🎙 »Ja, und ich habe da was gegen, dass die Menschen dieser Welt aufgehetzt werden, von ihren Staaten, für deren imperiale Interessen.«

Das Interview behandelt die modernen Werbestrategien der Bundeswehr, die sich in den sozialen Medien Instagram und TikTok präsentiert, um junge Menschen für den Militärdienst zu gewinnen.

Ole Nymoen, ein junger Podcaster und Autor, kritisiert diese Strategie als verharmlosend, da sie die brutalen Realitäten des Krieges und die damit verbundenen Risiken ausblendet. Er argumentiert, dass die Bundeswehr ein Image als moderner Arbeitgeber schaffen möchte, das auf Individualität und Selbstverwirklichung abzielt, die tatsächlichen militärischen Anforderungen und die Möglichkeit von Gewalt jedoch verschweigt.

Obwohl die Zahl der Bewerber gestiegen ist, bleibt die Bundeswehr weit von ihren Rekrutierungszielen entfernt. Nymoen führt dies auf die Diskrepanz zwischen den Werbebotschaften und den realen Erwartungen zurück.

Abschließend äußert er Skepsis gegenüber der aktuellen sicherheitspolitischen Lage und der damit verbundenen Militarisierung der Gesellschaft.

Es gibt aber auch sehr viel Content, der darauf ausgerichtet ist, junge Leute anzusprechen und wo auf eine sehr verharmlosende Art und Weise meiner Meinung nach der Krieg dargestellt wird, beziehungsweise oftmals eben nicht dargestellt wird. Da wird die Bundeswehr als ein Arbeitgeber gezeigt, wo Loyalität großgeschrieben wird, wo das Abenteuer großgeschrieben wird. Aber das, worum es am Ende eigentlich geht, nämlich das Schießen, das Töten, das vielleicht sogar auch selbst Sterben, das findet dort keinen Platz.

Also, sobald da der Krieg ist, ist es natürlich so, dass diese ganze Selbstdarstellung, von wegen, wir erziehen hier doch nicht einfach nur Kanonenfutter, dass die dann selbstverständlich hinfällig wird. Dann ist man letztlich dem Befehl ausgesetzt und muss dem folgen und macht sich ansonsten strafbar und muss im Ernstfall für das Land töten und sterben. Da kann man noch so schöne Videos vorher auf Social Media machen, und da kann man die Grundausbildung auch noch so sehr modernisieren. Das ist das, worum es am Ende des Tages dort immer geht. In jeder Armee der Welt.

Das heißt, es gibt zwar diese Behauptung erstmal auf den Fragebögen, ja, ich kann mir das so grundsätzlich vorstellen, zur Bundeswehr zu gehen, tun, machen es dann aber dennoch eher weniger.

Ich möchte nur sagen, dass diese Aussage, ja, da ist so eine veränderte sicherheitspolitische Lage, auf die man so trifft, dass ich das für ein wenig fragwürdig halte, denn diese sicherheitspolitische Lage, die sich verändert, die wird doch von der Bundesregierung ganz selbstbewusst vorangetrieben und zwar nicht, dass man irgendeine Militärmacht unter vielen ist, sondern die Ansage ist, die konventionell stärkste Streitkraft Europas zu haben. Ja, da ist man nicht irgendwer. Also zu sagen, da geht es einfach nur darum, notfalls mal das eigene Territorium verteidigen zu können, halte ich für abwegig.

Also, die sicherheitspolitische Lage hat sich geändert und ich würde behaupten, die größte Veränderung dabei ist, dass die U.S. Amerikaner sagen, dass die Nachkriegsordnung, die sie eingerichtet haben, dass sie die nicht einfach mehr garantieren wie früher, dass also nicht mehr mit einer unglaublichen Gewalt eine Weltordnung durchgesetzt wird, von der Deutschland profitiert hat, ohne selbst etwas dafür tun zu müssen. Das ist das, wo ich sage, das ändert sich jetzt und jetzt erkennt man in Deutschland, O. K., bislang hat man von der Weltordnung profitiert, die man nicht selbst gewaltsam einrichten musste, das löst sich auf und wenn man weiterhin profitieren will von der Welt, dann muss man selbst diese Gewaltmittel in der Hand haben und so verstehe ich auch den Kanzler, der will genau die Gewalt in der Hand haben, die die U. S. A. in der Hand haben, der will die Gewalt in der Hand haben, die ein Russland in der Hand hat, um notfalls mit genau derselben Kriegslogik drohen zu können.

