Ich bin für Veränderung und stetigen Wandel. Deshalb sind mir Traditionen, die sich unverändert wiederholen, suspekt. Außerdem sind mittlerweile fast alle Traditionen durch und durch kommerzialisiert, sodass der Sinn hinter der Tradition unscheinbar geworden ist.
Trotzdem gibt es zwei Traditionen, die ich besonders liebe, wenn (kleine) Kinder im Haushalt oder zu Besuch sind: das Ostereiersuchen am Ostersonntag und die Bescherung am Heiligen Abend mit den Geheimnissen und den kleinen „Wundern” in der Adventszeit.
In den letzten Jahrzehnten wurde das Zeitfenster, in dem Kinder durch den „Osterhasen”, das „Christkind” oder den „Weihnachtsmann” zu beeindrucken sind, immer kleiner, da bereits in den Kindertagesstätten viele Kinder laut verkünden, dass es den Osterhasen, den Weihnachtsmann oder das Christkind gar nicht gibt.
Es ist zu einer Gratwanderung geworden, gläubige Kinder nicht in die Lächerlichkeitsfalle laufen zu lassen.
Tägliche Schreibanregung
Welche Tradition aus deinem Land liebst du besonders?
Die Antwort auf die heutige Schreibanregung, wie ich mit Unsicherheiten umgehe, ist spätestens seit 2019, eher seit dem 11. September 2001, eine existenzielle.
Der Kabarettist Georg Schramm machte ab ca. 2008 mit seiner Kunstfigur Lothar Dombrowski auf das Interview aufmerksam, das Warren Buffett am 26. November 2006 der New York Times gab und in dem er sagte: »There’s class warfare, all right, but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning.« [Es gibt zwar einen Klassenkampf, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die diesen Kampf führt – und wir gewinnen.]
In Deutschland begann dieser von oben geführte Klassenkampf mit dem Sturz Helmut Schmidts durch ein konstruktives Misstrauensvotum der Mehrheit des Deutschen Bundestags, durch das Helmut Kohl zum Bundeskanzler gewählt wurde. Seitdem findet eine Umverteilung von unten nach oben statt. Die von Willy Brandt eingeleitete Politik wurde zunichte gemacht, nämlich die Politik des Ausbaus des Sozialstaats, der Bildungsreform, der Stärkung der Arbeitnehmer:innen, der Familien, der Gleichberechtigung von Frauen und der gesellschaftlichen Liberalisierung, erst ganz langsam und verdeckt, dann immer schneller und unverhohlener.
Dass die Klasse der Nicht-Reichen vor diesem mittlerweile offenen Klassenkampf sitzt wie das Kaninchen vor der Schlange und viele dies noch nicht einmal sehen wollen oder können, verunsichert mich zutiefst.
Das Mundtotmachen von „Fridays for Future”, die Pandemie, das regelrechte Befeuern der Klimakatastrophe und die direkt und indirekt angezettelten aktuellen Kriege und Völkermorde, die Vorbereitungen für einen zukünftigen aktiven Krieg in wenigen Jahren mittels unvorstellbarer Schulden, mit denen die Umverteilung von unten nach oben ihren finalen Höhepunkt erreicht, sowie der gleichzeitig begonnene Abbau von Transferleistungen und Steuererleichterungen, beginnend bei den Ärmsten und Schwächsten, sind nur Symptome des von Warren Buffett vor 20 Jahren angekündigten Klassenkampfes.
Mit dieser elementaren Unsicherheit und anderen Unsicherheiten gehe ich aber relativ gelassen um:
Zunächst halte ich das unangenehme Gefühl der Unsicherheit bzw. der Ungewissheit einfach aus, indem ich mich durch Meditation und Atmung beruhige und die Dinge, die ich möglicherweise beeinflussen kann, von den Dingen, auf die ich keinen Einfluss habe, gedanklich trenne.
Anschließend beschaffe ich mir so viele Informationen wie möglich aus den unterschiedlichsten Quellen, gerne auch gegensätzliche, um mir daraus eine eigene Meinung und Strategie zu bilden.
