📅❓ Der Junge muss an die frische Luft.

Sie sorgten sich. Der fünfjährige Junge ist zu blass. Er ist zu dünn. Sie schleppten ihn zum Kinderarzt. Auch wegen seiner Infektanfälligkeit. Er hörte Kinderlandverschickung. Und Allgäu.

Ein Koffer wurde gepackt. Früh morgens ging es zum Bahnhof. Es war kalt. Es war feucht. Er wusste nicht, wie ihm geschah. Seine Mutter drückte seinen Koffer und seine Hand in die Hände einer fremden Frau. Gab es einen Abschiedskuss? Sie mussten schnell einsteigen. Das Abteil war bereits voller Kinder. Er fühlte sich wie noch nie in seinem kurzen Leben: absolut verloren und verlassen. Die lange Zugfahrt verschwindet im Nebel. Im Allgäu angekommen, wartete ein Bus auf sie. Es lag Unmengen an Schnee. Das sollte sich während seines ganzen Aufenthalts nicht ändern.

Die zweite Erinnerung ist die große Mensa im Kinderheim. Es war laut und überfüllt. Es roch nach Haferschleim. Er hasste alles, was nach Schleim roch, aussah oder schmeckte, oder eine Haut obendrauf hatte.

Die dritte Erinnerung ist ein Kinderzimmer mit vier Hochbetten für acht Kinder. Er lag unten im Bett am Fenster. Er hatte keine Worte für das Gefühl, das ihn vom ersten bis zum letzten Tag beherrschte. Es war HEIMWEH. Vom ersten bis zum letzten Tag.

In der schlimmsten Nacht – es ist die vierte und nachhaltigste Erinnerung – nässte und kotete er ein. Er schämte sich so sehr, dass er regungslos in seinem nassen Bettchen liegen blieb und den Gestank ertrug. Morgens entdeckten sie das Malheur. Er kann sich nicht daran erinnern, dafür bestraft worden zu sein. Er wurde geduscht.

Heute denkt er, dass er großes Glück im Unglück hatte, denn er musste nicht das erleben, was andere Kinder in anderen Heimen erleben mussten: Zwangsernährung, Isolationsstrafen, körperliche oder seelische Gewalt. Eine Kontaktsperre zu den Eltern war jedoch üblich.

Fünfte Erinnerung: Jeden Tag in der Mensa wurden Päckchen verteilt, die von den Eltern geschickt worden waren. Jeden Tag wartete er mit offenen Ohren darauf, seinen Namen zu hören, und mit großen Augen darauf, ein für ihn bestimmtes Päckchen zu erhalten. Er kann sich nicht daran erinnern, eines erhalten zu haben.

Die sechste, schöne Erinnerung betrifft Karneval. Dort wurde Fasching gefeiert. Es war ein fröhliches Fest mit Verkleidungen, Luftschlangen, Knallerbsen, lauter Popmusik und Tanzen.

Die siebte und letzte Erinnerung ist ein Ausflug in den hohen Schnee bei eisiger Kälte, strahlend blauem Himmel und Sonnenschein.

Hier enden die Erinnerungsfragmente.

Er kann sich nicht daran erinnern, in diesen Wochen auch nur einmal gelächelt zu haben. Noch heute, Jahrzehnte später, muss er beim Niederschreiben dieses schlimmsten Reiseerlebnisses weinen. Es ist tief in seiner Körpererinnerung und Seele eingebrannt.

Rückblickend betrachtet war das wohl ein irreparabler Bruch, ein tiefer Vertrauensverlust gegenüber seinen Eltern. Es war nicht der erste und sollte auch nicht der letzte sein.


Was war das schlimmste Reiseerlebnis, das du je hattest?

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📔 Das Video beeinträchtigt die Live-Auftritte.

Irgendwann während der zurückliegenden Pandemie habe ich mir den Konzertfilm „Hans Zimmer: Live in Prague (2017)” angesehen. Dieser Konzertfilm wurde mir empfohlen. Bislang erregte Filmmusik nicht meine Aufmerksamkeit; sie war für mich immer nur Teil des Gesamtkunstwerks. Nur wenn sie störte, merkte ich es. Seit diesem Konzertfilm achte und hochachte ich Filmmusik.

Über zwei Stunden war ich ergriffen. Ich saß da, schaute auf den Bildschirm und mir liefen bei vielen Stücken oder an vielen Stellen die Tränen herunter. Diese Musik, diese Performance, berührte mich tief in meiner Seele und brachte die Saiten meiner Seele zum Schwingen. Zeitweise schüttelte sie meinen ganzen Körper. So etwas hatte ich zuletzt vor Jahrzehnten in der Berliner Philharmonie bei einer Aufführung von Bachs Johannes-Passion erlebt. „Live in Prague” war mehr oder weniger ein Rock-Spektakel.

Später hörte ich mir noch die Live-Aufnahmen von „The World of Hans Zimmer – A Symphonic Celebration” an. Diesmal stand das klassische Orchester im Vordergrund und es wiederholte sich, was ich beim Schauen von „Live in Prague” erlebt hatte.

Ich wollte Hans Zimmer unbedingt einmal live erleben. Die Gelegenheit ergab sich 2025 mit „HANS ZIMMER LIVE – THE NEXT LEVEL”. Mir war bewusst, dass die Fallhöhe für mich außerordentlich war. Meine beiden jüngsten Kinder, die beide in ihren Zwanzigern sind, begleiteten mich.

Es war eine grandiose Show, der es an nichts mangelte. Besonders freute es mich, Lisa Gerrard einmal live erleben zu dürfen. Und doch flossen keine Tränen, ich war nicht ergriffen und mein Körper schüttelte sich nicht. Es lag nicht an der Gewöhnung, denn bei „Live in Prague” kann ich die oben beschriebenen Reaktionen wiederholen.

Nachdem Hans Zimmer die Mitwirkenden vorgestellt hatte, wusste ich, woran es lag. In den Performances, auf die ich so heftig reagiert hatte, war Gavin Greenaway der musikalische Direktor. Er schuf einen luftigen Sound und gab den Harmonien Raum. Bei „The Next Level” war dies jemand anderes, ein wesentlich Jüngerer, der mehr Wert auf Elektronik legte. Der Musik fehlte die Luft zum Atmen.

Mein Sohn hörte diese Musik zum ersten Mal und war bei „The Next Level” genauso ergriffen wie ich bei „Live in Prague”.

Hans Zimmer live zu erleben, ist ein wirkliches Erlebnis, das ich jedem musikbegeisterten Menschen nur empfehlen kann. Bitte schaut euch die Konzert-DVDs erst danach an.

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