-macht-deutsche-neidisch-94437626.html

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🎙 Neustart wider Willen

Der Radiobeitrag „Veränderung meistern (4/4) – Offen für Neues bleiben“ thematisiert, wie Menschen mit Veränderungen in ihrem Leben umgehen und dabei offen für Neues bleiben können. Er erzählt die Geschichten von zwei Frauen, Ludmilla und Zubeda, die große Herausforderungen bewältigt haben.

Ludmilla hat sich als Landschaftsarchitektin selbstständig gemacht, nachdem sie den Mauerfall in der DDR erlebt hat. Zubeda kam aus Afghanistan nach Deutschland, um zu studieren. Aufgrund von Schwierigkeiten und Veränderungen in ihrer Lebenssituation musste Zubeda ihren ursprünglichen Plan jedoch aufgeben und eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsgehilfin beginnen.

Beide Frauen haben gelernt, flexibel zu sein und mit Rückschlägen umzugehen. Sie betonen die Bedeutung von Unterstützung durch Familie und Freunde sowie das Gefühl von Heimat, das nicht unbedingt an einen bestimmten Ort gebunden ist. Im Artikel werden Wissenschaftler zitiert, die hervorheben, dass Resilienz – die Fähigkeit, sich von Rückschlägen zu erholen – und die Bereitschaft, sich auf Veränderungen einzulassen, entscheidend sind, um neue Herausforderungen erfolgreich zu meistern.

In der Sendung wird auch diskutiert, dass Veränderungen normal sind und dass es wichtig ist, sich anzupassen und neue Wege zu finden. Es wird betont, wie wichtig Zuhören und der Dialog zwischen Menschen aus verschiedenen Hintergründen sind, um gegenseitiges Verständnis und Akzeptanz zu fördern.

Insgesamt zeigt die Sendung, dass Veränderungen ein Teil des Lebens sind und dass man durch Offenheit, Unterstützung und die Bereitschaft, sich anzupassen, erfolgreich mit ihnen umgehen kann.


Podcastfolge „Veränderung meistern (4/4) – Offen für Neues bleiben“ vom –26.02.2026– aus dem Deutschlandfunk-Podcast „Systemfragen“.


Podcastfolge in neuem Tab hören: https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2026/03/19/veraenderung_meistern_44_offen_fuer_neues_bleiben_dlf_20260319_2010_b805223b.mp3

Webseite der Folge in neuem Tab lesen: https://www.deutschlandfunk.de/veraenderung-meistern-4-4-offen-fuer-neues-bleiben-100.html

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🎙 Überalterung, Abwanderung, Extremismus: Die bittere Realität in Sachsen-Anhalt

Das Gespräch behandelt den Aufstieg der AfD (Alternative für Deutschland) in Ostdeutschland, insbesondere in Sachsen-Anhalt, sowie die damit verbundenen faschistischen Gefahren. Der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk erklärt, dass die AfD möglicherweise die absolute Mehrheit in Sachsen-Anhalt erreichen könnte, was zuvor als unwahrscheinlich galt. Er sieht die Wurzeln des Erfolgs der AfD in der Geschichte der DDR und darin, dass viele Menschen die Vergangenheit verharmlosen.

Kowalczuk warnt, dass Faschismus keine bloße Meinung ist, sondern eine ernsthafte Bedrohung darstellt. Er kritisiert, dass viele AfD-Wähler nicht erkennen, dass sie damit eine faschistische Haltung unterstützen. Er betont, dass die Verklärung der DDR und der SED-Diktatur gefährlich ist, da sie die Grundlage für einen neuen Faschismus legen könnte.

Zudem spricht er über die Herausforderungen, vor denen Sachsen-Anhalt steht, wie die Überalterung der Bevölkerung und den Verlust von Einwohnern. Kowalczuk macht deutlich, dass die Probleme in der Region nicht durch die Wahl der AfD gelöst werden, sondern sich sogar noch verschärfen könnten. Er appelliert an die Menschen, positive Narrative über die Gegenwart zu entwickeln und sich für Demokratie und Freiheit einzusetzen.

Insgesamt ist das Gespräch ein Weckruf, sich aktiv gegen Extremismus und für die Werte der Demokratie einzusetzen – besonders in unsicheren Zeiten.


Aus dem Interview „„Faschismus ist keine Meinung“ – Der Osten und die AfD. Ilko-Sascha Kowalczuk“ der Deutschlandfunk-Sendung „Information und Musik“ vom –09.08.2026-.


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🙈 🙉 🙊 12.000 Hitzetote und ein schweigender Kanzler: Das Versagen beim Hitzeschutz

Im Gespräch mit Luisa Neubauer werden die schwerwiegenden Auswirkungen der durch den Klimawandel verursachten Hitzewellen in Deutschland thematisiert. Bis Ende Juli 2026 gab es bereits rund 12.000 Hitzetote. Neubauer kritisiert die Bundesregierung dafür, dass sie die Verantwortung für den Hitzeschutz auf die Kommunen abwälzt und selbst keinen ernsthaften Plan für den Klimaschutz vorweisen kann.

Sie hebt hervor, dass die Hitze nicht alle Menschen gleichermaßen betrifft. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Babys und Menschen mit gesundheitlichen Problemen. Auch soziale Unterschiede spielen eine Rolle: Menschen mit niedrigem Einkommen leben oft in weniger geeigneten Wohnverhältnissen und können sich keinen ausreichenden Schutz vor der Hitze leisten.

Neubauer fordert daher einen nationalen Hitzeschutzplan, wie ihn Frankreich bereits seit über 20 Jahren hat. Sie betont, dass die Regierung dringend handeln muss, um die Menschen zu schützen und die Klimakrise ernst zu nehmen. Ansonsten könnten die Folgen noch schlimmer werden. Es sei wichtig, dass die Regierung Verantwortung übernimmt und der Realität ins Auge blickt.


Aus dem Interview „Luisa Neubauer – „Die Hitze trifft alle, aber nicht alle gleich““ der Deutschlandfunk-Sendung „Information und Musik“ vom –09.08.2026-.


Interview in neuem Tab hören: https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2026/08/09/5_jahre_weltklimabericht_der_uno_wo_bleibt_der_hitzeplan_dlf_20260809_0811_1684beac.mp3

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📰 Die Illusion der Sicherheit: Wie das Einsperren auf Verdacht unseren Rechtsstaat gefährdet.

In seinem Artikel beschäftigt sich Heinrich Schmitz mit dem Thema Präventivhaft, also der Möglichkeit, Menschen einzusperren, bevor sie eine Straftat begangen haben. Schmitz warnt davor, diese Idee zu unterstützen, da sie gefährlich ist und die Freiheit der Bürgerinnen und Bürger bedrohen kann.

Er erläutert, dass der Rechtsstaat darauf fußt, Menschen für ihre Taten zur Verantwortung zu ziehen, nicht für Vermutungen über mögliche zukünftige Taten. Das Grundgesetz schützt die persönliche Freiheit und stellt hohe Anforderungen an jede Freiheitsentziehung. Diese Regeln sind wichtig, um zu verhindern, dass der Staat Menschen willkürlich einsperrt.

Schmitz zieht Parallelen zur deutschen Geschichte, insbesondere zu den Diktaturen, in denen Menschen ohne Gerichtsverfahren eingesperrt wurden, da der Staat sie als Bedrohung betrachtete. Er betont, dass uns diese Erfahrungen lehren sollten, vorsichtig zu sein, wenn es um staatliche Macht und die Freiheit des Einzelnen geht.

Er warnt davor, dass ein Paradigmenwechsel stattfindet, wenn der Staat nicht mehr auf Beweise, sondern auf Wahrscheinlichkeiten und Vermutungen basiert, um Freiheit zu entziehen. Dies könnte zu einem gefährlichen Machtungleichgewicht zwischen Bürger und Staat führen.

Zusammenfassend fordert Schmitz, dass wir wachsam bleiben und nicht leichtfertig mehr Macht an den Staat abgeben müssen – selbst im Namen der Sicherheit.

thecolumnists.org – Präventivhaft Heinrich Schmitz08.08.2026https://thecolumnists.org/2026/08/08/freiheitsentzug-auf-verdacht/

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📰 Gefahrenabwehr im Jugendstrafrecht: Muss der Staat beim Thema Extremismus umdenken?

In seinem Artikel behandelt Heinrich Schmitz den juristischen Begriff der „Vorbewährung“ im deutschen Jugendstrafrecht und beleuchtet dessen Bedeutung sowie die damit verbundenen Herausforderungen. Die wichtigsten Punkte sind hier zusammengefasst:

Die Vorbewährung ist ein Konzept im Jugendstrafrecht, das es Gerichten ermöglicht, die Entscheidung über die Aussetzung einer Jugendstrafe zur Bewährung um bis zu sechs Monate zu verschieben. Dies gibt dem Jugendlichen die Möglichkeit, sich zu rehabilitieren und zu beweisen, dass er keine weiteren Straftaten begehen wird.

Nach § 61 JGG kann das Gericht die Entscheidung über die Bewährung aufschieben, wenn die Beweise nicht ausreichen, um eine positive Sozialprognose zu rechtfertigen, aber Anzeichen vorliegen, dass sich die Situation des Jugendlichen verbessern könnte.

Das Jugendstrafrecht zielt weniger auf Vergeltung als auf Erziehung und die Chance zur Entwicklung ab. Schmitz argumentiert, dass junge Menschen sich verändern können und nicht alle, die in jungen Jahren Straftaten begehen, dies auch im Erwachsenenalter tun werden.

Der Artikel thematisiert einen konkreten Fall, in dem ein Verdächtiger eines islamistisch motivierten Anschlags aufgrund einer Vorbewährung auf freiem Fuß war. Dies wirft Fragen zur Angemessenheit und Sicherheit solcher Entscheidungen auf.

Richter:innen müssen Prognosen über die zukünftige Entwicklung von Straftäter:innen treffen. Dies ist jedoch keine exakte Wissenschaft. Schmitz betont, dass diese Prognosen oft fehlerhaft sein können und es wichtig ist, richterliche Entscheidungen zu hinterfragen, ohne die Unabhängigkeit der Justiz infrage zu stellen.

Der Artikel kritisiert populistische Forderungen nach der Abschaffung des Jugendstrafrechts für bestimmte Tätergruppen, insbesondere im Bereich des Terrorismus. Er argumentiert, dass das Problem nicht im Jugendstrafrecht selbst liege, sondern in der Anwendung seiner Instrumente.

Der Autor hebt hervor, dass der Rechtsstaat sowohl Chancen bieten als auch die Bürger schützen muss. Diese Balance ist oft herausfordernd und kann in Einzelfällen scheitern, was jedoch nicht die grundsätzliche Idee des Erziehungsstrafrechts infrage stellen sollte.

Insgesamt plädiert Schmitz dafür, die Vorbewährung nicht vorschnell abzulehnen, sondern die Rahmenbedingungen und deren Anwendung kritisch zu hinterfragen, um sowohl den Erziehungsansatz als auch die Sicherheit der Gesellschaft zu gewährleisten.

Vorbewährung von Heinrich Schmitzhttps://thecolumnists.org/2026/08/01/vorbewaehrung/

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Leihe

Leihmutterschaft

Die Erfahrung der Leihmutterschaft und die anschließende Übergabe des Kindes an die Wunscheltern ist ein hochkomplexer Prozess mit tiefgreifenden emotionalen, physischen und psychologischen Auswirkungen. Wie diese Zeit erlebt wird, hängt stark von den Rahmenbedingungen ab, insbesondere davon, ob die Leihmutterschaft altruistisch (freiwillig und unbezahlt im familiären oder freundschaftlichen Rahmen) oder kommerziell stattfindet, sowie davon, wie gut die psychologische Betreuung ist.

Basierend auf psychologischen und soziologischen Studien – wie den Langzeitstudien des Centre for Family Research der Universität Cambridge – lassen sich die Auswirkungen in verschiedene Phasen unterteilen:

1. Kurzfristige Auswirkungen (Wochen bis wenige Monate nach der Geburt)

In der unmittelbaren Phase nach der Entbindung stehen physische und akute hormonelle Veränderungen im Vordergrund. Diese vermischen sich mit der psychologischen Realität der Trennung.

  • Hormonelle Umstellung und „Baby Blues“: Wie jede Gebärende durchläuft auch eine Leihmutter den starken hormonellen Abfall nach der Geburt. Dies kann zu Stimmungsschwankungen nach der Geburt (postpartale Depressionen) führen.
  • Emotionale Ambivalenz: Im Moment der Übergabe berichten viele Leihmütter von einem starken Gefühl der Erleichterung und des Stolzes, den Wunscheltern geholfen zu haben. Gleichzeitig können Trauergefühle auftreten. Dieser paradoxe Zustand entsteht, da die meisten Leihmütter das Kind kognitiv strikt als das der Wunscheltern betrachten und somit nicht zwingend um den Verlust „ihres” Kindes trauern. Vielmehr erleben sie einen emotionalen Schmerz durch den abrupten Abbruch der physischen Bindung, die in der Schwangerschaft entstanden ist.
  • Physische Erholung ohne Kind: Der Körper produziert nach der Geburt Milch und heilt, jedoch ohne die Anwesenheit des Säuglings. Das kann psychisch desorientierend wirken.

2. Mittelfristige Auswirkungen (Einige Monate bis zu 1-2 Jahren)

In dieser Phase steht die Verarbeitung des Erlebten und die Rückkehr in den „normalen” Alltag im Mittelpunkt.

  • Beziehung zu den Wunscheltern: Ein kritischer Faktor für das mittelfristige Wohlbefinden ist, ob die Erwartungen an den Kontakt nach der Geburt erfüllt werden. Erwartet eine Leihmutter regelmäßige Updates oder Besuche, die Wunscheltern brechen jedoch den Kontakt ab (was als „Ghosting” empfunden werden kann), führt dies häufig zu Gefühlen von Ausnutzung, Enttäuschung und depressiven Verstimmungen.
  • Identitätsfindung: Die Leihmutter muss die intensive Rolle der „Lebensgeberin“, die oft mit viel Aufmerksamkeit verbunden ist, ablegen und sich wieder in ihren Alltag, in dem sie meist eigene Kinder hat, integrieren.
  • Psychische Gesundheit: Die meisten Studien in westlichen Ländern mit starken Regulierungen zeigen, dass die Raten von postpartalen Depressionen bei Leihmüttern nicht signifikant höher sind als bei regulären Müttern. In kommerziellen Settings (z. B. in Schwellenländern), in denen Leihmütter oft aus finanzieller Not handeln und isoliert in „Leihmutter-Häusern” leben, ist das Risiko von Traumatisierungen und Depressionen in dieser Phase jedoch deutlich erhöht.

3. Langfristige Auswirkungen (Jahre bis Jahrzehnte später)

Langzeitstudien, in denen Leihmütter über einen Zeitraum von zehn Jahren oder länger begleitet werden, zeichnen ein differenziertes Bild.

  • Grundsätzliche Zufriedenheit: In gut betreuten und meist altruistisch motivierten Fällen bereuen die allermeisten Leihmütter ihre Entscheidung auch nach zehn Jahren nicht. Sie blicken oft mit Stolz auf diese Erfahrung zurück und betrachten sie als bereichernden Teil ihrer Lebensgeschichte.
  • Das Risiko von Reue und Trauma: Langfristige negative Folgen treten vor allem dann auf, wenn die Leihmutter das Gefühl hatte, keine Kontrolle über den Prozess gehabt zu haben, medizinische Komplikationen erlitt (die ihre eigene Fruchtbarkeit oder Gesundheit beeinträchtigten) oder wenn es zu Rechtsstreitigkeiten kam.
  • Bindung zum Kind: Besteht Kontakt, wird die Beziehung zum ausgetragenen Kind langfristig oft als ähnlich positiv wie die zu einer Nichte oder einem Neffen beschrieben. Der kognitive Abstand („Es ist nicht mein Kind, ich war nur der Babysitter“) bleibt bei den meisten Frauen stabil erhalten.

Wichtiger Realitätscheck: Der Fokus der Forschung liegt stark auf westlichen, gut dokumentierten und ethisch begleiteten Fällen. Die Realität der kommerziellen Leihmutterschaft in prekären Verhältnissen ist jedoch oft deutlich düsterer und psychisch belastender. Sie wird aber seltener in Langzeitstudien abgebildet.

Leihkindschaft

Für Wunscheltern, Soziologen und Ethiker ist die Frage, wie es Kindern geht, die durch Leihmutterschaft geboren wurden, von zentraler Bedeutung. Die wissenschaftliche Erkenntnislage – in diesem Bereich sind Langzeitstudien wie die des Centre for Family Research in Cambridge führend – zeichnet ein sehr beruhigendes Bild. Sie macht aber auch deutlich, dass Transparenz für das Wohlbefinden der Kinder von entscheidender Bedeutung ist.

Im Folgenden finden Sie eine Zusammenfassung der wichtigsten Auswirkungen und Erkenntnisse:

1. Emotionale und psychologische Entwicklung

Konsequent belegen Studien, dass sich Kinder aus Leihmutterschaften psychologisch, emotional und kognitiv ebenso gut entwickeln wie auf natürlichem Weg gezeugte Kinder.

  • Hohes elterliches Engagement: Der Weg über eine Leihmutterschaft ist langwierig, emotional belastend und meist sehr kostspielig. Diese Kinder sind absolute „Wunschkinder”. In der Praxis führt dies oft zu einem besonders warmen, engagierten und liebevollen Erziehungsstil, von dem die Kinder stark profitieren.
  • Keine empirischen Belege für ein Trennungstrauma: Die in der Psychoanalyse oft diskutierte Theorie, dass die sofortige Trennung von der gebärenden Frau zu einer fundamentalen „Urwunde” (primal wound) beim Neugeborenen führt, konnte in empirischen Studien zur Leihmutterschaft nicht bestätigt werden. Wird das Kind direkt nach der Geburt in ein stabiles, liebevolles und präsentes Elternhaus übergeben, entwickeln sich sichere Bindungsmuster.

2. Die Rolle von Wahrheit und Aufklärung

Für die langfristige psychische Gesundheit und Identitätsfindung des Kindes ist der elterliche Umgang mit seiner Entstehungsgeschichte von entscheidender Bedeutung.

  • Frühe Aufklärung als Schutzfaktor: Entwicklungspsychologen raten dringend dazu, Kindern ihre Herkunft so früh wie möglich – oft schon im Vorschulalter – in einfachen Worten zu erklären, beispielsweise mithilfe spezieller Kinderbücher. Kinder, die von Anfang an mit dieser Realität aufwachsen, betrachten sie als völlig normal und integrieren sie unaufgeregt in ihre Identität.
  • Das Risiko des Geheimnisses: Wenn die Leihmutterschaft verheimlicht wird und das Kind erst im Jugend- oder Erwachsenenalter davon erfährt – etwa durch einen familiären Streit oder medizinische Zufallsbefunde –, führt dies fast immer zu einem massiven Vertrauensbruch gegenüber den Eltern und zu schweren Identitätskrisen. Die psychologische Belastung entsteht in diesem Fall durch die Lüge, nicht durch die Leihmutterschaft an sich.

3. Die Beziehung zur Leihmutter

Wie ein Kind seine leibliche Mutter wahrnimmt, hängt stark vom familiären Umfeld ab.

  • Keine Rollenverwirrung: Wenn sie ehrlich begleitet werden, haben Kinder erstaunlich wenig Probleme, die Konzepte zu trennen. Sie verstehen instinktiv, dass die Leihmutter der „Ort zum Wachsen“ war, die Eltern aber diejenigen sind, die trösten, erziehen und im Alltag da sind. Es gibt keine Verwirrung darüber, wer die „echten” Eltern sind.
  • Eine besondere Bindung: In Familien, die weiterhin Kontakt zur Leihmutter pflegen – was bei altruistischen Leihmutterschaften häufig der Fall ist –, wird diese vom Kind meist sehr positiv wahrgenommen. Oft wird sie wie eine besondere Tante oder eine sehr enge Freundin der Familie gesehen.

4. Gestationsleihmutterschaft und Genetik

Ein wichtiger Aspekt, der oft übersehen wird, ist: Bei der heute üblichen Gestationsleihmutterschaft ist die Leihmutter nicht genetisch mit dem Kind verwandt. Oftmals wird hierfür auf Eizell- oder Samenspenden zurückgegriffen.

  • Für die Identitätsfindung im Jugendalter ist die Frage nach der Genetik (z. B. „Wer ist die Eizellspenderin? Von wem habe ich meine Augen oder mein musikalisches Talent?“) für die Heranwachsenden oft deutlich präsenter und wichtiger als die Frage nach der Frau, die sie ausgetragen hat.

Zusammenfassend lässt sich Folgendes festhalten: Nicht die ungewöhnliche Art der Zeugung oder Austragung gefährdet das Wohl des Kindes, sondern familiäre Geheimnisse. In einem offenen und liebevollen Umfeld gedeihen diese Kinder ausgezeichnet.

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🎬 Vom Gedanken des Erhabenen erfüllte verworrene Schönheit.

Der Artikel bespricht den Experimentalfilm „Die Welt braucht mehr Zauberer – Mare’s Nest“ von Ben Rivers. Das Werk verzichtet bewusst auf konventionelle Erzählstrukturen und Handlungslogiken. Stattdessen begleitet er das junge Mädchen Moon auf einer assoziativen Reise durch eine postapokalyptische Welt, in der nur noch Kinder zu überleben scheinen. Diese treten jedoch wie „alte Seelen“ auf und bewahren das Wissen und die Mythen der vergangenen Menschheit.

Der Film reflektiert Themen wie den Klimawandel durch aneinandergereihte, oft rätselhafte und bruchstückhafte Szenen. Dabei liefert er keine klaren Antworten und entzieht sich absichtlich einer eindeutigen Interpretation, um stattdessen durch seine poetische, unzugängliche Bildsprache und seine Atmosphäre zu wirken.

epd film, 06.08.2026, arte-Mediathek: »Die Welt braucht mehr Zauberer« von Sascha Westphal

https://www.epd-film.de/tipps/2026/arte-mediathek-die-welt-braucht-mehr-zauberer

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