Na ja, ich bin nicht der Staat, sondern ich bin einer von denen, die im Ernstfall im Schützengraben sterben. Ja, und ich habe da was gegen, dass die Menschen dieser Welt aufgehetzt werden, von ihren Staaten, für deren imperiale Interessen. Und ich möchte den Leuten sagen, dass sie sich aufhören sollen, sich damit gemein zu machen. Das ist der erste Schritt, wenn man tatsächlich eines Tages eine Welt ohne Krieg möchte.

dass Egoismus das Grundprinzip dieser Gesellschaft ist. Man soll es vernünftig finden, dass wir in einer Ökonomie leben, in der die einen unter der Brücke schlafen, während die anderen 20 Ferienhäuser haben. Aber wenn dann Krieg ist, dann sollten auf einmal alle sich als eine einzige Interessengemeinschaft denken. Da stimmt ja irgendwas an der Erzählung nicht dran. Von daher finde ich Egoismus da wirklich ein ganz komischen Einwand, und ich frage mich auch, was heißt denn da Egoismus, also damit soll sie suggeriert werden, draußen sind böse militärische Gegner, die wollen nichts anderes tun, als möglichst viele unschuldige Deutsche umbringen, und ich bin jetzt der, der sich da verweigert, sich dem in den Weg zu stellen. Das ist auch eine Art von Feindbildpflege, die ich albern finde.

mir ist noch kein Fall bekannt von einer Person des öffentlichen Lebens, die tatsächlich gesagt hat, ich trete jetzt meine Reserveausbildung an. Also habe ich noch keinen einzigen kennengelernt. Man findet nur Leute, die praktischerweise jetzt in einem Alter sind, wo sie niemand mehr fragt. Von daher finde ich das auch alles ein bisschen, ich weiß nicht, bisschen halbgar und langweilig, ehrlich gesagt. Aber ja, also in der Gesellschaft ändert sich auf jeden Fall das Verhältnis zum Militär, beziehungsweise es soll sich ändern.


Aus dem Interview „Die Bundeswehr als Marke – Das neue Bild des Militärs. Ole Nymoen, Publizist“ der Deutschlandfunk-Sendung „Information und Musik“ vom –31.05.2026-.


Interview in neuem Tab hören: https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2026/05/31/die_bundeswehr_als_marke_das_neue_bild_des_militaers_ole_dlf_20260531_0738_8fca5212.mp3

Webseite des Interviews in neuem Tab lesen: https://www.deutschlandfunk.de/die-bundeswehr-als-marke-das-neue-bild-des-militaers-ole-nymoen-publizist-100.html

„CC BY-NC-SA“-Lizenz öffnet sich in einem neuen Tab: https://rueckzuginsprivate.de/cc-lizenzierung-cc-by-nc-sa/

rueckzuginsprivate.de weist darauf hin, dass die Inhalte der geteilten und zusammengefassten Artikel die Ansicht der verlinkten Websites wiedergeben. Diese Ansicht muss nicht mit der Meinung von rueckzuginsprivate.de übereinstimmen.

Kriegskatastrophe | weekly 202549

SOS Kinderdörfer: Klimawandel und Konflikte führen zu immer mehr Behinderungen bei Kindern

Die SOS-Kinderdörfer berichten, dass der Klimawandel und Konflikte zu einem Anstieg von Behinderungen bei Kindern führen. So wurden im Jahr 2024 fast 8.500 Kinder in Kriegen verstümmelt, die meisten davon in Gaza und im Sudan. Die Hilfsorganisation betont, dass Kinder, die nicht für die aktuellen Krisen verantwortlich sind, am stärksten unter den Folgen leiden und ihr Leben lang eingeschränkt sein können. Zudem führt Mangelernährung, die durch klimabedingte Ernteausfälle verursacht wird, zu weiteren gesundheitlichen Beeinträchtigungen. 02.12.2025 https://www.deutschlandfunk.de/sos-kinderdoerfer-klimawandel-und-konflikte-fuehren-zu-immer-mehr-behinderungen-bei-kindern-102.html

Auf dem Weg in die erste Rüstungsliga (I)

Der Artikel berichtet über einen Anstieg der Umsätze der hundert größten Rüstungskonzerne weltweit um 5,9 Prozent auf den Rekordwert von 679 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024. Insbesondere Unternehmen aus den USA, Europa, Japan und Südkorea profitierten davon. Mit einem Umsatz von 334 Milliarden US-Dollar bleibt die US-Rüstungsindustrie führend, während europäische Unternehmen, angeführt von BAE Systems, ein Wachstum von 13 Prozent auf 151 Milliarden US-Dollar verzeichneten – stark beeinflusst durch den Ukraine-Krieg. Deutsche Rüstungsunternehmen wie Rheinmetall erzielten ein bemerkenswertes Umsatzwachstum von 36 Prozent und könnten bald die führende Position in der EU übernehmen. Der Artikel hebt zudem hervor, dass auch die Rüstungsunternehmen in Israel und der Türkei von regionalen Konflikten profitierten, während chinesische Firmen Umsatzeinbußen verzeichneten. 02.12.2025 https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/10223

