In ihrem Gespräch analysieren Maja Göpel und Bernhard Pörksen die zunehmende Aggressivität öffentlicher Debatten und fordern eine Rückkehr zu einer konstruktiven Streitkultur.
Pörksen plädiert dabei für einen Wechsel vom „Ich-Ohr“ zum „Du-Ohr“, um trotz tiefer Differenzen die Perspektive des Gegenübers wieder ernsthaft wahrzunehmen. Sie kommen zu dem Schluss, dass nicht „Filterblasen“, sondern ein permanenter „Filter-Clash“ – die ständige Reibung mit gegensätzlichen Weltsichten – die Gesellschaft überreizt und polarisiert.
Als Lösung schlagen sie eine „robuste Zivilität“ vor, die den harten, aber sachlichen Konflikt erlaubt, solange die persönliche Abwertung des Gegenübers unterbleibt.
Das Gespräch betont abschließend, dass eine lebendige Demokratie auf der individuellen Bereitschaft zur Irritation und der Abkehr von ideologischen Feindbildern basiert.
Aus der Podcastfolge „Debatte NEU DENKEN mit Bernhard Pörksen“ vom –17.02.2026– des Podcasts „NEU DENKEN„.
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„Liebet eure Feinde und tut denen Gutes, die euch hassen.” So steht es im Lukas-Evangelium. Ein Satz, der leicht gesagt, aber offensichtlich schwer zu praktizieren ist und den trotzdem viele Pazifisten unterschreiben würden. Die andere Wange hinhalten gilt für leitende evangelische Christen jetzt nur noch eingeschränkt.
Wehrdienst, Verteidigungsausgaben, Atomwaffen, Wege zum Frieden. Zu all diesen Themen hat die Evangelische Kirche in Deutschland diese Woche Stellung bezogen. Mit der ersten großen Friedensdenkschrift seit fast 20 Jahren. Aus dieser Denkschrift spricht ein neuer verteidigungspolitischer Pragmatismus und eine Abkehr von früheren pazifistischen Haltungen. Die Evangelische Kirche ist theologisch in der Realität angekommen.
Aus der Friedensdenkschrift spricht ein neuer verteidigungspolitischer Pragmatismus. Dieser ist zwar bereits aus Äußerungen der Bischöfinnen und Bischöfe der letzten Jahre bekannt, doch nun gibt es dafür auch ein theologisches Gerüst. Die Theologinnen und Theologen, die die Denkschrift verfasst haben, erkennen an, dass die Bundesregierung in Verteidigung investieren muss und dass Waffenlieferungen mit christlicher Ethik begründbar sind, sofern sie dem Schutz der Bevölkerung dienen und eine weitere Eskalation des Kriegs verhindern.
Dieser neue Pragmatismus ist bemerkenswert, denn er steht für eine größere Entwicklung. Nach und nach wendet sich die evangelische Kirche damit von pazifistischen Positionen ab, die lange zu ihrer DNA gehört haben: von „Schwerter zu Pflugscharen”, von Friedenschaffen ohne Waffen, von einer Friedensbewegung, in der die Kirche eine zentrale Rolle gespielt hat – sei es bei Protesten gegen Aufrüstung oder für Wehrdienstverweigerung.
Die Denkschrift würdigt die pazifistische Tradition des absoluten Gewaltverzichts zwar als spirituelle Praxis und als Stachel im Fleisch, macht aber auch klar, dass sich der Pazifismus als universale politische Ethik nicht legitimieren lässt. Auch die pazifistischen Rufe von Pfarrerinnen und Pfarrern in der evangelischen Kirche selbst, zum Beispiel nach Verhandlungen als einziger Lösung oder danach, zivilen Widerstand gegen Regime zu stärken, gehen so nicht auf. An die Stelle des evangelischen Pazifismus tritt nun also ein neuer evangelischer Pragmatismus. Dieser deckt sich übrigens an vielen Stellen mit den Positionen der aktuellen und der letzten Bundesregierungen. Das Motto dieses evangelischen Pragmatismus lautet jedenfalls: Wenn es gar nicht anders geht, dann ist aus evangelischer Sicht sogar Gewalt denkbar – aber nur mit großem Zähneknirschen und nach gründlicher Gewissensprüfung.
