📅❓ Zwischen Reiz und Reaktion.

Es gibt viele Zitate, die meine Lebenseinstellung und Sicht auf das Leben am besten beschreiben, aber nicht nur das eine. Für heute entscheide ich mich für dieses:

Der Mensch kann tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will.

(Arthur Schopenhauer, 1839, Preisschrift über die Freiheit des menschlichen Willens)

Dieses Zitat könnte auch eine Antwort auf die tägliche Schreibanregung Nr. 2838 vom 30.07.2026 sein.

Populär wurde es durch Albert Einstein, der es 1932 in seinem Essay „Mein Glaubensbekenntnis” zitierte. Damit brachte Einstein zum Ausdruck, dass er die menschliche Willensfreiheit skeptisch sah und eher einer deterministischen Sichtweise zuneigte.

Schopenhauer unterschied zwischen zwei Freiheitsarten:

Die Handlungsfreiheit ermöglicht es mir, zu tun, was ich will, solange mich niemand daran hindert.

Die Willensfreiheit, ob ich überhaupt etwas wollen kann, liegt jedoch nicht in meiner freien Entscheidung.

Schopenhauer argumentierte, dass unsere Wünsche, Triebe und Motive nicht frei wählbar sind, sondern unserem angeborenen, unveränderlichen Charakter sowie den äußeren Umständen entspringen, die auf uns einwirken.

Wir können den Impulsen unseres Willens zwar folgen (also handeln), aber wir können nicht frei entscheiden, welche Impulse und Wünsche überhaupt in uns aufsteigen. Der Wille selbst ist durch unsere Natur und unsere Erfahrungen festgelegt und somit nicht frei.

Schopenhauer gab ein Beispiel, das ich hier sinngemäß wiedergebe:

Ich kann mein gesamtes Vermögen den Armen schenken – wenn ich es will. Ob ich diesen Willen habe, hängt jedoch von meinem Charakter und den auf mich wirkenden Motiven ab. Wäre ich von anderem Charakter, würde ich anders wollen – doch gerade diesen Charakter habe ich mir nicht selbst ausgesucht.

Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.

Dieses Zitat wird Viktor Frankl zugeordnet, stammt aber vermutlich nicht wörtlich von ihm, sondern stellt eine Zusammenfassung seines Denkens durch jemand anderen dar.

Wenn wir üben, nicht unmittelbar auf einen Reiz zu reagieren, sondern kurz innezuhalten, eröffnet sich die Möglichkeit, zwischen mehreren Reaktionen auf den Reiz zu wählen und somit eine charakterlich begrenzte Willensfreiheit herzustellen.

Tägliche Schreibanregung
Welches Zitat beschreibt deine Sicht aufs Leben perfekt?

What’s a quote that perfectly describes your outlook on life?  |  Welches Zitat beschreibt deine Lebenseinstellung am besten?

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»Diese Hoffnung aber ist eine Illusion.« | Zitat

» […] Die Menschen stellen sich kaum vor, dass die Gefahr ihnen selbst, ihren Kindern und Großkindern und nicht bloß einer dunkel empfundenen Menschheit droht. Sie können es kaum begreifen, dass sie, jeder einzelne und all jene, die sie lieben, in der ungeheuren Gefahr schweben, auf qualvolle Weise umzukommen. Und so wiegen sie sich in der Hoffnung, dass es vielleicht doch zulässig sei, mit Kriegen fortzufahren, wenn die modernen Waffen verboten werden würden. Diese Hoffnung aber ist eine Illusion. […] «

~ Albert Einstein, Bertrand Russell, Linus Pauling, Max Born, Percy Williams Bridgman, Leopold Infeld, Frédéric Joliot-Curie, Hermann Joseph Muller, Cecil Powell, Józef Rotblat, Hideki Yukawa; Russell-Einstein-Manifest, 09.07.1955, https://www.atomwaffena-z.info/fileadmin/user_upload/pdf/russell_einstein_manif.pdf

https://de.wikipedia.org/wiki/Russell-Einstein-Manifest

Der Mensch ist ein Teil des Ganzen.

Der Mensch ist ein Teil des Ganzen, das wir Universum nennen – ein in Raum und Zeit begrenzter Teil. Wir erfahren uns, unsere Gedanken und Gefühle als etwas vom Rest Getrenntes – eine Art optischer Täuschung des Bewusstseins.

~ Albert Einstein an Robert S. Marus, 12.02.1950

Es handelt sich um eine Aussage aus einem Brief, den Einstein an Robert S. Marcus, den Direktor der „Freunde der Hebräischen Universität Jerusalem”, schrieb.

In dem Brief vom 12. Februar 1950 verwendete Einstein diese Worte, um seine philosophische Weltsicht auszudrücken. Er beschrieb das Gefühl der Trennung des Individuums als eine „optische Täuschung” des Bewusstseins und betonte, dass der Mensch aus dieser Illusion ausbrechen müsse, indem er sein Mitgefühl auf alle Lebewesen und die gesamte Natur ausweite.