Ich überlege, was ich als Nächstes tun oder unterlassen kann, und denke auch über einen Plan B als Workaround nach, für den Fall, dass Plan A nicht funktioniert.
Ich schätze das Risiko für mich ein und versuche, es zu minimieren. Risiken zu vermeiden ist unmöglich.
Ich überlege, wie ich das bedrohliche Gefühl der Unsicherheit als Chance, Abenteuer oder Lernprozess umdeuten kann.
Ich verdränge die Unsicherheit keinesfalls oder lenke mich ab. Auch tappe ich nicht in die Falle eines Kontrollzwangs. Entscheidungen treffe ich in unsicheren Zeiten ohne schuldhaftes Zögern sofort. Prokrastination kann tödlich sein.
Wenn ich ins Grübeln gerate, versuche ich, die Gedankenschleife zu durchbrechen und mich auf das Hier und Jetzt zu fokussieren.
Glaube und Spiritualität helfen mir dabei überhaupt nicht. Sie lähmen mich nur und verhindern, dass ich das Erforderliche unverzüglich tue, auch wenn es bitter ist.
In einer akut unsicheren Lage verliere ich dagegen meine Kreativität.
Aktuell sehe ich angesichts der Verheerungen in der Welt die Chance für persönliche Veränderungen.
Die Welt steht auf mit euch, und Anfang glänzt an allen Bruchstelln unseres Mißlingens …
– Rainer Maria Rilke, titellos, Muzot im Oktober 1925
In einer Welt, in der die Mächtigen und Herrschenden uns zwischen den Fassaden der für uns errichteten Kulissen glauben machen wollen, das sei das wahre Leben, verändert „Glaube nichts, hinterfrage alles!” das Leben – mindestens die Sicht auf das Leben.
Tägliche Schreibanregung
Wenn du nur einen einzigen Tipp geben dürftest, der das Leben verändert – welcher wäre das?
Zunächst war da das Fernsehen. Als ich ein Junge war, lief sonntagabends während des Abendessens der „Weltspiegel”, der immer ausführlich über den Vietnamkrieg und die Kriegsgräuel berichtete. Dabei bin ich einmal fast an einem Stück Schinkenwurst erstickt. Dieses Gefühl, zu ersticken, ist seitdem latent vorhanden, wenn ich den Umgang der Menschheit mit dieser Welt betrachte: eine Menschheit, die ihre Lebensgrundlagen aktiv zerstört – wider besseres Wissen.
Ein paar Jahre später war es das Fernsehmagazin „Report Mainz“ mit dem Moderator Franz Alt, der über die Boatpeople und die deutsche Hilfsorganisation „Cap Anamur/Deutsche Notärzte e. V.“ berichtete. Bis heute lässt die staatliche Menschheit Flüchtlinge einfach ertrinken.
Zu dieser Zeit hatte ich die 1980 von Horst Stern gegründete Zeitschrift „Natur” abonniert, die mir die Augen weiter öffnete, da sie Lösungen aus dem allgemeinen Wahnsinn aufzeigte.
Über diese Zeitschrift wurde ich auf das 1979 erschienene Buch „Nach uns die Zukunft: Von der positiven Subversion” von Hans A. Pestalozzi aufmerksam. Dem Buch ist bis heute nichts hinzuzufügen, weder in seiner Analyse der Welt, der Umwelt und der Weltwirtschaft noch in den gestellten Fragen, deren Beantwortung uns eine bessere Welt gebracht hätte.
Ein Beispiel für eine solche einfache Frage ist: „Wollen wir eine verkehrsgerechte Stadt oder einen stadtgerechten Verkehr?”
Der große Erfolg und die Popularität des Buchs
(»ein Blockbuster der gesellschaftskritischen Literatur, der die politischen und ökologischen Diskurse der 1980er Jahre maßgeblich mitgeprägt hat«)
war der Startschuss für alle Vermögenden und Mächtigen, sich mit Vehemenz gegen die Beschneidung ihres Gewinnstrebens und ihrer Gier zu wehren. Heute steht die Erde evolutionär gesehen kurz vor dem Kollaps.