Auch beim Thema Wehrdienst stimmt die evangelische Kirche mit der Bundesregierung überein. Die Regierung hat diese Woche beschlossen, erstmal flächendeckend junge Männer zu mustern, die sich dann freiwillig entscheiden können. Freiwilligkeit findet auch die evangelische Kirche gut. Obwohl sie eine Wehrpflicht ethisch für vertretbar hält und auch gern noch darüber diskutiert hätte, ob nicht auch Frauen herangezogen werden müssten. Die Kirche unterstreicht jedenfalls, dass Militärdienst ein christlicher Einsatz für den Frieden sein kann.
Laut Denkschrift kann der Mensch den wahren, echten Frieden allerdings gar nicht selbst schaffen, sondern gibt es allein im Reich Gottes. Bei allem Pragmatismus hat sich die evangelische Kirche also doch nicht ganz von frommen Hoffnungen verabschiedet.
In einem Interview warnt der russische Politikwissenschaftler Sergej Karaganow vor der hohen Gefahr eines Atomkriegs, kritisiert die europäische Elite und propagiert eine drastische Abkehr Russlands vom Westen sowie eine Fokussierung auf Sibirien. Dabei prognostiziert er die mögliche Zerstörung Europas im Falle eines großen Krieges.
In einem Interview äußert der russische Politikwissenschaftler Sergej Karaganow alarmierende Ansichten über die Gefahr eines Atomkriegs und die gegenwärtige geopolitische Situation. Er bezeichnet die europäische Elite als degeneriert und fordert eine Rückkehr zur Angst vor Krieg. Er warnt, dass Europa im Falle eines großen Krieges, den er als unvermeidlich ansieht, einfach aufhören könnte zu existieren, und betont, dass Russland seine strategische Ausrichtung stärker auf Sibirien lenken sollte. Karaganows radikale Ansichten spiegeln eine weit verbreitete Meinung innerhalb der russischen militärischen und politischen Elite wider. Diese sieht Putins bisherige Zurückhaltung als zu gemäßigt an.
»„Sollte es zu einem großen Krieg kommen, wird Europa einfach aufhören zu existieren“ – Der russische Politikwissenschaftler und Historiker Sergej Karaganow ist seit Jahrzehnten als Berater der politischen Elite Russlands tätig und sitzt in einflussreichen außen- und wirtschaftspolitischen Gremien. Multipolar sprach mit ihm über die Gefahr eines Atomkriegs, seine Meinung über europäische Staatsführer sowie über seine Vorschläge für eine Abkehr Russlands vom Westen und eine stärkere Fokussierung auf Sibirien. Karaganows Aussagen sind durchaus kriegerisch und radikal, werden ihm zufolge jedoch von 95 Prozent der militärischen und politischen Führungsschicht Russlands geteilt. Multipolar publiziert das Interview, um Öffentlichkeit über das Denken dieser relevanten öffentlichen Person und der entsprechenden Fraktion der russischen Elite herzustellen, die die Haltung Wladimir Putins gegenüber dem Westen für zu gemäßigt hält. Karaganows Aussagen verdeutlichen zudem, unter welchem innenpolitischen Druck Putin steht und welche Art Entscheider ihm dereinst in Moskau nachfolgen könnte. Das Gespräch führte Éva Péli am 30. Oktober in Moskau.«, 14.11.2025, https://multipolar-magazin.de/artikel/interview-karaganow
Obwohl Fortschritte bei der Abkehr von fossilen Brennstoffen erzielt wurden, wird der weltweite CO₂-Ausstoß im Jahr 2025 einen Rekordwert erreichen. Dies lässt die Hoffnung auf eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf unter 1,5 Grad Celsius unrealistisch erscheinen.
Für das Jahr 2025 wird ein weltweiter CO₂-Ausstoß von 38,1 Milliarden Tonnen erwartet. Dies wäre ein neuer Rekord, der die Möglichkeit, die Klimaerwärmung auf unter 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, als „nicht mehr plausibel” erscheinen lässt. Während die Emissionen in China und Indien langsamer steigen, nehmen sie in den USA und der EU wieder zu. Dies wird auf kälteres Wetter und andere Faktoren zurückgeführt. Trotz einiger Fortschritte, durch die es Ländern gelang, ihre Emissionen zu senken, bleibt die globale Abkehr von fossilen Brennstoffen unzureichend, um die Klimaziele zu erreichen.