📅❓ Betriebstemperatur

Ich fühle mich auf der körperlichen Ebene richtig lebendig, wenn ich mich ausgepowert habe. In meiner Jugend waren es lange Fahrradtouren oder Läufe bergauf und bergab. Beim Fußballspielen. Später blieb nur das Laufen. Nach einer sehr langen Ruhephase gab es diesen einen Moment am 12. Oktober eines Jahres, in dem ich wieder mit dem Laufen begann. Ausgepowert kam ich zu Hause an, war überglücklich und fühlte mich richtig lebendig.

Auf der geistigen Ebene fühle ich mich lebendig, wenn ich gefordert werde. Wenn ich ein oder mehrere Probleme durchdenken muss, wenn ich etwas Komplexeres organisieren muss oder schwierige Gespräche führe. Wenn ich dabei meine „Betriebstemperatur” erreiche, fühle ich mich wirklich lebendig. So geschah es in der vergangenen Woche, als ich zwei Personen dabei half, gegen die unsäglichen Hürden der Bürokratie im Jobcenter zu kämpfen und Eingliederungshilfe bei der Kreisverwaltung oder BAföG beim Amt für Ausbildungsförderung zu beantragen.

Auf der seelischen Ebene fühle ich mich richtig lebendig, wenn ich eine Seelenverwandte treffe, mich verliebe oder mich mit jemandem unterhalten kann, sodass die Worte nur so fliegen. Insgesamt fühle ich mich lebendig, wenn sich ein Kontakt oder eine Beziehung leicht anfühlt.


Welcher Moment in deinem Leben hat dich so richtig lebendig fühlen lassen?

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What’s a moment in your life that made you feel truly alive?  |  Was war ein Moment in deinem Leben, in dem du dich wirklich lebendig gefühlt hast?

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Ines. oder For today, I am inconsolable …

Sie war meine Küchenfee in meinem Lieblingscafé. Jeden Freitag beginne ich dort mein Wochenende, ich schöpfe Kraft beim Lesen meiner Zeitschriftenabonnements und genieße die leckeren Salate, einen frisch gebackenen Kuchen und den selbst gerösteten Kaffee. Irgendwann, in den Sommerwochen, brachte sie mir meinen Salat persönlich an den Tisch, obwohl sie sonst immer nur im Hintergrund in der Küche arbeitete. Mit einem Lächeln im Gesicht und strahlenden Augen. Anfangs war ich leicht irritiert, doch irgendwann genoss ich es und spürte, wie dabei die Sonne aufging. Erst zuletzt begannen wir, ein Gespräch zwischen Tisch und Küche zu führen. Uns trennen Jahrzehnte. Wir empfanden das jedoch nicht so. Es blieb dabei.

Heute betrat ich „mein“ Café und T., der Chef und Barista, begrüßte mich wie immer und fügte hinzu: „Heute verabschieden wir Ines. Sie verlässt uns Richtung Heimat.“ Ich war konsterniert und vertiefte mich in meine Zeitschriften.

Nach einer Viertelstunde stand Ines an meinem Tisch, hielt die Salatschüssel „Avocadoliebe” in der Hand und sagte, dass ich es wohl schon erfahren hätte, dass sie fünfhundert Kilometer zurück in ihre Heimatstadt zieht. Aus Heimweh, kurzfristig entschieden. Aus diesem Grund habe sie heute den Salat gekrönt, sagte sie, während sie die Schüssel vor mir abstellte. Ich war sichtlich gerührt. Wir unterhielten uns noch ein paar Minuten und verabschiedeten uns schließlich mit einer Umarmung.

Heimat ruft Ines
Avocadoliebe bleibt
die Sonne geht auf

… but tomorrow is a new day.

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