„… es ist wirklich eines Kanzlers der Bundesrepublik Deutschland … wirklich unwürdig … wenn man die AfD stärken will, dann hat das Friedrich Merz gerade gestern gemacht … Also die Empörung über Herrn Merz ist da wirklich völlig berechtigt und angemessen. …“

Laut dem Soziologen Oliver Nachtwey ist die wachsende Unterstützung für die AfD auf eine tiefe Enttäuschung vieler Menschen über die liberale Demokratie sowie auf das Gefühl von sozialem und wirtschaftlichem Druck zurückzuführen. Dies betrifft insbesondere jüngere Männer mit niedrigem Bildungsniveau.

In einem Interview diskutiert der Soziologe Oliver Nachtwey die wachsende Anziehungskraft der AfD und deren Wähler:innen, die sich durch Enttäuschung über die liberale Demokratie sowie durch das Gefühl sozialen und wirtschaftlichen Drucks motiviert fühlen. Er argumentiert, dass die etablierten Parteien – insbesondere die CDU – durch ihre politischen Entscheidungen und den Umgang mit Themen wie Migration zur Stärkung der extremen Rechten beitragen. Nachtwey warnt davor, die AfD direkt zu bekämpfen, da dies deren Position nur festigen würde. Er betont die Notwendigkeit, die zugrunde liegenden sozialen Probleme anzugehen.

»Wie will die Union ihren Hauptgegner bekämpfen? Eine Frage, die sich im Übrigen beileibe nicht nur ihr, sondern auch den anderen Parteien der Mitte stellt. Einen der spannendsten Beiträge hat dazu gerade der Soziologe Oliver Nachtwey von der Uni Basel geleistet. Das neueste Buch von ihm und Carolin Amlinger heißt ‚Zerstörungslust‘. Elemente des demokratischen Faschismus und befasst sich damit, warum sich so viele Menschen im Westen zu rechten autoritären Parteien hingezogen fühlen, wozu die beiden unter anderem 140 qualitative Interviews mit Menschen aus diesem Milieu geführt haben. Jetzt ist er am Telefon. Guten Morgen, Herr Nachtwey.«, 21.10.2025, https://www.deutschlandfunk.de/afd-nebst-waehlern-mit-zerstoerungslust-interview-oliver-nachtwey-soziologe-100.html

hören:

~ Die AfD wird bei den kommenden Landtagswahlen im Osten Deutschlands zunehmend als stärkste Kraft wahrgenommen.

~ Bundeskanzler Friedrich Merz betont jedoch, dass die CDU ihre Haltung zur AfD nicht ändern wird.

~ In seinem Buch „Zerstörungslust” untersucht der Soziologe Oliver Nachtwey die Gründe für die wachsende Unterstützung rechter Parteien.

~ Viele Menschen sind von den Versprechen der liberalen Demokratie enttäuscht und sehen keine realistischen Aufstiegschancen mehr.

~ Es besteht die Wahrnehmung, dass sich die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen verschlechtert haben, was zu einem Anstieg der rechten Wählerschaft führt.

~ Besonders anfällig für rechte Ideologien sind jüngere Männer mit geringeren Bildungsabschlüssen.

~ Nachtwey beschreibt die von vielen Menschen empfundene soziale und kulturelle Unsicherheit als einen Schlüsselfaktor für ihre Wahlentscheidungen.

~ Die Politik der etablierten Parteien wird kritisiert, da sie oft als unzureichend und unglaubwürdig wahrgenommen wird.

~ Nachtwey warnt, dass das Ignorieren der Themen der AfD deren Einfluss verstärken könnte.

~ Die Diskussion über Migration wird als problematisch angesehen, wenn sie mit Vorurteilen verbunden ist, wodurch wiederum die AfD gestärkt wird.

~ Merz‘ Aussagen zur Migration könnten als Rückkehrangebot an die AfD interpretiert werden, wodurch deren Position gestärkt wird.

Bildung – Resilienz – Mut. | Citation.