Es knirscht bei der SAP-Umstellung der Bundeswehr

Die Umstellung der Bundeswehr auf das neue SAP-System S/4HANA verläuft problematisch: Die Software funktioniert nicht zuverlässig und eine fehlerfreie Datenweitergabe ist nicht gewährleistet. In einem internen Dokument des Verteidigungsministeriums wird die „mangelhafte Funktionalität” sowie die unzureichende Einsatzreife der Software bemängelt. Dies führte zu einer Verschiebung des geplanten Go-Live-Termins auf Frühjahr 2026. SAP hat die mangelhafte Softwarequalität eingeräumt und die Bundeswehr benötigt mehr Zeit, um die Lösung zu optimieren und die Akzeptanz zu verbessern. Dies ist bereits das zweite große Digitalprojekt der Bundeswehr, das auf erhebliche Schwierigkeiten stößt, nachdem auch die Ausrüstung mit digitalen Funkgeräten problematisch verlief. 29.11.2025 https://www.heise.de/news/Es-knirscht-bei-der-SAP-Umstellung-der-Bundeswehr-11097336.html?view=print

Eine alarmierende Entwicklung: Immer mehr Jobs in der Rüstungsindustrie

Der Artikel thematisiert den alarmierenden Anstieg von Arbeitsplätzen in der Rüstungsindustrie, während in anderen Branchen in Deutschland zahlreiche Stellen abgebaut werden. So plant etwa der Rüstungskonzern Rheinmetall, sein Personal um mehr als zehn Prozent zu erweitern. Dies ist Teil eines globalen Trends, bei dem auch große US-Rüstungsunternehmen Tausende neue Stellen schaffen. Diese Entwicklung wirft Fragen zu den wirtschaftlichen und politischen Implikationen auf – insbesondere vor dem Hintergrund der Forderungen nach einer Umstellung auf Kriegswirtschaft in Europa. Der Artikel kommt zu dem Schluss, dass diese Situation besorgniserregend ist und eine wachsame Haltung erfordert. 28.11.2025 https://www.nachdenkseiten.de/?p=142771

Präsident Macron stellt neuen freiwilligen Militärdienst vor

Präsident Macron hat ein neues Programm für einen freiwilligen Militärdienst für 18- und 19-Jährige in Frankreich vorgestellt. Es soll zehn Monate dauern. Die ersten Teilnehmer sollen im kommenden Jahr beginnen und ausschließlich in Frankreich und den französischen Außengebieten dienen, ohne an Auslandseinsätzen teilzunehmen. Das Programm zielt darauf ab, die Streitkräfte Frankreichs angesichts zunehmender Bedrohungen durch Russland zu stärken. Eine Wiedereinführung der zuvor abgeschafften Wehrpflicht ist jedoch nicht geplant. 27.11.2025 https://www.deutschlandfunk.de/praesident-macron-stellt-neuen-freiwilligen-militaerdienst-vor-100.html

Tödliche Technologie

Der Artikel thematisiert die Gefahren der Militarisierung von künstlicher Intelligenz, insbesondere durch autonome Waffensysteme wie Kamikazedrohnen, die aktuell in Konflikten eingesetzt werden. Er verweist auf das Video „Slaughterbots” des Future of Life Institute, das die potenziellen Folgen solcher Technologien aufzeigt und zur Ächtung letaler autonomer Waffensysteme (LAWS) aufruft. Trotz internationaler Bemühungen, diese Technologien zu regulieren, zeigt Deutschland eine ambivalente Haltung und plant den Erwerb autonomer Drohnen. Dies wird als Rückschritt in der Debatte um Rüstungskontrolle gewertet. Zudem wird auf die koloniale Prägung dieser Technologien hingewiesen: Viele Daten werden in Ländern des Globalen Südens erhoben und Tests durchgeführt, was die betroffenen Bevölkerungsgruppen stark belastet. | 26.11.2025 | https://www.imi-online.de/2025/11/26/toedliche-technologie/

