Männlichkeitswahn.
In ihrem Artikel „Gekränkte Männer“ behandelt Alice Schwarzer die tragischen Ereignisse in Stade, bei denen ein Vater während eines Sorgerechtsgesprächs sechs Menschen erschoss. Der Täter, ein 45-jähriger türkischer Staatsbürger aus Hannover, hatte eine Vorgeschichte mit Bedrohungsdelikten. Der Vorfall wird im Artikel in den Kontext einer wachsenden Gewaltbereitschaft von Männern gesetzt, die aus gekränkter Ehre oder sozialen Problemen resultiert.
Diesmal müsste es eine echte gesellschaftliche Zeitenwende sein. Ein Wertewandel zu einer anderen Zeit. Eine Zeit, in der zum Beispiel keine epidemische, allgegenwärtige Pornographie den Zusammenhang zwischen sexueller Gewalt und erotischem Begehren propagiert. Eine Zeit, in der das Demonstrieren karikaturaler „Männlichkeit“ – Muskeln, Breitbeinigkeit, Gewalt – nicht cool, sondern lächerlich ist. Eine Zeit, in der „Weiblichkeit“ nicht gleichgesetzt wird mit aufgeblasenen Gummipuppen-Lippen und gesundheitsgefährdenden, obszönen Silikonbusen. Eine Zeit, in der Mitgefühl angesagt ist und „Opfer“ kein höhnisches Schimpfwort, sondern ein Hilferuf ist.
Schwarzer argumentiert, dass diese Gewalttaten kein Einzelfall sind, sondern Teil eines größeren gesellschaftlichen Problems, das mit Männlichkeitswahn und patriarchalen Strukturen verknüpft ist. Schwarzer hebt hervor, dass Männer ihre Aggressionen oft nach außen richten, während Frauen dazu tendieren, sie gegen sich selbst zu richten. Der Artikel verweist auf mehrere ähnliche Gewalttaten in Deutschland der letzten Jahre und kritisiert die gesellschaftlichen und politischen Reaktionen darauf.
Für so eine Zeit dürfen nicht noch mehr Milliarden in die Hardware fließen, sondern müssten „Sondervermögen“ für die Software her. Der Wertewandel muss gefördert werden. Zum Beispiel durch ein Handyverbot für Kinder und rechtsstaatliche Kontrollen des Internets; durch ausreichend LehrerInnen, die sich mit den Kindern beschäftigen, statt sie nur zu verwalten; durch genug Krippen- und Kindergartenplätze sowie Ganztagsschulen; durch das Vorbild von Müttern, die selbstverständlich berufstätig sein können, ohne deswegen als „Rabenmütter“ zu gelten; durch das Vorbild von Vätern, die nicht missbrauchen, sondern bemuttern; durch humane Lebensbedingungen und Respekt für Alte; durch Eindämmung der Macht des Kapitals und mehr soziale Gerechtigkeit. Undsoweiterundsofort.
Schwarzer fordert einen grundlegenden Wertewandel in der Gesellschaft, um die Ursachen dieser Gewalt zu bekämpfen. Sie plädiert für eine Zeit, in der Mitgefühl und soziale Gerechtigkeit an erster Stelle stehen und in die entsprechend investiert wird, anstatt in Sicherheit und Überwachung. Der Artikel schließt mit der Aufforderung, in Menschen und ihre sozialen Rahmenbedingungen zu investieren, um eine nachhaltige Veränderung zu erreichen.
Statt dem (Wahl)Volk unrealistischen Unsinn vorzugaukeln, gilt es, endlich in Menschen zu investieren.
Aus „Alice Schwarzer schreibt“ „Stade: Gekränkte Männer“ vom –3. Januar 2025 / aktualisiert: 30. Juni 2026– „EMMA„.
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