📅❓ lakonisch

Es gibt viele seltsame Filme. Ich habe schon viele davon gesehen. Ich liebe seltsame Filme. Mit seltsamen Menschen.

Eigentlich wollte ich von einem finnischen Film erzählen, in dem ein pubertierendes Mädchen ein Ei unter ihrem Bett versteckt, aus dem bald darauf ein riesiges Vogeltier schlüpft, das das Leben um das Mädchen herum nachhaltig verändert (Hatching von Hanna Bergholm, 2022).

Wenn man die Filme des finnischen Filmemachers Aki Kaurismäki kennt, in denen jede Stadt wie Helsinki aussieht, wie er sie „ausmalt“ – grau und trist –, ist man allein von der Farbgebung dieses Films überwältigt: grell, bunt, bonbonfarben. Tatsächlich leben Finnen auch in Einfamilienhäusern mit schönen Gärten! Die Familie des Mädchens lebt in einem Einfamilienhaus, das einer Wohnzeitschrift entsprungen sein könnte, und bildet einen starken Kontrast zu dem, was die Handlung bieten wird.

Doch stattdessen erzähle ich von Aki Kaurismäkis Filmen. Gefühlt habe ich alle seine Filme gesehen. Fast jeder Film ist für mich ein kleines Meisterwerk. Es sind Filme in seltsamen Umgebungen mit seltsamen Menschen, die seltsam wenig sprechen, in seltsamen Geschichten.

Sie feiern die Lakonie und den Minimalismus. Die Protagonisten sind die Verlierer und Underdogs der Gegenwart. Sie agieren solidarisch miteinander. Aki Kaurismäki ist ein Meister der Melancholie, der seine Figuren meist unerwartet hoffen und Wärme spüren lässt. Er ist ein Meister des schwarzen und absurden Humors sowie der bissigen Ironie.

Seine Protagonisten sind widerständig und finden meist Zuflucht.

In „I hired a contract killer“ (1991) beauftragt ein Mann, der aus dem Leben scheiden will, anonym einen Auftragskiller, ihn umzubringen. Zwischen Auftrag und Vollendung schöpft der Protagonist neuen Lebensmut und versucht verzweifelt, den von ihm Beauftragten von dem Mordauftrag abzubringen.

Sein letzter Film „Fallende Blätter” aus dem Jahr 2023 wäre ein guter Einstieg in die Welt von Aki Kaurismäki. Er stellt eine Essenz seines Filmschaffens dar.


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🎬 Der Meister der Lakonie – Aki Kaurismäkis „Fallende Blätter“

Die Kritiken sind sich einig: Der Film ist ein spätes Meisterwerk und ein „Glücksfall“ für das Kino, besonders weil der finnische Regisseur sein bereits verkündetes Karriereende dafür unterbrochen hat.

Im Zentrum steht die tragikomische Liebesgeschichte zwischen der Supermarktkassiererin Ansa (Alma Pöysti) und dem Bauarbeiter Holappa (Jussi Vatanen). Beide leben am Rande der Gesellschaft, geprägt von prekären Arbeitsverhältnissen (Null-Stunden-Jobs, Entlassungen) und Einsamkeit. Holappas Alkoholismus, verloren gegangene Telefonnummern und ein folgenschwerer Unfall erschweren das Zueinanderfinden. Ein Helsinki, das wie aus der Zeit gefallen wirkt – voller Karaoke-Bars, karger Wohnungen und industrieller Tristesse.

Alle Kritiker betonen, dass Kaurismäki sich treu bleibt. Der Film fühlt sich an wie eine „Compilation“ seiner bisherigen Werke: Zeitloses Retro-Design (Röhrenradios, Festnetztelefone mit Schnur) trifft auf lakonische, knappe Dialoge. Die markante Bildgestaltung von Timo Salminen setzt auf starke Farben (Blau, Rot, Gelb) und ein meisterhaftes Spiel mit Licht und Schatten. Trocken, melancholisch, aber niemals zynisch. Der Regisseur beweist erneut seinen Ruf als großer „Kino-Humanist“.

Obwohl der Film visuell in den 80ern festzustecken scheint, verankert Kaurismäki ihn subtil in der Gegenwart: In Transistorradios laufen ständig Nachrichten über den Krieg in der Ukraine, was einen harten Kontrast zur privaten Liebesgeschichte bildet. Es gibt augenzwinkernde Verweise auf Filmkollegen wie Jim Jarmusch sowie einen modernen Auftritt des Elektropop-Duos „Maustetytöt“.

Der Film wird als herzerwärmend und brillant beschrieben. Besonders hervorgehoben wird: Ansa ist der ruhende, starke Pol der Geschichte, während die Männerfigur (Holappa) sein Konzept von Härte überdenken muss. Trotz der bekannten Motive wirkt der Film frisch und originell. Er wird als würdiger vierter Teil seiner „Proletarischen Trilogie“ (aus den 80er-Jahren) wahrgenommen. „Ein Rücktritt vom Rücktritt als absoluter Glücksfall: Kaurismäki liefert genau das, was man erwartet – und das in zutiefst berührender Brillanz.“

Film im neuen Tab sehen: https://arteptweb-a.akamaihd.net/am/ptweb/111000/111000/111014-000-A_SQ_0_VA-STA_10875723_MP4-2200_AMM-PTWEB-101162100705118_2nSM0F5uUU.mp4

Der 77-minütige Film ist noch bis 26.03.2026 in der ARTE-Mediathek zu sehen: https://www.arte.tv/de/videos/111014-000-A/fallende-blaetter/

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