Ungewollte Kinderlosigkeit. Sie brachte ein Adoptiv-Kind aus ihrer ersten Ehe mit in die zweite. Als dieses das Haus verließ war ihr Kinderwunsch immer noch vorhanden. Sie wollten ein Kind aus Afrika adoptieren. Vom ersten Antrag bis zum endgültigen Vermittlungsvorschlag vergingen vier lange, quälende Jahre. Dunkle Ränder unter seinen Augen, Nebel in seinem Kopf. Dann ging es Schlag auf Schlag. Es gab zwei Wochen Vorbereitungszeit bis zum Flug an einem Donnerstag. Formulare. Dokumente. Impfungen. Testament. Generalvollmacht. Der erste Langstreckenflug im Leben. Nachtflug. Landeanflug auf den „Johannesburg International Airport“ in die aufgehende Sonne bei strahlend blauem Himmel und Minustemperaturen – der Herbst lag in seinen letzten Zügen. Transfer nach Pretoria in den Bungalow, der für zwei Wochen Schutz bieten würde. Die Kriminalitätsrate war hoch. Im Bungalow waren Paare aus Belgien, Deutschland, den Niederlanden und Schweden. Sie alle warteten hoffnungsfroh. Freundschaften entstanden. Die kommenden drei Tage dienten der Akklimatisierung und dem Sightseeing. Es gab eine Führung durch Soweto. Sie sahen einen ausgemergelten farbigen Südafrikaner am Boden liegen. Was Hose war, was Haut – man konnte es nicht unterscheiden. Das größte Krankenhaus Afrikas. Wellblechhütten. In jeder stand ein laufender Fernseher. Am Straßenrand wurde Fleisch verkauft, das von Fliegen umschwärmt war. Eine Grill-Parade. Am Montag ging es ins Kinderheim. Es war die gefühlt längste Fahrt ihres Lebens. Die Kinder waren gut vorbereitet und freuten sich ehrlich. Das kleine, geschätzt dreijährige Waisenkind sprang gleich in seine Arme, strahlte übers ganze Gesicht und streckte die Finger einer Hand gen Himmel. „An Aeroplane to Germany!“ Er konnte seine Finger nicht von seinem Bart lassen. Es sollte der glücklichste Moment seines Lebens sein. Es war der erfolgreiche Abschluss ihres gemeinsamen Projekts. Teamarbeit. Herzblut. Danach war die Luft raus. Heute sind sie friedlich getrennt. Die beteiligten Organisationen hatten alles richtig gemacht. Sie hatten sorgfältig die passenden Eltern für die Kinder ausgewählt. Das ist keine Selbstverständlichkeit im Adoptionsgeschäft. Eine Woche des Kennenlernens. Nachmittagstee bei 22 Grad im Venning-Park. Eine entspannte Band spielte instrumental „Clair” von Gilbert O’Sullivan. Jetzt erst lösten sich seine Glückstränen. Eine Woche lang unternahmen sie beschützte Sightseeing-Touren durch die Umgebung von Pretoria und Johannesburg. Nebensächlich. Eine Woche des Unter-Beobachtung-Stehens. Am nächsten Montag war der Adoptionstermin vor einer Richterin des südafrikanischen Familiengerichts. Der Stempel unter der Urkunde besiegelte es. Donnerstag Abschied. Umarmungen. Händeschütteln. Dankbarkeit. Trennungsschmerz. Rückflug im Aeroplane to Germany.
Wie man Feindbilder züchtet.
Die Masse ist niemals kriegslüstern, solange sie nicht durch Propaganda vergiftet wird. Wir müssen sie gegen Propaganda immunisieren. Wir müssen unsere Kinder gegen Militarismus impfen, indem wir sie im Geiste des Pazifismus erziehen.
Albert Einstein, aus seinem Briefwechsel mit Sigmund Freud, der unter dem Titel „Warum Krieg?“ im Jahr 1933 veröffentlicht wurde
Dieser Brief ist Einsteins Antwort auf die Frage des Völkerbundes nach Möglichkeiten zur Verhinderung von Kriegen.
