🎙 Wenn die Welt zu laut wird: Ein Gespräch über Hochsensibilität und den Alltag.

Die 64-jährige Renate hat eine interessante Lebensgeschichte. Obwohl sie sich oft so fühlt, bezeichnet sie sich selbst nicht als „hochsensibel”. Renate hat Schwierigkeiten mit Lärm und fand den Schulalltag als Lehrerin sehr anstrengend. In ihrer Kindheit hat sie viel durchgemacht: Sie hatte liebevolle, aber überforderte Eltern und kämpfte später mit Essstörungen und Depressionen.


Aus der Podcastfolge „Hochsensibel oder nicht? Ein Leben auf der Suche“ vom 26.06.2024 des RB-Podcasts „Eine Stunde reden – Gespräche mit Unbekannten“ (Verfügbar bis 12.09.2026).


Durch Selbsthilfegruppen lernte sie, ihre Probleme zu verstehen und mit ihrer Sensibilität umzugehen. Sie hat gelernt, auf ihre innere Stimme zu hören, und hat Frieden mit ihren Besonderheiten geschlossen. Heute malt und musiziert sie gerne und findet Freude in kleinen Dingen wie den Schatten an der Wand oder Insekten im Gras.

Renate spricht offen darüber, wie wichtig es ist, die eigenen Empfindlichkeiten zu akzeptieren, und davon, wie sie trotz ihrer Herausforderungen ein erfülltes Leben führt. Sie hat ein tiefes Verständnis für psychische Erkrankungen entwickelt und möchte anderen helfen, die ähnliche Erfahrungen machen.

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📅❓ Fordern und Fördern.

Es sind drei Lehrer:innen, die mich geprägt haben. Indirekt sind es sogar vier.

Nach der Grundschule erhielt ich keine Empfehlung für das Gymnasium, da meine Klassenlehrerin, Frau D., der Meinung war, dass Kinder, deren Eltern keine Fremdsprachen sprechen, auf dem Gymnasium nichts zu suchen haben. Auch nicht auf der Realschule.

Ich ging also in die fünfte Klasse der Hauptschule. Meine Klassenlehrerin, Frau K., war wohl Berufseinsteigerin, noch voller Illusionen und Enthusiasmus. Sie war mitfühlend, zugewandt und hatte alle ihre Schülerinnen und Schüler im Blick. Ihr war sehr daran gelegen, dass aus der Klasse eine Gemeinschaft wurde. Und das wurden wir. Wir trafen uns oft nachmittags nach der Schule zum Spielen. Wir Jungs vor allem, um Fußball zu spielen. Und Frau K. war sehr oft dabei. Das schweißte uns zusammen und machte aus vielen von uns eine eingeschworene Gemeinschaft. Unter ihrer Führung wurde ich einer der besten Schüler:innen der Klasse. Frau K. nutzte die Klassenbesten, um die Schwächeren zu unterstützen. Mit Erfolg. Viele von uns konnten am Ende des Schuljahres die Hauptschule in Richtung Realschule oder Gymnasium verlassen. Dazu musste man eine Aufnahmeprüfung bestehen. Frau K. ist mir bis heute lebendig in Erinnerung.

Ich wechselte aufs Gymnasium und erlebte sozusagen das Gegenteil. Überfüllte Klassen und Schulhöfe, überforderte Lehrer:innen. Ich schleppte mich die ersten drei Jahre durch, ging dann völlig unter und blieb glücklicherweise nach dem siebten Schuljahr sitzen.

Ich kam in eine Klassengemeinschaft, die sich in den drei Jahren zuvor gut entwickelt hatte und sich ähnlich anfühlte wie unsere in der Hauptschule. Unser Klassenlehrer war Herr D., ein noch junger, drahtiger, sportlicher und lebenslustiger Mensch. Ihm habe ich meine Liebe zu Frankreich und zur französischen Sprache zu verdanken, die ich aktuell wieder auffrische. Auch er war ein Lehrer, der seinen Schüler:innen auf Augenhöhe begegnete, und es wurde immer respektiert, dass er der Erste unter Gleichen war. Er blieb unser Klassenlehrer bis zum Abschluss des 10. Schuljahres. Irgendwann stellten Herr D. und ich fest, dass er meine Klassenlehrerin aus der Hauptschule, Frau K., geheiratet hatte. Diese Erinnerung erzeugt noch heute Gänsehaut bei mir. Was für eine schöne Fügung!

Als Deutschlehrer hatten wir den Konrektor des Gymnasiums, Herrn H., einen sogenannten alten Knochen, geprägt durch die Erfahrungen der Nazi-, Kriegs- und Nachkriegszeit. Er war ein Lehrer, der die Klasse verstummen ließ, wenn er den Raum betrat. Ich habe schon immer Probleme mit Autoritäten. Ich machte mich klein und hoffte, unsichtbar zu sein. Ich war einer der schlechtesten Deutschschüler:innen. Bis zu dem Morgen nach der großen Pause, als ich meinen kleineren Klassenkameraden P. spaßeshalber unter den Arm nahm. In der darauffolgenden Deutschstunde wurde P. übel und H. fragte ihn, ob er sich seine Übelkeit erklären könne. P. berichtete von meinem Armgriff.