Friedensplan zum Kriegsplan gemacht

Der Artikel kritisiert die Entscheidung von Bundeskanzler Friedrich Merz, der Ukraine 11,5 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen, während in Deutschland die Renten gekürzt werden. Es wird argumentiert, dass die Bundesregierung den Friedensplan von Donald Trump in einen Kriegsplan umgewandelt habe, indem sie die NATO-Ostexpansion fortsetze und eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine nicht mehr zur Diskussion stelle. Dies wird als Zeichen des Desinteresses an einer Konfliktbeendigung interpretiert und könnte einen Dritten Weltkrieg heraufbeschwören. Zudem stellt der Artikel die Doppelmoral der Diplomatie infrage und kritisiert die fortgesetzte militärische Unterstützung für die Ukraine. | 26.11.2025 | https://www.nachdenkseiten.de/?p=142680

hören

Schulstreiks gegen Wehrpflicht: Kommen jetzt die „Fridays for Frieden“?

Für den 5. Dezember 2025 planen Schüler- und Jugendbündnisse bundesweite Schulstreiks gegen die von der schwarz-roten Koalition beschlossene Wiedereinführung der Wehrpflicht. Die Initiative wird von lokalen Bündnissen und Friedensorganisationen unterstützt. Es sind bereits zahlreiche Aktionen in verschiedenen Städten vorbereitet. Die Schüler:innen fordern das Recht auf Frieden und Selbstbestimmung und kritisieren die Militarisierung sowie die drohende Zwangseinberufung. Die Bewegung könnte auf erheblichen ideologischen Widerstand stoßen, was die Bedeutung ihres Engagements für die Zukunft unterstreicht. | 26.11.2025 | https://www.nachdenkseiten.de/?p=142673

hören

Pax Americana: Trump schockt Kiew und Brüssel mit Friedensplan

Der durchgesickerte Friedensplan der Trump-Regierung deutet auf eine signifikante geopolitische Verschiebung hin, die sowohl Europa als auch das globale Sicherheitssystem betrifft. Der Plan sieht vor, dass die USA die geopolitische Karte Osteuropas nach eigenen Interessen neu zeichnen, während die EU weiter marginalisiert und Russland teilweise anerkannt wird. Die Ukraine befindet sich in einer schwierigen Lage, da sie unter Druck steht, territoriale Zugeständnisse zu machen. Dies könnte als politischer Selbstmord angesehen werden, während sie gleichzeitig die Unterstützung der USA aufrechterhalten möchte. Der Plan könnte in der Ukraine zu einer tiefen politischen Krise führen und die Suche nach einem unabhängigen europäischen Weg fördern. Die Aussicht auf einen echten Frieden bleibt jedoch weiterhin ungewiss. | 25.11.2025 | https://www.nachdenkseiten.de/?p=142581

hören

Europa will von Frieden nichts wissen: „Land muss bereit sein, seine Kinder zu verlieren“ und Luftwaffe soll „Siegfähigkeit“ mitbringen

Der Artikel kritisiert die militärische Rhetorik und die Fokussierung auf Krieg in Europa. Insbesondere werden dabei Äußerungen von Militärs zur „Siegfähigkeit“ der deutschen Luftwaffe sowie die Bereitschaft Frankreichs, im Krieg Kinder zu verlieren, thematisiert. Der Autor Markus Klöckner hinterfragt die Notwendigkeit solcher Aussagen und betont, dass im Krieg niemand „gewinnt“, da das menschliche Leid im Vordergrund steht. Zudem kritisiert er die Medienberichterstattung, insbesondere die des Spiegels, da diese den Krieg und militärische Strategien statt Friedensverhandlungen thematisiert. Klöckner fordert ein Umdenken und eine Rückbesinnung auf die Lehren der Geschichte, um zukünftige Konflikte zu vermeiden. | 25.11.2025 | https://www.nachdenkseiten.de/?p=142589

hören

Friedensangst

In seinem Artikel „Friedensangst“ thematisiert Jens Berger die Schwierigkeiten der deutschen politischen und medialen Eliten, die Realität des Ukrainekriegs, insbesondere die Möglichkeit einer Niederlage des Westens, zu akzeptieren. Berger kritisiert die Weigerung, einen ernsthaften Friedensprozess einzuleiten, und beschreibt die „Friedensangst” als zynische Selbsttäuschung, die aus der Angst vor der Realität resultiert. Er zieht Parallelen zur Endphase des Ersten Weltkriegs, als ähnliche Ängste und Widerstände gegen Friedensverhandlungen vorherrschten. Insgesamt wird deutlich, dass die gegenwärtige Haltung der deutschen Eliten sowohl historisch als auch moralisch problematisch ist. | 24.11.2025 | https://www.nachdenkseiten.de/?p=142551

hören

Diese Kirche, diese Haltung ist nicht mehr meine Kirche, ist der Gegensatz meiner Haltung. |

„Liebet eure Feinde und tut denen Gutes, die euch hassen.” So steht es im Lukas-Evangelium. Ein Satz, der leicht gesagt, aber offensichtlich schwer zu praktizieren ist und den trotzdem viele Pazifisten unterschreiben würden. Die andere Wange hinhalten gilt für leitende evangelische Christen jetzt nur noch eingeschränkt.