In dem Artikel »Wie man Feindbilder züchtet.« kritisiert Oskar Lafontaine die Kriegspropaganda in Europa, die seiner Meinung nach die Bevölkerung gegen Russland aufhetzt und die wirtschaftlichen Interessen des Kontinents gefährdet. Er stützt sich dabei auf ein Zitat von Albert Einstein, demzufolge die Masse nur durch Propaganda kriegslüstern werde. Lafontaine argumentiert, dass die USA ihr Ziel, Deutschland und Russland zu entzweien, um eine eurasische Machtbildung zu verhindern, durch den Ukraine-Krieg erreicht haben. Er warnt davor, dass Europa dem US-amerikanischen Anti-China-Kurs blindlings folgen könnte, was einen weiteren wirtschaftlichen Niedergang zur Folge hätte.
01.09.2025, https://www.nachdenkseiten.de/?p=138279
hören:
im Hell’n Schein der bunt’n Lampions
–02.09.2011– | track: –Du wirst mein Süden sein– | artist: –Bernd Begemann, Die Befreiung– | album: -Wilde Brombeeren-
Der Song „Du wirst mein Süden sein“ von Bernd Begemann & Die Befreiung handelt von einer Beziehung zu einer Frau, die anders ist, auffällt und nicht wirklich in die Umgebung passt. Sie verlässt schließlich den Erzähler, weil sie nicht bleiben will oder kann.
Trotzdem bleibt sie für ihn ein inneres Bild: Immer wenn er allein auf dem Balkon in den Himmel schaut, wird sie für ihn „der Süden“ sein – also eine Art Sehnsuchtsort, eine Quelle von Wärme, Lebendigkeit und Erinnerung.
Die Stimmung ist eine Mischung aus Verlust, Melancholie und Trost. Er kann nicht mit ihr gehen, aber in seiner Vorstellung bleibt sie eine besondere, fast exotische Richtung im Leben, die ihn begleitet, auch wenn sie nicht mehr da ist.
Der Tod ist ein Meister aus Niedersachsen.
„Maikäfer, flieg! Der Junge ist im Krieg, die Mutter ist in Rüstungsland, Rüstungsland ist abgebrannt„.
Der vorliegende Text kritisiert die zunehmende Fokussierung Deutschlands, insbesondere Niedersachsens, auf die Rüstungsindustrie.
»Als am Mittwoch die neue Artilleriemunitions-Produktionsline des Rheinmetall-Werks im niedersächsischen Unterlüß in Betrieb genommen wurde, war viel Prominenz angereist. Neben dem NATO-Generalsekretär Mark Rutte stellten sich auch zwei niedersächsische SPD-Granden dem Blitzlichtgewitter: Parteichef und Vizekanzler Lars Klingbeil und Verteidigungsminister Boris Pistorius. Niedersachsen steht wie wohl kaum ein anderes Bundesland für die von Olaf Scholz ausgerufene „Zeitenwende“: Das einstige „Autoland“ soll nun, da es mit den Autos nicht mehr so gut läuft, zum „Rüstungsland“ werden – wenn es das nicht ohnehin schon ist. Diese Strategie ist brandgefährlich, kann sie doch nur aufgehen, wenn Deutschland dauerhaft gigantische Mengen an Rüstungsgütern abnimmt und dabei noch gigantischere Mengen von Steuergeldern in die Rüstungsindustrie fließen. Es ist zu befürchten, dass dies das neue Standortkonzept der SPD ist. Armes Niedersachsen, armes Deutschland. Von Jens Berger.«
Der Autor beleuchtet die Eröffnung einer neuen Produktionsstätte von Rheinmetall in Unterlüß, mit der die Produktion von Artilleriegranaten massiv gesteigert werden soll. Diese Entwicklung wird als Zeichen eines problematischen Strukturwandels in der deutschen Wirtschaft gesehen. Anstatt auf zukunftsträchtige Bereiche wie erneuerbare Energien oder KI zu setzen, wird die Rüstungsindustrie zum neuen Rückgrat der Wirtschaft – ähnlich wie in wilhelminischer und nationalsozialistischer Zeit.