Danach wackelten die Wände. H. schrie mich an, machte mir die größten Vorwürfe und trug mir auf, bis zum nächsten Tag zwölf DIN-A4-Seiten zu beschriften. Zuhause angekommen, war ich außer mir. Ich bebte vor empfundener Ungerechtigkeit. Ich hatte lediglich in der Pause mit P. geflachst und ihn möglicherweise unglücklich gegriffen. Meine Eltern suchten das Gespräch mit H., woraufhin das Überraschende geschah.

In den folgenden Wochen und Monaten gehörte ich immer zu denjenigen, die ihre Deutschhausaufgaben vor der Klasse stehend vortragen mussten. Nicht, weil H. mich vorführen wollte, sondern, wie ich gleich beim ersten Mal merkte, weil er mich von nun an förderte. Ohne H. wäre ich heute vermutlich ein anderer Mensch.

Unsere gegenseitige Sympathie ging sogar so weit, dass ich mit meinem befreundeten Klassenkameraden R. eine Radtour auf die andere Rheinseite unternahm, um H. zu Hause zu besuchen. Wir wurden freundlich empfangen. Ich lernte, was der Spruch „Harte Schale, weicher Kern” bedeutete.

Von K., D. und H. lernte ich, wie wichtig es ist, Kinder zu fordern und zu fördern.

Fordern und Fördern, das eine nicht ohne das andere, ist zu einer meiner Lebensmaximen und zu meinem Erfolgsrezept geworden.

Täglicher Schreibanreiz
Welcher Lehrer hat dich am meisten beeinflusst? Warum?

Who was your most influential teacher? Why?  |  Wer war dein prägendster Lehrer? Warum?

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Frauen: Freiwild, nicht nur im Freibad

[…] Ich bin (wie die meisten Mädchen) in den 60ern und 70er Jahren auch ganz ohne Ausländer von Männern belästigt worden. Und das nicht nur im Schwimmbad, sondern durch die eigenen Verwandten, Lehrer, Pfarrer, Nachbarn etc.
Das Patriarchat ist überall und seit Jahrtausenden schuld an der nicht enden wollenden Gewalt gegen Frauen und Mädchen.
~ I. F., Wetzlar, Leserinnenbrief […]

Ich habe mehrere Jahre in einer Ausländerbehörde gearbeitet. Die Bilder von den naiven Menschen, die klatschend an den Bahnhöfen standen, haben mich damals entsetzt.
~ A. Leserinnenbrief

Ich habe seit 2015 meine sämtlichen links-grünen Freunde und Freundinnen verloren, weil ich nie aufhörte, genau vor diesen frauenfeindlichen Gesellschaften zu warnen.
~ G. F., Frankfurt, Leserinnenbrief […]

Ich habe als Lehrerin der Sekundarstufe 1 seit 2015 akribisch Belästigungen, Übergriffe, Zuhälterei, Drogenhandel, Morddrohungen usw. von muslimischen Jungs dokumentiert und erst der Schulleitung und denn dem Dezernenten vorgelegt. Ergebnis: Dienstgespräch 2020/21 mit Denunzierung meiner Person. Haben meinen Dienst freiwillig quittiert, nach über 20 Jahren.
~ M. R., Leserinnenbrief […]

EMMA Nr. 5 (382), September/Oktober 2025, Briefe, Seite 97 zum Artikel „Frauen: Freiwild im Freibad“ vom 04.07.2025 in https://www.emma.de/artikel/freiwild-im-freibad-341875

Urverletzung.  |  Citation.

» […] Die Eltern sind froh, dass er der kleinen Lene bei den Hausaufgaben hilft. Dass Lenes Schreibheft trotzdem voller Tintenkleckse ist, bemerkt nur die Lehrerin, die darüber schimpft. Der Tintenklecks entsteht jedes Mal, wenn Lene nicht mehr weiterschreiben kann, weil Strecker seine Hände unter ihr Hemdchen gleiten lässt und seine Finger in sie steckt. Das tut „höllisch weh“ und „jetzt muss man sich irgendwo festhalten können. Ich halte micht am Füller fest und schaue auf den blauen See, der größer wird.“ […]

Helene Bracht reflektiert und philosophiert in poetischer Sprache über Scham, Kontrollverlust und Grenzen, verliert sich aber nie in der Abstraktion, sondern findet immer wieder zu sich selbst und ihrer Urverletzung. […] «

~ Chantal Louis in EMMA Nr. 5 (382) September/Oktober 2025 Seite 70 über Helene Brachts Buch „Das Lieben danach“, Hanser, 22 EUR.

https://www.emma.de/artikel/helene-bracht-das-lieben-danach-341955 | Bezahlschranke