Das Buch „Nach uns die Zukunft: Von der positiven Subversion” wurde 1979 von dem Schweizer Manager Hans A. Pestalozzi geschrieben. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung leitete er das Gottlieb Duttweiler Institut (GDI), eine der wichtigsten europäischen Denkfabriken. Das Werk ist eine scharfe, leidenschaftliche Gesellschafts- und Wirtschaftskritik, in der Pestalozzi das damalige (und heutige) auf ständiges Wachstum ausgerichtete System radikal infrage stellt.
Wirtschaft ist nicht das ganze Leben. Pestalozzi kritisiert den blinden Glauben an unendliches Wirtschaftswachstum. Er zeigt auf, dass wir durch die bloße Erhöhung der produzierten Gütermenge letztlich mehr zerstören – Umwelt und soziale Strukturen – als wir an tatsächlichem Wert für die Menschen schaffen.
Das Buch ist ein Aufruf zur „positiven Subversion”: Wir sollen die bestehenden Verhältnisse nicht passiv hinnehmen. „Positive Subversion” bedeutet für ihn, sich den Zwängen des Systems zu entziehen, anders zu leben und die vorgegebenen Strukturen aktiv und kreativ zu unterlaufen.
Eigenverantwortung statt blinder Pflicht: Ein zentrales Thema ist die Entmündigung des Einzelnen in der modernen Welt. Pestalozzi warnt davor, dass Manager und Experten die Macht übernehmen, während der normale Mensch im wirtschaftlichen Hamsterrad nur noch seine Pflicht erfüllt. Er fordert, dass wir wieder echte Eigenverantwortung für unser Handeln und unser Leben übernehmen.
Entlarvung falscher Leitbilder: Der Autor hinterfragt viele vermeintliche „Wahrheiten“, die uns von Politikern, Ökonomen oder bereits in der Schule als alternativlos präsentiert werden. Er regt dazu an, den Sinn von Arbeit, Freizeit, Demokratie und Konsum kritisch zu reflektieren.
Pestalozzis Ansichten waren für ein Vorstandsmitglied der Wirtschaft absolut unkonventionell. Das Buch forderte die Menschen direkt dazu auf, sich der Konsummaschinerie zu verweigern. Diese radikalen Thesen waren für seine Arbeitgeber – das GDI war eng mit dem Handelsunternehmen Migros verknüpft – so untragbar, dass Pestalozzi kurz nach der Veröffentlichung im Sommer 1979 fristlos entlassen wurde. In der Folge wandelte er sich vom hochrangigen Topmanager zum Systemkritiker, Aktivisten und späteren Aussteiger.
Insgesamt betrachtet ist „Nach uns die Zukunft” ein flammendes Plädoyer für kritisches Denken, mehr Menschlichkeit und den Mut, aus einer rein profitorientierten und fremdbestimmten Gesellschaft auszubrechen.
Täglicher Schreibanreiz
Welches Medium (Buch, Film, Song) hat verändert, wie du die Welt siehst?
What’s a piece of media (book, movie, song) that changed how you see the world? | Welches Medium (Buch, Film, Lied) hat deine Sicht auf die Welt verändert?
Eine positive Veränderung, die ich in meinem Leben vorgenommen habe, hat einen Domino-Effekt positiver Gewohnheiten ausgelöst.
Vor fast 40 Jahren fand das Buch „Endzeit für Tiere: Ein Aufruf zu ihrer Befreiung” von Sina Walden und Gisela Bulla aus dem Jahr 1984 seinen Platz in meinem Bücherregal. Auf dem Cover war ein einzelnes Äffchen in einem Käfig mit Gitterboden abgebildet. Es kauert in einer Ecke, die linke Hand ruht auf dem Schädel, die rechte Hand stützt den linken Unterarm. Es stiert vor sich hin. Laut Inhaltsbeschreibung sollte es um Tierversuche, Nutztiere, Haustiere, Wildtiere, Zoos, modische Nerze, Jagd und Fleischkonsum gehen. Ich mied das Buch wie der Teufel das Weihwasser. Mein Unterbewusstsein wusste, dass nach dem Lesen dieses Buches nichts mehr so sein würde wie vorher. Ich habe es bis heute nicht gelesen. Denn das, was wir allen Tieren – direkt oder indirekt – antun, übersteigt das Vorstellungsvermögen jedes Einzelnen.