[…] Bildung muss Kinder und Jugendliche widerstandsfähig machen – gegen Gehirnwäsche, Fake News und autoritäre, gewaltbereite Ideologien. Ob zu Hause, auf TikTok, in der Moschee oder im Umfeld radikaler Gruppen: Resilienz ist das Schlüsselwort. Dafür braucht es Pädagoginnen und Pädagogen, die Rechtsstaat und Freiheit entschlossen verteidigen – und Kollegien, die an einem Strang ziehen. Es braucht den Mut zu politischen Debatten in Schulen, ohne Tabus, auch bei Themen wie Nahost, Islamismus, Migration, Integration, Frauenrechte, Kinderrechte und Toleranz. […] Wer Schulen nicht schützt, lässt die Demokratie im Stich. Und die beginnt bei unseren Kindern.

~ Ahmad Mansour am 31.08.2025 in EMMA Nr. 5 (382) September/Oktober 2025 S. 39, https://www.emma.de/artikel/wie-bei-den-taliban-341931 (Bezahlschranke)

Ahmad Mansour ist der Sohn arabisch-israelischer Eltern aus einer „nicht praktizierenden” muslimischen Familie. Er studierte Psychologie in Tel Aviv und Berlin, wo er seit 2004 lebt. Er engagiert sich gegen den politischen Islam: Bis 2016 war er im Projekt „Heroes” aktiv, das sich gegen Gewalt im Namen der Ehre einsetzt. Seit 2017 ist er zudem in der von ihm gegründeten Initiative MIND für „Demokratieförderung und Extremismusprävention” aktiv.

Gegen die Verachtung der Moral.

Im Gespräch mit Anne Rabe geht es um die Bedeutung von Moral in der heutigen Gesellschaft und die Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert ist.

Im Folgenden sind die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

Definition von Moral: Moral umfasst die ethischen Normen und Werte, die das zwischenmenschliche Verhalten in einer Gesellschaft regulieren.

Verschiebung des Diskurses: Rabe kritisiert, dass moralische Grundsätze zunehmend infrage gestellt werden. Sie beobachtet eine Verschiebung nach rechts im gesellschaftlichen Diskurs, insbesondere in Bezug auf Themen wie Armut, Migration und Klimapolitik.

Rechtsextremismus und Demokratie: Der Aufstieg der extremen Rechten wird als Bedrohung für die westlichen Werte und die Demokratie angesehen. Rabe betont, dass moralische Überzeugungen für den Erhalt der Demokratie entscheidend sind.

Politische Realität vs. Moral: Rabe argumentiert, dass eine Politik, die sich nur an der Realität orientiert und moralische Überlegungen ignoriert, vision- und ideenlos ist. Sie fordert, dass moralische Prinzipien als Leitstern für konkrete politische Maßnahmen dienen sollten.

Kritik an der aktuellen politischen Lage: Rabe äußert ihre Unzufriedenheit mit der letzten Regierung und deren Unfähigkeit, die Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger zu erfüllen. Sie sieht eine wachsende Kluft zwischen den Bedürfnissen der Gesellschaft und den politischen Entscheidungen.

Moral als Statussymbol: Es wird diskutiert, dass moralische Fragen oft mehr als Statussymbol in gesellschaftlichen Diskursen behandelt werden, ohne dass sie zu konkreten Lösungen führen.

Persönliche Reflexion: Rabe beschreibt ihr Buch auch als eine Art Selbstvergewisserung, um mit der Unsicherheit und den Herausforderungen der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Situation umzugehen.

Freundschaften und Werte: Rabe thematisiert, wie unterschiedliche moralische Ansichten zu Konflikten in persönlichen Beziehungen führen können, insbesondere in Zeiten gesellschaftlicher Spannungen.

Insgesamt plädiert Rabe für ein aktives Eintreten für moralische Werte als Grundlage für eine gerechtere und demokratischere Gesellschaft.

17.08.2025, https://www.deutschlandfunk.de/ein-plaedoyer-fuer-moralisches-handeln-anne-rabe-schriftstellerin-100.html

Anne Rabe, Das M-Wort, Können wir uns eine Welt ohne Moral überhaupt leisten?, Klett-Cotta, 224 Seiten, EAN 9783608124729, 20 EUR Hardcover, 17,99 EUR eBook