Der Text beschreibt Niedersachsen als Zentrum dieses Wandels, in dem ein ganzes Ökosystem von Rüstungszulieferern entsteht. Unternehmen wie das VW-Werk in Osnabrück, die Meyer-Werft in Papenburg und die Salzgitter AG, die bisher Autos, Kreuzfahrtschiffe und Stahl produzierten, suchen nun ihr Heil in der Rüstungsproduktion. Der Autor stellt die Rolle von Rüstungsunternehmen wie Rheinmetall als „Retter” angeschlagener Regionen infrage. Er argumentiert, dass die Gewinne vor allem bei internationalen Investoren landen, während für die Regionen nur wenige Arbeitsplätze übrig bleiben.
Besonders kritisch beleuchtet er die Rolle von Politik und Medien. Der Autor wirft ihnen vor, die Aufrüstung als alternativlos darzustellen und eine kritische Berichterstattung zu vernachlässigen. Er erwähnt, dass die SPD in Niedersachsen historisch eng mit der Rüstungsindustrie verbunden ist und führende Politiker wie Lars Klingbeil und Boris Pistorius diesen Kurs aktiv vorantreiben.
Abschließend stellt der Autor die Frage nach der langfristigen Sinnhaftigkeit dieser Entwicklung. Er weist darauf hin, dass die Nachfrage nach Rüstungsgütern politisch reguliert ist. Wenn keine Kriege geführt werden, müssten die neuen Produktionsstätten wieder geschlossen werden, was wirtschaftlich verheerend wäre. Dies führe entweder in eine Sackgasse oder in den Krieg, um die Produktion aufrechtzuerhalten.
29.08.2025, https://www.nachdenkseiten.de/?p=138128
hören:
„eine herzwärmende Heimat.“ [1]
Zuhause (Deutsch), Substantiv, n, kein Plural, [=] die Räumlichkeiten, in denen man wohnt (lt. Wiktionary)
Ich träume davon, in einem Zirkuswagen oder Ähnlichem zu leben, umgeben von Bäumen und Naturwiesen, in Meeres- oder Bergnähe.
Die Ausstattung sollte zweckmäßig und ausreichend sein, ohne das Maß des Notwendigen zu überschreiten oder steril zu wirken.
Diese Prämisse schließt die Errungenschaften moderner Technik und Kommunikationsmittel nicht aus.
In diesem Zuhause hätte ich einen Ohrensessel mit Hocker, in dem ich bequem säße, um zu lesen, Musik zu hören oder der Stille zu lauschen, sowie einen Schreibtisch, um zu schreiben.
Ein Zirkuswagen würde auch meinen Wunsch nach einer Wohnküche erfüllen.
Ein Schlafplatz mit Blick in den Himmel wäre auch wunderschön.
Zu meinem idealen Zuhause gehörten ein Lieblingsmensch (gerne mit eigenem Zirkuswagen, denn Nähe soll nicht zu Enge werden) sowie Hund und Katze.
Es soll uns beschützen und uns ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit geben.
Es wird Zeit, mein Provisorium zu verlassen.
[1]: Stefanie Stahl, Das Kind in dir muss Heimat finden – Der Schlüssel zur Lösung (fast) aller Probleme, 2015 Kailash Verlag, München, ISBN 978-3-641-16439-3
Ein Leben ohne Gefühle ist möglich, aber sinnlos.
Nur durch Gefühle, in affektiver Betroffenheit, erfahren wir uns selbst; nur durch Gefühle leben wir in der Welt, in der Personen und Dinge von Bedeutung sind, in der wir spüren, was es wert ist, uns zu engagieren. Ohne Gefühle wäre die Welt ein Ort ohne Sinn, Wert oder Bedeutsamkeit.
Thomas Fuchs, Psychiater und Philosoph, Verkörperte Gefühle – Zur Phänomenologie von Affektivität und Interaffektivität. Suhrkamp 2024, 412 S., 26 EUR
Anders formuliert:
Wir lernen uns selbst nur kennen, wenn wir uns emotional berührt fühlen. Wir leben nur, wenn wir Gefühle haben. Wir spüren, was es wert ist, uns zu engagieren, und was in der Welt wirklich wichtig ist. Ohne Gefühle wäre die Welt ein Ort ohne Sinn, Wert oder Bedeutsamkeit.
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