Wie man Feindbilder züchtet.

Die Masse ist niemals kriegslüstern, solange sie nicht durch Propaganda vergiftet wird. Wir müssen sie gegen Propaganda immunisieren. Wir müssen unsere Kinder gegen Militarismus impfen, indem wir sie im Geiste des Pazifismus erziehen.

Albert Einstein, aus seinem Briefwechsel mit Sigmund Freud, der unter dem Titel „Warum Krieg?“ im Jahr 1933 veröffentlicht wurde

Dieser Brief ist Einsteins Antwort auf die Frage des Völkerbundes nach Möglichkeiten zur Verhinderung von Kriegen.

In dem Artikel »Wie man Feindbilder züchtet.« kritisiert Oskar Lafontaine die Kriegspropaganda in Europa, die seiner Meinung nach die Bevölkerung gegen Russland aufhetzt und die wirtschaftlichen Interessen des Kontinents gefährdet. Er stützt sich dabei auf ein Zitat von Albert Einstein, demzufolge die Masse nur durch Propaganda kriegslüstern werde. Lafontaine argumentiert, dass die USA ihr Ziel, Deutschland und Russland zu entzweien, um eine eurasische Machtbildung zu verhindern, durch den Ukraine-Krieg erreicht haben. Er warnt davor, dass Europa dem US-amerikanischen Anti-China-Kurs blindlings folgen könnte, was einen weiteren wirtschaftlichen Niedergang zur Folge hätte.

01.09.2025, https://www.nachdenkseiten.de/?p=138279
hören:

Hannah Arendt would not qualify for the Hannah Arendt prize in Germany today

Hannah Arendt würde heute in Deutschland nicht für den nach ihr benannten Preis infrage kommen. |

Hannah Arendt would not qualify for the Hannah Arendt prize in Germany today

[-Samantha Hill, Arendt-Biografin, 18.12.2024, Guardian] | »Hill begründet das so:

Sie würde heute in Deutschland gecancelt werden wegen ihrer politischen Position in Bezug auf Israel und ihren Ansichten zum zeitgenössischen Zionismus, gegenüber dem sie von 1942 bis zu ihrem Tod 1975 kritisch blieb.

Hill zitiert aus einem Brief, den Arendt 1955 in Jerusalem an ihren Mann Heinrich Blücher schrieb:

„… sie behandeln die Araber, jene, die noch hier sind, auf eine Weise, dass schon dies Grund genug wäre, die ganze Welt gegen Israel aufzubringen“.

Die jüdisch-kanadische Journalistin Naomi Klein, von der taz und anderen auch schon als „antisemitisch“ bezeichnet, sagt einem Interview mit der Frankfurter Rundschau (5. Januar 2024):

Für Hannah Arendt war es in den 1950er-Jahren normal zu sagen, dass israelische Politiker sich wie Faschisten verhalten. Wenn Masha Gessen 2023 etwas Ähnliches sagt, heben Leute den Zeigefinger und sagen: ‚Wie können Sie es wagen?‘“

Schon im Dezember 1948 hat Hannah Arendt zusammen mit Albert Einstein und anderen einen Leserbrief an die New York Times geschrieben, der scharf gegen den Besuch des späteren israelischen Ministerpräsidenten Menachem Begin protestiert. Begin, vorher Mitglied der terroristischen Untergrundorganisation Irgun, war damals Führer der neuen „Cherut“-Partei. Er gründete dann 1973 die Likud-Partei, der auch Benjamin Netanjahu angehört. Und Begin war mitverantwortlich für das Massaker von Deir Yasin im April 1948, einem palästinensischen Dorf, dessen Bewohner sich aus dem Palästinakrieg heraushalten wollten, von der Irgun jedoch gnadenlos niedergemetzelt wurden.

Die Terroristen, weit entfernt davon, sich ihrer Taten zu schämen, waren stolz auf das Massaker“, schreiben Arendt, Einstein und Co. in ihrem Brief und fahren fort: Sie „machten es weithin bekannt und luden sämtliche Auslandskorrespondenten im Land ein, die Leichenberge und die allgemeine Zerstörung in Deir Yasin in Augenschein zu nehmen“. Begins Partei, so zieht der Brief ein Fazit, trage den Stempel einer „Faschistischen Partei“, ihr Ziel sei ein „Führerstaat“. Begin hat das Massaker immer für notwendig erklärt. Mut sei die politische Tugend par excellence, habe Hannah Arendt geschrieben, so Samantha Hill, „weil er verlangt, seinen Ruf und sein Leben zu riskieren, um eine politische Meinung zu äußern“«


22.08.2025, https://www.nachdenkseiten.de/?p=137786
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