Vor fast genau 14 Jahren holte mich das Thema dann doch ein. Eine Mutter und Studentin des Umweltingenieurwesens begegnete mir virtuell, wir hatten einen sehr ähnlichen Musik- und Kabarettgeschmack. Sie ernährte sich rein pflanzlich und erzählte mir, warum. Langsam begann ich, meine Ernährung zu verändern. Ich aß weniger Fisch, Fleisch und Wurst und wurde im Laufe der nächsten vier Jahre fast Vegetarier. Vor fast genau zehn Jahren wurde eine andere virtuelle Bekannte eine reale Kollegin. Auch sie ernährte sich rein pflanzlich und gab mir den letzten Anstoß, vollständig auf tierische Produkte zu verzichten.
Ich beschäftigte mich intensiv mit vollwertiger Ernährung und machte mir einen Plan. Da ich vor zehn Jahren Übergewicht hatte, nutzte ich die Gunst der Stunde, um abzunehmen. Nach einem halben Jahr waren Blutdruck- und Cholesterinsenker unnötig. Ich begann zu joggen. Seitdem halte ich mein normales Gewicht und bin altersgerecht wohlauf. Nach und nach stellte ich alles, was ich kaufte, auf tierleidfreie Produkte um. Heute kaufe ich ca. 99 Prozent aller Produkte tierleidfrei, wobei es schwierig bleibt, tierversuchsfrei zu leben, da diese Informationen von den Herstellern gerne verborgen werden.
Der Blick auf das Tierleid öffnet auch den Blick auf das Leid der Menschen und die Verbrechen an unseren Lebensgrundlagen.
Hier nur einige weitere Stichworte: Klimakatastrophe (Erderwärmung, Verbrennung fossiler Brennstoffe), Ewigkeitschemikalien aus Erdöl, (Plastik-)Vermüllung (Plastik aus Erdöl), Kriege (Kämpfen und Überfallen statt Verhandeln, Verhandlungen torpedieren), Atommüllkatastrophe.
Ich lebe flug- und autofrei. Mein Stromverbrauch ist minimal. Ich trinke Leitungswasser. Ich verzichte auf Coffee-to-go. Ich wohne auf weniger als 30 Quadratmetern, ernähre mich nahezu tierleidfrei und kleide mich entsprechend. Eine Baustelle ist noch, auf Flugobst und -gemüse zu verzichten. Ich scheitere daran, plastikverpackungsfrei zu leben.
Das unsägliche Leid der Tiere an mich heranzulassen, war die beste Entscheidung und die positivste Veränderung in meinem Leben.
Die Technologie hat meinen Job vollkommen verändert. Als ich meine Ausbildung begann, stand in einem von hundert Büros ein IBM-Computer für spezielle Aufgaben. Ansonsten wurden Kundendaten auf Karteikarten (mehrere zehntausend) festgehalten. Karteikarten, die am Schalter länger nicht mehr gezogen wurden, kamen ins Archiv, also in den Keller. Diese Aufgabe bekamen Studenten in den Semesterferien als gut bezahlten Ferienjob. Ein Student machte sich einmal den Spaß und sortierte die Karteikarten nicht nach dem Nachnamen, sondern nach dem Vornamen.
Ich lernte den Beruf des Sozialversicherungsfachangestellten, d. h., ich musste mich im Recht der gesetzlichen Krankenversicherung gut auskennen. Nach der Ausbildung kam die Fortbildung und ich musste mich noch besser auskennen. Zwei Jahrzehnte konnte ich dieses Wissen praktisch anwenden.
Fünf Jahre nach Ausbildungsbeginn stand auf jedem Schreibtisch ein Computer und die Karteikarten wurden digitalisiert. Die täglichen Datenänderungen wurden über Nacht verarbeitet.