Wehrdienst, Verteidigungsausgaben, Atomwaffen, Wege zum Frieden. Zu all diesen Themen hat die Evangelische Kirche in Deutschland diese Woche Stellung bezogen. Mit der ersten großen Friedensdenkschrift seit fast 20 Jahren. Aus dieser Denkschrift spricht ein neuer verteidigungspolitischer Pragmatismus und eine Abkehr von früheren pazifistischen Haltungen. Die Evangelische Kirche ist theologisch in der Realität angekommen.

Aus der Friedensdenkschrift spricht ein neuer verteidigungspolitischer Pragmatismus. Dieser ist zwar bereits aus Äußerungen der Bischöfinnen und Bischöfe der letzten Jahre bekannt, doch nun gibt es dafür auch ein theologisches Gerüst. Die Theologinnen und Theologen, die die Denkschrift verfasst haben, erkennen an, dass die Bundesregierung in Verteidigung investieren muss und dass Waffenlieferungen mit christlicher Ethik begründbar sind, sofern sie dem Schutz der Bevölkerung dienen und eine weitere Eskalation des Kriegs verhindern.

Dieser neue Pragmatismus ist bemerkenswert, denn er steht für eine größere Entwicklung. Nach und nach wendet sich die evangelische Kirche damit von pazifistischen Positionen ab, die lange zu ihrer DNA gehört haben: von „Schwerter zu Pflugscharen”, von Friedenschaffen ohne Waffen, von einer Friedensbewegung, in der die Kirche eine zentrale Rolle gespielt hat – sei es bei Protesten gegen Aufrüstung oder für Wehrdienstverweigerung.

Die Denkschrift würdigt die pazifistische Tradition des absoluten Gewaltverzichts zwar als spirituelle Praxis und als Stachel im Fleisch, macht aber auch klar, dass sich der Pazifismus als universale politische Ethik nicht legitimieren lässt. Auch die pazifistischen Rufe von Pfarrerinnen und Pfarrern in der evangelischen Kirche selbst, zum Beispiel nach Verhandlungen als einziger Lösung oder danach, zivilen Widerstand gegen Regime zu stärken, gehen so nicht auf. An die Stelle des evangelischen Pazifismus tritt nun also ein neuer evangelischer Pragmatismus. Dieser deckt sich übrigens an vielen Stellen mit den Positionen der aktuellen und der letzten Bundesregierungen. Das Motto dieses evangelischen Pragmatismus lautet jedenfalls: Wenn es gar nicht anders geht, dann ist aus evangelischer Sicht sogar Gewalt denkbar – aber nur mit großem Zähneknirschen und nach gründlicher Gewissensprüfung.

Auch beim Thema Wehrdienst stimmt die evangelische Kirche mit der Bundesregierung überein. Die Regierung hat diese Woche beschlossen, erstmal flächendeckend junge Männer zu mustern, die sich dann freiwillig entscheiden können. Freiwilligkeit findet auch die evangelische Kirche gut. Obwohl sie eine Wehrpflicht ethisch für vertretbar hält und auch gern noch darüber diskutiert hätte, ob nicht auch Frauen herangezogen werden müssten. Die Kirche unterstreicht jedenfalls, dass Militärdienst ein christlicher Einsatz für den Frieden sein kann.

Laut Denkschrift kann der Mensch den wahren, echten Frieden allerdings gar nicht selbst schaffen, sondern gibt es allein im Reich Gottes. Bei allem Pragmatismus hat sich die evangelische Kirche also doch nicht ganz von frommen Hoffnungen verabschiedet.

»Die EKD ist mit ihrer „Friedensdenkschrift“ in der Realität angekommen – Die evangelische Kirche in Deutschland hat mit der ersten großen Friedensdenkschrift seit fast 20 Jahren zu aktuellen Themen Stellung bezogen. Darin findet sich ein neuer verteidigungspolitischer Pragmatismus und die Abkehr vom starren Pazifismus.«, 15.11.2025, https://www.deutschlandfunk.de/kommentar-zur-evangelischen-friedensdenkschrift-in-der-realitaet-angekommen-100.html

hören: