🎬 Der Meister der Lakonie – Aki KaurismĂ€kis „Fallende BlĂ€tter“

Die Kritiken sind sich einig: Der Film ist ein spĂ€tes Meisterwerk und ein „GlĂŒcksfall“ fĂŒr das Kino, besonders weil der finnische Regisseur sein bereits verkĂŒndetes Karriereende dafĂŒr unterbrochen hat.

Im Zentrum steht die tragikomische Liebesgeschichte zwischen der Supermarktkassiererin Ansa (Alma Pöysti) und dem Bauarbeiter Holappa (Jussi Vatanen). Beide leben am Rande der Gesellschaft, geprĂ€gt von prekĂ€ren ArbeitsverhĂ€ltnissen (Null-Stunden-Jobs, Entlassungen) und Einsamkeit. Holappas Alkoholismus, verloren gegangene Telefonnummern und ein folgenschwerer Unfall erschweren das Zueinanderfinden. Ein Helsinki, das wie aus der Zeit gefallen wirkt – voller Karaoke-Bars, karger Wohnungen und industrieller Tristesse.

Alle Kritiker betonen, dass KaurismĂ€ki sich treu bleibt. Der Film fĂŒhlt sich an wie eine „Compilation“ seiner bisherigen Werke: Zeitloses Retro-Design (Röhrenradios, Festnetztelefone mit Schnur) trifft auf lakonische, knappe Dialoge. Die markante Bildgestaltung von Timo Salminen setzt auf starke Farben (Blau, Rot, Gelb) und ein meisterhaftes Spiel mit Licht und Schatten. Trocken, melancholisch, aber niemals zynisch. Der Regisseur beweist erneut seinen Ruf als großer „Kino-Humanist“.

Obwohl der Film visuell in den 80ern festzustecken scheint, verankert KaurismĂ€ki ihn subtil in der Gegenwart: In Transistorradios laufen stĂ€ndig Nachrichten ĂŒber den Krieg in der Ukraine, was einen harten Kontrast zur privaten Liebesgeschichte bildet. Es gibt augenzwinkernde Verweise auf Filmkollegen wie Jim Jarmusch sowie einen modernen Auftritt des Elektropop-Duos „Maustetytöt“.

Der Film wird als herzerwĂ€rmend und brillant beschrieben. Besonders hervorgehoben wird: Ansa ist der ruhende, starke Pol der Geschichte, wĂ€hrend die MĂ€nnerfigur (Holappa) sein Konzept von HĂ€rte ĂŒberdenken muss. Trotz der bekannten Motive wirkt der Film frisch und originell. Er wird als wĂŒrdiger vierter Teil seiner „Proletarischen Trilogie“ (aus den 80er-Jahren) wahrgenommen. „Ein RĂŒcktritt vom RĂŒcktritt als absoluter GlĂŒcksfall: KaurismĂ€ki liefert genau das, was man erwartet – und das in zutiefst berĂŒhrender Brillanz.“

Film im neuen Tab sehen: https://arteptweb-a.akamaihd.net/am/ptweb/111000/111000/111014-000-A_SQ_0_VA-STA_10875723_MP4-2200_AMM-PTWEB-101162100705118_2nSM0F5uUU.mp4

Der 77-minĂŒtige Film ist noch bis 26.03.2026 in der ARTE-Mediathek zu sehen: https://www.arte.tv/de/videos/111014-000-A/fallende-blaetter/

„CC BY-NC-SA“-Lizenz öffnet sich in einem neuen Tab: https://rueckzuginsprivate.de/cc-lizenzierung-cc-by-nc-sa/

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Autor: Bernd @rueckzuginsprivate.de

» ... Ist es möglich; daß man trotz Erfindungen und Fortschritten, trotz Kultur, Religion und Weltweisheit an der OberflĂ€che des Lebens geblieben ist? Ist es möglich, daß man sogar diese OberflĂ€che, die doch immerhin etwas gewesen wĂ€re, mit einem unglaublich langweiligen Stoff ĂŒberzogen hat, so daß sie aussieht wie die Salonmöbel in den Sommerferien? Ja, es ist möglich. ... « – Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, 1910 ====================