🎶 „In letzter Zeit“, sagt sie, „habe ich das Gefühl, mein Leben …“

Es war ein Morgen, der geradewegs aus einem alten Schwarz-Weiß-Film zu stammen schien, an einem Ort, an dem die Zeit den Atem anzuhalten und sich rückwärts zu drehen schien. Wie ein schattenhafter Fremder schlenderst du gedankenvoll und fast unsichtbar durch die Menge, bis du plötzlich aus dem blendenden Sonnenlicht trittst. Ihr Seidenkleid weht im Laufschritt um sie herum, fließend und flüchtig wie ein Aquarellbild, das im Regen zerfließt. Sie verlangt keine Erklärungen, sie ist einfach da – eine unerwartete Naturgewalt im Jahr der Katze.

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Bevor du auch nur eine Frage stellen kannst, hat sie sich bereits bei dir eingehakt. Du folgst ihr und verlierst mit jedem Schritt ein wenig mehr das Gefühl dafür, woher du kamst und wohin du eigentlich gehen wolltest. Vorbei an blau gefliesten Wänden und nicht weit von den lebhaften Marktständen entfernt, führt sie dich zielsicher zu einer verborgenen Tür. Ihre Worte sind ein leises Raunen, das dich umfängt: „Das Leben ist ein rastloser Fluss, der unaufhaltsam durch uns hindurchströmt.“

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Ihr Blick trifft dich mit einer kühlen, unergründlichen Ruhe, und in ihren Augen spiegelt sich das fahle Mondlicht auf dem nachtschwarzen Meer. Umhüllt vom schweren, erdigen Duft nach Weihrauch und Patschuli lässt du jede Gegenwehr fallen. Du gibst dich vollkommen hin, um das Geheimnis zu ergründen, das im Schatten auf dich wartet.

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Wenn schließlich der nächste Morgen dämmert, bist du noch immer bei ihr. Der Reisebus ist längst abgefahren, die Touristen sind weitergezogen. Du hast deine Pläne verworfen, dein Ticket achtlos weggeworfen und dich bewusst gegen das Geordnete entschieden. Auch wenn tief in dir das leise Wissen ruht, dass du sie eines Tages wieder verlassen musst, schwingt der Nachhall dieser Nacht in dir weiter. Der Rhythmus dieses neu geborenen Tages pocht in deinen Adern und in diesem flüchtigen Augenblick bleibst du.

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Autor: Bernd

» ... Ist es möglich; daß man trotz Erfindungen und Fortschritten, trotz Kultur, Religion und Weltweisheit an der Oberfläche des Lebens geblieben ist? Ist es möglich, daß man sogar diese Oberfläche, die doch immerhin etwas gewesen wäre, mit einem unglaublich langweiligen Stoff überzogen hat, so daß sie aussieht wie die Salonmöbel in den Sommerferien? Ja, es ist möglich. ... « – Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, 1910 ====================

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