24 Jahre nach Ausbildungsbeginn genügte die vorhandene Software den modernen Anforderungen nicht mehr. An das seit 20 Jahren bestehende System wurden sogenannte Client-Server-Anwendungen angehängt. Das war der Zeitpunkt, an dem für reine IT-Aufgaben mehr Personal benötigt wurde. Das interessierte mich mehr als das trockene Recht. Ich bewarb mich. Ich wechselte zum IT-Dienstleister meiner Firma. Datenänderungen wurden nun großteils in Echtzeit verarbeitet.
Rund 30 Jahre nach meiner Ausbildung wurden das alte System und die Client-Server-Anwendungen durch SAP-Software abgelöst. Ab diesem Zeitpunkt habe ich das papierlose Büro für mich realisiert und ausschließlich am PC gearbeitet. Im Laufe der Jahre wurde aus einem Verwaltungsfachangestellten ein Anwendungsberater, ein Supporter und ein Qualitätssicherer. Aus einem stationären Job in einem Büro an einem Standort wurde ein Dienstreisender, der an vielen Standorten und Wochen im Jahr an Testgruppensitzungen teilnahm oder diese organisierte.
Die beschriebene Technologie war ein Glücksfall für mich, weil sie meine Arbeit vielfältiger machte, mich nicht auf eine Spezialisierung festlegte und ich so viele Städte und Menschen kennenlernen konnte. Zudem konnte ich mein Faible für Workarounds ausleben.
Das Ende dieses Zeitalters ist absehbar gekommen und ein neues wird eingeläutet: Der Kollege oder die Kollegin „AI-KI” wird nach und nach übernehmen.
Ich behaupte, dass sich meine politischen Ansichten im Laufe der Zeit nicht verändert haben. Die der in den Landtagen und im Bundestag vertretenen Parteien hingegen schon.
Ich bin in einem sozialdemokratischen Haushalt aufgewachsen. Mein Urgroßvater mütterlicherseits trat 1905 in die SPD ein. Er wurde am 22./23.08.1944 im Rahmen der „Aktion Gitter” von der Gestapo verhaftet. Er hat die Zeit überlebt und sich nach Kriegsende weiter engagiert und Verantwortung übernommen. In meiner Familie gab es mehrere Landtags- und einen Bundestagsabgeordneten.
Als ich meinen eigenen Verstand benutzen konnte, war auch ich ein überzeugter Sozialdemokrat. Bis Helmut Schmidt NATO-Nachrüstung wollte. Die Grünen um Petra Kelly und Jutta Ditfurth sprachen mir mehr aus dem Herzen.
Es war die Zeit, in der ich von meinem Demonstrationsrecht Gebrauch machte und vor den Toren Büchels gegen die Nachrüstung protestierte. Ein Atomkraftwerk sollte unzulässigerweise auf einer Erdbebenspalte vor unserer Haustür gebaut werden. Ich machte von meinem Demonstrationsrecht Gebrauch. Ein Gericht entzog deshalb über zehn Jahre später die Betriebsgenehmigung. Ich trat einem kirchennahen Friedensgrüppchen bei. Wir wollten Anfang der 1980er Jahre die Energiewende und gestalteten jährlich selbst einen Energiewendekalender. In dieser Zeit installierte ein Mitglied unseres Grüppchens eine Photovoltaik-Anlage mit Speicher auf seinem Dach.
Seit Mitte der 1970er Jahre verfolgte ich das Magazin „Report Baden-Baden” mit Franz Alt, der über die riesigen Flüchtlingswellen der Boatpeople und den Einsatz von „Ärzte ohne Grenzen” berichtete. Kein Mensch sollte flüchten müssen. Politisch Verfolgten ist Asyl zu gewähren. Ohne Wenn und Aber. Alle anderen sind gerecht auf die wohlhabenden Länder zu verteilen. Unser Wohlstand gründet auch auf der Ausbeutung derer, die bis heute flüchten müssen. Wir beuten sie noch heute aus (Freihandelsabkommen). Wenn wir nicht lernen, bescheiden zu leben, werden wir nicht überleben. Wir leben über unsere Verhältnisse, auf Kosten der armen Weltbevölkerung, und verwandeln die Erde allmählich in einen toten Planeten. Punkt. Luft holen. Langsam ausatmen.
Mit Helmut Kohl begann die politische Katastrophe, die sogenannte geistig-moralische Wende, die nun langsam ihr Ende erreicht. Seitdem scheinen alle etablierten Parteien so zu handeln, als seien sie fremdbestimmt, mit dem Auftrag, Vermögen von unten nach oben zu verteilen und immer autoritärer zu regieren.
Das Wahlvolk scheint nur noch dazu zu dienen, dieser Entwicklung einen demokratischen Anstrich zu verleihen. Das Wahlvolk macht brav mit.
Das letzte Mal, dass ich eine etablierte Partei gewählt habe, war 1998: Diese Regierung schockierte und traumatisierte mich – u. a. wegen des Umgangs mit Oskar Lafontaine, der Agenda …
Hand reicht Brot weiter für alle ist Platz am Tisch Wärme teilt das Licht
… 2020 und den Kriegsbeteiligungen. Seitdem wähle ich ausschließlich nicht etablierte Parteien, die meinen u. g. Werten entsprechen.
Mittlerweile scheinen die Christdemokraten nicht mehr dem Christentum, die Sozialdemokraten nicht mehr dem Sozialen, die Freien Demokraten nicht mehr dem Liberalismus, die Linken nicht mehr dem Volks(eigentum) und die Grünen nicht mehr der Bewahrung der Schöpfung und des Friedens verpflichtet zu sein. Eine Partei, die sich als Alternative bezeichnet, bietet keine Alternative, sondern schart lediglich diejenigen um sich, die vor 90 Jahren auch anstandslos die NSDAP gewählt hätten.
Ich war schon immer dafür, wirtschaftliche Aktivitäten auf ein demokratisch definiertes Gemeinwohl auszurichten, also für die sogenannte Gemeinwohlökonomie. Die sogenannte Soziale Marktwirtschaft war ein Anfang Ende der 1960er Jahre. Alle Ismen lehne ich ab (z. B. Kapitalismus, Sozialismus, Kommunismus).
Die etablierten Parteien reißen uns offensichtlich in den Abgrund. Vielleicht haben wir nur noch vier Jahre, um dies zu verhindern. Statt Wahlen brauchen wir regelmäßig zufällig zusammengesetzte Bürgerräte. Lobbyismus muss verboten werden, und Bürgerräte sind vor Lobbyisten und deren Tarnorganisationen zu schützen. Der Bürgerrat „Ernährung im Wandel” hat dank der Schwarmintelligenz der Menschen mit gesundem Menschenverstand erfolgreich gearbeitet. So erfolgreich, dass die etablierten Parteien dieses Experiment nach seinem Ende nicht weiterführen.
Nein, ich habe meine politischen Ansichten im Laufe der Zeit nicht verändert.
Ich fühle mich den Ideen verpflichtet, u. a. des Christentums (nicht seinen Auswüchsen und Missbräuchen), des Humanismus, der Gleichwertigkeit allen Lebens (Mensch und Tier) sowie der Bewahrung der Schöpfung.
Krieg ist niemals (!) ein Mittel der Politik.
„The world has enough for everyone’s need, but not for everyone’s greed.” (Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.) Die Ressourcen der Erde genügen, um die gesamte Menschheit zu versorgen. Armut und Umweltzerstörung sind keine Folgen eines Mangels an Ressourcen, sondern der maßlosen Gier und der ungleichen Verteilung.
Jean Ziegler, ehemaliger UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, sagte sinngemäß
~ 2012: Auf einem Planeten, auf dem alle fünf Sekunden ein Kind verhungert und eine Milliarde Menschen schwerstens unterernährt ist, ist es ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, hunderte Millionen Tonnen Nahrungsmittel zu verbrennen.
~ 2024: Die FAO, die die Opferzahlen ermittelt, sagt, dass die Weltlandwirtschaft problemlos zwölf Milliarden Menschen – fast das Doppelte der gegenwärtigen Weltbevölkerung – ernähren könnte, wenn das universelle Menschenrecht auf Nahrung völkerrechtlich verankert wäre und nicht von der Kaufkraft der Konsumenten abhängig wäre.
Es gibt keine Fatalität: Ein Kind, das am Hunger stirbt, wird ermordet.
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